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Packender WM-Fight: Deutschland kassiert gegen Norwegen die erste Turnier-Niederlage

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Packender WM-Fight: Deutschland kassiert gegen Norwegen die erste Turnier-Niederlage

Norwegen hat den Siegeszug der deutschen Mannschaft bei der Handball-WM in Polen und Schweden gestoppt und trifft nach dem 28:26 (18:16)-Erfolg im Viertelfinale des Turniers am Mittwoch auf Spanien, während es das DHB-Team mit Frankreich zu tun bekommt. Vor 4100 Zuschauern in Kattowitz lieferten sich beide Mannschaften eine intensive Partie, in der die favorisierten Norweger dank ihres überragenden Torhüters Bergerud am Ende die Nase vorn hatten. Auch die Kieler spielten auf beiden Seiten eine wichtige Rolle: Rune Dahmke spielte auf Linksaußen durch und erzielte vier Treffer, Sander Sagosen traf in 36 Minuten Spielzeit dreimal und bereitete vier Treffer vor, Harald Reinkind verbuchte in 31 Minuten drei Treffer und zwei Assists, und Petter Överby war in 32 Minuten Spielzeit zweimal erfolgreich.

Dahmke in der Startformation

Bundestrainer Alfred Gislason schickte gegen Norwegen eine leicht veränderte Startformation ins Rennen, unter anderem begann Rune Dahmke für den leicht angeschlagenen Lukas Mertens. Und der Kieler Linksaußen setzte mit dem 1:1 gleich das erste Ausrufezeichen. Doch die Vorteile lagen zunächst bei den Norwegern, weil
Saeveraas im Tor sich gleich gut einführte und vorn die beiden Kieler Sander Sagosen und Petter Överby zum 4:1 trafen. Nach Norwegens 7:4 brachte Gislason Andreas Wolff für den glücklosen Joel Birlehm - und das Ex-Zebra kam gleich mit einer Parade gut in die Partie und ermöglichte Patrick Groetzkis 400. Länderspiel-Tor zum 6:7-Anschluss, den Harald Reinkind aber postwendend konterte. Dahmke traf nach 13. Minuten bereits zum zweiten Mal, doch die Skandinavier blieben auch dank der famosen Sagosen-Anspiele und der Saeveraas-Paraden vorn. Mit einer Siebenmeter-Parade hielt Wolff das DHB-Team beim Stand von 9:11 in Schlagdistanz, während vorn vor allen Dingen Juri Knorr beeindruckte: Beim 12:13 (21.) erzielte er bereits seinen siebten Treffer. 

Norwegen liegt zur Pause vorn

Im Gegenzug stellte Överby allerdings direkt den alten Abstand wieder her, und nach dem 15:12 nahm Gislason die Auszeit: Dahmke schnappte sich den Ball und traf ins aufgrund des siebten Feldspielers verwaiste norwegische Tor zum 14:15. Das DHB-Team war wieder dran. Als Wolff dann einen Strafwurf von Sagosen entschärfte, erzielte Dahmke kurz darauf per Gegenstoß den Ausgleich. Dann verhexte der Wolff mit einer Doppelparade die Norweger erneut. Doch weil Knorrs Wurf kurz vor dem Wechsel am Pfosten landete, konnte Björnsen in der temporeichen Partie mit der Sirene doch noch das 18:16 für Norwegen erzielen. Zum ersten Mal bei der Handball-WM ging die deutsche Mannschaft also mit einem Rückstand in die Pause.

Bergerud nervt deutschen Angriff

Sagosen eröffnete mit dem 19:16 den zweiten Durchgang, Reinkind hielt mit dem 20:17 die Drei-Tore-Führung des Turnier-Mitfavoriten aus dem Norden. Als Deutschland wieder auf Kurs Ausgleich war, stellte sich ihnen der nach dem Wechsel gekommene Torhüter Bergerud mit einer Doppelparade entgegen, doch auch der mit Sprechchören gefeierte Andi Wolff zeigte wiederholt sein Können: Witzke markierte nach zuvor drei erfolglosen deutschen Versuchen den 20:20-Ausgleich, ehe das irre Torwart-Duell mit Bergeruds Paraden gegen Dahmke und zweimal M’Bengue in die nächsten Runden ging. Eine packende Partie, in der Norwegen so aber weiterhin am Drücker blieb.

Fünf torlose Minuten gegen Ende kosten den Sieg

Den erneuten Zwei-Tore-Rückstand egalisierte M‘Bengue in der 51. Minute - Start in eine intensive Schlussphase, in der Kohlbacher Deutschland beim 25:24 erstmals in Führung brachte. Sögard verzog, doch vorn unterliefen Knorr jetzt zwei technische Fehler, auch wenn das Stürmerfoul des Mittelmanns zumindest strittig war. Doch diese beiden Ballgewinne und eine Überzahlsituation nach Witzkes roter Karte nutzten die Norweger eiskalt: Röd erhöhte auf 27:25 (56.), ehe Bergerud mit den Paraden zehn, elf und zwölf in Durchgang zwei den Deckel auf den norwegischen Sieg schraubte. "Riesen-Kompliment an meine Mannschaft für eine sehr gute Leistung", sagte Gislason nach der Begegnung. "Es ist wirklich schade, wie wir in der zweiten Halbzeit mit unseren klaren Chancen umgegangen sind. Wir hätten mit einer besseren Quote von der Sechsmeter-Linie mit einem Sieg aus der Partie gegen können, da werfen wir gegen starken Bergerud den Erfolg weg." 

Viertelfinale am Mittwoch gegen Frankreich

Er hätte, gestand der Bundestrainer, im Viertelfinale gerne Spanien als Gegner gehabt, am Mittwoch bekommen es nun die Norweger mit Iberern zu tun, während Deutschland auf Frankreich trifft. "Wir haben zuletzt gegen die spanische offensive Abwehr sehr gut ausgesehen. Deshalb war mir ein Sieg heute so wichtig, jetzt geht es eben gegen Frankreich." Den Blick nach vorn richtete schnell auch Rune Dahmke: "Die Niederlage müssen wir schnell abhaken, jetzt kommt die schwierigste Aufgabe des bisherigen WM-Turniers: Wir haben gegen Frankreich die Riesen-Möglichkeit, Deutschland würdig zu vertreten. Wir müssen alles in die Waagschale werfen, dann haben wir eine echte Chance." 

Handball-WM, 3. Hauptrunden-Spieltag: Deutschland - Norwegen 26:28 (16:18)

Deutschland: Wolff (10/2 Paraden), Birlehm (keine Parade); Golla (3), Knorr (8/1), Köster (1), M'Bengue (1), Weber, Groetzki (2), Häfner (1), Dahmke (4), Mertens (n.e.), Ernst (n.e.), Steinert (1), Kohlbacher (3), Witzke (1); Trainer: Gislason
Norwegen: Saeveraas (5 Paraden), Bergerud (12 Paraden); Aga Eck, Sagosen (3), Barthold (2/1), Overjördet (3), Överby (2), Toft, Björnsen (3), Gullerud (2), Sögard (5), O'Sullivan (3), Reinkind (3), Gulliksen (1), Röd (1)

Schiedsrichter: Gubica / Milosevic (Kroatien)
Strafzeiten: Deutschland 1 / Norwegen 4
Disqualifikation: Witzke (Deutschland, grobes Foulspiel)
Siebenmeter: Deutschland 1/1 / Norwegen 3/1 (Wolff hält Barthold und Sagosen) 
Zuschauer: 4100 (Spodek, Katowice (POL))