Zum 117. Mal gegen Flensburg: Kiel feiert am Samstag das Heim-Derby gegen den Rivalen aus dem Norden

Bundesliga

Zum 117. Mal gegen Flensburg: Kiel feiert am Samstag das Heim-Derby gegen den Rivalen aus dem Norden

Das größte Spiel des Vereinshandballs steht mal wieder vor der Tür. Zum 117. Mal treffen am Samstag ab 18 Uhr der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt in der "Mutter aller Derbys" aufeinander. Die MERKUR Ostseehalle? Seit Wochen ausverkauft. 10.285 Fans werden vornehmlich in Weiß für eine Riesen-Kulisse und ganz viel Zebra-Energie sorgen. Das Medien-Interesse? Riesig. Neben Dyn wird das Schleswig-Holstein-Duell auch live im Free-TV bei der ARD Sportschau sowie im kostenlosen Stream unter www.sportschau.de zu sehen sein. Die Vorfreude? Gigantisch. Die neuformierte Zebraherde mit ihrem neuen Trainer Börge Lund scharrt wie die ganze Landeshauptstadt schon mit den Hufen. 

Momentaufnahme: Schleswig-Holstein noch ungeschlagen

Eine Gruppe männlicher Sportler in einheitlichen weiß-schwarzen Trikots lächelt und posiert Arm in Arm auf einem Hallenplatz, während sie gemeinsam feiern – im Hintergrund ist eine Menschenmenge zu sehen.Das Derby am Samstag elektrisiert. Auch wegen der Tabellensituation. Denn die Ausgangslage ist von außen betrachtet trotz erst fünf absolvierten Spieltagen in der Opel Handball-Bundesliga spannend. Flensburg hat längst auf Attacke gestellt, und auch der neue THW Kiel geht auf dem Weg seiner Entwicklung ungeschlagen in das Spiel. Das 117. Derby ist auch das Aufeinandertreffen der einzigen beiden Teams, die in der stärksten Liga der Welt derzeit noch ohne Punktverlust sind. Eine Momentaufnahme nach der 34:37-Niederlage des amtierenden Meisters SC Magdeburg bei der MT Melsungen am vergangenen Sonntag. Aber eben eine Momentaufnahme, die das Interesse an diesem "Spiel der Spiele" im Land zwischen den Meeren noch größer als eh schon werden lässt.

Lund erlebt erstes Derby als THW-Trainer

Ein Trainer mit roten Haaren ruft leidenschaftlich und gestikuliert mit geballten Fäusten während einer gut besuchten Hallensportveranstaltung – ein Vorgeschmack auf die mitreißende Atmosphäre, die am Samstag erwartet wird, wenn das Handball-Derby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt stattfindet. Im Vordergrund ist ein Spieler in einem zebra-gestreiften Trikot mit der Nummer 6 zu sehen, der sich voll und ganz auf das Geschehen konzentriert.Für Börge Lund ist es Samstag das erste Derby als Trainer des THW Kiel, als Spieler stand er im Trikot der Zebras sieben Mal gegen die Grenzstädter auf der Platte - zuletzt im April 2010. Damals gab es einen 29:23-Heimsieg. Die Vorzeichen sind aber andere im Jahr 2026, weiß der Norweger: "Wir freuen uns darauf, dass mit Flensburg eine Top-Top-Top-Mannschaft zu uns kommt." Er weiß, dass ihm als neuem Trainer der neuformierten Zebraherde noch viel Arbeit bevorsteht. "Bis das Derby angepfiffen wird, müssen wir noch einige Schritte in unserer Entwicklung gemacht haben", sagte Lund nach dem Auswärtssieg in Eisenach, "wir arbeiten täglich daran, unsere Leistung stabiler werden zu lassen. Dafür braucht es Disziplin, bis zum richtigen Moment für einen Pass oder einen Torwurf zu warten. Und es braucht das Selbstvertrauen, genau auf diesen Moment auch warten zu können."

"Dieses Spiel kennt jeder in der Handball-Welt"

Zwei männliche Handballspieler auf dem Spielfeld. Der eine, in einem blauen Trikot mit der Nummer 14, wirkt konzentriert. Der andere, in einem weißen Trikot, hat den Mund offen und legt eine Hand auf die Schulter des blauen Spielers. Im Hintergrund ist eine verschwommene Zuschauermenge zu sehen.

