
Tränen zum Abschied verdienter Spieler: THW Kiel verliert Saisonausklang gegen den TBV Lemgo Lippe
Es war ein tränenreicher Abschluss der Saison 2025/2026 in der Handball-Bundesliga für den THW Kiel. Und das nicht nur wegen der finalen 31:34 (15:16)-Niederlage gegen den TBV Lemgo Lippe, in der man den Zebras um den elffachen Torschützen Eric Johansson erneut den unbedingten Willen zum Sieg nicht absprechen konnte. Die Zebras spielten dabei lange Zeit auf Augenhöhe, versäumten es aber, ihre vielen Möglichkeiten konsequent in Torerfolge umzumünzen. Danach aber wurde der Abschied von verdienten Spielern zu einer extrem emotionalen Angelegenheit, gingen mit Kapitän Nikola Bilyk und Magnus Landin doch zwei Spieler, die mit dem THW Kiel alles gewonnen haben und das vergangenen Jahrzehnt in Schwarz-Weiß geprägt hatten.
Bilyk führte Mannschaft in die Arena
Doch zunächst standen die letzten 60 Minuten der Saison an, die mit einer geänderten Einlauf-Formation bei den Zebras begannen: Domagoj Duvnjak hatte Nikola Bilyk, dessen Konterfei später von Vater Sergej unter dem Hallendach enthüllt wurde, nach vorn geschoben, um ihm die Ehre zu erweisen, einmal die Mannschaft in die Arena zu führen. Trotz aller Emotionen, viel Engagement und großer Gegenwehr endete die Saison aber mit einer Niederlage für die Kieler, die dadurch im Gesamtklassement Platz sechs belegten. Immerhin legte Johansson alle Hemmungen ab, war mit elf Treffern erfolgreichster Torschütze auf dem Parkett. Bilyk fasste später in seinen Abschiedsworten zusammen, was viele in der ausverkauften Merkur Ostseehalle empfanden, Spieler und Zuschauer: "Schön, dass diese Saison vorüber ist - und ich bin mir sicher, dass alle beim THW Kiel alles dafür tun werden, damit in der nächsten Saison wieder angegriffen werden kann."
Riesenjubel bei "Zebus" Verlängerung
Die insgesamt spannende und ansprechende Partie bildete den gelungenen Rahmen für die Abschieds-Zeremonie von insgesamt sieben Spielern, die den THW verlassen werden. Neben Bilyk, Landin, den Youngstern Jesse Dahmke und Leon Nowottny sagten auch Peter Överby, Bence Imre und Kurzzeit-Verpflichtung Mohab Abdelhak tschüss. Fan-Klubs, Mitglieder der Geschäftsstelle und des Aufsichtsrates sowie die Mannschaftskamerade überreichten Geschenke, bedankten sich für großartige gemeinsame Jahre. Doch Riesen-Jubel gab es von den 10.000 Fans in der Merkur Ostseehalle vor allem für die Zukunft - mit Blicken auf den Arena-Würfel. Dort zeichneten sich die Umrisse eines Spielers ab, zeigten schließlich Lukas Zerbe mit dem Füllfederhalter in der Hand. 2029! Der Kieler Rechtsaußen verkündete vor den letzten 60 Minuten der Saison seine vorzeitige Vertragsverlängerung um zwei weitere Jahre ab 2027. "Zebu" ist somit ein weiterer THW-Baustein für die kommenden Jahre.
Kieler starten dominant
Die Kieler Mannschaft startete dominant in die Begegnung, Abdelhak und Johansson verwandelten Wolffs erste Parade gegen Versteijnen und den Lattentreffer von Simak in einen schnellen 2:0-Vorsprung. Tim Suton und der starke Jarnes Faust - ab Juli zurück im THW-Trikot und mit fünf Toren aus fünf Versuchen erfolgreich - hatten Antworten, glichen zum 2:2 aus. Die Kieler trafen in der Folge per Doppelpack: Imre und Johansson sorgten für die Kieler 4:2-Führung, Bilyk erzielte mit sehenswertem Treffer das 5:3, und als Andy Wolff wenig später den Siebenmeter von Zehnder abwehrte, sorgte Mohab Abdelhak für das 6:3 und die erste Kieler Drei-Tore-Führung. Es wurde laut. Auch, weil sich die Zebras weiterhin torhungrig zeigten.
