Nächste Auswärtshürde: THW Kiel zwischen den beiden Viertelfinal-Spielen in Wetzlar gefordert

Bundesliga

Nächste Auswärtshürde: THW Kiel zwischen den beiden Viertelfinal-Spielen in Wetzlar gefordert

Auf die Kieler wartet zwischen den Viertelfinal-Begegnungen in der EHF European League gegen RK Nexe noch eine unangenehme Auswärtsaufgabe in der stärksten Liga der Welt: Am Samstag ist der THW Kiel am 30. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga in Wetzlar gefordert. Die HSG hat zuletzt im Abstiegskampf ordentlich Boden gut gemacht und ist nach dem jüngsten Erfolg gegen den Vize-Pokalsieger Bergischer HC erstmals seit vielen Monaten wieder über den berühmten "Strich" in der Tabelle gerückt. Anwurf in der ausverkauften Buderus Arena ist um 20 Uhr, der Handball-Streamingdienst Dyn überträgt live.

Weite Reise zwischen Viertelfinal-Spielen

Auch zwischen den wichtigen Spielen im Europapokal-Viertelfinale gegen RK Nexe, das entscheidende Rückspiel findet am kommenden Dienstag in Kiel statt (jetzt noch Tickets sichern!), extrem gefordert. Und das nicht nur wegen der Reisestrapazen, denn die Schwarz-Weißen machen sich nach der Rückkehr aus Kroatien am späten Mittwochabend bereits am Freitagmittag wieder auf den Weg zu einem der am weitesten entfernten Auswärtsspiele in der DAIKIN HBL Vielmehr ist die Buderus Arena ein heißes Pflaster für Kiel: Im Vorjahr unterlagen die Zebras dort mit 25:27 (Spielbericht, mehr Infos auch in der Gegnerstatistik im THW-Archiv). "Wir wollen uns natürlich die Punkte holen, auch wenn es für uns ein extrem schwieriges Unterfangen in dieser Halle gegen einen um seine Existenz kämpfenden Gegner werden wird", ahnt THW-Kapitän Nikola Bilyk. "Trotz allem wollen wir uns dort gut präsentieren und uns auch Selbstbewusstsein für das Rückspiel gegen Nexe holen."

Wetzlar jubelte zuletzt über Big points

Eine jubelnde Menge in einer Sportarena, viele in grünen Trikots, jubelt, winkt und feiert mit den Spielern. Ein Schlagzeuger spielt im Vordergrund und ein Kameramann filmt die lebhafte Szene. Im Hintergrund hängt ein großes Transparent.Die HSG Wetzlar hat nach turbulenten Monaten und dem zeitweiligen Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz zuletzt sportlich für positive Schlagzeilen gesorgt. Fünf Punkte holten die Mittelhessen aus den letzten fünf Partien, feierten dabei die Saisonsiege vier und fünf und meldeten sich somit eindrucksvoll zurück im bisher so heiß umkämpften Ringen um den Klassenerhalt. Vor allen Dingen der 33:29-Sieg gegen den Vize-Pokalsieger Bergischer HC am vergangenen Sonntag ließ Wetzlar jubeln: Erstmals seit dem 23. November rückte der kommende THW-Gegner durch den Erfolg auf einen Nichtabstiegs-Platz vor. Einer der wichtigsten Akteure auf dem Platz war ein ehemaliger Kieler: Andreas Palicka. Der inzwischen 39 Jahre alte schwedische Torhüter hielt elf Würfe der Gegner und ebnete seiner Mannschaft so den Weg zu zwei ganz wichtigen Zählern.

Packendes Hinspiel mit entscheidendem Kieler Triple-E

Ein Handballspieler in einem weißen Trikot springt und bereitet sich darauf vor, den Ball in Richtung Tor zu werfen, während ein Torwart in einem schwarz-rosafarbenen Trikot mit der Nummer 10 versucht, den Schuss zu blocken. Eine Menschenmenge schaut im Hintergrund zu.

Emil Madsen erzielte im Hinspiel acht Tore

Palicka ist neben Trainer Rúnar Sigtryggsson das zweite neue HSG-Gesicht im Vergleich zum Hinspiel Anfang September. Das erste Heimspiel der Saison gewannen die Zebras damals gegen eine spielerisch stark verbesserte HSG-Mannschaft mit 34:30 (siehe Spielbericht). An der Seitenlinie stand damals ein weiterer ehemalige Kieler: Momir Ilic. "Momo", in der Endphase der Vorsaison bereits in die Bresche gesprungen, und die HSG-Spitze tauschten nach einer insgesamt enttäuschenden Spielzeit 24/25 gleich acht Spieler aus. Ilic ließ Wetzlar mit den acht "Neuen" variabler und auch mit viel mehr Tempo agieren als in den Jahren zuvor, als die Wetzlarer als "Meister der Spielverschleppung" nicht viele Sympathien, aber dafür viele Punkte gewannen. Die neue HSG war also in Kiel drauf und dran, nach dem Auftakt-Unentschieden in Flensburg einen weiteren großen Erfolg zu feiern. Diesen wendete der THW Kiel ab: Mit einem Andreas Wolff, der das Torwartduell gegen Anadin Suljakovic 15:8 gewann. Vor allem aber auch mit seiner Triple-E-Achse aus Elias Ellefsen á Skipagötu, Eric Johansson und Emil Madsen, die das "brutale Tempo der HSG" (Filip Jicha damals nach dem Spiel) mit ebensolchem beantworteten und die Hälfte aller Kieler Treffer erzielten.

