"Das größte Spiel des Handballs": Mit der weißen Wand im Rücken geht's Samstag gegen Flensburg

Bundesliga

"Das größte Spiel des Handballs": Mit der weißen Wand im Rücken geht's Samstag gegen Flensburg

Zweites Derby innerhalb von fünf Tagen, viertes Derby in dieser Saison, bisher wichtigstes Derby der Spielzeit: Am Samstag treffen der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt erneut aufeinander. Dieses Mal in der DAIKIN Handball-Bundesliga, dieses Mal in einer seit Monaten restlos ausverkauften Wunderino Arena, für die es allenfalls noch im offiziellen Zweitmarkt von Fans für Fans Restkarten gibt. "Das Derby ist zweifelsohne das größte Spiel des deutschen Handballs", sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi und erntet für diese Aussage viel Zuspruch im Handball-Land zwischen den Meeren, das sich ab 20 Uhr einmal mehr im emotionalen Ausnahmezustand befinden wird. Kiel trägt an diesem Samstag Weiß, um in diesem eminent wichtigen Spiel die Einheit zwischen Fans, Mannschaft und Umfeld der Zebras auch optisch zu demonstrieren. Dyn sendet die Bilder einer emotionalen "Weißen Wand" dann in die Welt hinaus.

Perez de Vargas: "Für mich als Kieler ist es ein besonderes Spiel"

Ein männlicher Sportler in einem blauen Trikot feiert leidenschaftlich mit geballten Fäusten und offenem Mund vor einer verschwommenen Menge in einer Sporthalle.Samstag ist der Tag, auf den ganz Schleswig-Holstein gewartet hat. Ein Handball-Feiertag: Wenn das Derby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt naht, ist das nördlichste Bundesland in zwei Lager geteilt. Zum insgesamt 116. Mal steigt das Duell der beiden Erzrivalen (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv), die sich gegenseitig seit Jahrzehnten zu Höchstleistungen antreiben. Und alle wollen dabei sein: Hunderttausende TV-Zuschauer bei Dyn und auf den weltweiten Partner-Sendern der DAIKIN Handball-Bundesliga und 10.285 Fans in der seit Monaten restlos ausverkauften Wunderino Arena - darunter Ministerpräsident Daniel Günther, Digitalisierungs-Minister und Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Mittendrin ist Gonzalo Perez de Vargas: "Für mich als Kieler ist es ein besonderes Spiel. Viele sagen ja, es sei das wichtigste der Saison. Vielleicht ist es das jetzt sogar nach unseren beiden Bundesliga-Niederlagen zuletzt. Wir wollen Samstag mit unserer unglaublichen Kulisse im Rücken eine Reaktion zeigen wie am Dienstag und endlich auch wieder ein Liga-Derby gewinnen." 

Alle Kieler erwarten ein anderes Derby als Dienstag

Ein Handballspieler in einem weißen Trikot springt, um den Ball zu werfen, während Spieler in dunklen Trikots versuchen, ihn zu blockieren. Das Spiel findet in einer Halle statt, die mit einer jubelnden Menge gefüllt ist.Dienstag, das war der Kieler 36:29-Erfolg gegen die SG Flensburg-Handewitt in der EHF European League, bei dem bei den Zebras vieles passte und das Lächeln zurück in die Gesichter von Eric Johansson & Co. kehrte. "Unsere Aufgabe für die Partie am Samstag wird sein, ins Derby zu gehen, um Handball zu spielen. Diese Leichtigkeit in unserem Angriff hat mir am Dienstag besonders gefallen", sagt THW-Trainer Filip Jicha, der aber auch weiß: "Samstag wird ein ganz anderes Spiel, ein ganz anderes Derby. Dienstag war gewissermaßen das Warm-up, das dir am Samstag aber nichts bringt: Du gewinnst keinen einzigen Zweikampf, weil du Dienstag gewonnen hast. Sondern nur, weil du wieder bereit bist. Ich erwarte einen ganz anderen Widerstand von Flensburg, und es wird einhundertprozentig emotionaler - allein schon, weil die Halle in einem Bundesliga-Derby eine andere ist. Unsere treuen Bundesliga-Zuschauer wollen uns unbedingt siegen sehen - und wir wollen für sie mit Emotionalität in Vorleistung gehen." 

Flensburg zeigt in der Liga sein wahres Gesicht

Die Emotionen und Leidenschaft der "weißen Wand" wird am Samstag auch dringend nötig sein. Denn in der DAIKIN Handball-Bundesliga zeigt die SG Flensburg-Witt ihr wahres, starkes Gesicht: Während die Flensburger, als Titelverteidiger und -favorit in die EHF European League gestartet, in Europa eine Play-off-Extra-Runde drehen müssen und im DHB-Pokal wie der THW Kiel (in Berlin) im Viertelfinale auswärts beim SC Magdeburg ausgeschieden waren, läuft es in der stärksten Liga der Welt weitestgehend rund: Hier sind die Mannen von der dänischen Grenze hinter den enteilten Magdeburgern aktuell der heißeste Anwärter auf einen Champions-League-Platz und glänzten bisher durch Beständigkeit und wenig Ausrutscher. Faktoren, die die SG mit nur neun Minuspunkten auf die Pole Position im Kampf um die Königsklasse gehievt hat. Diese wollen die Flensburger am Samstag durch einen Erfolg in Kiel verteidigen. Dass sie das Zeug dazu haben, mussten die Kieler zuletzt in der DAIKIN Handball-Bundesliga oft am eigenen Leib erfahren, denn die letzten fünf Liga-Derbys gingen allesamt an das Team von der nördlicheren Förde.