Neuer SG-Kapitän: Emil Bergholt

"Das Derby ist für beide Städte unfassbar wichtig, beide Teams und beide Städte freuen sich jedes Mal auf dieses Spiel", weiß THW-Trainer Börge Lund noch aus eigener Spieler-Erfahrung und als Handball-Fan: "Das Derby sorgt nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland für große Aufmerksamkeit. Dieses Spiel kennt jeder in der Handball-Welt, es ist etwas Besonderes." Die Kieler, die Samstag wie in den ersten Heimspielen der neuformierten Zebraherde in dieser Spielzet auch auf die Energie ihrer "weißen Wand" in der MERKUR Ostseehalle setzen, gingen zuletzt erfolgreich durch die Eisenacher "Hölle" und den Hüttenberger Pokalabend in der ungeliebten Wetzlarer Arena. Flensburg hat hingegen die norddeutschen Wochen ausgerufen, siegte sich zuletzt zu Hause gegen den HC Hamburg an die Spitze der Opel Handball-Bundesliga und hatte am Mittwoch einen erfolgreichen Pokal-Ausflug nach Schwartau, bei dem sich der Erstliga-Tabellenführer aber lange strecken musste.

Flensburg ist ein Titelkandidat

Ein männlicher Handballspieler in einem blauen Trikot mit der Aufschrift „Baltic“ auf der Vorderseite steht während eines Spiels mit ausgestreckten Armen da. Im Hintergrund ist eine verschwommene Menschenmenge zu sehen.

Bester Feldtorschütze mit 31 Treffern: Simon Pytlick

Keine Frage: Die SG hat in dieser Saison auf Angriff gestellt. "Achtung, Bundesliga: Flensburg ist in Titel-Form", schrieb die SportBild nach dem Ende des Flensburger "Lemgo-Fluchs", dem ersten SG-Auswärtssieg seit fünf Jahren in Ostwestfalen, in gewohnt großen Buchstaben in ihrer Online-Ausgabe. Erntete dafür aber erstaunlich wenig Widerspruch von der dänischen Grenze und aus dem Rest der Handball-Republik. Die Zeit des Understatements an der dänischen Grenze ist vorbei: "Ich will den Mund jetzt nicht zu voll nehmen, aber wir sind aktuell so gut wie nie in den anderthalb Jahren, die ich jetzt hier bin", war Nationalspieler Marko Grgic voll des Lobes für seine Teamkameraden. Das von Vranjes vor dem Saison-Start erklärte Ziel ist die Rückkehr in die Champions League. Das Wort Meisterschaft nahm er hingegen nicht in den Mund. "Darüber zu sprechen, finde ich schwer. Wir wollen überall so lange wie möglich vorne dabei sein." Um dann aber doch noch einen nachzulegen: "Die Qualität dafür haben wir im Kader."

Torschmaschine der Rückraum-Rechtshänder

Ein männlicher Handballspieler in einem marineblauen Trikot hält einen blau gemusterten Ball in der Hand und ist während des Spiels voll bei der Sache. Im Hintergrund sind verschwommene Zuschauer zu sehen.

Neuzugang Aymeric Minne

Denn die SG hat trotz einiger namhafter Abgänge wie dem von Kapitän Johannes Golla, der zurück zur MT Melsungen wechselte, von Torhüter Kevin Möller (zurück nach Dänemark zu GOG) oder von Lukas Jörgensen, der jetzt bei One Veszprem in Ungarn Königsklasse spielt, den Kader vor dieser Spielzeit aufgerüstet. Der Hoffnungsträger kommt aus Frankreich. Von HBC Nantes eiste man Mittelmann Aymeric Minne los. Ein klassischer Regisseur, wie man ihn in Flensburg seit dem Abschied von Jim Gottfridsson vermisste. Minne steuert die Angriffe, während sich Lasse Möller, Simon Pytlick und Grgic, die diesen Part nach der Verletzung von Luca Witzke in der vergangenen Spielzeit mit ausfüllten, wieder weitestgehend auf ihre vorgesehene Rolle auf Halblinks konzentrieren können. Eine Aufteilung, die allen Beteiligten zu schmecken scheint, hat die SG Flensburg-Handewitt doch direkt aus den Startblöcken heraus ihre Tormaschine angeworfen - und das mit großem Beitrag der Rückraum-Rechtshänder: 96 der 181 SG-Tore (Liga-Bestwert nach den ersten fünf Spieltagen) entfielen auf eben diese. 

Massiver Deckungsverbund

Ein Handballtorwart im gelben Trikot mit der Nummer 30 steht während eines Spiels aufmerksam neben dem Torpfosten. Im Hintergrund ist die Zuschauermenge verschwommen zu sehen.

