Pflichtspiel Nummer 50: THW Kiel kehrt am Mittwoch bei GWD Minden zurück in den Liga-Alltag

Bundesliga

Pflichtspiel Nummer 50: THW Kiel kehrt am Mittwoch bei GWD Minden zurück in den Liga-Alltag

Nach dem Saison-Highlight in der EHF European League und der Ein-Tor-Niederlage nach einem großartigen Finale gegen die MT Melsungen gehen müde und enttäuschte Zebras nun in die emotionale letzte Woche einer langen Saison: Pflichtspiel Nummer 50 führt die Schwarz-Weißen am Mittwoch zum Aufsteiger GWD Minden. Eine Aufgabe, die nach dem mentalen wie körperlichen Kräfte-Aderlass des vergangenen Wochenendes schwieriger nicht sein könnte, kämpfen die Ostwestfalen doch verbissen um den Klassenerhalt in der DAIKIN Handball-Bundesliga. Anwurf in der ausverkauften Mindener Kampa-Halle ist um 19 Uhr, Dyn überträgt live.

"Wir sind völlig leer und traurig"

Leere Blicke, vollkommen ausgepumpte Zebras: Das Finale der EHF European League gegen die MT Melsungen war ein wahrer Kraftakt für den THW Kiel. Das 23:24 machte nicht nur die grandiose weiße Wand aus vielen tausend THW-Fans traurig, sondern hinterließ auch bei den Zebras selbst tiefe Enttäuschung und auch Frust. Taktisch waren die Kieler bereit für dieses Spiel, hatten unter der Ägide von Trainer Filip Jicha einige Spielideen entworfen. Letztlich fehlten dann aber ohne Elias Ellefsen á Skipagötu und Emil Madsen ausreichend Alternativen auf der Bank, um gegen die nach der Rückkehr ihrer Verletzten nahezu in Bestbesetzung und breit aufgestellte MT Melsungen zu bestehen. "Wir mussten eine bittere, sehr bittere Niederlage einstecken. Melsungen war das glücklichere Team, das gleiche hätte ich aber auch über uns gesagt, wenn wir nach diesem Riesen-Fight jubelnd vom Feld gegangen wären", sagte Jicha direkt nach der Partie. "Unser geliebter Sport kann manchmal auch grausam sein, heute konnte es keine zwei Sieger geben. Jemand musste diesen Pokal mitnehmen. Jeder meiner Spieler hat alles gegeben, aber es hat nicht gereicht. Wir haben jetzt mit einem tiefen Schmerz zu kämpfen, sind völlig leer und traurig."

Rückkehr in die Kampa-Halle

Für die Zebras begann die letzte Woche der Saison also mit einer Silbermedaille und einem Traum, der unerfüllt blieb. Und dennoch wollen sie die Saison gut zu Ende bringen, auch wenn die Rückkehr in den Liga-Alltag mit leeren Akkus und Köpfen nach dem Saison-Höhepunkt in Hamburg hart sein wird. Denn es geht auch darum, den scheidenden Spielern eingen guten Abschied aus Kiel zu ermöglichen. Und natürlich um den eigenen Ehrgeiz, in jedem Spiel das Bestmögliche herauszuholen. Und so machen sich die Kieler, die am Montag frei bekamen um im Kreis ihrer Familien die Enttäuschung nach der Final-Niederlage verarbeiten zu können, Dienstag direkt nach dem Abschlusstraining auf den Weg nach Ostwestfalen. Dort, wo GWD Minden nach schier unendlich scheinender Zeit wieder echte Heimspiele bestreiten kann. Denn die altehrwürdige Kampa-Halle, die im Erstliga-Abstiegsjahr von GWD 2023 wegen bautechnischer Mängel geschlossen wurde und während der Zweitligazeit der Grün-Weißen drei Jahre lang saniert wurde, ist seit Februar dieses Jahres wieder Heimspielstätte der Mindener.

Minden kämpft um den Klassenerhalt

Die hatten während Sanierungsprozesses der eigenen Halle in die Nachbarschaft beim Erzrivalen in Lübbecke ausweichen müssen. Doch das Heimspiel-Martyrium hat seit Februar 2026 ein Ende: GWD Minden ist zurück in der Kampa-Halle! Doch offenbar hatte die Mannschaft von Trainer Aaron Ziercke, die wir bereits im Vorbericht zum Hinspiel ausführlich vorgestellt hatten, mit Eingewöhnungs-Problemen zu kämpfen, wartet sie doch noch immer auf den ersten Sieg in der Kampa-Halle. Bisher stehen dort nur zwei Unentschieden auf der Habenseite, und weil nach dem Jahreswechsel auch nur ein Auswärtssieg (32:28 im Ostwestfalen-Duell in Lemgo) und ein Punktgewinn in Göppingen hinzukamen, steckt Grün-Weiß Dankersen Minden mittendrin im Schlamassel: Mit aktuell 15 Punkten geht der Aufsteiger als Tabellen-17. in die letzten beiden Saison-Begegnungen und hat damit zwei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Weil GWD zudem das mit Abstand schlechteste Torverhältnis aller beteiligten Clubs vorzuweisen hat, droht bei einer Niederlage gegen den THW Kiel am Mittwoch der direkte Wiederabstieg.

Infos rund um die Partie

Ein Grund mehr für die Zebras, auf der Hut zu sein, wird der Gegner um seinen überragenden Mittelmann Ian Weber (117 Tore, 72 Assists) im Traditionsduell doch alles dafür tun, den letzten Rettungsanker zu ergreifen. Zumal das Team von der Weser durchaus mit einem Sieg gegen die vom Final-Wochenende ausgelaugten Kieler liebäugelt. "Der letzte Heimsieg der Dankerser datiert nämlich auf den 12.02.2006. Eine Wiederholung gut 20 Jahre später wäre aus Sicht der Grün-Weißen nun der perfekte Zeitpunkt", hieß es auf der Homepage des Clubs. Und Trainer Ziercke kündigte an, dem THW Kiel "möglichst viele Steine in den Weg legen" zu wollen: "Auch wenn der THW am Sonntag gegen Melsungen verloren hat und auch in der Liga nicht die Rolle gespielt hat, die er eigentlich spielen wollte, muss man bedenken, dass er trotzdem im Finale stand und er der Rekordmeister ist. Kiel hat zwei schwere Spiele in den Knochen. Das wollen wir versuchen auszunutzen. Wir müssen an unsere Chance glauben." Das Hinspiel im September, in dem Youngster Rasmus Ankermann seine Tor-Premiere in der stärksten Liga der Welt feierte, ging mit 33:25 an den THW Kiel (siehe Spielbericht). Schiedsrichter der Begegnung am Mittwoch (19 Uhr) sind Ramesh und Suresh Thiyagarajah, Dyn überträgt live aus der Kampa-Halle, die restlos ausverkauft ist. Weiter geht’s in Minden, Kiel!