Nur neun Minuspunkte

Zwei männliche Handballspieler in roten Trikots blockieren aggressiv einen männlichen Gegenspieler in einem weiß-schwarzen Trikot und packen ihn an Armen und Hals, als er versucht, den Ball zu spielen. Die Szene wirkt intensiv und körperlich.Der Start in die Saison geriet allerdings etwas holprig: Aber nach den Unentschieden in Wetzlar und zu Hause gegen Stuttgart kamen die Flensburger richtig ins Rollen, gewannen neun Mal in Folge - darunter auch mit 36:34 im Hinspiel gegen den THW Kiel. Im November, traditionell für die europäisch startenden Mannschaften ein Höchstbelastungs-Monat, unterlag das Pajovic-Team, dessen Kader wir im Vorbericht zum Liga-Hinspiel bereits ausführlich vorgestellt hatten, in Lemgo und gegen Magdeburg. Zudem erkämpfte man sich ein Unentschieden gegen Gummersbach. Gegen jenes Team also, gegen das die Flensburger zum Neustart nach der EM zum bisher letzten Mal verloren: Im Februar setzte es eine 26:33-Niederlage im Oberbergischen, danach wurde Tabellenplatz zwei mit Erfolgen in Hamburg und Erlangen sowie zwei Heimsiegen gegen Wetzlar und am vergangenen Wochenende gegen Leipzig gefestigt. Im zweitstärksten Angriff der DAIKIN HBL überragt Neuzugang Marko Grgic, der mit 137 Treffern nur vier Tore hinter Flensburgs dänischem Superstar Simon Pytlick in der internen Torschützenliste steht. Auf Rang drei folgt Linksaußen mit Emil Jakobsen (136 Tore) ein weiterer von insgesamt fünf amtierenden Europameistern bei den Flensburgern. Es folgt Kapitän Johannes Golla, der mit Blaz Blagotinsek nicht nur in der Beton-Defensive der Flensburger ein Fels in der Brandung ist, sondern mit 99 Toren auch für die gegnerischen Abwehrreihen ein steter Unruheherd. 

Golla kündigt Kielern "heißen Tanz" an

Ein Handballspieler in einem rot-blauen Trikot versucht zu schießen, während er von zwei weiß gekleideten Spielern, von denen einer an seinem Trikot zerrt, aggressiv verteidigt wird. Eine Menschenmenge beobachtet das intensive Geschehen im Hintergrund.Nach dem tabellarisch nicht mehr aussagekräftigen Europapokal-Duell am Dienstag geht es am Samstag also einmal mehr zwischen den beiden Erzrivalen um zwei unglaublich wichtige Punkte und die Vormachtstellung im Land zwischen den Meeren - bis zum nächsten Derby. Für THW-Kapitän Rune Dahmke, der mit den hitzigen Duellen zwischen beiden Clubs quasi aufgewachsen ist, folgt dem Europapokal-Warm-up jetzt das wahre größte Spiel des Handballs: "Ein Derby gehört für mich in die Bundesliga. Für die ganze Liga sind Spiele zwischen Kiel und Flensburg etwas Besonderes." SG-Kapitän Golla untestreicht das. "Wir hatten nach Dienstag viel aufzuarbeiten, jetzt freuen wir uns auf ein richtig geiles Derby. Ich glaube, die Halle hat noch mehr zu bieten. Wir haben noch mehr zu bieten. Und dann wird es am Samstag ein ganz heißer Tanz in der Bundesliga, in der es um jeden Punkt geht."

Kiel trägt Weiß - Infos rund ums Spiel

Dieser wird am Samstag um 20 Uhr angepfiffen, die ausverkaufte Wunderino Arena (Resttickets eventuell im offiziellen Zweitmarkt) öffnet ihre Türen zwei Stunden zuvor. Schiedsrichter des Landes-Duelles sind Ramesh und Suresh Thyiagarajah. Der kostenpflichtige Handball-Streamingsender Dyn überträgt live. Kommentiert wird das Spiel von Florian Schmidt-Sommerfeld und Experte Stefan Kretzschmar, moderiert wird die Sendung von Anett Sattler. Für alle, die am Samstag unterwegs sind, bietet die Welle Nord unter anderem unter www.sportschau.de einen Audio-Livestream der kompletten Begegnung an. Wichtig: Im Derby Farbe zu bekennen, heißt Weiß zu tragen! Alle Kieler Fans werden deshalb von der Mannschaft und den Fanclubs aufgerufen, in weißen Trikots oder Oberteilen in die Halle zu kommen. So zeigt Kiel der Handball-Welt, wer hier zu Hause ist - eine Einheit aus Mannschaft und Fans, die es dem Gegner am Samstag sehr,  sehr schwer machen wird! Die passenden Oberteile gibt es in der THW-FANWELT, die am Spieltag von 10 Uhr durchgehend bis zum Anpfiff geöffnet hat. Weiter geht's gegen Flensburg, Kiel! 

Fotos: Sascha Klahn