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KN: Krieg der Verbände

Champions League

KN: Krieg der Verbände

Kiel. Der Streit um den Termin für das Achtelfinal-Hinspiel in der Handball-Champions-League zwischen Pick Szeged und dem THW Kiel eskaliert. Grund ist eine Terminkollision mit dem Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen am 24. März, das live in der ARD übertragen wird. Pick Szeged hat ein Ausweichen auf Mittwoch oder Donnerstag (21./22. März) abgelehnt. 

Im europäischen Handball eskaliert der Streit zwischen EHF und HBL

Am Dienstag forderte die Europäische Handballföderation (EHF) den THW Kiel nach Informationen unserer Zeitung und des „Mannheimer Morgen“ auf, das Heimrecht mit dem ungarischen Kontrahenten zu tauschen und stellte ein Ultimatum bis heute, 11 Uhr. Andernfalls werde auch das Spiel in Szeged auf den 24. März terminiert.

Am Sonntag hatte der THW durch ein Remis in Paris Platz vier in der Gruppenphase und damit auch das Heimrecht im Achtelfinal-Rückspiel – gemeinhin ein Vorteil im Mannschaftssport - erkämpft. Genau dieses Privileg sollen die Zebras nun, geht es nach der EHF, wieder abgeben. Ein Dilemma, in dem auch die Löwen, die im Achtelfinale zunächst in Polen bei KS Vive Kielce antreten müssen, stecken. Laut eines Schriftverkehrs zwischen EHF und Klubs, der unserer Zeitung und dem "Mannheimer Morgen" vorliegt, berufen sich Szeged und Kielce auch auf "keine verfügbaren Hallen".

Die Hallen-Website der Arena in Szeged gibt keinen Aufschluss über eine Belegung. Trotz des von der EHF vorgegebenen Zeitfensters für die Hinspiele (21.-25. März) wird ein Wochenend-Spieltermin wegen der in Ungarn und Polen bestehenden TV-Verträge offenbar präferiert. "Neben diversen weiteren Termin-Vorschlägen sind wir sogar bereit, uns auf zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden einzulassen, um die Situation im Sinne des Handballs zu lösen", sagte Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter des THW.

Löwen am Sonnabend um 18.10 Uhr, im Charterflieger nach Szeged, Achtelfinale am Sonntagabend – eben dieses Horrorszenario drohte im Laufe des Dienstags Realität zu werden. Eine ähnliche Situation hatten die Löwen bereits im November erlebt, was zu einem Aufschrei in den Medien geführt hatte. Der THW hätte sich auf eben dieses Szenario eingelassen, um den Tausch des Heimrechts zu vermeiden. Doch auch das blockiert die EHF nun. Markus Glaser, bei der EHF für den Spielbetrieb zuständig, weist in dem uns vorliegenden Schreiben an die Klubs darauf hin: "Eine Situation, die ... für eine Menge an negativer Presse sorgen würde." Glaser wünscht sich eine "vernünftige Außendarstellung".

Der Termin für das Achtelfinale in der Königsklasse war allen Beteiligten bekannt, als die Übertragung des Bundesliga-Krachers durch die ARD an dem in der Fußball-Bundesliga spielfreien Wochenendes fixiert wurde. Bei der letzten Liveübertragung zur "Sportschau"-Sendezeit am Sonnabendabend (Leipzig gegen Löwen) hatten 1,59 Millionen Zuschauer eingeschaltet. Beim Spitzenspiel sind zwei bis drei Millionen zu erwarten - für den Handball traumhafte Werte. "Die aktuelle Situation ist für das Produkt Handball, für Fans und Spieler äußerst unbefriedigend. Das Problem ist der Situation geschuldet, dass die EHF feste TV-Verträge mit präferierten Übertragungszeiten vereinbart hat und die ausländischen Klubs ihre Heimspiele fast ausnahmslos am Wochenende austragen wollen. Grundsätzlich besteht aber ein Zeitraum von Mittwoch bis Sonntag“, sagt HBL-Präsident Uwe Schwenker. "Die ARD-Termine sind sehr langfristig ausgewählt, mit den Klubs abgesprochen und haben wegen der hohen Einschaltquoten eine herausragende Bedeutung für unsere Sportart." Von der EHF war eine Stellungnahme am Dienstag nicht zu bekommen.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 07.03.2018, Foto: Archiv / Sascha Klahn)