Freitagabend unterhalb der Wartburg: Heimstarker ThSV Eisenach fordert den THW Kiel zum Duell

Bundesliga

Freitagabend unterhalb der Wartburg: Heimstarker ThSV Eisenach fordert den THW Kiel zum Duell

Für den THW Kiel geht es in der Opel Handball-Bundesliga jetzt wieder auswärts zur Sache - und wie: Am Freitagabend wird die neuformierte Zebraherde einem echten Stresstest unterzogen. Der heimstarke ThSV Eisenach fordert dann den THW Kiel zum Duell - und das im wörtlichen Sinne. Denn zu Hause im engen, "Werner-Aßmann-Hölle" getauften Hexenkessel sind die Thüringer mit ihrer extrem körperbetonten, harten Spielweise eine echte Herausforderung für jeden Club in der "stärksten Liga der Welt". Und: Der ThSV möchte nach einem schwierigen Heimstart den THW Kiel nur zu gerne wieder ärgern wie im Vorjahr, als die Eisenacher euphorisiert zwei Unentschieden gegen die Zebras feierten. Los geht’s um 20 Uhr, Dyn überträgt die Partie live. 

"Eisenach ist Spiegelbild der Handballkultur in Deutschland"

Ein Trainer mit Tattoos hebt während einer Sportveranstaltung beide Arme, um ein Signal zu geben. Er trägt ein schwarzes Hemd und eine Armbanduhr, und im Hintergrund ist eine verschwommene Menschenmenge zu sehen, während der THW Kiel in der Handball-Bundesliga beim ThSV Eisenach antritt.Für THW-Trainer Börge Lund ist aktuell jede Trainingseinheit und jedes Spiel wichtig für für den Entwicklungsprozess der neuformierten Zebraherde: "Unsere Leistung ist nicht stabil, aber wir kommen immer wieder zurück und haben dafür auch die Kraft", sagt der Norweger. "Das ist eine große Stärke der Mannschaft - und das nach so kurzer gemeinsamer Zeit." Er freue sich auch aus einem anderen Grund auf das Spiel unterhalb der Wartburg, so Lund, der zu seiner aktiven Handball-Zeit nie in der Werner-Aßmann-Halle gespielt hat. Nach der Videoanalyse ist er trotzdem voll des Lobes: "Für mich ist Eisenach ein Spiegelbild der Handballkultur in Deutschland: Egal, wo man spielt, sind die Hallen immer voll und es ist eine Riesen-Stimmung. Das fördert bei den Spielern die Energie und auch die Leistung, denn natürlich will man vor den vielen Fans immer die stärkste Performance abrufen." Gleichwohl weiß auch Börge Lund, dass die Partie am Freitag alles andere als ein gewöhnliches Handballspiel wird: "Es ist ein besonderes Auswärtsspiel, es wird ein hartes Auswärtsspiel bei einer wirklich starken Mannschaft."

ThSV hat den Kader behutsam verstärkt

Ein männlicher Handballspieler in einem blauen Trikot springt in die Höhe, um den Ball zu werfen, während ein Gegner in einem weißen Trikot versucht, ihn während eines Spiels zu blocken.

