41:23 beim TV Hüttenberg: Souveräner erster Pokal-Auftritt bringt den neuformierten THW Kiel ins Achtelfinale

DHB-Pokal

41:23 beim TV Hüttenberg: Souveräner erster Pokal-Auftritt bringt den neuformierten THW Kiel ins Achtelfinale

Hoch konzentriert, kämpferisch und spielerisch von Beginn an auf der Höhe: Der von Glanzpunkten veredelte Start des THW Kiel in den DHB-Pokal hätte aus Sicht der neuformierten Zebraherde kaum schöner ausfallen können. In der zweiten Runde ließen die Kieler überhaupt nichts anbrennen, wurden ihrer klaren Favoritenrolle gegen den TV Hüttenberg vollauf gerecht und besiegten den Zweitligisten auch in der Höhe verdient mit 41:23 (22:11). Überragender Akteur - vor allen Dingen in der Signale setzenden Anfangsphase - war Regisseur Domen Makuc, der nicht nur mit sechs Treffern erfolgreichster Werfer der Mannschaft von Trainer Börge Lund war, sondern mit seinen Assists auch die Nebenleute perfekt in Szene setzte.

Starkes Kieler Torhüter-Gespann

Drei männliche Handballspieler in schwarzen Trikots feiern auf einem Hallenfeld, lächeln und geben sich die Hand. Im Hintergrund beobachtet eine Gruppe von Zuschauern in weißen Hemden das Geschehen von den Tribünen aus.Bis auf Kapitän Domagoj Duvnjak und Torhüter Andreas Wolff trug sich jedes Zebras in die Torschützenliste ein - den Schlusspunkt setzte dabei Gonzalo Perez de Vargas mit seinem Treffer zum Endstand. Zuvor waren der Spanier und in den ersten 30 Minuten Andreas Wolff ein wichtiger Rückhalt im ersten K.o.-Spiel der neuen Saison. Wolff hielt in der ersten Hälfte acht Bälle auf, in der zweiten Halbzeit kam Gonzalo Perez de Vargas auf 10 gehaltene Würfe - und das in einem schwarz-weiß dominierten Spiel, das auch die vielen heimischen Fans begeisterte. Denn für sein Spiel des Jahres war der Tabellen-Achte der Zweiten Handball-Bundesliga in die Buderus-Arena nach Wetzlar umgezogen. Statt auf den 1450 Plätzen im heimischen Sportzentrum machten in der Halle des benachbarten Bundesligisten 3560 Fans Krach für den Club von Trainer Stefan Kneer, der seine überragenden Erfolge in der Vereinsgeschichte 1977 und 1978 ausgerechnet im Pokal feierte: Damals bejubelte Hüttenberg jeweils den Vizetitel und den damit verbundenen Sprung in den Europapokal. Geschichte.

U18-Europameister Vincent Faciejew erzielt erste Profi-Tore

Ein Handballspieler in schwarzer Spielkleidung macht sich während eines Spiels bereit, den Ball zu werfen, während im Hintergrund eine Menge Zuschauer zuschaut.Die Kieler waren Elias Ellefsen à Skipagötu (gesundheitliche Gründe) und Jarnes Faust (Prellung) angereist. Für den jungen Rechtsaußen holten Lund und Co-Trainer Christian Sprenger einen noch jüngeren Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in den Pokal-Kader: U-18-Europameister Vincent Faciejew, Deutscher A-Jugend-Vizemeister mit den Jungzebras, feierte nach 19 Minuten sein Profi-Debüt und nach 40 Minuten sein erstes Tor für den "großen" THW Kiel, dem er kurz darauf einen zweiten Gegenstoßtreffer folgen lassen sollte. Faciejew und die Zebras waren natürlich als der hohe Favorit nach Mittelhessen gereist und wurden - perfekt vorbereitet und eingestellt - dieser Rolle von Beginn an auch gerecht. Die Kieler spielten den Außenseiter mit viel Tempo, kreativen Ideen und einer kompakten Abwehr förmlich an die Wand.

Überragender Domen Makuc

Ein Handballspieler in schwarzer Kleidung springt mit dem Ball in der Hand in die Luft, um ein Tor zu erzielen, während Spieler in weißer Kleidung verteidigen. Die Halle ist voller Zuschauer, die gebannt zuschauen.Überragend startete vor allem THW-Mittelmann Domen Makuc: Der wieselflinke Slowene markierte die ersten beiden Tore mit unnachahmlichen Solos selbst und war bis zum 12:6 in der 15. Minute mit vier Treffern und drei Assists maßgeblich an der schnellen und klaren Kieler Vorentscheidung beteiligt. Lund wechselte mit der sicheren Führung im Rücken schon bald fleißig durch, was der Spielfreude des Teams aber keinen Abbruch tat: Die Kieler zauberten, kämpften, zeigten sich auch im Rückzugsverhalten voll auf der Höhe, hatten zudem mit Wolff einen Schlussmann zwischen den Pfosten, der bereits nach sechs Minuten vier Paraden auf seinem Konto hatte. Das Ergebnis: Die Zebras lagen in der sechsten Minute durch das Tor von Veron Nacinovic mit 6:1 vorn, erwischten einen Start nach Maß und provozierten eine schnelle erste Auszeit von TV-Trainer Kneer. "Das kann nicht sein, kein Körperkontakt, wir haben noch kein einziges Foul begangen", schimpfte Hüttenbergs Übungsleiter.

