
Bundesliga
Großer Einsatz nach dem Final4 reichte nicht zum Erfolg: THW Kiel vergibt viele Chancen und verliert in Minden
Drei Tage nach dem unglücklich verlorenen Finale gegne Melsungen bei den Winamax EHF Finals in Hamburg mussten sich die Zebras auch in ihrem letzten Auswärtsspiel der DAIKIN Handball-Bundesliga geschlagen geben: In der mit 3950 Zuschauern komplett ausverkauften ostwestfälischen "Riesen-Sauna" Kampa-Halle unterlagen die erneut kämpferisch alles in die Waagschale werfenden Kieler dem verbissen und vehement um den Klassenerhalt kämpfenden Gastgeber GWD Minden mit 30:34 (17:16). Während die GWD-Spieler um ihren überragenden Torhüter Malte Semisch (13/3 Paraden) die Entscheidung über den Nichtabstieg mit dem Erfolg auf den letzten Spieltag vertagten, schlichen die Kieler entkräftet und mit leerem Blick vom Parkett. Sie hatten nicht nur zwei Punkte verloren, sondern auch drei weitere verletzte Spieler zu beklagen.
Drei weitere Verletzungen
Die Gastgeber bestritten die Partie mit viel Härte, wollten so unbedingt den ersten Heimsieg nach der Wiedereröffnung der Kampa-Halle erzwingen. Erstes "Opfer" wurde Rasmus Ankermann, der durch einem kräftigen Schlag ins Gesicht von Daniel Pedersen niedergestreckt wurde. Domagoj Duvnjak und Eric Johansson trugen den angeknockten und stark aus der Nase blutenden 18-Jährigen vom Feld direkt in die Kabine. Dort gab es vorerst Entwarnung: Kein Bruch, aber eine kurze Phase ohne Bewusstsein. Ankermann nahm auf der Tribüne neben Ex-Kapitän Patrick Wiencek Platz, der das Team auf seiner letzten Auswärtstour der Saison unterstützte und seine ehemaligen Mitspieler, die zum letzten Mal mit dem "KI-EL 1"-Bus unterwegs zu einer Auswärtspartie waren, zu begleiten. Für Pedersen gab's die rote Karte, doch abschreckende Wirkung hatte diese nicht: Kurz darauf fällte Jakub Sterba den einen Tempogegenstoß laufenden Magnus Landin - zwei Minuten waren die gnädige Folge für den Mindener, während Magnus Landin mit großen Schmerzen nicht mehr auflaufen konnte. Eigentlich: Denn als sich Rune Dahmke kurz vor Schluss am Sprunggelenk verletzte, schleppte sich Landin doch noch einmal aufs Feld.
Chancenverwertung war das Manko
Aber trotz der großen Härte der Gastgeber und des Kieler Mammutprogramms für Kopf und Körper hätten die Zebras in der Kampa-Halle gewinnen können, wenn ihre Chancenverwertung besser gewesen wäre. Abwehrchef Hendrik Pekeler: "Wir waren darauf eingestellt, dass Minden alles geben würde, für sie ging es in diesem Spiel um alles. In der ersten Hälfte konnten wir gut dagegenhalten, im zweiten Durchgang dann leider aber nicht mehr." Am Sonntag, fuhr "Peke" fort, müsse man ein anderes Gesicht zeigen: "Vor unseren Fans in der ausverkauften Merkur Ostseehalle wollen wir uns und unsere Mitspieler, die den Verein verlassen, mit einem Sieg aus der Saison verabschieden!“ Den Zebras machte die Finalniederlage von Hamburg vor dem letzten Saison-Auswärtsspiel beim Traditionsklub aus dem Ostwestfälischen nicht nur mental zu schaffen, auch körperlich pfiffen viele Zebras vor der Partie in Minden aus dem letzten Loch. Mit einer schweren Oberschenkelverletzung war Harald Reinkind gar nicht erst in den Bus gestiegen, komplettierte die prominente Ausfallliste neben Elias Ellefsen á Skipagötu (Schulter) und Emil Madsen (Knorpelschaden Knie.
