
Mit Qualität, Energie und den Fans: THW Kiel gewinnt packendes Heimspiel gegen Hannover
Was für eine Kulisse, was für eine Energie auf dem Feld und den Rängen: Der THW Kiel hat in der Opel Handball-Bundesliga auch sein zweites Heimspiel gewonnen. Gegen die TSV Hannover-Burgdorf entwickelte sich frühzeitig eine packende Partie, in der bereits nach den ersten Minuten klar war: Hier entscheiden Kleinigkeiten das Spiel. Und die zogen die Zebras mit viel Spielfreude, viel Qualität, einem starken Rückhalt Andreas Wolff und dem sich steigernden Angriff mit Harald Reinkind (7 Tore) und Domen Makuc (5) an der Spitze auf ihre Seite. Am Ende stand im Tollhaus Merkur Ostseehalle nach einer kämpferischen Glanzleistung der Zebras und ihrer Fans ein 29:26 (11:12) auf dem Tableau - Sieg Nummer vier zum Start der Saison.
Leistungssteigerung in Durchgang zwei
Die Kieler sicherten sich den Erfolg mit einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte, standen großartig in der Abwehr, begeisterten die 10 000 Fans mit ihren beinahe unzähligen Varianten und hatten mit Domen Makuc erneut einen ebenso spielfreudigen wie torhungrigen Spielmacher. Außerdem glänzte Andreas Wolff, der insgesamt 13 Würfe unschädlich machte, darunter etliche Eins-gegen-Eins-Situationen und ein Strafwurf von August Pedersen. "Wir haben uns nicht verrückt machen lassen, als wir zu Beginn unsere Chancen nicht verwertet haben. Andi hat uns mit überragenden Paraden im Spiel gehalten", analysierte THW-Rechtsaußen Lukas Zerbe die schwierigen Anfangsminuten. Zerbe selbst behielt in wichtigen Momenten klaren Kopf, verwandelte seine drei Strafwürfe gewohnt sicher. "Wir haben uns keinen Stress gemacht", sagte Zerbe, "sind cool geblieben und haben unser gewohntes Spiel durchgezogen." Eine neue Stärke der Zebras.
Erster Zebra-Einsatz für Vincent Büchner

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Für THW-Neuzugang Vincent Büchner war das zweite Heimspiel der Zebras der ersten Handball-Feiertag in Kiel: Nach seiner Adduktorenverletzung durfte der Linksaußen erstmals mit seiner "74" in Schwarz-Weiß aufs Feld - und das ausgerechnet gegen seinen langjährigen Ex-Verein. Ein besonderer Moment für den 28-Jährigen. Während beim THW Kiel Lukas Laube aussetzte und auf der Tribüne Platz nahm, beklagten die Gäste kurzfristig den Ausfall von Nationalspieler Renars Uscins, der den Recken wegen einer Schulterverletzung nicht zur Verfügung stand. Anstelle des Linkshänders bekam der Färinger Vilhelm Poulsen seine Chance, war als erster Torschütze der Partie präsent, traf nach drei Minuten zum 1:0 für die Gäste. Leif Tissier ließ das 2:0 folgen. Auf der anderen Seite kamen die Kieler nur schwer ins Laufen, auch, weil TSV-Torhüter Joel Birlehm Kieler Torerfolgen zunächst im Weg stand. Eric Johansson scheiterte, Harald Reinkind und auch Elias Ellefsen à Skipagötu. Bis zur achten Minute dauerte es, ehe Johansson per Dreher den Ball an Birlehm vobeizirkelte und damit das erste Tor der Schwarz-Weißen in dieser Partie erzielte.
Knappe Pausenführung der Gäste
Zuvor hatte Wolff bereits einen höheren Vorsprung der Gäste vereitelt, stoppte die Bälle von Poulsen, Pedersen und Weber. Johansson glich nach zehn (!) Minuten mit einem Strich zum 2:2 aus, Lukas Zerbe ließ kurz darauf die 3:2-Führung folgen. Die Gäste aus Niedersachsen entpuppten sich allerdings weiterhin als starkes Team, kämpften in Abwehr und Angriff ebenfalls um jeden Ball und stellten die Kieler immer wieder vor Aufgaben. Technische Fehler der Zebras begünstigten den Hannoveraner Sturmlauf, Pedersen brachte seine Farben in der 20. Minute beim 8:5 erstmals mit drei Toren in Front. Die Zebras pirschten sich wieder auf 7:8 heran, dann wurde munter durchgetauscht und Börge Lund schickte frische Kräfte in die Partie. Hannover blieb aber vorn, legte nach 24 Minuten beim 11:8 eine erneute Drei-Tore-Führung vor. Doch die Zebras kämpften sich zurück: Julian Köster traf sehenswert aus dem Rückraum, und als Reinkind wenig später zum 11:12 einnetzte, war der THW Kiel wieder dran. Weil Birlehm aber Johanssons feinen Freiwurf nach der Halbzeitsirene parieren konnte, blieb es beim knappen Gäste-Vorsprung nach 30 Minuten.