Tschechischer Nationalspieler: Dominik Solak

Die Eisenacher haben nach dem großen Umbruch der Vorsaison ihren Kader vor der aktuellen Spielzeit behutsam verstärkt, sodass Trainer Sebastian Hinze von Beginn an auf einen eingespielten Kern setzen kann. Der Verlust von Abwehrspezialist Philipp Meyer, der zu seinem ehemaligen Eisenach-Trainer Misha Kaufmann beim TVB Stuttgart wechselte, wiegt offenbar nicht so schwer wie vor der Saison befürchtet. "Es deutet sich an, dass das Ausscheiden von Philipp Meyer in der Abwehr kompensiert werden kann", sagt Maik Nowak, Sportlicher Leiter des ThSV. Eine Ansicht, die Rückraum-Linkshänder Stephan Seitz teilt: "Vor der Saison haben wir die Abwehr als Baustelle eingestuft, doch wir knüpfen an unsere guten Defensivleistungen der Vorsaison an." Das liegt auch an Neuzugang Mats Grupe: Der 23-jährige Torhüter kam von den Eulen Ludwigshafen und fasste schnell Fuß in der stärksten Liga der Welt. Er soll dem erfahrenen Matej Spikic den Rücken stärken - der Plan geht bisher auf: Mit insgesamt 43 Paraden in vier Spielen gehört das Eisenacher Duo zu den Leistungsträgern in der Opel Handball-Bundesliga. Ein Umstand, der Nowak zufrieden stellt: "Für Stabilität ist Solidität auf der Torwartposition vonnöten. Aus einer kompakten Abwehr können wir dann noch mehr unser Tempospiel aufziehen, so wie wir es bereits in der Vorsaison erfolgreich praktiziert haben."

Neues Duo auf Linksaußen

Ein männlicher Handballspieler in einem blauen Trikot springt in die Luft, um den Ball zu werfen. Im Hintergrund sind das Spielfeld und die Zuschauer zu sehen.

Nationalspieler Felix Montebovi kam aus Schweden

Dafür haben sich die Eisenacher auf der Linksaußen-Position komplett neu aufgestellt: Nach dem Wechsel von Vincent Büchner zu den Zebras und der Rückkehr von Timothy Reichmuth in die Schweiz zum HSC Suhr Aarau verpflichteten die Thüringer ein Gespann mit Zukunft: Von den Rhein-Neckar Löwen kam der 22 Jahre alte David Moré, der trotz seiner jungen Jahre bereits 118 Mal in der Handball-Bundesliga im Kader stand, sowie den 20-jährigen Felix Montebovi. Der schedische Nationalspieler kam aus Malmö. Das Neuzugangs-Quintett komplettiert mit Elias Scholtes ein U21-Weltmeister, der den Weg vom Bergischen HC zu den Wartburgstädtern nahm. Aktuell wird Scholtes nach einer Knieverletzung im Frühjahr behutsam an den Kader herangeführt, in dem mit Felix Aellen ein ebenfalls im Jahrgang 2003 geborener junger Spieler die Fäden zieht. Obwohl die Eisenacher auf den Halb-Positionen mit dem Schweden Oskar Joelsson und Seitz die besten Vorlagengeber haben, ist der Schweizer Mittelmann Dreh- und Angelpunkt des Eisenacher Offensivspiels. 

Aellen ist Dreh- und Angelpunkt der Offensive

Ein männlicher Handballspieler in einem blauen Trikot springt in die Luft und bereitet sich darauf vor, den Ball zu werfen. Weitere Spieler in weißen Trikots sind zu sehen, und die Szene spielt sich auf einem Handball-Hallenplatz ab.

Torgefährlicher Mittelmann: Felix Aellen

Von den Lücken, die Aellen im Eins-gegen-Eins reißt, und seinen Anspielen profitieren nicht nur die Nebenleute, sondern auch die Kreisläufer um Klub-Legende Peter Waltz. Von Aellens Toren die gesamte Mannnschaft. 32 Mal traf er bisher und ist damit nach vier Spieltagen gemeinsam mit Miro Schluroff vom VfL Gummersbach und Füchse-Superstar Mathias Gidsel auf Platz eins der Liga-Torschützenliste. Zuletzt traf Aellen zwölfmal (!) aus 15 Versuchen beim wichtigen 31:25-Erfolg gegen die SG BBM Bietigheim, der das Pluspunkte-Konto der Thüringer auf drei Zähler anwachsen ließ. "Ich habe jede Minute beim Sieg  genossen", sagte der Schweizer nach den 60 Minuten, in denen die Eisenacher vor ihren eigenen Fans so aufgetreten waren, wie man es unter der Wartburg gewohnt ist. Ganz anders als bei der desaströsen 27:36-Heimniederlagen gegen Augsteiger Balingen - der einzige echte Ausrutscher der Thüringer in dieser Spielzeit. In Flensburg (31:33), in Wetzlar (31:31) und in der mit 17:11 gewonnenen zweiten Halbzeit des Heimspieles gegen Bietigheim habe der ThSV hingegen sein wahres Gesicht gezeigt, unterstrich Maik Nowak, und fügte hinzu: "Das Gesicht unseres ThSV Eisenach."