Kieler sorgen nicht für Ruhe im Hexenkessel
So starteten Minden auffällig entschlossen in die Partie, wollte die Abstiegsfrage unbedingt um eine Woche verschieben und sich die Möglichkeit auf den Klassenerhalt bewahren. Mohab Abdelhak, der anstelle des verletzten Harald Reinkind von Beginn an auf Halbrechts agierte, startete überragend, traf und bereitete Treffer vor. Der Ägypter brachte die Zebras in Front, aber Minden hatte sofort Antworten parat, legte durch den verwandelten Siebenmeter von Kranzmann die erste Führung zum 2:1 vor. Doch die ersten Minuten gehörten weiter den Gästen: Abdelhak und Bence Imre sorgten per Doppelschlag in der elften Minute für das 9:7 und die erste Kieler Zwei-Tore-Führung. Allerdings: Für Ruhe sorgten sie nicht, weil sie gleich mehrfach durch technische Fehler und Fehlwürfe einen höheren Vorsprung verpassten. Die Gastgeber bestraften den THW augenblicklich, erzielten durch Sterba und Heitkamp nach 14 Minuten die Mindener 10:9-Führung, zündeten die Stimmung in der Kampa-Halle richtig an.
Zebras führen zur Pause
THW-Trainer Filip Jicha reagierte, stellte Andreas Wolff ins Tor, brachte den jungen Rasmus Ankermann und Petter Överby. Glänzend bedient von Ankermann glich Nikola Bilyk wenig später zum 10:10 aus, und weil Wolff seinen Kasten gegen Kranzmann und Heitkamp zunagelte, setzten sich die Kieler kurz vor der Halbzeitpause durch ein sehenswertes Enläufer-Tor von Imre und Landin, der von Linksaußen traf, auf 15:13 ab. Antanavicius antwortete, traf zum 14:15. Es folgte das unwürdige Foulspiel gegen Rasmus Ankermann, direkt danach das gegen Landin, für das es immerhin noch einen Siebenmeter gab: Doch die Kieler nutzten ihre Chance wieder nicht - Semisch parierte den von Imre geworfenen Strafwurf, Vorlicek verkürzte auf 16:17 und beim Seitenwechsel war die Partie weiterhin völlig offen.Individuelle Fehler lassen Minden enteilen
Trotz guter Möglichkeiten zu Beginn der zweiten 30 Minuten gaben die Zebras die Partie langsam aus ihren Händen. Mohab Abdelhak warf am Tor vorbei, Dahmke über das Torgebälk, korrigierte seinen Patzer wenig später aber mit dem Treffer zum 19:19. Doch als Lukas Zerbe per Strafwurf an Semisch scheiterte, in der 37. Minute die mögliche Führung zum 21:20 ausließ, wurde der Außenseiter frecher. Minden glaubte an seine Chance und eine mögliche Überraschung. Entgegen kam den Mindenern jetzt auch die Fehlerquote im THW-Angriff - ausgerechnet als die Spieler das Sieben-gegen-Sechs einforderten: Drei individuelle Fehler der Zebras später hatten Bergner (2) und Heitkamp ihre Chancen genutzt, binnen Sekunden waren die Gastgeber auf 24:21 enteilt.
Minden schraubt den Deckel drauf
Unglücklich, das Zerbe erneut per Strafwurf scheiterte, Lukas Laube machte es in der Folgezeit besser. Dennoch schafften es die Zebras nicht, den Rückstand entscheidend zu verkürzen, maximal gelang es, auf zwei Treffer heranzukommen. Und als die Nerven den Mindenern zwischen der 50. und 57. Minute einen Streich zu spielen drohten und die Kieler ihrerseits noch einmal den Druck erhöhten, ließen die Zebras die Angebote der Gastgeber einfach liegen. Ob Johansson, Bilyk, Abdelhak oder der verletzte Landin: Nahezu alle Kieler fabrizierten technische Fehler oder trafen auch aus aussichtsreichsten Positionen nicht mehr ins Mindener Tor. Einmal noch, beim 29:30 durch Veron Nacinovic, rückte der THW Kiel den Ostwestfalen auf die Pelle. Doch zweimal Jensen und Kranzmeier stellten mit ihren Toren zum 33:29 schnell wieder den alten Abstand her. Wenig später war die Überraschung gelungen, die Kampa-Halle bebte, die Zebras schlichen traurig vom Parkett.












