
120 Minuten Final4-Finale gegen RK Nexe: THW Kiel reist zum Viertelfinal-Hinspiel nach Kroatien
Einfach ist die personelle Situation des THW Kiel nicht, und dennoch geht die Reise unaufhörlich weiter: Montag führt der Weg die Zebras nach Kroatien, wo am Dienstagabend um 18:45 Uhr in Nasice das wichtigste Auswärtsspiel der Europapokal-Saison ansteht. Bei der kroatischen Top-Mannschaft RK Nexe wollen sich die Kieler im Viertelfinal-Hinspiel eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel eine Woche später an der Förde (Karten unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT) erarbeiten, in dem dann die Entscheidung über die Teilnahme an den Winamax EHF Finals in Hamburg fällt. Die Partie im ausverkauften kroatischen Hexenkessel "Kralja Tomislava "können Zebra-Fans live bei Dyn und DAZN verfolgen.
Ohne Fünf in die Final-Spiele vor dem Finale?
Nachdem die Kieler am Samstagabend ihr Liga-Heimspiel gegen Leipzig mit einem Rumpfkader bestreiten mussten, in den aufgrund der Personalmisere auch der A-Jugendliche Johan Rohwer aufrückte, ist unklar, mit welchem Aufgebot die Zebras die ersten 60 von 120 Viertelfinal-Minuten überhaupt bestreiten können. Sicher ist, dass ihnen mit Emil Madsen, Elias Ellefsen á Skipagötu und Eric Johansson wohl das komplette "E-Trio" im Rückraum fehlen wird, auf das das Spiel des THW Kiel noch in der Vorbereitung auf die Saison eigentlich ausgerichtet war. Ein Einsatz von Kreisläufer Veron Nacinovic (Nasenbeinbruch) ist ebenso fraglich wie der von Rechtsaußen Bence Imre, der gegen Leipzig eigentlich den seit Wochen angeschlagenen Lukas Zerbe entlasten sollte, aber mit Fieber im Bett bleiben musste. "Ich mache mir große Sorgen, habe diesen negativen Mist aber langsam auch richtig satt", sagt THW-Trainer Filip Jicha, der in Anbetracht der seit zwei Jahren andauernden Verletzungs- und Krankheits-Seuche fast philosophisch wird: "Vielleicht müssen wir dieses extrem bittere Getränk bis zum letzten Tropfen austrinken, bis wieder etwas Süßes kommt."
Kroaten sind Stammgast in der European League

Nexe hatte in dieser Saison viel Grund zum Jubeln
Personell hat der THW Kiel also einmal mehr mit schlechten Voraussetzungen zu kämpfen. Dabei ist das Erreichen der Winamax EHF Finals in Hamburg der große Traum der Zebras und ihrer vielen tausend Fans, die Ende Mai die Arena im Volkspark wieder zur "weißen Wand"-Festung verwandeln wollen. Doch zwischen dem Kieler Wunsch und der Realisierung steht mit RK Nexe ein unangenehm zu bespielender Club. Der wird auch angesichts der Kieler Personalsituation selbstbewusst in die Viertelfinal-Auseinandersetzung gehen und mit seinem robusten System und seinen heißblütigen Fans alles dafür tun, Ende Mai an der Elbe selbst um den Europapokal-Titel zu kämpfen. Denn der Verein ist so etwas wie der Stammgast im zweitwichtigsten europäischen Handball-Wettbewerb: Seit 2008 geht die kroatische Top-Mannschaft hier auf die Jagd. 18 Jahre in Folge EHF-Cup und EHF European League – klar, dass man sich angesichts dieser Serie auch für die aktuelle Spielzeit eine Menge vorgenommen hat und diesen Plan bisher exakt umgesetzt hat.
Torgefährlicher Rückraum

