
Das Finale vor dem Finale: THW Kiel trifft am Samstag bei den Winamax EHF Finals erneut auf Montpellier HB
Für den THW Kiel ist das Halbfinale bei den Winamax EHF Finals am Samstag wie ein Finale: Um 12:30 Uhr treffen die Zebras in der noch nicht ganz ausverkauften Barclays Arena auf Montpellier HB, das sich am vergangenen Wochenende erneut den Titel des französischen Pokalsiegers sicherte. Die Neuauflage des aus Kieler Sicht so bitter verlaufenen letztjährigen Halbfinals an gleicher Stelle ist das dritte Aufeinandertreffen der beiden ehemaligen Champions-League-Sieger in dieser Saison. "Das wird ein ganz anderes Spiel als in der Gruppenphase. Montpellier bringt eine robuste Mannschaft mit viel Selbstvertrauen mit nach Hamburg", weiß Filip Jicha natürlich auch um die aktuelle Stärke des Gegners. "Für Emotionalität auf dem Platz dürfte gesorgt sein." Auch, weil beide Teams zuletzt in jedem Jahr die Klingen kreuzten: "Da ist eine echte Rivalität entstanden", sagt der schwedische Rückraumspieler Eric Johansson, auf den am Wochenende trotz seiner Kniebeschwerden eine Menge Arbeit zukommt, fehlen dem THW Kiel an der Elbe mit Elias Ellefsen á Skipagötu und Emil Madsen zwei Leistungsträger. DAZN, Dyn und der Free-TV-Sender "DF1" übertragen live.
Nacinovic: "Wir können mit unseren Fans einen Pokal gewinnen"
"Für den THW Kiel und für mich persönlich sind das vielleicht die zwei wichtigsten Spiele der Saison. Denn wir können gemeinsam mit unseren Fans einen Pokal gewinnen - mehr Motivation braucht es nicht“, Sagt THW-Kreisläufer Veron Nacinovic, der im vergangenen Jahr mit dafür verantwortlich war, dass der Kieler Traum vom Titel bereits nach dem Halbfinale ausgeträumt war. Vor Jahresfrist spielte der außerhalb des Platzes so ruhige 2,03-Meter-Hüne noch für Montpellier HB, und die Franzosen schockten die Zebras und ihre weiße Wand damals mit dem abgefälschten Halbfinal-Buzzerbeater von Hesham zum 32:31 - die einzige Niederlage der Kieler in der vorherigen Europapokal-Saison. In dieser Spielzeit haben die Zebras diese bereits hinter sich. Das Viertelfinal-Hinspiel bei RK Nexe ging 30:33 verloren, ehe die schwarz-weißen Fans und die Mannschaft in der Merkur Ostseehalle erneut eine magische Nacht kreierten und sich im Siebenmeterwerfen den Platz bei den Winamax EHF Finals sicherten.
Drittes Duell in dieser Spielzeit ist das wichtigste
Nun geht es also erneut in der Barclays Arena gegen Montpellier HB. Dieses Mal mit Veron Nacinovic auf Kieler Seite. „Montpellier hat eine wirklich starke Mannschaft, die ich sehr gut kenne. Ich hoffe, das hilft uns am Samstag“, so der Kroate, der bereits beim Aufeinandertreffen der beiden ehemaligen Champions-League-Sieger in der Gruppenphase eine der Hauptrollen spielte: Beim 30:28-Auswärtssieg gleich zum Auftakt der aktuellen Europapokal-Spielzeit, war Nacinovic an alter Wirkungsstätte mit sechs Treffern erfolgreichster Werfer der Zebras. Beim deutlichen 27:18 im Rückspiel war er viermal erfolgreich und sorgte in der Abwehr mit dafür, dass die Franzosen zu keiner Zeit ins Spiel kamen. "Das ist Vergangenheit, das interessiert am Samstag keinen Menschen mehr", winkt Veron Nacinovic bei der Frage nach diesen beiden Partien gegen Montpellier ab.
Montpellier feierte vor einer Woche den Pokalsieg
"Es gibt zwei Spiele an zwei Tagen. Aber wir tun gut daran, uns nur auf Samstag zu fokussieren. Montpellier ist im Laufe der Saison immer stärker geworden, hat sich zu einer echten Spitzenmannschaft entwickelt. Aber auch wir haben unsere Qualitäten. Die wollen wir zeigen, dafür müssen wir an unsere Leistungsgrenze gehen und unsere Fans mitnehmen, die uns in Hamburg richtig helfen können." In der Tat hat Montpellier HB zuletzt aufgedreht - vor allen Dingen im Pokalfinale: Am vergangenen Wochenende schlugen die Südfranzosen den Champions-League-Teilnehmer HBC Nantes mit 27:24, beendeten damit eine siebenjährige Durststrecke gegen Nantes und feierten ausgelassen die Titelverteidigung und den 15. Pokalsieg in Frankreich. Drei Tage später verlor MHB allerdings in der Liga bei Saint-Raphaël Var Handball mit 33:38 - und durch den doppelten Punktverlust auch die Aussicht auf Champions-League-Startplatz zwei. Doch mit einem Titel in Hamburg könnte es Montpellier doch noch in die Königsklasse schaffen - genauso wie die drei deutschen Teilnehmer aus Flensburg, Melsungen und Kiel. Eine zusätzliche Möglichkeit, eine zusätzliche Brisanz, eine zusätzliche Aufwertung des eh schon packenden Finalturniers in der EHF European League.
