KN: „Einen von uns lassen wir nicht hängen“

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KN: "Einen von uns lassen wir nicht hängen"

Kiel. Sensation auf dem Transfermarkt: Der Kieler Publikumsliebling Christian Zeitz kehrt mit sofortiger Wirkung zum THW Kiel zurück. Der 35-jährige Rückraum-Linkshänder, der zwischen 2003 und 2014 mit den Zebras neunmal deutscher Meister und sechsmal Pokalsieger wurde sowie dreimal die Champions League gewann, schlägt nach einem zweijährigen Intermezzo beim ungarischen Meister Telekom Veszprem den Weg zurück an die Förde ein. Bei den Ungarn war "Zeitzi", der in der vergangenen Saison lange Zeit mit Schulterproblemen zu kämpfen hatte, trotz eines Vertrages bis 2017 aussortiert worden. In Kiel unterschreibt der Weltmeister von 2007 einen Zwei-Jahres-Vertrag.

THW Kiel holt Christian Zeitz zurück

Bereits am Dienstag hatte Zeitz den Medizin-Check bei den THW-Mannschaftsärzten bestanden, sollte bereits am Abend im Trainingslager in Herzogenaurach zur Mannschaft stoßen. Doch danach entwickelte sich der Wechsel wegen Unstimmigkeiten mit der ungarischen Seite zur Hängepartie. "Ich freue mich, endlich wieder ohne Probleme Handball zu spielen. Ich bin fit, meine Schulter hatte jetzt vier Monate lang Urlaub", sagte Zeitz am Mittwoch vor seiner Abreise nach Herzogenaurach, wo er zum ersten Mal auf die Mannschaft treffen sollte. Dort zeigte sich THW-Trainer Alfred Gislason erfreut über die überraschende Verpflichtung seines nunmehr neben Christian Sprenger, Niclas Ekberg, Dener Jaanimaa, Marko Vujin und Steffen Weinhold sechsten Linkshänders im Kader: "Zeitzi wird uns in der Abwehr und im Angriff helfen. Gerade in Anbetracht der neuen Regeln kann er unser Spiel noch schneller machen. Bei der Entscheidung, ihn wieder zurückzuholen, war das Handballerische das Wichtigste. Ich halte Christian für einen sehr guten Abwehrspieler. Das hat man in Veszprem wohl nicht so gesehen. Außerdem hatten wir in der Vorsaison viel Verletzungspech, sind durch ihn noch breiter aufgestellt." KN-Informationen zufolge ist keine Ablösesumme aus Kiel an den Balaton geflossen. Ohnehin soll es zuletzt auch über Zeitz' Vertragslaufzeit in Veszprem Unstimmigkeiten gegeben haben. Der verlorene Kieler Sohn, erfolgreichster aktiver deutscher Handballer, Weltmeister (2007), Europameister (2004), Olympia-Silbergewinner (2004), der vor zwei Jahren mit Abschiedsspiel und allen Zebra-Ehren verabschiedet worden war, kehrt nun also an seine alte Wirkungsstätte zurück. Besonders THW-Geschäftsführer Thorsten Storm fädelte den Wechsel hinter den Kulissen über Wochen ein. "Christian ist ein erfahrener und vielseitig einsetzbarer Spieler, der unserer jungen Mannschaft helfen wird", so Storm. „Er kennt die Abläufe und den Klub bis ins kleinste Detail, wird deshalb kaum Eingewöhnungszeit brauchen. Auch das ist angesichts der fortgeschrittenen Saisonvorbereitung und der besonderen Herausforderungen durch die Olympischen Spiele ein wichtiger Faktor." Ein Novum: Mit dem Mann mit dem "linken Hammer" kehrt erstmals ein Spieler nach Kiel zurück, der bereits einen Platz an der "Wall of Fame" unter dem Dach der Sparkassen-Arena innehat. Nach KN-Informationen hatte sich der 1,86 Meter große Routinier mit den Verantwortlichen beim Champions-League-Finalisten überworfen. Auch mit der Verpflichtung des Linkshänders Gabor Ancsin aus Szeged hatte Telekom Veszprem ein klares Signal gegen den 166-maligen deutschen Nationalspieler gesendet, der seit einigen Monaten mit Irritationen bei Gehaltszahlungen zu kämpfen hatte und nun schließlich die Notbremse gezogen hat. Gislason: "Das war bei unserer Entscheidung ein Nebenaspekt. Aber ja, einen von unseren Leuten lassen wir nicht hängen." Zeitz, der in 553 Pflichtspielen bereits 1751 Tore für den THW erzielte, plant, seine Karriere in Kiel zu beenden und danach - ohne weitere Details zu nennen - seinen Lebensmittelpunkt in der Landeshauptstadt zu belassen. "Im Juli beim Abschiedsspiel von Dominik Klein war es überragend, wie ich von den Fans empfangen wurde, das hat sich gut und richtig angefühlt. Man sieht sich im Leben bekanntlich immer zweimal. Ich habe richtig Lust, mit dem THW Kiel weitere Titel zu holen." Die Fans dürfen sich auf ein liebgewonnenes Bild freuen: Ihr "Zeitzi" wird mit seiner angestammten Rückennummer 20 auflaufen. (Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 11.08.2016, Foto: Archiv/Sascha Klahn)