30:33 im Viertelfinal-Hinspiel bei RK Nexe: Final4-Traum der Zebras lebt

European League

30:33 im Viertelfinal-Hinspiel bei RK Nexe: Final4-Traum der Zebras lebt

Es war für die Zebras das erwartet schwere Spiel beim kroatischen Spitzenklub RK Nexe, und trotz einer kämpferischen Glanzleistung unterlag der weiterhin von Verletzungen gehandicapte THW Kiel im Viertelfinal-Hinspiel der EHF European League mit 30:33 (13:16). 2500 Fans hatten im ausverkauften Hexenkessel von Nasice mit Unterstützung von eingespielten Pfeifkonzerten für ein Zeitstrafen- und Siebenmetergewitter gesorgt, das sich vor allen in der Endphase über den Norddeutschen entlud. Trotzdem lebt der gemeinsame Traum der Spieler und Fans in Schwarz-Weiß vom Final4, denn die Entscheidung fällt am kommenden Dienstag in Kiel: Dann empfangen die Zebras und ihre "weiße Wand" die Kroaten zum Rückspiel in der Merkur Ostseehalle. 

In Kiel ist alles möglich

Am Ende von 60 Minuten, in denen die Kieler das bessere Team waren, aber an ihrer Chancenverwertung im ersten Durchgang verzweifelten, feierten die Kroaten ihren Erfolg über den THW Kiel überschwänglich. Die Zebras indes bedauerten zwar die erste Saison-Niederlage im Europapokal, gingen aber mit dem Wissen vom Feld, dass diese reparabel sein kann. Denn mit vielen Emotionen wollen sie am kommenden Dienstag ihre eigene Halle "anzünden": Mit der großartigen Einstellung von Nasice und der Unterstützung der eigenen Fans ist für die Zebras weiterhin alles möglich. Beste Hinspiel-Torschützen in der Mannschaft von Trainer Filip Jicha waren Youngster Rasmus Ankermann, dem von Beginn an im Rückraum von Jicha das Vertrauen geschenkt wurde, und Harald Reinkind, die jeweils fünfmal trafen. Beim Gastgeber glänzte Nationalspieler Tin Lucin mit insgesamt neun Treffern.

Zebras mit zwei A-Jugendlichen im Viertelfinale

Für die kroatischen Handball-Fans war das Viertelfinal-Hinspiel der EHF European League gegen den deutschen Rekordmeister ein Handballfest: Mehr Kartenanfragen als für diese Partie gab es in der Geschichte des Klubs noch nie, die Schulturnhalle OS Kralja Tomislava in Nasice platzte mit 2500 handballverrückten Anhängern aus allen Nähnte. Und vor den Arena-Toren vergnügten sich die Fans bei einem Public Viewing und Fan-Fest, ließen nach dem Sieg ein Feuerwerk in den abendlichen kroatischen Himmel steigen. Bei den Zebras war im Vergleich zur Rumpftruppe beim enttäuschenden Remis gegen Leipzig ein bisschen personelle Entspannung angesagt: Eric Johansson stellte sich trotz anhaltender Kniebeschwerden nach Absprache mit dem Medizin-Staff der Kieler in den Dienst der Mannschaft, und Vereon Nacinovic feierte nach seinem Nasenbeinbruch in Melsungen sein Comeback. Internationale Luft schnupperte erneut der Kieler A-Jugendliche Johan Rohwer, der wie Ankermann auch in der U19 des THW Kiel spielt.

Kroaten mit dem besseren Start

Allerdings waren Emil Madsen (Knie), Elias Ellefsen á Skipagötu (Schulter) und Bence Imre nicht dabei. Der Ungar musste mit einem fiebrigen Infekt zuhause bleiben. Ein besonderes Spiel war es für Domagoj Duvnjak: Der 38-jährige THW-Kapitän ist in Dakovo, unweit von Nasice, aufgewachsen, Familie und Freunde waren dabei, drückten "Dule" wie die drei aus Kiel angereisten Fans die Daumen. Die sahen, wie Lukas Laube anfangs am Kreis wirbelte. Der Schweizer sorgte mit seinen Treffern für das 2:2 nach vier Minuten. Im Kieler Angriff lief es anfangs trotzdem nicht nach Wunsch. Ankermann warf am Tor vorbei, Rune Dahmke scheiterte an Torhüter Jastrzebski, der in der ersten Halbzeit zum großen Rückhalt für seine Mannschaft avancierte, insgesamt zwölf Bälle anhielt und ein Tor erzielte. So zogen die Kroaten mit einem 3:0-Lauf auf 5:2 davon. 

