
Zebras ganz souverän: THW Kiel holt klaren Start-Ziel-Sieg beim Bergischen HC
Die Zebras sind erfolgreich aus den Nationalmannschafts-Wochen gekommen und haben am Sonntagnachmittag viel Selbstbewusstsein für die nun anstehenden Winamax EHF Finals getankt: Vor mehr als 7500 Zuschauern im Düsseldorfer PSD Bank Dome besiegten die Zebras den Bergischen HC klar mit 32:23. Bereits zur Pause hatte der THW Kiel die Weichen auf Start-Ziel-Sieg gestellt. Mit einer zupackenden Abwehr, einem starken Andreas Wolff und einer kollektiv-konzentrierten Leistung hatten die Kieler ein 15:7 mit in die Halbzeit genommen und damit die robust spielenden Gastgeber auf Distanz gehalten. Bei diesen kassierte Johannes Wasielewski nach einem Faustschlag auf die Brust von Lukas Laube die Blaue Karte - sechs Minuten vor dem Ende war die Partie da allerdings schon längst entschieden. Bester Torschütze auf Kieler Seite war Eric Johansson mit sieben Toren.
Eric Johansson bester Torschütze der Kieler
"Wir nehmen diese positiven Erfahrungen mit zum Final Four", freute sich Kiels bester Torschütze Eric Johansson, "in Abwehr und Angriff haben wir gut gespielt, hinter unserer guten Deckung stand mit Andy Wolff zudem ein guter Rückhalt im Tor." Der Kieler Torhüter hielt insgesamt 12 gegnerische Bälle auf, zeichnete sich zudem in der 47. Minute als Torschütze mit dem Treffer zum 24:16 ins leere BHC-Tor aus. Eric Johansson traf insgesamt siebenmal ins Tor der Bergischen, für die Kreisläufer Aron Seesing mit fünf Treffern am erfolgreichsten war. Der überharte Auftritt des BCH beim Hinspiel in Kiel hatte sich in die Köpfe der Zebras eingebrannt, vor allem die bösen Fouls gegen á Skipagötu blieben in Erinnerung. Das hatte auch Trainer Filip Jicha nach dem 43:35-Sieg vor eigenem Publikum auf die Palme gebracht. Man freue sich heute schon auf das Spiel bei den Bergischen, kündigte der Kieler Trainer bei der Pressekonferenz im November und auch im Vorfeld der Partie in Düsseldorf an. Entsprechend konzentriert und zupackend in der Abwehr starteten die Kieler. THW-Trainer Filip Jicha vertraute im Rückraum auf Nikola Bilyk, Johansson und Harald Reinkind: Das Trio spielte die ersten 30 Minuten komplett durch, die Fäden hielt vor allem Johansson in Händen.
Zebras überzeugen mit starker Abwehr
So legten die Zebras durch Johanssons Kracher zur Führung einen Glanzstart hin und dämpften die anfängliche Hochstimmung bei Rekordbesuch in der Arena von Düsseldorf mit einem beeindruckenden 5:0-Lauf zum 6:1 bis zur 9. Minute. Reinkind tankte sich zweimal energisch durch die BHC-Abwehr, der ebenfalls spielfreudige und abschlussstarke Bilyk schweißte die Kugel unter die Latte, und Rechtsaußen Lukas Zerbe war per Siebenmeter und Tempogegenstoß erfolgreich. Ein Start nach Maß für die Kieler, die vor allem mit starker Abwehrarbeit überzeugten. Der Mittelblock mit Hendrik Pekeler und Veron Nacinovic war das Prunkstück der Defensive, in der auch Kapitän Domagoj Duvnjak als "Störenfried" der heimischen Angriffsbemühungen immer für Unruhe sorgte. So taten sich die Gastgeber extrem schwer, waren vor allem durch verwandelte Strafwürfe von Noah Beyer erfolgreich. Nach 15 Minuten hatte Kiels Abwehrbollwerk gerade einmal vier Tore zugelassen, die Zebras überzeugten zudem durch großartiges Rückzugsverhalten. Zerbe, Johansson oder auch Reinkind waren auf schnellen Beinen unterwegs, ließen BHC-Tempogegenstöße so gut wie gar nicht zu.
