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KN: THW Kiel genoss den Feiertag

Champions League

KN: THW Kiel genoss den Feiertag

Kiel. Die Spieler des Handballmeisters THW Kiel haben es gelernt, besondere Momente zu genießen. Viel Zeit, große Siege zu feiern, bleibt ihnen in der Regel nicht. So wie in diesen Tagen, in denen bereits morgen Abend (20.15 Uhr) gegen den Liga-Fünften FA Göppingen ein extrem wichtiges Heimspiel auf dem Weg zur 20. Meisterschaft ansteht. Nur rund 70 Stunden nach dem grandiosen Einzug ins "Final4" der Champions League.

Überschwängliche Freude nach dem Erreichen des Champions-League-Final4

Wer nach dem 31:23 (18:10)-Heimsieg gegen Pick Szeged im Viertelfinal-Rückspiel in die Augen der Spieler blickte, sah dort reines Glück. Der sah diese Momente, für die sie so hart arbeiten. In der Hoffnung, diese raren Augenblicke im Leben eines Leistungssportlers wieder erleben zu dürfen. Am Sonntag war ein solcher Moment, Erntezeit für die Zebras. Für Spieler wie Andreas Palicka, der fünf Wochen nach seinem Sehnenanriss ein großartiges Comeback gab. Der Torhüter war ein einziges Strahlen, bedankte sich überschwänglich bei den Physiotherapeuten und Hinrich Brockmann. Mit dem Athletiktrainer hatte er zuletzt bis zu vier Stunden am Tag gearbeitet, um an diesem 19. April seinen Kollegen zu helfen, die bereits dauerhaft auf Johan Sjöstrand (Maltafieber) verzichten müssen. "Mein Herz ist voller Glück", sagte der Schwede, der sich auch bei den rund 10 000 Zuschauern bedankte, die für einen großartigen Rahmen sorgten. "Heute konnten wir gar nicht verlieren", sagte Palicka, der mit seinem Team den Zwei-Tore-Rückstand (29:31) aus dem Hinspiel bereits nach fünf Minuten aufgeholt hatte. "Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass wir das Hinspiel verloren haben", sagte der starke Marko Vujin. "So waren alle extrem konzentriert." Auch der Serbe verneigte sich vor dem Publikum. "Ich habe schon beim Aufwärmen gespürt, dass das heute ein ganz großer Tag werden wird." Die Fans behielten auch die Details im Blick. So übersahen sie nicht, dass Vujin Mitte der zweiten Halbzeit von Dean Bombac beschimpft wurde, als Kiels Linkshänder einen Siebenmeter verwandeln wollte. Der Slowene in Diensten des ungarischen Vizemeisters wurde zur Strafe bis zum Schluss ausgepfiffen. Was er gesagt hatte? "Er drohte mir, mich zu erschießen", sagte Vujin und lachte. "Das hat er bestimmt nicht so ernst gemeint." Es war ein Tag der Freude für die Zebras. Auch für Trainer Alfred Gislason ("Ich bin ein Fan des Final4") und Filip Jicha, der rechtzeitig zum Saisonfinale zu alter Klasse zurückfindet. Nach einer Sprunggelenksoperation im Herbst vergangenen Jahres hatte er lange vergeblich nach dem richtigen Gefühl gesucht. Am Sonntag, seinem 33. Geburtstag, war es endgültig wieder da. "Filip hat uns den Weg gezeigt", lobte der reaktivierte Linksaußen Henrik Lundström seinen Kapitän. Der 35-Jährige, inzwischen Manager des schwedischen Erstligisten Redbergslid Göteborg, gewann die Champions League im THW-Trikot bislang dreimal. Genau wie sein Freund Dominik Klein, der die schwarz-weiße Gala nur als Zuschauer verfolgte, allerdings erstmals ohne Krücken. Knapp vier Wochen nach seinem Kreuzbandriss wollte der Linksaußen es sich nicht nehmen lassen, das Szeged-Spiel live zu erleben. "Ich freue mich jetzt schon darauf, vor diesem Publikum in der nächsten Saison wieder Champions League spielen zu dürfen." Der Modus ist dann ein anderer. Die Zebras werden etwa in der Vorrunde nicht mehr fünf Heimspiele austragen, sondern sieben. Gleich bleibt, dass der Wettbewerb in der 19 000 Zuschauer fassenden Kölner Lanxess-Arena endet. Das "Final4", der Heilige Gral für Vereinshandballer. Neben Kiel hat sich ebenfalls zum fünften Mal der FC Barcelona für dieses Wochenende (30./31. Mai) qualifiziert. Vive Kielce (Polen) und MKB Veszprem (Ungarn) reisen zum zweiten Mal an den Rhein. Wer im Halbfinale aufeinandertrifft, wird heute (ab 11.30 Uhr live bei ) im schmucken "Palais Flora" im Botanischen Garten von Köln ausgelost. (Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 21.04.2015, Foto: Sascha Klahn)