Neuerliches Kräftemessen am Heimspiel-Feiertag: Samstag geht's für die Zebras in Kiel gegen den TVB Stuttgart

Bundesliga

Neuerliches Kräftemessen am Heimspiel-Feiertag: Samstag geht's für die Zebras in Kiel gegen den TVB Stuttgart

Draußen färben sich die Blätter, und die ersten stärkeren Herbstwinde pusten sie von den Bäumen. Die Tage werden kürzer, fast ein wenig vorbesinnlich ist die Stimmung angesichts des Feiertags am Samstag mit dem Gedenken an die Reformation. Und natürlich auch angesichts der Vorfreude der Kinder, die mit Kostümen an Halloween von Haustür zu Haustür ziehen, um Süßigkeiten zu erhaschen. Doch im lautesten Wohnzimmer der Stadt geht es weiterhin zur Sache: Mit der Partie gegen den stark gestarteten TVB Stuttgart endet der ebenfalls starke Kieler Oktober in der MERKUR Ostseehalle mit einer weiteren großen Herausforderung, die die Zebras gemeinsam mit ihren Fans bewältigen und weiter an der Heimfestung an der Förde bauen wollen. Samstag zählt ab 19 Uhr das Hier und Jetzt gegen die schwäbischen "Wild Boys“, die aktuell die Opel Handball-Bundesliga ordentlich aufmischen. Dyn überträgt die Partie, die eingebettet in den ersten Inklusions-Spieltag an der Förde ist, live. Restkarten gibt es unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT, in der am Spieltag ab 16 Uhr auch die Abendkasse öffnet.

Gegner mit Aufwind

Ein Handballtrainer in einer schwarzen Jacke gestikuliert und spricht mit seiner Mannschaft, die sich um ihn versammelt hat und ihm aufmerksam zuhört, während er eine taktische Tafel in der Hand hält.

Seit 2025 in Stuttgart: Misha Kaufmann

Auf die Kieler wartet am Samstag eine spannende Heim-Aufgabe. Denn unter Trainer Misha Kaufmann hat sich der TVB Stuttgart in nur einem Jahr vom abstiegsgefährdeten Club zu einem Verein mit Ambitionen gemausert. "Wir haben uns in der vergangenen Saison unglaublich gut entwickelt“, blickte Misha Kaufmann vor der Spielzeit kurz zurück auf das Jahr, in dem der TVB Stuttgart nach dem Fast-Abstieg zuvor erstmals komplett ohne Sorgen um den Klassenerhalt auflaufen konnte. Er blickte auf das Jahr zurück, in dem man nach der knappen 32:33-Niederlage in Kiel in der Rückrunde zum ersten Mal überhaupt nach zuvor 21 vergeblichen Anläufen  (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv) den THW Kiel schlagen konnte: Das 32:27 gegen die Zebras wurde Anfang März in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs wie ein Champions-League-Sieg gefeiert. "Dieser Sieg ist geschichtsträchtig", jubelte Misha Kaufmann damals mit, "wir haben Woche für Woche gezeigt, dass wir mit den Top-Teams mithalten können. Der heutige Sieg war daher gut fürs Gemüt, gut fürs Umfeld, gut für das Wohl des TVB."

Namhafte Neuzugänge für den TVB

Ein Handballspieler in einem blauen Trikot hält einen Handball in der rechten Hand hoch.

Kam aus Wetzlar: Philipp Ahouansou

Zumal es nicht bei dem Erfolg gegen die Zebras blieb: Kurz darauf zerlegten die aus Marketinggründen auch "Wild Boys" genannten Stuttgarter noch die SG Flensburg-Handewitt und beendeten die Saison auf einem starken zwölften Rang. Jetzt wollen die Stuttgarter mehr herausragende Resultate wie gegen Kiel und Flensburg im vergangenen Jahr erzielen und das obere Tabellendrittel angreifen. "Mir gefällt die Vision, mir gefällt die Struktur in Stuttgart", sagte Neuzugang Philipp Ahouansou vor dem Saisonstart. Der Wechsel des 25-jährigen Rückraumspielers, den Bundestrainer Alfred Gislason weiterhin im Blick für die Nationalmannschaft hat, ist ein Zeichen dafür, dass der TVB Stuttgart längst auch interessant für namhafte Neuzugänge ist. Der spiel- wie wurfstarke und 2,03 Meter große Rückraumspieler kam von der HSG Wetzlar und hatte schon vor dem ersten Spiel mit seinem Club eine Ahnung, wohin es mit den Süddeutschen gehen kann: "Ich glaube, es fehlt wenig, um sich im ersten Tabellendrittel zu etablieren."

Starker Saisonstart der Schwaben

Ein Handballspieler im blauen Trikot macht sich bereit, einen blau gemusterten Ball zu werfen, während er von zwei Gegnern in weißen Trikots geblockt wird.

Königstransfer: Mohamed Amine Darmoul

Und genau mit diesem Selbstverständnis traten die Stuttgarter im bisherigen Saisonverlauf auf: Sie kassierten nur gegen den Pokalsieger Füchse Berlin (33:34), Europapokalsieger MT Melsungen (27:32 nach knappem 14:15-Pausenrückstand), den Tabellenvierten aus Lemgo (27:30) und Meister SC Magdeburg (28:29) zum Teil denkbar knappe und unglückliche Niederlagen. Neben einem Remis in Hamburg entschied der TV Bittenfeld Stuttgart alle fünf weiteren Begegnungen der noch jungen Spielzeit für sich. Elf Punkte aus den ersten zehn Spielen - so stark waren die Süddeutschen bisher erst einmal, in der Saison 2020/2021, gestartet. Der Lohn der Mühen: Rang sieben, womit der von Ahouansou für die Zukunft erträumte Platz im oberen Tabellendrittel bereits jetzt in Reichweite ist.