Torgefährliche Mannschaft
Beste Torschützen beim Halbfinal-Gegner der Kieler sind zwei Neuzugänge: Rückraum-Linkshänder Jack Thurin kam aus Aalborg und erzielte bisher 53 Treffer, Ex-Veszprem-Mittelmann Agustin Casado 45 und Rechtsaußen Benjamin Richert, vor der Saison aus Chambery nach Montpellier gewechselt, 44 Tore. Ein Wiedersehen gibt es am Samstag mit dem brasilianischen Kreisläufer-Ungetüm Rogerio Moraes, der einst bei den Zebras seine ersten Schritte in Europa machte. Einer der Schlüsselspieler in der Mannschaft von Trainer Erick Mathé, die wir bereits im Vorbericht zum Gruppenphasen-Auftakt ausführlich vorgestellt hatten, ist natürlich auch der torgefährliche Torhüter Remy Desbonnet, der zwei seiner insgesamt sechs Europapokal-Treffer beim 33:23 im Viertelfinal-Hinspiel und beim letztlich bedeutungslosen 24:27 im Rückspiel gegen den HC Vardar 1961 erzielte. Das sieht auch Veron Nacinovic so: "Er ist ein starker Torhüter und macht das Spiel dann sehr schnell. Er ist die Basis für die rasend schnelle erste und zweite Welle, mit der MHB jede Mannschaft der Welt überrollen kann. Wir wollen auf der Hut sein - und ihnen mit allem, was wir haben, begegnen."
Ungewöhnliche Anwurfzeit
Nacinovic' Worte drücken es aus: Die Zebras sind bereit für die Winamax EHF Finals. "Die Vorfreude ist auf jeden Fall riesengroß", sagt THW-Kapitän Rune Dahmke. "Wir haben uns in einer Saison mit Höhen und einigen Tiefen die Möglichkeit erarbeitet, ein Highlight kreieren zu können." Dieses beginnt am Samstag bereits um 12:30 Uhr. Eine ungewöhnlich frühe Anwurfzeit, die einige Änderungen im Ablauf erfordert. "Wir essen am Anreisetag früher zu Abend, wir müssen am Spieltag früher aufstehen, um das System hochzufahren. Wir werden alles dafür tun, um um 12:30 Uhr bereit zu sein für ein emtionales Halbfinale, das für uns wie ein Finale ist", sagt THW-Trainer Filip Jicha. "Genauso werden wir es angehen, und alles andere wird sich dann zeigen", bekräftigt Dahmke, der keinen Nachteil in der frühen Uhrzeit sieht: "Die hat Montpellier ja auch."
Infos rund ums Spiel
Der THW Kiel macht sich am Freitagmittag nach dem Abschlusstraining auf den Weg nach Hamburg, die "weiße Wand" folgt mehrheitlich am Samstag: Mindestens 1500 Kieler Fans werden die Mannschaft in der Hansestadt unterstützen, rund 10.000 Tickets hat die EHF bereits verkauft. Noch gibt es also Eintrittskarten für das komplette Wochenende im Online-Ticketshop der EHF. Sollten nicht alle verkauft werden, wird es für den Finalsonntag, an dem um 15 und 18 Uhr gespielt wird, noch Tagestickets geben. Doch erst einmal steigt das Halbfinal-Finale am Samstag um 12:30 Uhr: THW Kiel gegen Montpellier HB! Geleitet wird das Halbfinale von den beiden Kroaten Tomislav Cindric und Robert Gonzurek. Das Kampfgericht besetzen die beiden EHF-Delegierten Marco Trespidi (Italien) und Emir Beslija (Montenegro). Für alle, die es nicht mehr in die Barclays Arena schaffen, übertragen DAZN, der Handball-Streamingsender Dyn und "DF1" im Free-TV (Infos zum Sender) alle Partien der Winamax EHF Finals, also auch zweite Halbfinale zwischen der SG Flensburg-Handewitt und der MT Melsungen um 15:30 Uhr. Auf geht's nach Hamburg, Kiel!
Weitere Informationen zu den Winamax EHF Finals:
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Auslosung: THW Kiel trifft in Hamburg erneut auf Montpellier HB












