Youngster und schwere Gegner: Der lange Weg des THW Kiel zu den Winamax EHF Finals in Hamburg

European League

Youngster und schwere Gegner: Der lange Weg des THW Kiel zu den Winamax EHF Finals in Hamburg

Am kommenden Wochenende wird Hamburg zum Nabel Handball-Europas: Bei den Winamax EHF Finals 2026 geht es Samstag und Sonntag um den ersten internationalen Titel der Saison im Vereinshandball der Männer. Als Turnierfavorit startet der Doppel-Titelverteidiger aus Flensburg, der mit dem dritten Europapokal-Triumph in Serie Geschichte im zweitwichtigsten kontinentalen Wettbewerb schreiben will. Mit Flensburg, dem THW Kiel und seinem Halbfinal-Gegner Montpellier HB gehen drei ehemalige Champions-League-Sieger und die auf allen Positionen mit Weltklasse besetzte MT Melsungen in der Barclays Arena auf die Jagd nach dem begehrten Pokal. Der Weg des THW Kiel ins Halbfinale war in einer bis dato vom Glück nicht unbedingt geküssten Saison lang: Wir rufen vor dem Final4 die von weiten Reisen, Verletzungssorgen, Youngster-Einsätzen und starken Gegnern geprägte Kieler Road to Hamburg ins Gedächtnis.

Souveräne Gruppenphase

Drei männliche Handballspieler treten während eines Spiels gegeneinander an; der Spieler in Weiß befindet sich zwischen zwei Spielern in Blau und Rot, alle konzentriert und in Bewegung. Die Zuschauer sind im Hintergrund unscharf."Bei den EHF Finals stehen mit uns, Montpellier und Flensburg drei Teams im Halbfinale, die schon in den Gruppenphasen aufeinandergetroffen sind. Das zeigt, wie anspruchsvoll unser Weg nach Hamburg war", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi in einer ersten Reaktion direkt nach der Auslosung. Wie wahr, kam es doch bereits zum Auftakt des Wettbewerbs zum Duell zwischen dem THW Kiel und Montpellier. Das Hinspiel in Frankreich gewannen die Zebras - damals mit einem starken Youngster Leon Nowottny im Tor - mit 30:28. Dann marschierte der THW Kiel durch Erfolge gegen den BSV Bern (35:27 in Bern und 37:27) aus der Schweiz und RKP Ostrovia aus dem zentralpolnischen Ostrow Wielkopolski (34:21 in Kiel, 33:25) durch die Gruppenphase, setzte sich nicht nur gegen topmotivierte Konkurrenz, sondern auch die Reisestrapazen durch.

Hauptrunden-Durchmarsch direkt ins Viertelfinale

Ein männlicher Handballspieler in einem weißen Trikot mit der Nummer 22 jubelt mit ausgestreckten Armen auf dem Spielfeld, während eine große Menschenmenge auf der Tribüne im Hintergrund zuschaut.Im Finale um den ersten Platz in der Gruppe kam es zum Wiedersehen mit Montpellier HB, das einen rabenschwarzen Tag erwischte und den Zebras beim 27:18-Heimsieg klar den Vortritt lassen musste. Für Viktor Szilagyi und den THW Kiel haben diese beiden Resultate allerdings nur noch statistischen Wert, sind längst Geschichte. Genau wie die Halbfinal-Niederlage gegen die Franzosen im Vorjahr. Szilagyi: "Es wird ein offenes Duell um den Finaleinzug, auch wenn uns in der Gruppenphase zwei Siege gegen Montpellier gelungen sind. Erfahrungsgemäß haben solche Turniere einen eigenen Charakter, und der größere Wille und die Tagesform entscheiden." Gleiches gilt für ein mögliches drittes Duell mit der SG Flensburg-Handewitt, die die Kieler in der Hauptrunde auswärts mit 32:30 und zu Hause mit 36:29 bezwangen, was nach den Erfolgen gegen Bidasoa Irun (37:32 in Spanien, 27:20 in Kiel) gleichbedeutend mit dem Gruppensieg für Schwarz-Weiß war.