El-Tayar die neue Nummer eins im Tor

Ein Handballtorwart in einem hellgrünen Trikot steht mit erhobenen Armen vor dem Tor und blickt auf einen Gegner, der gerade den Ball werfen will.

Ex-Hamburger: Mohamed El-Tayar

Das Jahr zwei unter Misha Kaufmann wurde mit gleich sechs Neuzugängen angegangen, der Kader des TVB trägt jetzt mehr und mehr die Handschrift des Trainers. Mit Abwehrchef Antonio Serradilla, der zum SC Magdeburg zurückkehrte, und dem das Stuttgarter Vertragsangebot ausschlagenden Schweizer Nationalspieler Lenny Rubin (118 Tore in der Vorsaison, jetzt beim TBV Lemgo Lippe) verließen nur zwei Stützen die Mannschaft, die sich dafür auf etlichen Positionen namhaft verstärkte: Im Tor ist der ägyptische Nationalkeeper Mohamed El-Tayar, der aus Hamburg kam, die neue Nummer eins und bildet mit dem polnischen Nationaltorhüter Mateusz Kornecki ein starkes Duo. Als Ersatz für Serradilla eiste Kaufmann den defensivstarken Kreisläufer Philipp Meyer von seinem Ex-Club ThSV Eisenach los, auch den Rückraum-Linkshänder Malte Donker (zuletzt Minden) kennt Kaufmann schon aus gemeinsamen Zeiten unter der Wartburg.

Kai Häfner ist Dreh- und Angelpunkt

Ein Handballspieler in einem blauen Trikot springt hoch, um den Ball in Richtung eines Torwarts in einem orangefarbenen Trikot zu werfen.

Zweitbester Liga-Torschütze: Kai Häfner

Auf Linksaußen holte man von Ademar Leon den 22-jährigen Spanier Dario Sanz de Nicolas, der Patrick Zieker entlasten soll. Und von der MT Melsungen kam als Unterstützung und Ergänzung für die beiden Mittelmänner Max Häfner und Torben Matzken mit Mohamed Amine Darmoul ein Schlüsselspieler, der sich in Stuttgart schnell das Prädikat "Königstransfer" verdiente. Dreh- und Angelpunkt bleibt aber ein Routinier: Rückraum-Linkshänder Kai Häfner, inzwischen 37 Jahre alt, lässt auch in seiner 20. Saison in der stärksten Liga der Welt keinen Zweifel an der These aufkommen, dass Qualität kein Alter kennt. Mit 81 Treffern führt Häfner die interne Torschützenliste der "Wild Boys" an. Zudem liefert er sich mit Kapitän Zieker ein irres Duell um die Krone des besten TVB-Werfers aller Zeiten. Aktuell folgen Darmoul (50 Tore) und der linke Rückraumspieler Simone Mengon (38) auf Rang zwei und drei der Saisonstatistik - satte 169 der bisher 331 Stuttgarter Tore erzielte dieses Trio.

Laube: "Wir müssen auf Überraschungen gefasst sein"

Ein Handballspieler im blauen Trikot macht sich bereit, den Ball zu werfen, während er von einem Gegner im weißen Trikot verteidigt wird.

Stuttgarts Kapitän Patrick Zieker

Und auch bei den Assists kann niemand den dreien das Wasser reichen: Häfner und Darmoul teilen sich die TVB-Spitzenposition, beide legten jeweils 20 Treffer ihrer Mitspieler direkt auf. Der italienische Nationalspieler Mengon folgt mit 17 Torvorlagen. Zahlen, die ein Beleg für die Torgefährlichkeit und Spielstärke der Baden-Württemberger sind, die unter Kaufmann traditionell auf das offensive Kreisläufer-Spiel verzichten, mit vier Rückraumspielern permament ins Eins-gegen-Eins gehen und auch sonst mit allerlei taktischen Kunstgriffen versuchen, den Gegner zu verwirren. "Wir müssen auf Überraschungen gefasst sein", sagt Kreisläufer Lukas Laube, der trotzdem optimistisch ist: "Wir haben in den ersten Spielen gezeigt, dass wir gemeinsam schnell und mit guten Lösungen auf Überraschungen reagieren können."

Infos rund um die Begegnung

Eine Handballmannschaft in weiß-schwarzen Trikots steht mit dem Rücken zur Kamera und hat die Arme erhoben, um einer großen, jubelnden Zuschauermenge auf den Tribünen zu applaudieren.Und dann ist da ja auch noch der Faktor Fans: "Unsere Halle ist in dieser Saison bisher unglaublich gewesen. Neu für mich ist, dass es gerade dann unfassbar laut und emotional ist, wenn es bei uns nicht so rund läuft. Das ist eine Riesen-Hilfe", freut sich Lukas Laube auf den Heimspiel-Feiertag in der MERKUR Ostseehalle, in der man unter www.thw-tickets.de und vor Ort in der THW-FANWELT (Abendasse öffnet Samstag um 16 Uhr) noch einige wenige freie Plätze findet. Anwurf ist um 19 Uhr, Dyn überträgt die von Lukas und Robert Müller geleitete Begegnung live. Laube: "Ich hoffe, dass wir Samstagabend wieder mit unseren Zuschauern eine Einheit bilden. Denn dann wird es für jeden Gegner schwer, uns in unserer Halle zu besiegen." Weiter geht der Entwicklungsprozess gegen Stuttgart, Kiel! Fotos: TVB Stuttgart/ Marco Wolf / Tom Weller (1)