Frühe zwei Zeitstrafen für THW-Abwehrchef Pekeler

Mit vollständiger Besetzung auf dem Feld waren die Zebras klar die bessere Mannschaft, erarbeiteten sich reihenweise Chancen. Allerdings blieben viele Würfe den Ertrag schuldig, und dann störten viele Zeitstrafen den Kieler Rhythmus. Diese verhängten die rumänischen Unparteiischen früh gegen Hendrik Pekeler: Der THW-Abwehrchef kassierte seine zweite Hinausstellung bereits nach 16 Minuten. Er zuckte mit fragendem Blick mit seinen Schultern - "Peke" musste auf der Bank Platz nehmen, eine frühzeitige dritte Hinausstellung wollte Jicha nicht riskieren. Ohne Frage eine Schwächung im harten Ringen mit den Kroaten. So musste Veron Nacinovic nach vierwöchiger Verletzungspause früher als geplant aufs Feld zurück, fügte sich aber sofort gut ein. Die Kieler Abwehr packte jetzt ebenfalls fester zu, dennoch hatten die Gastgeber weiterhin knapp die Nase vorn, wurden von ihren Fans lautstark nach vorne gepeitscht. Kämpferisch warfen Domagoj Duvnjak und Co. alles in die Waagschale.

Gastgeber profitieren von Kieler Zeitstrafen

Trotzdem: Nexe lag nach 18 Minuten mit 10:7 vorn. Jicha handelte, stellte ein wenig um, wechselte durch - und vertraute weiter auf Ankermann. Der Youngster legte auf und traf per Solo, der halbrechte Alleinunterhalter Harald Reinkind erzielte routiniert seinen dritten Treffer: In der 20. Minute war der THW Kiel wieder dran. Großartig dann das 10:11 von Ankermann, der die gesamte Nexe-Hinterreihe übersprang, den Ball zum 10:11 in die kroatischen Maschen drosch. Der Ausgleich sollte aber nicht fallen: Die Kroaten machten weiter Druck, lagen in der 24. Minute mit 13:10 vorn. Zeit für eine Kieler Reaktion - die kam: Die Zebras antworteten mit einem sehenswerten 3:0-Lauf. Nikola Bilyk traf per Stemmer, Ankermann setzte sich energisch durch, und nach großartigem Anspiel des THW-Youngsters vollendete Veron Nacinovic zum 13:13. Eine zumindest umstrittene Zeitstrafe, dieses Mal gegen Magnus Landin verhängt, sorgte für abermalige THW-Unterzahl. Die Folge: ein erneuter Drei-Tore-Rückstand. Auch, weil bei Siebenmeterentscheidungen offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wurde. Egal: Lucin war zweimal von der Siebenmeterlinie erfolgreich. Pause, 16:13 für die Gastgeber.