Knapper Pausenrückstand
Johansson zog ein weiteres Mal ab, erzielte sein fünftes Tor zum 10:7 und die letzte Drei-Tore-Führung der Kieler. Fortan tat sich der THW Kiel schwerer. Im Angriff und in der Abwehr, in der Andreas Wolff seinen Platz im Tor für Gonzalo Perez de Vargas räumte. Und weil sich auf der anderen Seite Constantin Möstl zwischen den Pfosten des TBV kontinuierlich steigerte. Lemgos österreichischer Schlussmann war gegen seinen Landsmann Bilyk zur Stelle, ließ den Torschrei auf der Tribüne nach Abdelhak-Wurf verstummen, kaufte auch Magnus Landin einen freien Ball von Linksaußen ab. So kämpfte sich das Team von Trainer Florian Kehrmann langsam heran, glich in der 22. Minute durch Wagner zum 12:12 aus. Die Gäste übernahmen das Zepter, führten zwei Minuten vor dem Pausenpfiff nach einem 3:0-Lauf gar mit 16:13. Immerhin kamen die Zebras zurück, verkürzten durch Rasmus Ankermann, der in der 22. Minute gekommen war, und Bilyk auf den 15:16-Halbzeitstand.
Spannende zweite Hälfte mit am Ende jubelnden Gästen
Die Partie war völlig offen. Gleich nach dem Wechsel aber rissen die Gäste das Geschehen an sich, zogen durch einen weiteren 3:0-Lauf auf 19:15 davon. Gut, dass sich jetzt "Gonschi" im Tor der Kieler zeigte, gegen Zehnder zur Stelle war. Zerbe per Siebenmeter, dann Bilyk, Kiel verkürzte auf 17:19, nahm nach dem 17:20 durch Faust das Zepter in die Hände und startete einen umjubelten 4:0-Lauf, an dem der junge Rasmus Ankermann mit drei Toren und einem herausgeholten Strafwurf maßgeblich beteiligt war - und die Fans aufforderte, mehr zu tun. 22:21 - der THW Kiel lag wieder vorn, der positive Saisonabschluss war greifbar. Doch die Fehler der vergangenen Wochen wiederholten sich. Im Angriff rannten sich die Zebras überhastet fest, die Abwehr stand Pate bei Lemgos Gegentreffern. Einmal noch - beim 27:28 in der 53. Minute durch Abdelhak gab's Hoffnung. Sie währte nur kurz. Die Zebras haderten erneut mit ihrer Chancenverwertung und auf der anderen Seite netzten Suton, Versteijnen, Zehnder und Co. eiskalt ein. Johanssons Dreierpack in den Schlussminuten gestaltete die Niederlage erträglicher, und die Fans freuten sich auf die Abschiedsveranstaltung und zeigten nachher im Arena-Umlauf beim Treffen mit ihren THW-Stars, dass sie auch in nicht so guten Zeiten fest zu ihrem Klub stehen.
