
Zebras verlieren brutale Handball-Schlacht bei der MT Melsungen mit einem Tor
Brutales Handball Drama in Kassel. Die MT Melsungen und der THW Kiel lieferten sich in der ausverkauften Rothenbach-Halle einen Handball-Krimi mit wechselnden Führungen und mit allen Zutaten, die ein Thriller haben kann. Die Zebras kehrten dabei gleich zweimal nach hohen Rückständen zurück in die Partie, hatten aber gegen die mit einer unfassbaren Härte wie einst in den 1980er Jahren agierenden Gastgeber letztlich nicht die nötige Durchschlagskraft für einen Erfolg. So wurde die MT für ihr Spiel belohnt und gewann die Partie vor 4500 Zuschauern glücklich mit 30:29 (17:14). Dabei durfte sie sich auch bei der Unentschlossenheit des bereits zuvor aufgrund einer fehlenden klaren, auf beiden Seiten ausgeglichenen Linie in die Kritik geratenen Schiedsrichtergespanns Bona/Frank bedanken, das dem THW Kiel in den letzten Sekunden der Partie mehrfach den Ballbesitz nach gewonnenen Bällen verweigerte.
Harte Gangart der Gastgeber
Bester Werfer bei den Kielern war Bence Imre, der insgesamt siebenmal ins Melsunger Netz traf, 80 Sekunden vor dem Ende allerdings mit einem wichtigen Siebenmeter am rechten MT-Pfosten scheiterte. Der Ungar hatte zuvor alle Chancen sicher im Tor des Tabellenachten untergebracht. Die Zebras waren indes nach den 60 brutalen Minuten von Kassel extrem aufgebracht, die Regelauslegung des jungen Schiedsrichtergespanns brachte die Schwarz-Weißen auf die Palme. "Wenn man hier gewinnen will, dann muss man viel besser sein als der Gegner. Leider haben wir uns das Leben mit den verworfenen Chancen selbst schwer gemacht und die MT so ins Spiel gelassen", sagte THW-Trainer Filip Jicha direkt nach Abpfiff bei Dyn. Jicha monierte aber auch die zum Teil überharte Gangart der Gastgeber: "Melsungen hat uns hier geschlachtet, wie es einst in den 1980er Jahren der Abwehr gang und gäbe war. Da braucht es eine coole Leistung meiner Mannschaft, aber auch eine coole Leitung. Die MT hat die Linie der Schiedsrichter genutzt. Es gab Situationen, die sind zuletzt mit Rot bestraft worden. Heute gab es dafür nichts, und es fehlte die Kommunikation auf dem Spielfeld, warum."
Veron Nacinovic scheidet mit Nasenbeinbruch aus
Besonders bitter: Veron Nacinovic bekam nach zehn Minuten nach einer Offensivaktion von Dainis Kristopans dessen Ellenbogen ins Gesicht, ging stark blutend zu Boden und schied mit einem Nasenbeinbruch aus. Die Szene wurde trotz der gravierenden Folgen nicht einmal per Videobeweis gecheckt. Auch später, als Sipos gegen Eric Johansson nachtrat, wurde das TV-Bild nicht bemüht, so kam der Ungar - der auch in der Folge weiter austeilte, mit einer Zwei-Minuten-Strafe davon. Am Ende reichte es für die Kieler nicht für einen Teilerfolg, weil ihnen nach dem finalen, mehr als 40 Sekunden dauernden MT-Angriff schlichtweg die Zeit zum Ausgleich weglief. THW-Rückraumspieler Nikola Bilyk war nach der Niederlage daher nttäuscht. "Wir haben alles versucht, aber diese Niederlage tut extrem weh."
Chancenverwertung war Kieler Manko
Gegen die Kieler konnte die MT Melsungen auf die Dienste der lange verletzten Leistungsträger Aaron Mensing, Nebojsa Simic und Erik Balenciaga zurückgreifen, allesamt boten gegen die von einer lautstarken Fanschar unterstützen Schwarz-Weißen eine starke Leistung. Beim THW Kiel stand Spielmacher Elias Ellefsen á Skipagötu wieder im Kader, sollte aber aufgrund seiner Schulterbeschwerden nur partiell eingesetzt werden. Dennoch feierte er nach vierwöchiger Pause seine Rückkehr aufs Parkett, kam in der 25. Minute, traf zweimal und hatte auch in der Schlussphase gute Szenen. Nach einem fahrigen Beginn beider Teams, nach acht Minuten waren erst drei Treffer gefallen, nahmen die Kieler das Spielgeschehen in ihre Hände, legten bis zur 15. Minute stets eine knappe Führung vor. Sie versäumten es aber, einen klareren Vorsprung herauszuwerfen. Technische Fehler und auch Abspielfehler brachten die Gastgeber dann ins Spiel zurück. In dieser Phase glänzte vor allem der Schwede Olle Forsell Schefvert, der vor der Pause viermal erfolgreich war.