Bekannt aus der HBL: Kresimir Kozina
In dieser Spielzeit qualifizierten sich die Kroaten unter anderem durch einen finalen 26:23-Erfolg gegen die TSV Hannover-Burgdorf für die Play-offs, nachdem man in der Gruppenphase bereits mit einem Auswärtssieg in Schaffhausen und dem Heim-Erfolg gegen Ademar Leon für Aufsehen gesorgt hatte. Im Achtelfinale bezwang man den schwedischen Spitzenclub IFK Kristianstad um den ehemaligen Kieler Linksaußen Emil Frend Öfors auswärts mit 36:34, das entscheidende Spiel vor 2000 enthusiastischen Fans im Hexenkessel "Kralja Tomislava" ging mit 32:27 an RK Nexe. Die torgefährlichsten Trümpfe des Teams spielen auf Halblinks, wo die drei kroatischen Nationalspieler Tin Lucin (47 Treffer), vor der vergangenen Saison vom Champions-League-Teilnehmer Orlen Wisla Plock zurück in die Heimat gewechselt, Luka Moslavac (44) und dessen 19-jähriger Bruder Matko (39 Tore) für viel Druck sorgen. Im rechten Rückraum wirbelt mit Aleksandar Cenic (30 Tore) ein spanischer Nationalspieler mit serbischen Wurzeln.
Nur ein Neuzugang beim Viertelfinal-Gegner
Insgesamt hat sich das Team von Cheftrainer Kreso Ivankovic, in dem mit Manuel Strlek (unter anderem Kielce, Veszprem und Füchse Berlin) und Kresimir Kozina (spielte für Flensburg, Berlin und Göppingen in der DAIKIN HBL) weitere auch in Deutschland sehr bekannte kroatische Spieler stehen, nach dem großen Umbruch vor der Spielzeit 2024/2025 ein Jahr später offenbar gefunden. Der Prozess wurde auch dadurch erleichtert, dass vor der Spielzeit mit dem 23-jährigen Torhüter Marcel Jastrzebski von Orlen Wisla Plock nur ein Neuzugang integriert werden musste.
Duvnjaks Reise in die Heimat

Gefeiert: Domagoj Duvnjak spielt in seiner Heimat
"Natürlich sind Spiele in Kroatien immer etwas Besonderes für mich. In Nasice ist es das vielleicht noch ein bisschen mehr", freut sich THW-Kapitän Domagoj Duvnjak auf die Partie am Dienstag. Aus gutem Grund, ist seine Geburts- und Heimatstadt Dakovo doch nicht einmal 40 Kilometer entfernt. "Familie und Freunde werden uns in der Halle unterstützen", freut sich Duvnjak auf etliche kroatische Fans in Schwarz-Weiß, die sich zu den THW-Anhängern gesellen werden, die von Kiel aus die Reise nach Kroatien antreten werden. Diese wird für den Kieler Tross extrem aufwändig und beginnt am frühen Montagmorgen im Bus nach Hamburg. Von dort fliegt die Zebraherde in die ungarische Hauptstadt Budapest, von wo aus es nach einem gemeinsamen Mittagessen mit dem Bus weiter in die gut 400 Kilometer entfernte kroatische Kleinstadt Nasice geht. Am Abend findet in der Arena "Kralja Tomislava" das Abschlusstraining der Kieler statt.
Infos rund ums Spiel

Auch im Vorjahr war der Hexenkessel ausverkauft
Am Dienstag dann wird diese kleine Halle zum Hexenkessel: Mehr als 2000 heißblütige Fans werden ab 18:45 Uhr für eine extrem hitzige Atmosphäre sorgen, in der die Kieler kühlen Kopf bewahren wollen. "Nexe ist in jedem Fall stärker einzuschätzen als im vergangenen Jahr", weiß Duvnjak, der deshalb auch nicht mehr auf die Vorjahresergebnisse schaut: 35:26 (Spielbericht) siegten die Zebras damals in der Gruppenphase in Nasice, beim Kieler 31:28-Erfolg im Rückspiel zeigten die Kroaten an der Förde dann aber ihre wahre Stärke. Duvnjak: "Wir müssen in der speziellen Atmosphäre auf der Hut sein und dürfen unser Ziel - Hamburg - nie aus den Augen verlieren. Wenn wir das schaffen, bin ich mir sicher, dass der Final4-Traum von uns und unseren Fans wahr werden wird." Schiedsrichter sind die beiden Rumänen Mihai Marian Pirvu und Radu Mihai Potirniche, das Kampfgericht besetzt der EHF-Delegierte Peter Dvorsky aus der Slowakei. Dyn und DAZN übertragen live. Weiter geht's mit Teil eins des Viertelfinal-Finales bei RK Nexe, Kiel!