"Eisenach geht immer drauf - egal, wie es steht"

Ein männlicher Handballspieler in einem schwarz-weißen Trikot streckt während eines Spiels die Hand zum Handschlag aus, im Hintergrund ist eine verschwommene Menschenmenge zu sehen, als der THW Kiel in der Handball-Bundesliga beim ThSV Eisenach antritt.Das kennt ein Kieler besonders gut: Neuzugang Vincent Büchner. Für den THW-Linksaußen wird das Spiel unterhalb der Wartburg die zweite Begegnung mit seiner ganz persönlichen Handball-Vergangenheit binnen einer Woche. Denn nach seinem Zebra-Debüt ausgerechnet beim Sieg gegen die TSV Hannover-Burgdorf, deren Trikot Büchner 13 Jahre lang im Jugend- und Profibereich trug, geht es jetzt gegen den Verein, von dem der 28-Jährige zu den Zebras wechselte. Er weiß auch aus der anderen Perspektive, was die Zebras am Freitagabend erwartet: "Wenn in der Halle richtig Alarm ist, fühlt es sich an, als ob 10.000 hinter einem stehen." Die Atmosphäre begünstige natürlich die Art und Weise, wie der ThSV Eisenach seine Partien in der Werner-Aßmann-Halle bestreitet: "Sie spielen zu Hause unglaublich hart. Eisenach geht immer drauf - egal, wie es steht. Sie bleiben dran, lassen nie locker, sind unglaublich hartnäckig - das ist für jeden Gegner unangenehm." Deshalb sei es wichtig für den THW Kiel, die Ruhe zu bewahren und sich auf die eigenen Qualitäten zu besinnen, sagt Büchner. "Denn Eisenach wird nach dem etwas holprigen Heim-Start in die Saison besonders heiß darauf sein, uns ein Bein zu stellen."

Kompakt-Infos rund um das Spiel

Felix Aellen schickte via ThSV-Homepage schon einmal eine Kampfansage in Richtung Kiel: "Auch wenn der THW Kiel kommt: Wir wollen jedes Spiel gewinnen, auch gegen Top-Teams." Der Schweizer Top-Torjäger erinnerte in diesem Zusammenhang an das Vorjahr, als man dem "großen THW Kiel zwei Remis abgerungen, zwei Punkte abgeknöpft" habe. In der Tat holte der ThSV Eisenach beim 27:27 unterhalb der Wartburg und beim 30:30 in Kiel (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv) die ersten Punkte seit 26 Jahren im Duell mit den Zebras. Freitag werden die Karten neu gemischt. Das schwere Auswärtsspiel in der geschichtsträchtigen Stadt, in der beispielsweise Johann Sebastian Bach geboren wurde und Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzte und damit den Grundstein für eine einheitliche deutsche Schriftsprache legte, wird von den beiden Unparteiischen Christian und Fabian vom Dorff geleitet. Anwurf ist am Freitag um 20 Uhr, Dyn überträgt live. Für die THW-Fans in Thüringen reist extra der mobile Fanshop der Zebras nach Eisenach, dieser steht vor der Werner-Aßmann-Halle, in der es nur noch wenige freie Plätze gibt. Weiter geht die Entwicklung unterhalb der Wartburg, Kiel!

Fotos: ThSV Eisenach/Christian Heilwagen / Sascha Klahn (1)