Starker Auftritt: THW Kiel holt zwei Punkte in Melsungen

Bundesliga
Donnerstag, 22.04.2021 // 20:28 Uhr

Der THW Kiel lässt im Titelrennen der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga nicht locker: Am 27. Spieltag gewannen die Zebras das schwere Auswärtsspiel bei der MT Melsungen klar mit 32:26 (15:12). Überragende Spieler in Schwarz-Weiß war Welthandballer Niklas Landin, der den MT-Angreifern mit 14 Paraden, darunter einen gehaltenen Siebenmeter, den Nerv zog, und Domagoj Duvnjak: Der Kieler Kapitän brachte seine Mannschaft in einer schwierigen Anfangsphase mit fünf Treffern in 15 Minuten auf Spur und traf insgesamt acht Mal. Bester Torschütze war hingegen Rechtsaußen Niclas Ekberg (9/4). 

Schweres Auswärtsspiel

Niclas Ekberg traf neun Mal

31 Spiele zählte bisher die Bilanz bei Pflichtspielen zwischen Melsungen und dem THW, 27-mal hatten die Zebras die Nase vorn, viermal gewann Melsungen. In der Rothenbach-Halle von Kassel gesellte sich Donnerstagabend ein weiterer THW-Sieg hinzu. Bester Spieler bei den Gastgebern war Linkshänder Kai Häfner, der sieben Mal ins Kieler Tor traf, außerdem mit sehenswerten Anspielen glänzte. Ein Häfner allein aber war zu wenig, um die souverän auftretenden Zebras an diesem Tag in Gefahr zu bringen. THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi zollte seiner Mannschaft großes Lob: „Das war ein schweres Auswärtsspiel, das wir hinten heraus souverän gewonnen haben", freute sich der Kieler.  

Hartes, aber faires Duell

Fünf Treffer in den ersten 15 Minuten: Domagoj Duvnjak traf insgesamt acht Mal

Auf dem Parkett in Kassel schenkten sich beide Teams zunächst allerdings gar nichts. Es ging zur Sache auf beiden Seiten. Hart, aber fair. Der THW kam besser aus den Startlöchern, ärgerte die MT-Angreifer von Beginn an mit einer offensiven 3:2:1-Abwehr mit Duvnjak als Speerspitze. So legten die Kieler durch Tore von Duvnjak und Magnus Landin ein 2:0 vor, Kai Häfner traf zum 2:1,  Duvnjak sorgte für die Kieler 3:1-Führung nach vier Minuten. Niklas Landin im THW-Tor und Silvio Heinevetter, der zunächst das Melsunger Tor hütete, hatten zu diesem Zeitpunkt mehrmals die Hände am Ball, zur Pause fiel dieses Duell mit jeweils sieben gehaltenen Bällen unentschieden aus.

Sagosen erzielt sein 100. Bundesliga-Tor

Hendrik Pekeler biss einmal mehr auf die Zähne

Mit einem 5:0-Lauf waren es dann aber die Melsunger, die das 1:3 in eine 6:3-Führung drehten. Kiels Trainer Filip Jicha reagierte mit einer Auszeit, und fortan verordnete er seiner Mannschaft bei Ballbesitz einen siebten Angreifer gegen sechs MT-Abwehrspieler. Der Griff in die Taktikkiste zeigte Wirkung, der THW Kiel antwortete mit Ekberg, einem Dreierpack von Duvnjak und insgesamt einem eigenen 5:0-Lauf vom 3:6 (10.) zur neuerlichen 8:6-Führung. Diese erzielte Sander Sagosen mit seinem 100. Bundesliga-Tor. Obwohl fortan in der Offensive nicht alles nach Wunsch lief beim Deutschen Meister, setzten sich die Kieler doch Schritt für Schritt ab. Frech dabei waren die ersten beiden Siebenmeter, die Ekberg jeweils per Heber über den genervt dreinblickenden Heinevetter erzielte. Miha Zarabec traf mit einem Kracher aus dem Rückraum in der 28. Minute zum 15:10 - die erste Kieler Fünf-Tore-Führung, die Kühn und Reichmann bis zum Pausenpfiff aber auf 15:12 schrumpfen ließen.