Vorfreude auf die neue Spielzeit
Die Saison 2025/2026 ist nun also Geschichte. Der THW Kiel bedankt sich bei allen, die ihn auf dem Weg durch eine lange, schwierige Saison mit vielen Rückschlägen begleitet haben. Und gleichzeitig freuen sich die Zebras darauf, mit allen, die den THW Kiel im Herzen tragen und ihn mit Leidenschaft und großem Engagement unterstützen, in die neue Spielzeit zu gehen (jetzt Dauerkarte sichern)! Diese beginnt für den „neuen“ THW Kiel im letzten Juli-Drittel, wenn die Zebraherde nach Sommerurlaub und individuellen Trainingsplänen sich endlich an der Förde versammelt und die vier Neuzugänge Domen Makuc, Vincent Büchner, Jarnes Faust und Julian Köster in ihrem Kreis willkommen heißt. Ein Fixpunkt der Saisonvorbereitung ist das Trainingslager in Graz. Zum achten Mal wird der THW Kiel zu Gast in der steirischen Landeshauptstadt sein und vom 30. Juli bis 6. August die härteste Woche des Jahres bei den inzwischen zu Freunden gewordenen Gastgebern unter dem Uhrturm absolvieren.
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn
DAIKIN Handball-Bundesliga, 34. Spieltag: THW Kiel – TBV Lemgo Lippe: 31:34 (15:16)
THW Kiel: Perez de Vargas (25-60., 7 Paraden), Wolff (1.-25., 3/1 Paraden); Duvnjak (1), Landin (2/2), Överby, Laube, Johansson (11), Ankermann (4), Dahmke, Zerbe (1/1), Rohwer, Abdelhak (4), Bilyk (4), Pekeler (1), Imre (3/2), Nacinovic (1); Trainer: Jicha
TBV Lemgo Lippe: Möstl (12.-60., 13/1 Paraden), Kastelic (1.-12. und 2 Siebenmeter, keine Parade); Hutecek, Theilinger (1), Zehnder (5), Simak (2), Schagen, Carstensen, Nyfjäll, Suton (5), Willecke (6), Versteijnen (6/3), Wagner (4), Faust (5), Sundermann, Kehrmann; Trainer: Kehrmann
Schiedsrichter: Martin Thöne / Marijo Zupanovic
Zeitstrafen: THW: 2 (Nacinovic (20.), Rohwer (55.)) / TBV: 2 (Wagner (39.), Willecke (52.))
Siebenmeter: THW: 6/5 (Möstl hält Laube (43.)) / TBV: 4/3 (Wolff hält Zehnder (8.))
Spielfilm: 2:0, 2:2, 4:2 (6.), 6:3, 8:5 (12.), 9:6 (14.), 10:9 (18.), 12:11, 12:13 (24.), 13:16 (28.), 15:16,
2. Hz.: 15:19 (33.), 17:19 (36.), 18:21 (38.), 22:21 (41.), 22:24 (44.), 23:26 (47.), 26:27 (51.), 27:28, 27:32 (56.), 28:33 (58.), 30:33, 21:34.
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Merkur Ostseehalle, Kiel)
Stimmen zum Spiel:
THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi: Es tut extrem weh, den Gegnern zuschauen zu müssen, wie sie hier wieder in unserer Halle feiern. Die letzten Wochen war sehr belastend. Wir haben es nicht geschafft, Hamburg zu verdauen und sind seitdem in keiner guten Verfassung. Der Wille ist riesig, aber wir zeigen auch Schwäche – und die darfst du dir nicht erlauben. Wir wollten besser performen, hatten aber Schwierigkeiten mit Verletzungen und Rückschlägen. Wir haben den Widrigkeiten nicht trotzen können. Das tut mir vor allen Dingen leid für unsere fantastischen Fans. Für jeden von ihnen tut es mir leid, das jetzt miterleben zu müssen.
Aber: Die Verlängerung mit Zebu ist ein erster Schritt in Richtung zurück in den Kampfmodus. Das Saisonziel für das nächste Jahr wird sich nicht verändern, wir wollen angreifen. Und es geht bei der Analyse nicht um Viktor, nicht um Filip, nicht um Sprengi, nicht um andere einzelne Personen. Es geht darum, wie wir es schaffen, den Restart umzusetzen mit den Menschen, die wir neu dazugeholt haben.