Projekt "Jugend forsch"

Durch diesen ersparte man sich an der Förde die Play-offs. Ein wichtiger Faktor angesichts der Personalprobleme der Zebras, die sich durch die gesamte Saison ziehen. So standen mit Andreas Wolff, Kapitän Domagoj Duvnjak, Rune Dahmke, Harald Reinkind, Lukas Zerbe, Lukas Laube und Rasmus Ankermann nur sieben Spieler in allen zwölf Partien im Aufgebot, insgesamt kamen in der EHF European League 21 Spieler zum Einsatz. Sichtbare, statistisch belegbare Zeichen der Improvisationskunst von Trainer Filip Jicha, der aus der (Personal-) Not eine Tugend machte und - wie schon in der Vorsaison - international das Projekt "Jugend forsch" ausrief: Mit Ankermann (18 Jahre), Johan Rohwer (19), Leon Nowottny (20), Ben Szilagyi (19) und Jesse Dahmke (21) kamen gleich fünf in den Nachwuchs-Leistungsmannschaften des THW Kiel ausgebildete Youngster auf der Road to Hamburg zum Einsatz und sammelten internationale Erfahrung.

Dramatisches Viertelfinale

Ein männlicher Handballspieler in einem weißen Trikot feiert leidenschaftlich auf dem Spielfeld, mit ausgestreckten Armen und offenem Mund, während im Hintergrund eine Menschenmenge zusieht.Im Viertelfinale waren mit Ankermann und Rohwer noch zwei von ihnen mittendrin. Es kam zum Duell mit RK Nexe aus Kroatien. Nach dem 30:33 auswärts, der ersten Kieler Niederlage im laufenden Wettbewerb, beschwor die einmal mehr ersatzgeschwächte Zebraherde die Magie der Merkur Ostseehalle - und die entfaltete ihre ganze Wirkung: Jeder einzelne Fan auf der Tribüne hatte Lust darauf, seine Zebras siegen zu sehen. Jeder einzelne wollte helfen, dass sich der THW Kiel den Traum von Hamburg erfüllt. 6000 Zuschauer in der "weißen Wand" kreierten eine wirklich magische Atmosphäre, die der angeschlagenen Zebraherde unglaublich half. "Das war großartig, beeindruckend, einfach geil", lobte der am Knie verletzte Eric Johansson, zehnfacher Torschütze und X-Faktor der Zebras, die Fans. Die eingesetzte erste Sieben des THW Kiel - allerdings ohne die beiden Langzeitverletzten Emil Madsen und Elias Ellefsen á Skipagötu - lieferte eine Energieleistung ab.

Traum erfüllt und neues Ziel gesetzt

Zwei männliche Sportler in Sportuniformen umarmen sich freudig auf einem Hallenplatz, umgeben von jubelnden Zuschauern und anderen Spielern. Der eine trägt ein rotes Trikot, der andere ein weißes. Die Szene fängt die Aufregung und den Jubel ein.So konnten die Zebras das Hinspiel-Ergebnis nach 60 Minuten egalisieren. Zum ersten Mal überhaupt musste in der Kieler Arena das Siebenmeterwerfen eine Partie der schwarz-weißen Hausherren entscheiden - und die behielten einen kühlen Kopf und zeigten keine Nerven: Gonzalo Perez de Vargas und Andreas Wolff hielten einen Strafwurf, während die Kieler Werfer sicher verwandelten. Am Ende traf der überragende Eric Johansson zum umjubelten Siegtreffer (siehe Spielbericht): Der THW Kiel und die weiße Wand hatten sich ihren gemeinsamen Traum von der Teilnahme an den Winamax EHF Finals in Hamburg erfüllt. Johansson: "Das erste Ziel ist erreicht. Jetzt haben wir ein neues für den Halbfinal-Samstag: Mit unserer 'weißen Wand' wollen wir jetzt ins Finale!" Der lange, schwere Kieler Weg in der EHF European League - er soll in der Barclays Arena bis zum großen Traum weitergegangen werden...