KN: Die „Bad Boys“ sind zurück

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KN: Die "Bad Boys" sind zurück

Köln/Gummersbach. Zwei Siege binnen 24 Stunden: Handball-Europameister Deutschland bewegt sich auf dem Weg in Richtung Olympische Spiele in Rio de Janeiro weiter auf Spitzenniveau. Am Sonnabend besiegte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson zuerst Dänemark in Köln mit 33:26 (17:15) und ließ dann am Sonntag in Gummersbach ein weniger inspiriertes, aber dennoch deutliches 26:20 (13:7) gegen Österreich folgen.

"Gegen Dänemark haben wir gespielt wie ein Europameister."

Der Sieg gegen Dänemark ist beeindruckend, der Sieg gegen Österreich solide, souverän. An beiden Tagen erinnern die deutschen "Bad Boys" defensiv an die glorreichen EM-Auftritte in Polen. "Die Abwehr hat gut gestanden, die Torhüter ebenfalls, und nach vorne haben wir ansehnlich gespielt. Das war stark", sagt Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach der Partie gegen Dänemark vor 13.122 Fans in der Kölner Lanxess Arena, in der sich seine Mannschaft mit einigen starken EM-Rückkehrern wie Martin Strobel, Hendrik Pekeler, Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth im Vergleich zur 24:26-Niederlage gegen Katar vor drei Wochen spielerisch stark verbessert präsentiert. Zuerst singen in Köln die Höhner - als Trostpflaster für die peinliche Posse um die Hallen-Doppelbelegung. 1.600 Fans hatten ihre Karten zurückgegeben. Am Ende der anstrengenden Kölner Lehrgangswoche nutzt Bundestrainer Sigurdsson beide Partien auch zum Wechseln. Nikolai Link von Zweitliga-Spitzenreiter HC Erlangen feiert in Köln sein Debüt im Nationaltrikot. Silvio Heinevetter löst den künftigen Kieler Andreas Wolff im Tor ab, der Berliner zeigt einige starke Paraden. Das deutsche Angriffsspiel ist variantenreich. Dänemark lässt ohne seine Pariser Stars Mikkel Hansen und Henrik Møllgaard aber auch Klasse vermissen. Dennoch, der Europameister spielt sich in der Schlussphase in einen Rausch, in dem der ebenso stille wie abgebrühte Martin Strobel das Zepter schwingt und mit genialen Anspielen an den Kreis Sonderapplaus einheimst. Die Entscheidung fällt zwischen dem 25:23 (46.) und 31:24 (54.). Gegen Österreich geht es am Sonntag furios weiter. Allein Rückraum-Shooter Julius Kühn macht in seinem Gummersbacher "Wohnzimmer" bis zum 10:3 (18.) fünf Tore. Nach seinem Gewaltwurf zum 9:3 (16.) muss das Tornetz geflickt werden. Österreich schaut nur zu, während zuerst Hendrik Pekeler und später Simon Ernst in der offensiven Deckung die gegnerischen Kreise stören. "Wir sind nicht reingekommen, haben uns auch gestern erst getroffen, während Deutschland sehr eingespielt ist", sagt der Ex-Kieler Viktor Szilagyi. 13:5 (27.) - die Nachbarn sind im Derby chancenlos, und nach der Pause glänzt mit Carsten Lichtlein zwischen den Pfosten ein weiterer Gummersbacher. Je länger das Spiel dauert, desto schwerer werden die Beine nach den kräftezehrenden Trainingseinheiten der Woche. "So intensiv müssen wir spielen, sonst wird es gegen jeden Gegner eng. Gegen Dänemark haben wir gespielt wie ein Europameister", sagt Kapitän Uwe Gensheimer. Er wechselt sich auf Linksaußen mit Rune Dahmke vom THW Kiel ab, der wenig in Erscheinung tritt, an beiden Tagen jeweils einen (sehenswerten) Treffer erzielt. Dagur Sigurdsson lässt an seinem 43. Geburtstag rotieren, stellt die Abwehr um und nimmt Abstriche in Kauf: "Das hat uns aus der Spur gebracht, aber insgesamt waren beide Spiele fokussiert, stark, ich bin zufrieden." Österreichs Coach Patrekur Johannesson sagt: "Deutschland hat verdient gewonnen." Anschließend trennen sich die Wege der deutschen Nationalspieler. Für sie geht es aus Gummersbach zurück in den (Bundesliga-) Alltag, in dem sie ab jetzt unter Beobachtung ihres Bundestrainers stehen. (Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 04.04.2016, Foto: Sascha Klahn)