Zebras gehen in Führung

Zwei männliche Handballspieler in weißen Trikots, einer mit der Nummer 53 zur Kamera gewandt, der andere mit der Nummer 7 abgewandt. Der Spieler mit der Nummer 53 balanciert einen Handball in der Nähe seines Gesichts. Die Zuschauer sind im Hintergrund unscharf.Kurz nach Wiederanpfiff wurde es in der Halle noch lauter: Bakic traf von Rechtsaußen, die Gastgeber lagen mit vier Toren vorn. Und der THW Kiel? Ließ sich trotz der Hektik und der Lautstärke nicht aus der Fassung bringen, behielt die Ruhe und hatte einen Rasmus Ankermann in seinen Reihen, der in dieser Phase zur Höchstform auflief, glänzende Anspiele produzierte, selbst zweimal sehenswert traf und auch in der Rückwärtsbewegung auf schnellen Beinen unterwegs war. So besaß der 18-Jährige großen Anteil an einem lupenreinen Kieler 5:0-Lauf. Zweimal Ankermann sowie Duvnjak, Nacinovic und Zerbe waren die Torschützen zum 18:17 in der 38. Spielminute: Die erste THW-Führung der gesamten Partie. Die Zebras waren jetzt wieder das bessere Team, standen gut in der Abwehr, legten auch im Angriff zu, gingen durch den verwandelten Siebenmeter von Magnus Landin erneut in Führung. 

Siebenmeter lassen Nexe jubeln

Dann erneutes Kopfschütteln auf der Kieler Bank und Unverständnis bei Landin: Er erhielt eine Zwei-Minuten-Strafe für rein gar nichts, war nicht einmal am Ort des vermeintlichen Geschehens. Den Kroaten war das natürlich egal, nutzten ihre Überzahl, gingen wieder in Führung. Jicha sprach mit Eric Johansson, erntete ein Kopfnicken - und in der letzten Viertelstunde ersetzte der Schwede den jungen Ankermann. Das Spiel wogte hin und her, Johansson fügte sich gut ein, traf selbst zweimal. Aber ausgerechnet in der Schlussphase ging die Treffsicherheit der Zebras erneut verloren. Dann kassierte Magnus Landin seine dritte Zeitstrafe. Und als die Schiedsrichter einem regulären Reinkind-Tor aufgrund eines voreiligen Pfiffes die Anerkennung verweigerten, nutzten die Gastgeber die Gunst, profitierten bei ihren letzten drei Treffern von Siebenmeter-Entscheidungen und zogen in den letzten Minuten auf 33:30 davon. Der Jubel war gewaltig, Spieler und Fans von RK Nexe feierten, als hätten sie das Ticket nach Hamburg bereits gebucht. Abgerechnet aber wird erst am kommenden Dienstag. Dann zusammen mit den THW-Fans in der Merkur Ostseehalle.

Endpiel kommenden Dienstag in Kiel

Denn im Viertelfinale ist jetzt erst Halbzeit, die Entscheidung fällt in weiteren dramatischen 60 Minuten in Kiel, in denen die Zebras gemeinsam mit ihren Fans einen Drei-Tore-Rückstand aufholen und eine weitere magische Kieler Nacht kreieren wollen. Zwischendurch geht es für die Zebras noch zur schweren Auswärtspartie nach Wetzlar, wo am Samstag um 20 Uhr die Bundesliga-Partie angepfiffen wird, Nach der Rückkehr am Sonntag wird der Fokus komplett auf Nexe, ebenfalls am Samstag in der heimischen Liga in Zagreb gefordert, gelegt. In der "Weißen Wand" ist noch Platz für das Viertelfinal-Finale in Kiel: Karten gibt es online unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT. Weiter geht’s in Wetzlar, Kiel. Und dann gemeinsam ins Heimfinale der Europapokal-Saison!

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn (Archiv)

EHF European League, Viertelfinal-Hinspiel: RK Nexe (CRO) - THW Kiel: 33:30 (16:13)

