KN: „Es fühlt sich anders an“

Champions League

KN: "Es fühlt sich anders an"

Kiel. Nach Paris ist vor Wetzlar. Oder anders: Am Montagmittag nach dem Training war für Alfred Gislason, Trainer des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, das 15-Millionen-Orchester von Paris Saint-Germain schon wieder abgehakt, widmete sich der Isländer überwiegend dem nächsten Auswärtsgegner am Donnerstag (19 Uhr), der HSG Wetzlar.

Ole Rahmel verdiente sich für sein Champions-League-Debüt ein Sonderlob

Ein bisschen wirkte das 22:25 gegen PSG dann aber doch noch nach. Bei der Frage, ob Rechtsaußen Niclas Ekberg bei dem Gesichtstreffer von Uwe Gensheimer in der 13. Minute Schlimmeres davongetragen hatte (nichts, abgesehen von Nasenbluten und einem Brummschädel) beispielsweise oder der Analyse einer aufgrund einer hohen Fehlerquote nie zu verhindernden Niederlage, bei der es sich PSG sogar erlauben konnte, drei aktuelle und ehemalige Welthandballer entweder nur in der Abwehr (Nikola Karabatic), erst ab der 47. Minute (Daniel Narcisse) oder so gut wie gar nicht (Thierry Omeyer) einzusetzen. Kaum auszudenken, was für die Kieler an einem fehlerärmeren Tag möglich gewesen wäre.

Kein Wunder, dass bei Rechtsaußen Ole Rahmel im Widerstreit der Gefühle die negativen nach 60 Minuten überwogen: "Wir haben gegen die stärkste Mannschaft der Welt mit allein vier Welthandballern gespielt und hatten sie für mein Empfinden im Griff. Dann haben wir zu viele Fehler gemacht. Ich glaube, wenn wir einen Tick besser gespielt hätten und konzentrierter bei den Abschlüssen gewesen wären, hätten wir eine reelle Siegchance gehabt. Solche Tage passieren, wir spielen da ja auch nicht gegen Blinde. Wir waren zu hastig, wollten vielleicht zu sehr, dann wurde es krampfig. Manchmal kann auch zu viel Wille im Spiel sein."

Der 27-Jährige gehörte neben Niklas Landin und Marko Vujin am Sonntag zu den Lichtblicken im Kieler Spiel. Er, der nach guten Auftritten im Pokal, einem verworfenen Siebenmeter im Supercup sowie einem Kurzeinsatz im ersten Bundesligaspiel gegen Lübbecke bislang zum Bankdrücken verdammt war, Niederlagen gegen Hannover und Melsungen von der Seitenlinie aus über sich ergehen lassen musste und nun gegen den Königsklassen-Riesen Paris sein Champions-League- und Heimdebüt in der Sparkassen-Arena zugleich feierte. "Zu Hause zu spielen, dann auch noch relativ lange und vor dieser Kulisse in einem solchen Spiel - das ist der Grund, warum ich nach Kiel gewechselt bin", so Rahmel, der sich mit seiner Sparkassen-Arena-Premiere "ganz zufrieden" zeigte. Nach 24 Minuten kam der Nationalspieler für den angeknockten und abschlussschwachen Ekberg (ein Treffer aus fünf Versuchen) ins Spiel, scheiterte prompt frei vom Kreis an PSG-Keeper Rodrigo Corrales, verdiente sich dann aber ein Sonderlob seines Trainers: "Ole hat seine Sache richtig gut gemacht, er war vorne und hinten gut. Hinzu kamen noch zwei klare Fouls gegen ihn. Bei dem einen hätte Luka Karabatic für einen Schlag in den Magen zwei Minuten bekommen müssen. Ole ist ein richtig guter, körperlich sehr robuster Außen. Und er kann auf Halb decken. Ekberg hatte keinen guten Tag. Aber er spielt trotzdem bisher eine sehr gute Saison."

Rahmel ist seit Sonntag angekommen in der europäischen Eliteklasse. "Es fühlt sich schon anders an, auf Top-Niveau in der Champions League zu spielen: die Arena, die Mannschaft, die Gangart", sagt der Linkshänder. Aus Erlangen nach Kiel ins Konzert der ganz Großen. Und am Donnerstag eine echte Alternative für den Bundesliga-Alltag in Wetzlar.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 18.09.2017, Foto: Sascha Klahn)