Landin verhindert MT-Anschluss

Mit einer energischen Einzelleistung traf Sander Sagosen dann nach dem Wechsel als Erster und zum 16:12, Linkshänder Steffen Weinhold, in der ersten Halbzeit zumeist nur in der Abwehr eingesetzt, bekam von Jicha jetzt auch das Vertrauen in der Offensive. Dieses rechtfertige er fortan mit viel Druck, guten Abspielen und drei energisch herausgeworfenen Toren. Timo Kastening brachte die Gastgeber in der 38. Minute zwar noch einmal auf 17:18 heran, die Hoffnung der Gastgeber auf eine Überraschung war dann aber in wenigen Minuten verflogen. Weinhold und zweimal Duvnjak ließen die Zebras wieder auf 21:17 enteilen, während Niklas Landin im Anschluss mit zahlreichen Glanztaten den Zebras dazu verhalf, auch eine sechsminütige Torflaute ohne nennenswerte MT-Rückschläge zu überstehen.

Ekberg mit fünf Treffern in der Schlussviertelstunde

Vier Tore: Magnus Landin

Ständiger Gefahrenherd für das MT-Tor, das ab der 40. Minute Nebosja Simic hütete, waren weiterhin Duvnjak und Sagosen. So setzte sich der THW - auch dank weiterer überragender Paraden von Niklas Landin Stück für Stück von den Melsungern ab. Ekbergs Gegenstoß zum 23:18 nach eigenem Steal war der Aufgalopp für eine überragende Schlussviertelstunde der Zebras, in der bei den Kielern nahezu alles passte und Melsungen seinen Teil zu der Niederlage auch mit technischen Fehlern beitrug. Davon profitierte vor allem Rechtsaußen Niclas Ekberg mit Tempogegenstößen und sehenswerten Toren von der Außenposition, fünf Tore erzielte der Schwede in den letzten 14 Minuten, es war sein Beitrag zum am Ende großartigen Kieler Sieg. "Es macht einfach riesigen Spaß, Teil dieser Mannschaft zu sein und in einer Liga zu spielen, in der man in jedem Spiel gefordert wird“, sagte THW-Neuzugang Sander Sagosen nach der Partie. Im Fernduell mit Flensburg hat der Norweger den Fokus aber nur aufs eigene Team gerichtet. "Wir machen unseren Job, was die Flensburger machen, können wir nicht beeinflussen."
 

Sonntag in Essen

Starker Rückhalt: Niklas Landin hielt 14 Würfe

Die nächste Auswärtstour der Kieler führt sie am Wochenende in die "Sporthalle am Hallo" in Essen: Aufsteiger TuSEM, der zuletzt nur mehr als unglücklich gegen den Tabellenführer aus Flensburg verlor, erwartet den Rekordmeister THW Kiel zum ersten Liga-Duell seit mehr als acht Jahren (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv). Anwurf ist um 16 Uhr, Sky überträgt das Nachholspiel vom 12. Spieltag live. Nach dieser Partie zerstreut sich die Zebraherde zunächst - die Nationalmannschaften rufen viele der Kieler Spieler zu sich, um die finalen Partien der EHF EURO Qualifikation zu bestreiten. Nach der "Pause", die für den Großteil des THW-Kaders wahrlich keine ist, setzen die Schwarz-Weißen ihre Auswärts-Tournee mit den Spielen in Erlangen (5. Mai) und Berlin (9. Mai) fort. Weiter geht's in Essen, Kiel! 

Fotos: Alibek Käsler

LIQUI MOLY HBL, 27. Spieltag: MT Melsungen - THW Kiel: 26:32 (12:15)

