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KN: Vorbildlicher Kämpfer für das Handball-Comeback

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KN: Vorbildlicher Kämpfer für das Handball-Comeback

Donaustauf/Kiel. Was ist eigentlich mit Filip Jicha? Der Kapitän des Handballmeisters THW Kiel ließ sich Ende September am linken Sprunggelenk operieren, von einer sechswöchigen Pause war die Rede. Er hätte demnach am Mittwoch wieder auf dem Feld stehen können, als Joan Canellas die Zebras mit 14 Toren zum dramatischen 23:22 (11:11)-Heimsieg gegen den HC Erlangen führte. Tatsächlich war Jicha 800 Kilometer vom Tatort entfernt, das große Leiden erlebte er nur per Liveticker mit.

Seit mehr als drei Wochen arbeitet der Tscheche im Reha-Zentrum in Donaustauf (Bayern) an seinem Comeback, am Wochenende wird er seine Eltern in Pilsen besuchen, am Montag kehrt er nach Kiel zurück. Voller Vorfreude darauf, seinen Kollegen bald wieder eine Hilfe zu sein. Bei seiner Operation hatte Mannschaftsarzt Dr. Frank Pries neben den freien Gelenkkörperchen auch einen Knorpelschaden festgestellt. Als Jicha aus der Narkose erwachte, war seine sechswöchige Pause auf drei Monate angewachsen. „Um ihn muss sich aber niemand Sorgen machen“, sagt Pries, der mit dem Verlauf der Reha bislang sehr zufrieden ist. „Er wird seine Zeit brauchen, aber langfristig wird das Ergebnis ein gutes sein.“ Der Patient Jicha sei „genauso vorbildlich“ wie Rasmus Lauge, der neun Monate nach seinem Kreuzbandriss vor einer Woche sein Comeback gegeben hatte. Pries und Uwe Brandenburg, Physiotherapeut des Rekordmeisters, unterstützen Jicha darin, sich in einem anderen Umfeld ganz neu justieren zu lassen. Brandenburg, der einst mit Klaus Eder ein Buch geschrieben hat, nutzte seinen kurzen Draht zum Physiotherapeuten der Fußball-Nationalmannschaft, um Jicha in dessen Klinik unterzubringen. Hier hatte sich auch Sami Khedira nach seinem Kreuzbandriss auf die WM in Brasilien vorbereitet und das geschafft, was viele für ein Wunder gehalten hatten – sein Comeback in einer Mannschaft, die im Juli Weltmeister wurde. „Mir geht es super“, sagt Jicha. „Ich will und werde wieder richtig Gas geben.“ Er habe neben dem lädierten Sprunggelenk noch einige kleinere Baustellen geschlossen, die Zeit genutzt, um einmal wieder richtig hart im Kraftraum zu trainieren. „Im Moment bin ich sicher ein wenig langsamer als früher, aber dafür fühle ich mich sehr fit.“ Donaustauf sei auch für den Kopf eine tolle Sache gewesen. Hier würden sich Sportler aus allen Bereichen treffen. Fußball-Nationalspieler Mesut Özil war eine Woche dort, der serbische Tennisspieler Janko Tipsarevic trainiert hier. Zur Mittwochs-Runde, die es sich zum Ritual gemacht hat, einmal in der Woche Essen zu gehen, gehörte unter anderem auch ein Pilot aus Kiel. „Ich kann hier einmal völlig vom Handball abschalten“, sagt Jicha. Offenbar war das nötig, hatte er doch im dramatischen Finale der vergangenen Saison eine tragende Rolle dabei gespielt, die führenden Rhein-Neckar Löwen noch um zwei Tore zu überflügeln. Trotz eines Bänderrisses quälte er sich über die Runden, leistete dabei wochenlang Unmenschliches. „Ich habe dafür meine Rechnung bezahlt“, sagt Jicha, den die Schmerzen im linken Knöchel so geplagt hatten, dass er vor der Operation ein ungewohntes Bild des Jammers abgab. Er, der mit 1268 Toren in der Ewigen THW-Rangliste auf Rang zwei hinter „Max“ Wislander (1332) liegt, hatte in seinen letzten vier Pflichtspielen für den Rekordmeister nur viermal getroffen. Der Versuch, die Schmerzen in seinem Sprungbein konservativ zu behandeln, war gescheitert – da blieb ihm als letzte Option nur noch ein radikaler Schnitt. „Ich wollte der Mannschaft damals unbedingt eine Hilfe sein, aber ich konnte nicht liefern“, sagt der 32-Jährige, der sich vorgenommen hat, spätestens im Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf am 14. Dezember die Zebras wieder als Kapitän in die Halle zu führen. (von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 14.11.2014)