Kieler übernehmen die Regie
Reinkind spielte sich in den ersten Minuten nach dem Wechsel weiter in den Vordergrund, traf zum 12:12-Ausgleich, war wenig später aber zur ersten THW-Führung seit der elften Minute zur Stelle: Der Norweger wuchtete das zum 13:12 in den Kasten, Weber glich wenig später zum 13:13 aus. Dann aber nahmen die Kieler das Spiel noch fester in ihre Hände, zogen per 3:0-Lauf auf 16:13 davon: Lukas Zerbe traf von der Siebenmeterlinie, Veron Nacinovic nach glänzender Passage mit finalem Reinkind-Anspiel vom Kreis, und Domen Makuc wuchtete den Ball nach unwiderstehlichem Solo zum 16:13 in die Maschen. 18:15 hieß es nach dem Stemmer von Makuc, kurz darauf sorgte eine kuriose Szene allerdings für ungläubiges Staunen: Zerbe war auf das leere Tor, der Ball sprang an den Innenpfosten und das Harz sorgte dafür, dass er auf der Torlinie zum Stillstand kam. Keine Vier-Tore-Führung der Zebras also zu diesem Zeitpunkt.
"Ein verdienter Kieler Erfolg"
Einmal noch, beim 19:18 in der 43. Minute durch Zechel rückte Hannover bedrohlich nahe an die Kieler heran. Doch die Zebras blieben gelassen, zogen ihr Spiel weiter durch, spielten unter den frenetischen Anfeuerungen ihrer Fans ihre Qualitäten aus. Börge Lund setzte weiterhin auf seinen kompletten Kader, öffnete die Taktikkiste, ließ mit vier Rückraumspielern agieren, die Kreisläufer saßen vorübergehend auf der Bank. Und als Makuc sich in der 51. Minute ein weiteres Mal großartig durch die TSV-Hinterreihe kämpfte, zum 24:20 traf, bogen die Zebras auf die Siegerstraße ein, heizten die großartige Stimmung in der Merkur Ostseehalle weiter an: Emil Madsen vollendete zum 27:23, und als Reinkind seine Treffsicherheit in der 58. Minute mit seinem siebten Tor unterstrich, war die Partie endgültig entschieden. Bei den Gästen ragte Kreisläufer Justus Fischer, ab nächstem Jahr beim THW Kiel, mit sechs Toren und einer bemerkenswerten Abwehrleistung heraus. "Ein verdienter Kieler Erfolg", gab der gute TSV-Regisseur Leif Tissier neidlos zu Protokoll. "Sie haben ihr Spiel konsequent durchgezogen."
Jichas festlicher Abschied
Nach dem Spiel und der Punkte-Party der Zebras mit ihren Fanswurde es dann noch einmal festlich: Ex-Trainer Filip Jicha, im Juni von seinen Aufgaben freigestellt, durfte sich nach acht Jahren als Spieler und acht Jahren als Co-Trainer und Chefcoach der Zebras von den Fans des THW Kiel offiziell verabschieden. Ein im Profi-Sport beinahe einmaliger Vorgang, dem vom THW Kiel ein extem-würdiger Rahmen gegeben wurde. Jicha bekam mit seiner Familie einen eigenen Walk-In, betrat das Spielfeld durch ein Spalier von Einlaufkindern, die alle seine 33 mit dem THW Kiel errungenen Titel auf ihren Shirts zeigten. Wegbegleiter seiner aktiven Karriere aus Lemgo (Daniel Stephan), Kiel (unter anderem Stefan Lövgren und Dominik Klein) und Barcelona (Victor Tomas) sendeten via Videowürfel Grüße an Filip Jicha, dessen außergewöhnliche Karriere anschließend in einem langen Video noch einmal in Erinnerung gerufen wurde, ehe Jichas Vater Miroslav als Überraschungs-Gast das Legenden-Banner unter dem Hallendach enthüllte.
