KN: Sigurdsson will „nicht pokern“

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KN: Sigurdsson will "nicht pokern"

Wetzlar. Dagur Sigurdsson faltete die Hände, blickte konzentriert in die Runde - und schmetterte dann alle Fragen zu seiner vieldiskutierten Zukunft ab. Der Handball-Bundestrainer wollte auf der Pressekonferenz vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal in Wetzlar (heute, 19 Uhr, Sport 1) nur über das Projekt Titelverteidigung sprechen, nicht über sich. Eine Entscheidung über einen möglichen Rückzug werde im November fallen, sagte Sigurdsson schmallippig: "Wir wollen vor der WM Klarheit haben."

Heute EM-Qualifikation gegen Portugal

Zumindest das für viele Handball-Fans schlimmste Szenario schloss der 43 Jahre alte Erfolgstrainer aus: "Ich bin sicherlich bei der WM im Januar dabei, das steht fest." Nun also die erste Reaktion auf die seit einer Woche kursierende Frage nach einem vorzeitigen Abschied des Isländers. "Ich habe kein Angebot auf dem Tisch, bei dem ich eine Entscheidung treffen muss. Ich werde in zwei, drei Wochen schauen", sagte Sigurdsson. Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis 2020, doch eine Option - zu ziehen bis zum 31. Dezember dieses Jahres - ermöglicht Sigurdsson einen vorzeitigen Ausstieg zum 30. Juni 2017. Das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) geht von einem Abschied des Isländers aus. Die "Bild-Zeitung" hatte am Donnerstag über ein mögliches Engagement beim schwerreichen französischen Topklub Paris Saint-Germain spekuliert, wo Sigurdsson rund 600 000 Euro pro Jahr und damit doppelt so viel wie beim DHB verdienen könnte. Doch offenbar geht es bei der Entscheidung nicht um finanzielle Dinge, sondern vielmehr um persönliche. So könnte Sigurdsson die japanische Nationalmannschaft auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio betreuen. Seit seiner Zeit als Spielertrainer bei Wakunaga Hiroshima (2000 bis 2003) gilt er als glühender Japan-Fan. Sigurdsson betonte in Wetzlar, dass er beim DHB "sehr glücklich" sei: "Es ist nicht mein Stil, zu pokern." Er werde nach den Spielen alles vertraulich mit DHB-Vize Bob Hanning besprechen. Sigurdsson ist der statistisch erfolgreichste Bundestrainer der Geschichte. Von 52 Länderspielen unter seiner Regie gewann die Nationalmannschaft 39. Auch wenn Ex-Bundestrainer Heiner Brand davon ausgeht, dass die junge Mannschaft einen möglichen Rückzug gut verkraften würde, eine Schwächung wäre sie allemal. Gegen Portugal fordert Sigurdsson, der neben dem Kieler Linksaußen Rune Dahmke auch auf den Berliner Linkshänder Fabian Wiede (Schulter) verzichten muss, vom Wetzlarer Publikum eine "kochende Atmosphäre". "Wir werden alles dafür investieren, dieses Spiel zu gewinnen", sagte er. Erst danach will Sigurdsson an das zweite Spiel gegen die Schweiz am Sonnabend denken. Spätestens danach wird wieder seine eigene Zukunft im Fokus stehen. (Von Christoph Stukenbrock, aus den Kieler Nachrichten vom 02.11.2016, Foto: Archiv/Sascha Klahn)