MT Melsungen: Heinevetter (1.-40., 8 Paraden), Simic (40.-60. und 1 Siebenmeter, 4/1 Paraden); Maric, Kühn (5), Lemke (1), Reichmann (6/5), Beekmann, Mikkelsen, Arnarsson (1), Allendorf (2), Pregler, Häfner (7), Salger, Kastening (2), Pavlovic (2); Trainer: Gudmundsson 
THW Kiel: N. Landin (1.-60., 14/1 Paraden), Quenstedt (1 Siebenmeter, keine Parade); Ehrig (n.e.), Duvnjak (8), Sagosen (6), Reinkind (1), M. Landin (4), Sunnefeldt (n.e.), Weinhold (3), Wiencek, Ekberg (9/4), Dahmke (n.e.), Zarabec (1), Voigt, Horak (n.e.), Pekeler; Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Nils Blümel / Jörg Loppaschewski
Zeitstrafen: MT: 3 (Lemke (24.), Allendorf (26.), Heinevetter (40.)) / THW: 5 (Duvnjak (17.), 2x Wiencek (21., 50.), M. Landin (35.), Pekeler (52.))
Siebenmeter:  MT: 6/5 (Landin hält Reichmann (2.)) / THW: 5/4 (Simic hält Ekberg (42.))
Spielfilm: 0:2 (4.), 1:3 (4.), 6:3 (9.), 6:8 (16.), 8:9 (18.), 8:11 (20.), 10:12 (24.), 10:15 (28.), 12:15;
13:17 (33.), 16:17 (36.), 17:18 (38.), 17:21 (40.), 18:22 (46.), 20:24 (48.), 21:25, 21:28 (52.), 23:30 (55.), 24:32 (59.), 26:32.
Zuschauer: keine (Rothenbach-Halle, Kassel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Filip Jicha: Wir sind sehr froh über diese beiden Punkte, da wir uns sehr schwer gegen Melsungen getan haben. Die MT hat mit großer Bereitschaft verteidigt, dann haben wir mit dem siebten Feldspieler Melsungen ein bisschen tiefer in die Defensive gezwungen und mehr Struktur in unseren Angriff gebracht. Unsere 3-2-1 war sehr zufriedenstellend. In der zweiten Halbzeit haben wir unseren Kopf nicht verloren. Denn wir wussten, dass wir uns von der besonderen MT-Deckung, die versucht, das Angriffsspiel in Einzelteile zu zerlegen, nicht zu Fehlern provozieren lassen dürfen. Bis auf ein paar Ausnahmen haben wir das gut gemacht. In einer schwierigen Phase der Saison tut so ein Erfolg bei der MT Melsungen sehr gut. 

MT-Trainer Gudmundur Gudmundsson: Nach dem Beginn sind wir gut ins Spiel gekommen, haben gegen die 3-2-1 einen sehr guten Angriff gespielt. Bei 6:4 haben wir die Möglichkeit, wegzuziehen. Haben aber drei kalre Chancen weggeschmissen - das war teuer. Gegen eine der besten Mannschaften der Welt haben wir über lange Zeit auch eine gute Abwehr gestellt, bekommen aber nicht die Abpraller. In der zweiten Halbzeit waren wir bis auf ein Tor dran, da war alles drin. Aber wir haben zuviele technische Fehler gemacht, und so hat Kiel viele Gegenstöße laufen können. Am Ende waren wir einfach müde, und unsere Alternativen fehlten.

THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi: Das war ein schweres Auswärtsspiel, das wir hintenraus souverän gewonnen haben. Gerade in der ersten Halbzeit war viel Hektik im Spiel, sehr viel Unruhe auch in unserem Spiel. Melsungen hat das in der Abwehr gut gemacht und uns immer wieder vor Aufgaben gestellt. Nach der Umstellung auf unser Sieben-gegen-Sechs haben wir das Spiel immer besser in den Griff bekommen, dazu kamen eine gute Torhüter- und Abwehrleistung. Deswgen sind wir sehr zufrieden mit dem Spiel heute. 

MT-Rückraumspieler Kai Häfner: Wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt gespielt und haben es verpasst, ein bisschen näher ranzukommen. Gerade in der zweiten Halbzeit, als wir bis auf zwei Tore verkürzen konnten. Wenn du dann die Möglichkeit auslässt, wird es gegen Kiel schwer. weil du dann anrennen musst. Bei uns sind immer ein paar Fehler zuviel - gegen solche Topmannschaften brauchst du einen Sahnetag, und den hatten wir heute nicht. 

THW-Rückraumspieler Sander Sagosen: In Melsungen zu gewinnen, ist eine schwere Aufgabe. Wir haben das heute von Anfang bis Ende gut gemacht und mit sechs gewonnen. Das war gut und wichtig. Jeder Spieler beim THW Kiel möchte jeden Titel holen - das ist unser Selbstverständnis. Ich freue mich riesig darauf, wenn ich bald in jedem Spiel eine volle Halle erleben kann. In der Liga muss man in jedem Spiel Leistung bringen - deswegen schaue ich auch nicht oft auf die Tabelle. Flensburg muss seinen Job machen, wir müssen unseren machen - dann schauen wir am Ende, wo wir stehen.