RK Nexe: Radovanovic (46.-60., 3 Paraden), Jastrzebski (1.-46., 12/1 Paraden, 1 Tor); Bakic (4), Haseljic (3), Barisic, M. Moslavac (3), Manci Micevic, Barbic (4/4), Kuze, Pesic, L. Moslavac (1), A. Cenic (3), O. Cenic(1), Vucko (1), Lucin (9/4), Kozina (3); Trainer: Jaman
THW Kiel: Perez de Vargas (1.-18., 56.-60., 2/1 Paraden), Wolff (18.-56., 3 Paraden); Duvnjak (1), Reinkind (5), Landin (1/1), Överby (n.e.), Laube (3), Johansson (2), Ankermann (5), Dahmke (2), Zerbe (3/1), Rohwer (n.e.), Abdelhak (n.e.), Bilyk (3), Pekeler, Nacinovic (4); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Mihai Marian Pirvu / Radu Mihai Potirniche (Rumänien)
Zeitstrafen: Nexe: 2 (2x Vucko (24., 58.)) / THW: 6 (2x Pekeler (7., 16.), Nacinovic (22.), 3x Landin 30., 41., 53.))
Rote Karte: Landin (THW, 3. Zeitstrafe (53.))
Siebenmeter: Nexe: 9/8 (Perez de Vargas hält Lucin (47.)) / THW: 3/2 (Jastrzebski hält Zerbe (33.))
Spielfilm: 1:0, 2:2 (4.), 5:2 (7.), 6:3 (8.), 6:5 (11.), 7:6, 9:6 (17.), 10:7, 10:9 (19.), 13:10 (23.), 13:13 (27.), 16:13;
2. Hz.: 17:13 (31.), 17:18 (37.), 18:19,. 21:19 (42.), 21:21 (44.), 25:25 (52.), 27:25 (53.), 28:27, 30:27 (56.), 32:29 (59.), 33:30.
Zuschauer: 2200 (ausverkauft) (OS Kralja Tomislava, Nasice)

Stimmen zum Spiel: 

THW-Trainer Filip Jicha: Es ist Halbzeit, und jetzt weiß wirklich jeder, was ihn am Dienstag erwarten wird. Wir müssen in unserer Halle eine ein bisschen bessere Abwehr stellen, um unseren Torhütern mehr zu helfen. Und wir müssen ein bisschen abgezockter im Angriff sein. Ich freue mich riesig darauf, Nexe am Dienstag wiederzusehen. Ich freue mich riesig darauf, uns mit ihnen mit unseren Fans im Rücken zu messen. Wir werden mit unseren Emotionen in unserer Halle in Vorleistung gehen, um unsere Fans mitzunehmen und eine weitere magische Kieler Nacht zu kreieren. Das ist unser Ziel. 60 von 120 Minuten sind gespielt. Ich freue mich auf die Entscheidung in Kiel! 

THW-Kreisläufer Veron Nacinovic: Wir haben heute mit drei Toren gegen eine gute Mannschaft aus Nasice verloren, aber wir haben noch das Rückspiel in Kiel. Ich bin mir sicher, dass unsere Fans ein Riesen-Spektakel veranstalten werden, damit wir gemeinsam nach Hamburg fahren. Das Final4 ist unser Ziel – wir sind bereit für das Rückspiel. Ich habe viel Lust darauf, solch ein Spiel in unserer Halle zu erleben. Darauf freue ich mich riesig.

Nexes Trainer Sasa Jaman: Es war ein sehr gutes Spiel von uns, aber es ist erst Halbzeit. In Kiel wird es schwer für uns. Aber das, was wir heute gemacht haben, war von hoher Qualität. Ich hoffe, dass wir in Kiel die gleiche starke Performance zeigen können.

THW-Rückraumspieler Eric Johansson: Es war ein schweres Spiel. Aus der ersten Halbzeit müssen wir eigentlich mit einer eigenen Führung mit zwei, drei Toren gehen, weil wir sehr gut gespielt und uns Chancen erarbeitet haben. Aber wir haben dafür zu viel verworfen und rennen dann einem Drei-Tore-Rückstand hinterher. In der zweiten Halbzeit gehen wir dann in Führung, am Ende steht aber trotzdem die Niederlage. Aber: Wir müssen nur drei Tore aufholen. In unserer Halle mit unseren Fans ist alles möglich!

Nexes Kapitän Kresimir Kozina: Ich bin sehr stolz auf unser Team. Die Disziplin war der Schlüssel, jeder einzelne hat sich an unseren Plan gehalten. Ich kann niemanden nennen, der heute herausragte – wir haben alle einen klasse Job verrichtet. Jetzt sind wir sehr glücklich und werden auch ein wenig feiern, auch wenn wir wissen, was uns in Kiel erwartet.