Acht-Tore-Führung zur Pause
Und als letzte Instanz glänzte einmal mehr Torhüter Andi Wolff, der den BHC-Angreifern Steinhaus, Barbaskas und Morante Maldonado bei besten Einwurfchancen im Weg stand, nach 20 Minuten seine sechste Eins-gegen-Eins-Parade verzeichnete. Technische Fehler und Leichtfertigkeiten verhinderten zunächst aber eine klarere THW-Führung, nach 19 Minuten waren die Gastgeber auf 6:9 herangerückt. Die Kieler reagierten darauf ebenfalls souverän: Zerbe traf per Doppelschlag, setzte einen Kracher in den linken oberen Torwinkel und war mit einem eiskalt verwandeltem Strafwurf erfolgreich. Der Kieler Rechtsaußen läutete damit sehr einseitige sechs Schlussminuten der ersten Halbzeit ein, in denen die Zebras einen 4:0-Lauf zelebrierten und eine komfortable 15:7-Führung mit in die Halbzeitpause nahmen. Bilyk stieg im Rückraum hoch, wuchtete zum 12:7 ein, Zerbe traf von Rechtsaußen, und schließlich unterstrich Eric Johansson seine großartige Leistung mit zwei Treffern kurz vor dem Pausenpfiff.
Zebras bleiben souverän
Die Zebras verabschiedeten sich also mit einem beruhigenden Acht-Tore-Polster in die Kabinen. Aus denen kehrten dann zunächst die Gastgeber erfolgreicher zurück, robbten sich mit einem schnellen 3:0-Lauf auf 10:15 heran, brachten wieder Leben in die Heimarena. Die Kieler Antwort? Ließ nicht lange auf sich warten. Großartig von Harald Reinkind bedient traf Veron Nacinovic, dann war Reinkind selbst zur Stelle, bevor Nacinovic zum 18:10 vom Kreis einnetzte, den THW-3:0-Lauf perfekt machte. 19:13 hieß es nach dem dritten Treffer von Nacinovic in der 40. Minute, die Gastgeber waren im Angriff jetzt vor allem über den Kreis und Tore von Seesing sowie Kooij erfolgreich, brachten die Zebras aber nicht mehr ernsthaft in Bedrängnis. Jetzt patzte der sonst so sichere Siebenmeterschütze, Beyer, auch von der Strafwurflinie, scheiterte einmal an der Latte, ein weiteres Mal an THW-Torhüter Gonzalo Perez de Vargas. Und mit einem weiteren Zwischenspurt enteilten die in allen Belangen überlegenen Zebras nach 47 Minuten und Nikola Bilyks Treffer auf 25:16, legten erstmals in dieser Partie neun Tore zwischen sich und den BHC.
"Klarer Schritt nach vorn"
Das BHC-Trainer-Duo Gunnarsson/Pütz suchte seine Heil in Auszeiten, der THW aber blieb souverän. Gute Szenen hatte jetzt auch Mohad Abdelhak, der für Reinkind kam, einmal aus dem Rückraum traf, außerdem mit glänzendem Anspiel Lukas Laube bediente. Wenig später ließ Filip Jicha seinen Youngster los: Rasmus Ankermann war keine zehn Sekunden auf dem Feld, schon narrte der 18-Jährige die gesamte BHC-Abwehr, netzte nach sehenswertem Solo zum 27:19 in der 52. Minute ein. Es folgte die hässlichste Szene der Partie, als Wasielewski am eigenen Kreis ausrastete, Laube mit einem Faustschlag gegen die Brust traf. Videobeweis, Blaue Karte. Die einseitige Partie aber war längst entschieden, Magnus Landin setzte den Schlusspunkt mit seinem Tor von Linksaußen zum 32:23-Endstand, läutete zugleich den Siegertanz der Zebras ein. "Das war ein klarer Schritt nach vorn", kommentierte Kiels starker Schlussmann Andreas Wolff. "Wir haben uns den Schwung geholt für die schwere und wichtige Aufgabe in Hamburg."