Vorentscheidung zur Pause

Ein Handballspieler in schwarzer Spielkleidung springt hoch, um einen Wurf auszuführen, während Spieler in weißer Spielkleidung zuschauen. Im Hintergrund ist eine Zuschauermenge in einer hell beleuchteten Sporthalle zu sehen.Die Kieler blieben auch in der Folgezeit klar tonangebend, erzielten nach fantastischem Makuc-Anspiel auf Veron Nacinovic das 7:1, freuten sich nach zehn Minuten über den zehnten Treffer durch Harald Reinkind. Immerhin fanden die Gastgeber zur Freude ihres Anhangs langsam ins Spiel hinein, verkürzten durch den verwandelten Siebenmeter von Kuntscher in der 13. Minute auf 6:10. Die Zebras machten indes weiter Dampf: Julian Köster stahl gedankenschnell einen ausgeführten Freiwurf und traf per Tempogegenstoß, Rasmus Ankermann war nicht aufzuhalten, und als Vincent Büchner in der 21. Minute von Linksaußen einnetzte, waren der THW Kiel auf zehn Tore enteilt: 18:8. Und sie ließen einfach nicht locker: Eric Johansson schrieb sich in die Torschützenliste ein, glänzte jetzt ebenfalls als Vorbereiter. Und Köster hatte offensichtlich ebenfalls Gefallen am Torjubel gefunden: Er jagte den Ball mit der Halbzeitsirene zum 22:11-Pausenstand in die Maschen.

Zebra-Express rollt über die 40-Tore-Marke

Ein Handballspieler in schwarzer Spielkleidung springt in die Luft, um den Ball zu werfen, während das zahlreich erschienene Publikum und der gegnerische Torwart in Rot das Geschehen während des Spiels gespannt verfolgen.Kurz nach dem Wechsel erwischten die Gastgeber ihre beste Phase, überraschten die Zebras mit einem 4:0-Lauf. Hüttenberg verkürzte bis zur 35. Minute auf 15:23 und 16:24. Die Kieler Antwort? Brachial. Spielerisch. Schnell. Ein 4:0-Lauf: Makuc im Slalom, Köster im Gegenstoß, Johansson nach TVH-Zeitspiel und Rune Dahmke nach einer Perez-de-Vargas-Parade mit anschließender direkter Vorlage trafen in nur zwei Minuten. Der Zebras-Express nahm erneut Fahrt auf. 32:17 leuchtete es in der 45. Minute auf der Anzeigentafel. Ankermann spielte auf der Mittelposition, die Sieben-gegen-Sechs-Angriffsvariante wurde geprobt, und weil auch Gonzalo Perez de Vargas Glanzparaden am Stück bot, waren die torhungrigen Kieler längst in den Achtelfinal-Feier-Modus eingestiegen. Das 40. Tor, das bekanntlich mit einer Getränkespende verbunden ist, "durfte" dann Eric Johansson erzielen. Die Bank jubelte, Johansson grinste - kurz darauf endete ein rundum gelungenes Handballfest mit dem Siegestänzchen der restlos überzeugenden Kieler und deren Lust auf Autogramme und Seflies.

Derby am Samstag

Die Kieler treten die Heimreise aus Mittelhessen am Donnerstag mit dem Flugzeug aus Frankfurt an, um die Reisebelastung möglichst gering zu halten. Am Nachmittag steht in Altenholz dann die erste von zwei Trainingseinheiten vor dem nächsten wichtigen Spiel auf dem Programm: Am Samstag steigt um 18 Uhr in der seit Wochen ausverkauften MERKUR Ostseehalle das 117. Derby. Die Partie zwischen dem THW Kiel, seiner „weißen Wand“ auf den Rängen und der SG Flensburg-Handewitt wird live bei Dyn, im Free-TV in der ARD Sportschau und unter www.sportschau.de auch im kostenlosen Stream gezeigt. Direkt im Anschluss wird in Kiel live das Pokal-Achtelfinale ausgelost, Dyn überträgt live. Weiter geht die Entwicklung mit dem Derby, Kiel! Text: Reimer Plöhn / Fotos: THW Kiel / TV Hüttenberg/Jenniver Röczey Text: Reimer Plöhn / Fotos:

DHB-Pokal, 2. Runde: TV 05/07 Hüttenberg - THW Kiel 23:41 (11:22)

