KN: „Mehr Emotionen als je zuvor“

Champions League

KN: "Mehr Emotionen als je zuvor"

Köln. #HelloCologne – sie sind alle da, die vier Mannschaften, die sich ab heute um die Krone des europäischen Klubhandballs streiten. Zuerst Papierform-Favorit Paris und Kielce (15.15 Uhr), danach der THW Kiel und Dauer-Rivale MVM Veszprem (18 Uhr). Richtig reibungslos verlief die Reise nicht: Die Zebras standen am Donnerstag im Stau auf der A7, verpassten fast den Check-in. Egal, das Fieber steigt.

Ab heute geht es in Köln um die Krone

Am Freitag stehen nun alle gemeinsam im Mannschaftshotel "Radisson Blu" in Schlagwurf-Weite von der Lanxess Arena entfernt. Der THW hat das zweite Stockwerk bezogen. Hoffentlich kein schlechtes Omen. Niklas Landin, Mikkel Hansen, Domagoj Duvnjak und und und – die Superstars (und Freunde) begegnen sich entspannt im Fahrstuhl, auf dem Flur, in der Lobby. Sie überspielen die Aufregung, spielen verbales Ping Pong. Jeder schiebt die Favoritenbürde von sich. THW-Trainer Alfred Gislason und Routinier Dominik Klein sind sich einig: Es gibt drei Favoriten in Köln, der THW ist nicht dabei. Gislasons Vorgänger in Kiel, Noka Serdarusic, der heute das Pariser Starensemble dressiert, steht zehn Meter weiter und lacht: "Wir sind nach der Pokalniederlage gegen Montpellier Favorit - auf Platz vier. Oder wie oft hat Paris die Champions League gewonnen?" Schön sei es gewesen, so der 65-Jährige, zweimal in dieser Saison gegen den THW zu gewinnen. Alfred Gislason hat sich vorgenommen, das Wochenende "zu genießen, egal, was kommt". Der Kölner Dauergast weiß: "Wir kamen mal als Favorit und fuhren deprimiert nach Hause, und wir haben schon als Außenseiter den Titel geholt." Druck? "Gibt's keinen bei uns, bei den anderen bestimmt.“ Ob die Kraft reiche? „Die Mannschaft wird alles geben." Das zweite Halbfinale und damit drei Stunden weniger Erholung sei "ein Nachteil". Ärzte und Physiotherapeuten haben im Zebralager am Freitag noch alle Hände voll zu tun. Bei Steffen Weinhold (Handbruch) geht Gislason endgültig nicht von einem Einsatz aus, bei Christian Dissinger (Pferdekuss) schon eher. Spielmacher Domagoj Duvnjak will die Überraschung unbedingt: "Wenn es soweit ist, übernehme ich Verantwortung. Ich habe noch genug Kraft für zwei Spiele in 24 Stunden." Man brauche zwei perfekte Tage. "Tagesform, ein einzelner Ball, Glück – all das kann entscheiden", so Duvnjak. Dominik Klein hat schon dreimal den Titel geholt. Trotzdem spart er nicht mit Superlativen: "Es werden mehr Emotionen im Spiel sein als je zuvor." Klein freut sich, weil andere ehrfurchtsvoll vom Kieler Mythos sprechen. Ex-Zebra Aron Palmarsson, jetzt in Diensten von MVM Veszprem, zum Beispiel. "Vielleicht ist das auch ein bisschen Angst?", sagt "Mini" Klein. All Star Niklas Landin kennt keine Verwandten mehr. Eben noch hat er mit Landsmann Mikkel Hansen gescherzt, aber "ab morgen ist Mikkel kein Freund mehr". Ein gutes Spiel am Sonnabend, sagt Landin, "dann findet man auch die Extra-Kraft für das Finale". Finale? Zuerst müsse man gegen die Ungarn "richtig hart spielen und Rodriguez und Palmarsson aus dem Spiel nehmen". Dumm nur, dass andere auch die Königsklasse gewinnen wollen. Nikola Karabatic (PSG) könnte das zum vierten Mal mit dem vierten Verein gelingen - beflügelt von der Geburt seines Sohnes Alek im April. Und Aron Palmarsson hört "immer nur, dass Veszprem Favorit ist" gegen den THW. Den hat er im vergangenen Sommer verlassen. Er kennt den Mythos: "In Kiel lernst du zu gewinnen. Zum Zuschauen sind die Kieler bestimmt nicht gekommen." (Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 28.05.2016, Foto: Sascha Klahn)