Saison-Highlight voraus
Für die Zebras ging es noch am Sonntag mit viel frisch getanktem Selbstvertrauen wieder auf die Heimreise gen Kiel - die Zebras wollen die kommenden Tage nutzen, um sich bestmöglich auf das Saisonhighlight vorzubereiten: Am kommenden Wochenende spielt der THW Kiel im Europapokal-Halbfinale bei den Winamax EHF Finals in Hamburg gegen Montpellier HB und will sich - anders als im Vorjahr gegen denselben Gegner - für das Finale qualifizieren. Für die "weiße Wand" in der Barclays Arena gibt es in den Blöcken U20, U1 und O16 noch Karten im Ticketshop der EHF. Das passende Finals Tour-Shirt gibt es in der THW-FANWELT und unter thw-fanshop.de "Hamburg war unser Ziel, für das wir viel investiert haben - jetzt wollen wir dort mit unseren Fans ein geiles, erfolgreiches Wochenende haben", sagt THW-Kapitän Domagoj Duvnjak. Der Saison-Höhepunkt steht an: Weiter geht’s in Hamburg, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Nordphoto/Freund
DAIKIN Handball-Bundesliga, 32. Spieltag: Bergischer HC - THW Kiel: 23:32 (7:15)
Bergischer HC: Rudeck (1.-43., 45.-60., 6 Paraden), Dietrich (43.-45., 0 Paraden); Beyer (4/2), Becher (1), Hangstein (2/1), Babarskas, Kooij (4), Babak, Voss-Fels (1), Thiele (n.e.), Püttmann (n.e.), Maldonado, Fuchs (2), Seesing (5), Steinhaus (3), Wasielewski (1); Trainer: Pütz/Gunarsson
THW Kiel: Perez de Vargas (drei Siebenmeter, 1/1 Paraden), Wolff (1.-60., 12 Paraden, 1 Tor); Duvnjak, Reinkind (4), Landin (2), Överby, Laube (3), Johansson (7), Ankermann (2), Dahmke (n.e.), Zerbe (5/2), Abdelhak (1), Bilyk (5), Pekeler, Imre (n.e.), Nacinovic (3); Trainer: Jicha
Schiedsrichter: Markus Kauth / Andre Kolb
Zeitstrafen: BHC: 3 (2x Babarskas (22., 53.), Kooij (27.)) / THW: 3 (2x Nacinovic (23., 40.), Reinkind (42.))
Blaue Karte: Wasielewski (BHC, Tätlichkeit (54.))
Siebenmeter: BHC: 4/2 (Beyer an die Latte (40.), Perez de Vargas hält Beyer (59.)) / THW: 2/2
Spielfilm: :1, 1:4, 1:6 (8.), 4:7, 5:8 (15.), 6:11, 7:13, 7:15;
2. Hz.: 10:15 (33.), 10:18, 15:20 (43.), 16:25, 20:29 (56.), 23:32.
Zuschauer: 7528 (PSD Bank Dome, Düsseldorf)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Filip Jicha: Als erstes möchte ich das, was ich auf dem Spielfeld schon getan habe, öffentlich wiederholen: Ich möchte dem BHC und beiden Coaches zur Leistung beim Final4 in Köln gratulieren. Das war eine Bereicherung und toll anzusehen. Zurück zum heutigen Spiel: Ich freue mich, dass wir solch eine konzentrierte Leistung gezeigt haben. Wir hatten uns viel vorgenommen und konnten davon gleich auch vieles in die Tat umsetzen. Wir haben im Positionsangriff sehr gute Werte erzielt. Wir haben eine sehr bewegliche und teilweise sehr aggressive Abwehr gestellt mit einem ordentlichen Andreas Wolff dahinter. Damit haben wir uns in der ersten Halbzeit einen Vorsprung erspielt, dann kommt der BHC nach der Pause mit dem siebten Feldspieler zu zwei Treffern. Das hat uns aber nicht vom Weg abgebracht, wir haben unsere konzentrierte Leistung fortgesetzt. Das freut mich für meine Jungs. Die Vorfreude auf das heutige Spiel war nach dem Hinspiel bei allen spürbar. Wir haben unglaublich gute Trainingswochen hinter uns.
BHC-Trainer Markus Pütz: Vielen Dank für die tollen Worte, so etwas von solchen herausragenden Spielern und Trainern zu hören, ist nicht selbstverständlich. Unser Spiel heute war allerdings schwer enttäuschend. Wir kommen sehr schlecht rein, machen acht technische Fehler allein in der ersten Halbzeit. Das hat Kiel dann gut genutzt, nimmt einen großen Vorsprung auf die Pause. Uns hat geärgert, dass dieser so groß war. Wir haben bei 7:11 nicht clever gespielt, unsere Abschlüsse zu schnell gesucht. Insgesamt waren sieben Tore vor der Pause zu wenig. Wir waren nicht bereit, was dann noch zusätzlich reinhaut ist die Rote Karte für Wasielewski, der uns wahrscheinlich in den nächsten Spielen fehlen wird. Das Ist einfach nicht clever und unnötig. Der Kieler Sieg geht in der Höhe auch in Ordnung, wir drücken Kiel jetzt die Daumen für das kommende Wochenende.












