KN: „Katar kann uns nicht mehr überraschen“

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KN: "Katar kann uns nicht mehr überraschen"

Doha. Der Gastgeber kaufte aus anderen Nationen zwölf Spieler ein, um eine wettbewerbsfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Der Gegner durfte bei diesem Turnier nur mitspielen, weil der Weltverband es ihm mit einer höchst umstrittenen Wildcard gestattete. Das Viertelfinale zwischen Katar und Deutschland (heute, 16.30 Uhr/Sky) hätte es nie geben dürfen, doch auch für Nationaltorhüter Carsten Lichtlein sind die Begleitumstände des ersten Länderspiels in der Geschichte beider Verbände längst abgehakt. "Unser Ziel ist jetzt Rio."

Deutsche Handballer wollen Chance auf Einzug ins Halbfinale nutzen

Um bei den Olympischen Spielen 2016 starten zu dürfen, müssen Lichtlein & Co bei dieser Weltmeisterschaft mindestens Platz sieben belegen. Ein Sieg gegen Katar, und die Teilnahme an einem der drei Qualifikationsturniere wäre vorzeitig geschafft. Um sich diesen Traum zu erfüllen, hat "Lütti", wie ihn die Kollegen rufen, in Doha längst die Nacht zum Tag gemacht. Morgens um fünf Uhr beantwortet er per SMS die Anfrage eines Fernsehsenders, der mit ihm seine Koffeinsucht thematisieren will. Der 34-Jährige, der beim Achtelfinal-Sieg gegen Ägypten (23:16) am Montag eine herausragende Leistung ablieferte, beginnt seine Tage mit Kaffee, Kaffee und Kaffee. Bis zu 17 Tassen, so die Legende, soll Lichtlein an einem Spieltag trinken, um in Fahrt zu kommen. Was, wie die Mitspieler frotzeln, seine hektischen Bewegungsabläufe auf dem Spielfeld erklären könnte. Lichtlein putscht sich aber nicht nur auf, er arbeitet auch akribisch. Der Gummersbacher hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Spiele des Gegners zu analysieren. Handschriftlich trägt er auf einem Blatt Papier die Wurfbilder der Schützen ein. Lieblingsecke? Wo springen sie hoch? Wie ist der Bewegungsablauf? Der 34-Jährige klärt nicht nur diese Frage, er nimmt sich auch diejenigen vor, die für die Siebenmeter zuständig sind. "Das war gegen die Ägypter ein bisschen mehr Arbeit als gewöhnlich. Viele Nationen haben nur einen Spezialisten, sie sieben." Aber: Der Aufwand lohnte sich, Lichtlein hielt drei Strafwürfe von drei verschiedenen Schützen. Die neue Nummer eins beschwor im Mannschaftshotel "Hilton" auch schon den Geist der WM 2007 herauf, als die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) die Goldmedaille gewann. "Damals war die Mannschaft ein wenig reifer, aber diese lebt von ihrer Unbekümmertheit." Im deutschen Lager ist zwar eine große Portion Respekt vor dem Team von Startrainer Valero Rivera zu spüren. Zumal die Lusail-Arena voraussichtlich mit mehr als 15000 Zuschauern ausverkauft sein wird und Katar auf dem Weg in dieses Viertelfinale unter anderem den WM-Vierten Slowenien schlug. Doch es ist deutlich zu spüren, dass die Deutschen um die große Chance wissen, gegen den Asienmeister das Halbfinale erreichen zu können. Auch Viktor Szilagyi, der mit seinen Österreichern im Achtelfinale (27:29) nur hauchdünn an den Gastgebern gescheitert war, ist zuversichtlich. "Katar kann jetzt nicht mehr überraschen", sagt der ehemalige Mittelmann des THW Kiel. "Die Deutschen müssen ihre Dominanz nutzen, um immer mit drei, vier Toren zu führen. Sie dürfen nicht am Ende in Stress verfallen." Im Rückraum verfüge Katar zwar mit Bertrand Roine, Rafael Capote und Zarko Markovic, dem Zweiten der Torschützenliste (49), über wurfgewaltige Spieler. Aber auf den Flügeln ließe die Qualität nach. Der Szilagyi-Tipp: "Die Mitte dicht machen und die schwächeren Außen werfen lassen." (Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 28.01.2015) Foto: Sascha Klahn