Schwedens Nationaltorhüter: Simon Möller

Doch auch in Sachen Abwehrarbeit, von Trainer Ales Pajovic vor dem Saisonstart als Schwerpunkt ausgemacht, hat sich etwas getan. Der neuformierte Mittelblock neben Defensiv-Chef Blaz Blagotinsek funktioniert. In diesem stehen mit Arnar Freyr Arnarsson (kam aus Melsungen) und Emil Bergholt (kam aus Skjern), der als erster Neuzugang überhaupt direkt zum SG-Kapitän befördert wurde, gleich zwei Neuzugänge am Kreis. Hinzu kommt ein neuer Torhüter, der dem Namen nach wenig Umstellung erfordert: Als Konterpart von Benjamin Buric folgte nämlich dem dänischen Nationalspieler Kevin Möller der erst 26 Jahre alte schwedische Nationalspieler Simon Möller. Dieser konnte aber bereits erste Akzente setzte: Beim hart erkämpften 33:31-Auftaktsieg über Eisenach war Simon Möller - der in Lübeck geboren wurde, weil sein Vater Peter einst für Schwartau und den HSV Hamburg spielte - das Zünglein an der Waage. 

Derby-Doku zur Einstimmung auf Samstag ansehen

Ein kahlköpfiger Mann mit Brille und Tattoos, der ein rotes Sportshirt trägt, steht da, die Hand am Kinn, und wirkt nachdenklich. Im Hintergrund sind verschwommene Menschen und Stadionplätze zu sehen.

SG-Trainer Ales Pajovic

So oder so: Der Saisonauftakt hat den Flensburgern und ihren Zuschauern offenbar Lust auf mehr gemacht - während die SG in der vergangenen Saison ihr Ticketkontingent für die Auswärts-Derbys in Kiel nicht vollständig abrief, wurden dieses Mal alle vom THW Kiel bereitgestellten Karten an der dänischen Grenze abgenommen. Alles ist also bereit für das größte Spiel des Welthandballs, über dessen bisher letzten Auflagen im März (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv) es sogar eine eigene Folge der "Grip of Glory"-Handball-Dokumentation in der ARD Mediathek gibt die viel aussagt über die Bedeutung des Spiels im Land zwischen den Meeren, in Deutschland und der Handball-Welt". Die MERKUR Ostseehalle ist seit Wochen restlos ausverkauft, und der DHB schickt mit Thorsten Zacharias einen seiner erfahrensten Delegierten nach Kiel, der in der hitzigen Derby-Atmosphäre einen kühlen Kopf bewahren wird. Geleitet wird die Begegnung von den beiden Unparteiischen Julian Köppl und Denis Regner, für die das 117. schleswig-holsteinische Landesduell das erste Derby ihrer bereits mehr als 350 DHB-Einsätze umfassenden Schiedsrichter-Karriere sein wird. 

Derby live im Free-TV

Zwei Handballspieler in weißen Trikots feiern mit erhobenen Armen, während ein Schiedsrichter in Blau ein Zeichen gibt. Auch ein Torwart in einem rosa Trikot jubelt in der Nähe des Tors. Im Hintergrund schaut das Publikum zu – eine Szene, wie sie auch am Samstag beim Handball-Derby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt zu sehen sein könnte.Handball-Fans können sich indes auf die Liveübertragungen freuen: Denn neben Dyn zeigt auch das Free-TV mit der ARD Sportschau die Begegnung live, die zudem auch im kostenlosen Stream unter www.sportschau.de zu sehen sein wird. Für alle Glücklichen, die eine Dauerkarte für die THW-Heimspiele haben oder sich frühzeitig ein Ticket im freien Verkauf gesichert hatten, öffnet die Halle ihre Türen um 16 Uhr, für die SG-Anhänger im Auswärtsblock steht auf der Seite "Kleiner Kuhberg" ein eigener Eingang zur Verfügung. Anwurf ist um 18 Uhr. "Ich habe mir dieses Spiel oft im TV angeschaut", sagt THW-Kapitän Julian Köster. "Jetzt spüre ich auch dieses besondere Derby-Kribbeln, von dem so viele Spieler vor mir immer berichtet haben. Ich freue mich riesig auf das Spiel, auf die Atmosphäre unserer Fans und mein erstes Derby gegen Flensburg!" Youngster Rasmus Ankermann kennt das Gefühl bereits: "Ich freue mich extrem auf das Derby vor unseren Fans, vor unserer weißen Wand. Es ist einfach das größte Derby der Welt." Die Zebras scharren mit den Hufen - weiter geht die schwarz-weiße Entwicklung im Derby, Kiel! 

Fotos: THW Kiel/Sascha Klahn / SG Fle.-Ha./Ingrid Anderson-Jensen