Momir Ilic trat im Dezember zurück

Ein Handballspieler in einem grünen Trikot springt in der Luft, um den Ball zu werfen. Er ist umgeben von gegnerischen Spielern in beigen Trikots, während im Hintergrund eine große Menschenmenge aufmerksam zusieht.

Bester HSG-Torschütze: Philipp Ahouansou

Das Triple-E der Kieler ist aufgrund der langwierigen Verletzungen von Madsen (Knie) und á Skipagötu (Schulter) sowie des temporären Ausfalls des angeschlagenen Eric Johansson (Knie) leider ebenso nur noch Geschichte wie Ilic bei der HSG. Denn dem schwungvollen Auftakt der Wetzlarer, die anfangs fünf Punkte aus den ersten sechs Spielen holten, folgte eine Negativserie mit zehn Niederlagen, die die Mittelhessen wieder in die abstiegsgefährdeten Regionen rutschen ließ. Nach dem 28:38 vor eigenem Publikum gegen die TSV Hannover-Burgdorf hatte Ilic genug und trat von seinem Trainerposten zurück. "Wir haben in den vergangenen Monaten viel investiert und unser Bestes gegeben. Die Ergebnisse zuletzt sind für uns genauso ernüchternd, wie für jeden Fan, jeden Sponsor und jeden, der diesen Verein im Herzen trägt", hatte Ilic damals gesagt. "Mir sind der Klub und die Menschen hier in Wetzlar in der Kürze der Zeit ans Herz gewachsen. Deswegen bedauere ich diese Entwicklung sehr."

Sigtryggssons Mission Klassenerhalt 

Ein Trainer mit Brille und schwarzem Polohemd gestikuliert energisch während eines Handballspiels, während im Hintergrund Spieler und eine jubelnde Menge zu sehen sind.

Neu an der Seitenlinie: Runar Sigtryggsson

Geschäftsführer Björn Seipp nahm danach die Mannschaft in die Pflicht: "Das Trainergespann ist nicht allein für unsere aktuelle Lage verantwortlich. Jeder Spieler muss sich und seine bisherigen Leistungen hinterfragen. Wir brauchen mehr Fokus und die absolute Bereitschaft in jedem Spiel." Am Folgetag präsentierte Seipp mit dem ehemaligen Leipziger Runar Sigtryggsson den Nachfolger. "Ich bin überzeugt, dass wir den Weg aus dem Tabellenkeller finden werden", hatte der Isländer beim Amtsantritt verkündet - jetzt wurde aus den Worten Realität: War das Unentschieden gegen Leipzig im Februar noch als Rückschlag gewertet worden, so waren die Siege in Minden (33;31) und eben zuletzt gegen den Bergischen HC echte Game changer und gut für das Selbstbewusstsein rund um die Buderus Arena.

Ex-Zebra Andreas Palicka ist zusätzlicher Rettungsanker

Ein männlicher Handballspieler in einem blauen Trikot mit der Nummer 52 ballt während eines Spiels jubelnd die Faust, während die Zuschauer im Hintergrund unscharf zu sehen sind.

Kam aus Kolstad: Andreas Palicka

Zu diesem trug eben auch Palicka bei - zusätzlicher Rettungsanker Nummer zwei der HSG. Der Schwede, der von 2008 bis 2015 beim THW Kiel spielte und mit den Zebras unter anderem sechs Meisterschaften und zweimal die Champions League gewann, kündigte beim chronisch finanzschwachen norwegischen Projekt Kolstad und schloss sich bis zum Saisonende den Mittelhessen an, ehe es ihn dann zu den Füchsen Berlin zieht. Seipp freute sich über den Coup: "Das ist ein starkes und wichtiges Signal im Kampf um den Klassenerhalt." In diesem sind die Wetzlarer fünf Spieltage vor Schluss und mit einem Zähler Vorsprung auf GWD Minden urplötzlich in der Pole Position und haben den Klassenerhalt jetzt wieder in den eigenen Händen. Bester HSG-Torschütze ist Philipp Ahouansou mit 143 Treffern, Neuzugang Filip Vistorop ist im Angriff der Dreh- und Angelpunkt: 58 Torvorlagen und 52 Treffer gehen auf sein Konto.

Infos rund ums Spiel 

SFür die Kieler Fans reist der mobile Fanshop nach Wetzlar, der vor der Arena schwarz-weiße Fanartikel anbieten wird. Anwurf in der bis auf wenige Stehplätze seit langem ausverkauften Buderus Arena ist Samstag um 20 Uhr, geleitet wird das Spiel von Fabian Baumgart und Philipp Dinges, Dyn ist live dabei. Tipp: Mit dem Crunchtime-Deal gibt es einen Monat der Handball-Entscheidungen bei Dyn für nur 15 statt 19,50 Euro. Weiter geht's in Wetzlar, Kiel! Fotos: HSG/Oliver Vogler / Sascha Klahn