TV 05/07 Hüttenberg: Böhne (11.-60., 8 Paraden), Shamir (1.-11.,keine Parade); Schwarz (1), Sehnke (1), Ohl (5), Spandau (2), Rüdiger, Reichl (3), Haack, Gümbel (1), Weimer,  Anselm (1), Dyatlov, Schreiber (1), Kuntscher (8/5); Trainer: Kneer THW Kiel: Perez de Vargas (31.-60., 10/1 Paraden, 1 Tor), Wolff (1.-30., 8 Paraden); Duvnjak, Reinkind (5), Köster (5), Madsen (3), Laube (1), Johansson (4), Ankermann (1), Dahmke (1), Zerbe (5/4), Fasiejew (2), Makuc (6), Pekeler (1), Büchner (3), Nacinovic (3); Trainer: Lund Schiedsrichter: Moritz Hartmann / Nils Hennekes Zeitstrafen: TVH: 2 (Gümbel (56.), Dyatlov (60.)) / THW: 0 Siebenmeter: TVH: 6/5 (Perez de Vargas hält Kuntscher (49.)) / THW: 4/4 Spielverlauf: 1. Hz: 0:2 (2.), 1:2, 1:7 (7.), 3:7 (8.), 4:10 (10.), 6:10, 6:12 (15.), 7:14 (17.), 8:18 (21.), 10:21 (26.), 11:22; 2. Hz: 11:23, 15:23 (35.),16:28 (39.), 17:32 (44.), 19.32 (47.), 19:34 (51.), 22:35 (52.), 22:38 (56.), 23:38 (57.), 23:41. Zuschauer: 3560 (Buderus Arena, Wetzlar)

Stimmen zum Spiel: 

THW-Kapitän Rune Dahmke bei Dyn: Es ist sehr, sehr viel von dem aufgegangen, was wir uns vorgenommen hatten. Wir hatten großen Respekt vor der Aufgabe. Aber es war eine tolle Anfangsphase von uns, wir konnten direkt mit 7:1 in Führung gehen. Das war insgesamt eine sehr konzentrierte Vorstellung von uns, von daher fiel uns der Achtelfinal-Einzug am Ende vielleicht sogar ein bisschen leichter, als wir das im Vorfeld angenommen hatten. Börge hatte uns vor dem Spiel aufgezeigt, dass der DHB-Pokal den schnellsten Weg in ein Finale bietet, in dem es in der größten Halle Deutschlands um einen großen Titel geht. Daran sieht man den Stellenwert, dementsprechend motiviert waren wir heute - denn Köln ist ein Riesen-Ansporn. Wir haben es fast geschafft, das Derby bis jetzt außen vor zu lassen. Heute können wir uns noch ein bisschen freuen, und dann geht der volle Fokus auf das größte Derby der Welt. Kiel gegen Flensburg hat mich schon als Kind begeistert, das löst jetzt direkt wieder Gänsehaut bei mir aus. THW-Linkshänder Harald Reinkind: Es war endlich einmal eine positive Erfahrung in dieser Halle (er lacht), das nehmen wir mit. Insgesamt war es ein guter Tag. Wir haben in der ersten Halbzeit fast keinen Fehler gemacht, standen gut in der Abwehr und konnten dadurch gut laufen und einfache Tore erzielen. Es ging schnell, wir hatten ein gutes Tempo und konnten gut durchwechseln. Es war ein gutes Spiel vor dem Derby. THW-Youngster Rasmus Ankermann: Ich bin sehr zufrieden, wir hatten 60 Minuten lang die Oberhand und haben nie einen Zweifel an unserem Weiterkommen aufkommen lassen. Jetzt freue ich mich extrem auf das Derby vor unseren Fans, vor unserer weißen Wand. Darauf freut sich ganz Kiel, darauf freut sich Flensburg - ein Riesen-Highlight. Das größte Derby der Welt. TVH-Linksaußen Philipp Schwarz bei Dyn: Das ist ein Spiel, von dem man als Kind schon träumt. Der Spielstand war nicht so, wie wir es wollten. Kiel hat uns phasenweise überlaufen. Natürlich kannst du gegen Kiel Gegentore bekommen, aber nicht so. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht, gegen diese Mannschaft zu spielen TVH-Torhüter Simon Böhne bei Dyn: Jeder, der als Kind anfängt Handball zu spielen, sieht die Weltstars und Nationalspieler beim THW Kiel rumlaufen und will unbedingt selbst mal dort spielen. Wir haben das große Los gezogen und konnten uns den Kindheitstraum, zumindest einmal gegen diesen großen Club zu spielen, erfüllen. Das hat mir alles bedeutet und hat mir Mega-Spaß bereitet, gegen diese Stars vor dieser Kulisse spielen zu dürfen. Der THW Kiel hat das Spiel heute sehr ernst genommen, was auch den Respekt vor unserer Mannschaft ausdrückt. Die Kieler haben das sehr konzentriert auf den Punkt gespielt – und dann hast du gegen sie einfach auch keine Chance. Die Luft war schnell raus, aber wir haben uns nicht aufgegeben und haben dieses Spiel trotzdem noch genossen.