Die Zebras und ihre Fans feiern den EHF Final4-Einzug: „Das war eine magische Kieler Nacht“

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Kiel feiert den EHF Final4-Einzug – „Das war eine magische Nacht“

Der "Kampf der Giganten" zwischen dem THW Kiel und Paris Saint-Germain hielt sogar noch mehr, als er versprochen hatte: 120 Minuten lang beackerten sich beide Teams in Weltklasse-Manier, schenkten sich keinen Zentimeter Raum und lieferten einen zweiteiligen Viertelfinal-Krimi ab, der erst mit der wirklich letzten Aktion entschieden wurde. Und diese verwandelte den Hexenkessel Wunderino Arena endgültig in ein Tollhaus. Mit einem Niklas Landin, der nach der finalen Parade gegen Luc Steins Wurf den Ball unter das Arenadach drosch und später bekannte, „einfach nur leer und glücklich zu sein“. Mit einem THW-Trainer Filip Jicha, der noch weit nach Abpfiff nach Worten suchte, um das zu beschreiben, was sich zuvor in den unfassbaren 60 Minuten auf dem Feld und auf den Rängen abgespielt hatte, und sie dann fand: „Das war definitiv eine magische Nacht in Kiel.“

Endlich wieder ein echter Hexenkessel

Und das nicht nur wegen eines fantastischen, intensiven, dramatischen Spiels, sondern vor allem wegen der 10000 Fans, die eine Atmosphäre kreierten, wie man sie selbst in Kiel nur alle paar Jahre erlebt. Eine, die THW-Youngster Sven Ehrig eine "60-minütige Gänsehaut" bescherte. Eine, die Rune Dahmke nie den Glauben an das EHF Final4 verlieren ließ: "Mit diesen Fans im Rücken hatte ich eigentlich immer das Gefühl, dass wir es schaffen werden." Eine, die selbst dem erfahrenen Kapitän Patrick Wiencek naheging. "Das war heute von uns und den Zuschauern ein absolutes Kampfspiel." Auch, weil endlich wieder Pfiffe, die unermüdlichen Trommler und hunderte Tröten aus der Halle einen Hexenkessel machten, in dem ordentlich Feuer war. Wiencek: "Wir haben gebrodelt, die Halle hat gebrodelt. Das war besonders, und genau diese Stimmung haben wir gebraucht, um PSG zu besiegen."

Gefühlschaos nach dem Ende

Filip Jicha hatte schon beim Betreten der Halle gespürt, dass dieser Abend wieder einer derjenigen sein wird, über die man selbst in Kiel noch lange sprechen wird. "Diese Stimmung schon beim Warmmachen war enorm. Danke an jeden einzelnen Zuschauer für die Unterstützung, in dieser Verfassung haben unsere Fans zurecht Kultstatus." Bis weit nach Schlusspfiff feierten Spieler und Fans die erneute Qualifikation für Köln, sangen und tanzten die Zebras auf dem Feld, ehe sie danach völlig ausgepumpt, aber überglücklich, noch lange Interviews in der Mixed Zone gaben. In dieser offenbarte sie auch das Gefühlschaos, in das sie die schwere Verletzung von Hendrik Pekeler gestürzt hatte: "Peke hat zuletzt überragend gespielt, es würde jeder Mannschaft der Welt unglaublich wehtun, wenn ein Spieler wie er ausfällt", sagte Patrick Wiencek. "Für ihn persönlich ist es natürlich auch extrem bitter. Jetzt steht an erster Stelle, dass er wieder gesund wird." Für Filip Jicha war die Nachricht vom Achillessehnenriss bei seinem Abwehrchef "brutal. Aber wir konnten das in diesem Spiel mit einer Energieleistung noch kompensieren, haben ohne Peke, aber für Peke gespielt. Auf Dauer wird das aber nicht funktionieren."

"Gemeinsam haben wir es geschafft"

Die mannschaftliche Geschlossenheit der Kieler zeigte sich nach dem Schlusspfiff, als Pekeler an Krücken auf das Feld humpelte, sofort von seinen Mitspielern umarmt wurde und mit auf die Ehrenrunde nach dem großen Erfolg genommen wurde, während die Fans ohrenbetäubend den Sieg feierten und "Oh wie ist das schön" und nach sechs langen Jahren endlich wieder das inzwischen längst zum Kieler Kult gewordene "Viva Colonia" anstimmten. Mittendrin tanzte Sander Sagosen, strahlte und fasste sich immer wieder beim Blick auf die Ränge ungläubig an den Kopf: "Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft, auf unseren Verein und auf die Menschen in dieser Stadt. Gemeinsam haben wir es geschafft." In einer magischen Kieler Nacht.