Drei-Tore-Rückstand zur Halbzeit
Weil sich zudem Simic mit einigen Parden in den Vordergrund spielte, legten die Gastgeber beim 15:12 in der 27. Minute erstmals einen Drei-Tore-Vorsprung in die Waagschale. Eric Johansson und á Skipagötu verkürzten, doch als der THW-Motor Johansson wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff einen Ball vertändelte, traf Mandic zur 17:14-Pausenführung für die MT. Ein Spielstand, der das Geschehen auf dem Parkett nicht widerspiegelte, war der THW Kiel in der ersten Halbzeit das bessere Team, standen trotz des frühen Ausfalls von Nacinovic gut in der Abwehr und spielten sich auch gute Torchancen heraus. Das Manko aber war die Chancenverwertung, weswegen sich die Zebras nicht für ihren starken Auftritt belohnten.
Kieler kommen stark zurück
Nach Wiederanpfiff gaben zunächst die Gastgeber den Ton an, legten bis zur 34. Minute eine 20:16-Führung vor. Zeit für eine Kieler Reaktion. Und die folgte prompt mit einem sehenswerten 5:0-Lauf. Zweimal traf Hendrik Pekeler, dazu Domagoj Duvnjak und Harald Reinkind. Starker Rückhalt war zudem Gonzalo Perez de Vargas, der vier Paraden am Stück zeigte und beim Melsunger Überzahl-Angriffsspiel außerdem ins leere MT-Tor traf. Das erste Tor für den Spanier im THW-Trikot, nach 40 Minuten lagen die Zebras verdient mit 21:20 vorne. Es folgte allerdings eine Schwächephase in der sich immer mehr aufheizenden Atmosphäre, in der Johansson nach Sipos Nachtreten bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen wurde. Auf der anderen Seite lief Aaron Mensing zur Hochform auf, war nicht mehr zu stoppen und traf dreimal in Folge. Nach Jichas Auszeit traf Hendrik Pekeler per frechem Dreher zum 22:24. Dann folgten erneut THW-Fehler, einige weggepfiffene Offensiv-Aktionen der Zebras und eine absurd anmutende Zeitstrafe gegen Duvnjak: Melsungen nutzte die Überzahl und zog bis zur 51. Minute auf 28:23 davon.
Kein Happy-end im Schlussphasen-Krimi für die Zebras
Fünf Tore lagen die Zebras im Hintertreffen. Neun Minuten vor dem Abpfiff. Filip Jicha nahm seine letzte Auszeit und weckte damit die schwarz-weißen Mentalitätsmonster. Wolff kehrte zurück ins Tor und zeigte einige starke Aktionen, Imre nutzte seine Chancen - bevor er spektakulär über die Hintertor-Bande gescheckt wurde -, Johansson traf aus dem Rückraum. Und als Imre den zweiten Kieler 5:0-Lauf in der 56. Minute nach Traumpass von á Skipagötu zum 28:28 abschloss, war in den letzten Minuten die Hoffnung auf den ersten Kieler Liga-Sieg in Kassel seit 2023 wieder geweckt. Und alles war bereitet für einen Handball-Krimi nach Maß.Er ging schlecht aus für die Zebras – auch, weil Pekeler frei an Simic scheiterte, Andi Wolffs Parade mit einem danach gegebenen Freiwurf für Melsungen neutralisiert wurde, Imres Siebenmeter an den Pfosten knallte. Kastening traf 61 Sekunden vor dem Ende zum 30:28 für die MT, elf Sekunden später war á Skipagötu erfolgreich. Und dann spielte Melsungen die restlichen 50 Sekunden herunter, bekam Freiwurf um Freiwurf zugesprochen, und als Kristopans den Ball ins Aus warf, wurde der Einwurf von Imre zurückgepfiffen. Die Uhr lief ab - Melsungen feierte, und Kiel leckte seine Wunden.