Vor dem Derby noch zweimal auswärts
Nach der Zeremonie wurde beim THW Kiel aber wieder nur nach vorn geschaut: Denn v or dem bereits ausverkauften Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt am 26. September (18 Uhr, live bei Dyn und in der ARD Sportschau) in der Merkur Ostseehalle, stehen für die Zebras zwei wichtige Auswärtsspiele auf dem Programm: Am kommenden Freitag sind die Kieler zu Gast im Eisenacher Hexenkessel, der ThSV möchte nach einem schwierigen Saisonstart den THW Kiel nur zu gerne wieder ärgern wie im Vorjahr, als es ein Unentschieden in der Werner-Aßmann-Halle gab. Los geht’s um 20 Uhr, Dyn überträgt die Partie genauso live wie das erste K.o.-Spiel der Saison am Mittwoch, 23. September (19 Uhr): In der zweiten Runde des DHB-Pokals fordert der Zweitligist TV Hüttenberg in der Wetzlarer Buderus Arena die Schwarz-Weißen zum Pokal-Duell. Aber weiter geht der Entwicklungs-Prozess erst einmal in Eisenach, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn
Opel Handball-Bundesliga, 4. Spieltag: THW Kiel - TSV Hannover-Burgdorf 29:26 (11:12)
THW Kiel: Perez de Vargas (n.e.), Wolff (1.-60., 13/1 Paraden); Faust (n.e.), Duvnjak (1), Reinkind (7), Köster (2), Madsen (2), Johansson (3), Ankermann, Dahmke, Zerbe (4/3), Makuc (5), Pekeler, à Skipagötu (1), Büchner, Nacinovic (4); Trainer: Lund
TSV Hannover-Burgdorf: Gade (1 Siebenmeter, keine Parade), Birlehm (1.-60., 11 Paraden); Tissier (5), Fielitz, Poulsen (1), Heymann (1), Pedersen (4/1), Dietzsch, Michalczik (5), Evardsson, Pöthke, Stutzke, Fischer (6), Zechel (2), Weber (2); Trainer: Pastor
Schiedsrichter: Marvin Cesnik /Jonas Konrad
Zeitstrafen: THW: 3 (Pekeler (22.), Madsen (28.), Reinkind (51.)) / TSV: 2 (Zechel (21.), Fischer (34.))
Siebenmeter: THW: 3/3 / TSV: 2/1 (Wolff hält Pedersen (27.))
Spielverlauf: 1. Hz: 0:2 (6.), 2:2 (10.), 3:2, 4:4 (13.), 4:6 (13.), 5:8 (19.), 7:8, 7:10 )23.), 8:11 (23.), 10:11 (25.), 11:12;
2. Hz: 13:12 (33.), 16:13 (37.), 18:15 (39.), 19:16 (42.), 19:18 (43.), 22:18 (46.), 22:20 (49.), 24:20 (51.), 26:22 (55.), 28:24 (58.), 29:26.
Zuschauer: 10020 (Merkur Ostseehalle, Kiel)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Börge Lund: Es ist komisch, man kann sich nie daran gewöhnen, in dieser Halle zu spielen. Für uns fühlte es sich nach dem Lemgo-Spiel wie eine Ewigkeit an, und so schien es auch den Zuschauern zu gehen. Wie sie uns heute unterstützt und geholfen haben, war richtig stark. Wir hatten in der ersten Halbzeit Probleme, haben nicht so viele Chancen kreiert, wie wir uns das erhofft hatten. Zum Glück hat Andi richtig viele Bälle gehalten, und die Abwehr stand gut. In der zweiten Halbzeit haben wir dann das Momentum auf unsere Seite gezogen, da ist die Halle dann richtig mitgegangen und wir konnten Hannover ein bisschen auf Distanz bringen. Denn auch Hannover stand stark in der Abwehr, es war bei uns insgesamt nicht so flüssig im Angriff wie im Training. Das zeigt aber auch, dass wir ein neuformiertes Team haben, das Zeit für die Entwicklung braucht. Was wieder gut war: Wenn es nicht läuft, kommt die individuelle Persönlichkeit der Spieler zum Tragen. Und so können wir uns richtig über zwei Punkte freuen.
THW-Mittelmann Elias Ellefsen à Skipagötu: Wir haben eine gute Mannschaft. Wir wissen, dass wir uns steigern können, wenn wir nach 30 Minuten zurückliegen. Heute war es nur ein Tor Unterschied zur Pause, und wir konnten die Partie mit zehn, 15 richtig guten Minuten drehen.
THW-Debütant Vincent Büchner: Es fühlt sich gut an, jetzt der Mannschaft auf dem Feld helfen zu können. Wir haben gezeigt, dass wir auch beim Rückstand cool bleiben. Das Wissen darum, dass man ein Spiel mit der eigenen Qualität immer drehen kann, gibt uns sehr viel Selbstvertrauen. Bis jetzt lag der Fokus auf Hannover, ab morgen gehen die Gedanken dann in Richtung Eisenach.