Heimspiel am Ostersamstag gegen Eisenach
Weiter geht es für die Zebras am Ostersamstag mit dem wichtigen Heimspiel gegen den ThSV Eisenach, das aufgrund einer Übertragung im Free-TV beim MDR bereits um 16 Uhr angepfiffen wird. In dieser Partie wollen die Zebras gemeinsam mit ihren Fans den ersten Heimsieg nach der Saison-Unterbrechung durch die Nationalmannschafts-Woche holen. Im Hinspiel gab es in einem knüppelharten Spiel ein 29:29-Unentschieden, jetzt sollen zwei Heimpunkte her! Für die Begegnung, die wie gewohnt auch live bei Dyn zu sehen sein wird, gibt es nur noch Restkarten unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT. Eine weitere Möglichkeit, live dabei zu sein, bietet der offizielle Zweitmarkt von Fans für Fans, in dem man sicher und bequem Tickets kaufen kann. Weiter geht’s am Ostersamstag gegen Eisenach, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Alibek Käsler/MTM
DAIKIN Handball-Bundesliga, 26. Spieltag: MT Melsungen - THW Kiel 30:29 (17:14)
MT Melsungen: Simic (1.-60., 11 Paraden), Palasics (1 Siebenmeter, keine Parade); Marchan (2), Balenciaga, Mandic (3), Sipos (1), Kristopans (3), Ignatow, Stefansson, Kulesh, Arnarsson (2), Soler (3), Forsell Schefvert (4), Mensing (7), Guardiola, Kastening (5/2); Trainer: Parrondo
THW Kiel: Perez de Vargas (24.-51., 6 Paraden, 1 Tor), Wolff (1.-24., 51.-60., 5 Paraden); Duvnjak (3), Reinkind (2), Landin, Överby (1), Laube, Johansson (6), Ankermann, Dahmke (1), Zerbe (n.e.), Bilyk (1), Pekeler (4), á Skiapgötu (2), Imre (7/4), Nacinovic (1); Trainer: Jicha
Schiedsrichter: Leonard Bona / Malte Frank
Zeitstrafen: MT: 3 (2x Sipos (39., 54.), Kristopans (54.)) / THW: 2 (Överby (19.), Duvnjak (49.))
Siebenmeter: MT: 2/2 / THW: 5/4 (Imre an den Pfosten (59.))
Spielfilm: 1.Hz.: 0:1 (2.), 1:2 (7.), 2:4 (12.), 3:5, 5:5 (14.), 5:7, 7:8 (17.), 9:8 (19.), 11:11 (22.), 13:12 (25.), 15:12 (27.), 16:13 (29.), 17:14;
2. Hz.: 18:14, 20:16 (34.), 20:21 (39.), 24:21 (47.), 25:23 (48.), 28:23 (51.), 28:28 (56.), 30:28 (59.), 30:29.
Zuschauer: 4500 (ausverkauft) (Rothenbach-)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Filip Jicha: Glückwunsch an Roberto und seine Mannschaft zu zwei Punkten. Es war ein super intensives, teilweise chaotisches Spiel. Was die MT besser gemacht hat, war ihre robuste, harte Abwehr, die und viel provoziert hat. Wenn man es so will, hat Melsungen uns körperlich geschlachtet wie einst in den 1980er Jahren. Dadurch hatten wir nicht die nötige Durchschlagskraft im Angriff. In der Vorbereitung auf das Spiel habe ich Szenen gesehen, wie beispielsweise die, in der Veron mit dem Ellenbogen ausgeschaltet wird. In diesen Szenen wurde der Videobeweis herangezogen, und es gab eine Bestrafung, Heute nicht. Um solch ein Spiel trotzdem noch zu gewinnen, braucht es Coolness, Klasse und eine Linie der Schiedsrichter. Handballsituationen zu entscheiden, gerade wenn wie hier so viel Druck von den Rängen kommt, ist ein super-schwieriger Job, vor dem ich den allergrößten Respekt habe. Aber wir müssen doch in der Lage sein, auch während des Spiels zu kommunizieren, damit wir unseren Spielern erklären können, wann es zum Beispiel Freiwurf gibt und wann nicht. In der ersten Halbzeit wurde in einigen Szenen gar nichts gepfiffen, während ähnliche Szenen in der entscheidenden Schlussphase immer wieder mit einem Freiwurf endeten. Die Schiedsrichter sind Teil unserer Handball-Familie, ich wünsche mir nur, dass wir mehr Kommunikation und Feedback hinbekommen, um wieder mehr Fairness in das Spiel zu bringen. Es geht dabei vor allem darum, dass Produkt Handball-Bundesliga besser zu machen. Dass meine Mannschaft trotz allem zurückkommt, wie sie am Ende den Fight angenommen hat, macht mich stolz auf meine Jungs.
MT-Trainer Roberto Garcia Parrondo: Ich bin sehr zufrieden mit diesem Sieg, es ist für uns wichtig, dass wir zeigen konnten, dass wir mit den Top-Teams konkurrieren können. Wir hatten zuvor die erste Woche überhaupt in dieser Saison, in der wir so trainieren konnten, wie wir uns es vorgenommen hatten. Danke an alle meine Spieler für diesen Kampf heute, dieser Sieg war für Timo Kastening.












