
Erfolgreicher Saisonstart: Zebras gewinnen beim HC Erlangen in der Nürnberger Sauna
Der Start in die 60. Saison der DAIKIN Handball-Bundesliga ist dem THW Kiel geglückt. Die Zebras gewannen am Donnerstagabend vor 6924 Zuschauern in der PSD Bank Nürnberg Arena gegen den HC Erlangen mit 31:29 (12:13). Die Partie litt unter Saunabedingungen, bei großer Hitze und schwierigen Bodenverhältnissen sorgten unzählige Wisch-Pausen für zahlreiche Unterbrechungen, die dem Spielfluss nicht gut taten. Am Ende setzte sich der THW Kiel aber verdient durch. Der Erfolg der Zebras hatte viele Gesichter: Nikola Bilyk brachte seine Farben im ersten Durchgang nach einem Vier-Tore-Rückstand wieder in Schlagdistanz. Elias Ellefsen à Skipagötu übernahm mit viel Tempo die Regie, Leon Nowottny hielt in der Crunchtime einen freien Wurf, und Emil Madsen traf in der zweiten Hälfte aus allen Lagen, war mit acht Treffern bester Torschütze der Schwarz-Weißen.
Erfolg mit vielen Gesichtern
Herausragend war einmal mehr auch Kapitän Domagoj Duvnjak, der in schwierigen Phasen die Zügel in seine Hände nahm, vor allem in der Abwehr Schwerstarbeit leistete und Lücken stopfte, die durch den Ausfall von Veron Nacinovic (Schulterverletzung beim Super Cup) gerissen wurden. Seine Bundesliga-Premiere musste der 25-jährige Kroate also vorerst verschieben. Im Mittelblock musste Neuzugang Lukas Laube mit Petter Överby, der zuletzt 14 Tage wegen eins Hexenschusses ausfiel, ackern, mit dem er nur wenig zusammen trainiert hatte. Laube, der in der Mitte der zweiten Halbzeit wichtige Tore zum Kieler Sieg beisteuerte, freute sich über den Erfolg bei seinem THW-Debüt. "Wir haben gut ins Spiel hineingefunden, mussten dann eine schwierige Phase überstehen, haben aber das Spiel in die Hand genommen. Die Abwehr steht gut", sagte der Schweizer, "so müssen wir in den kommenden Spielen weiter arbeiten."
THW gerät mit vier Toren in Rückstand
Die Zebras kamen in Nürnberg nach guten ersten zehn Minuten schwer aus ihren Startlöchern. Sie hatten nach elf Minuten mit 5:3 die Nase vorn, aber angeführt von Viggo Kristjansson kämpften sich die Gastgeber heran, glichen durch Bissel in der 12. Minute erstmals zum 5:5 aus und legten in der Folge Tor um Tor vor. Starker HCE-Rückhalt in dieser Phase war Torhüter Ghedbane, der in der ersten Halbzeit acht Bälle aufhielt, seiner Mannschaft den Rücken stärkte. Vorn halfen auch einige umstrittene Entscheidungen den Franken in die Spur, so wurde in den ersten 30 Minuten vor allen Dingen bei Siebenmeter-Entscheidungen mit zweierlei Maß gemessen. Trainer Filip Jicha, gehandicapt durch eine schwere Erkältung, kassierte nach Protesten die gelbe Karte, um dann seine Mannschaft in der folgenden Auszeit und angesichts eines Vier-Tore-Rückstands wieder zu beruhigen und ihr durch die Einwechslung von Bilyk neue Impulse zu geben: "Wir müssen ruhig bleiben", mahnte der THW-Coach, "unsere Chancen besser nutzen, dann bekommen wir das Spiel in den Griff."
Jichas neue Impulse sorgen für die Wende
Zudem beorderte Jicha Domagoj Duvnjak für à Skipagötu auf den Spielmacherposten, den die Erlanger Abwehr mit großer Härte zwanzig Minuten lang bearbeitet hatte. Zudem holte Jicha den verunsicherten Emil Madsen auf die Bank, Harald Reinkind kam auf Halbrechts zum Einsatz. Umstellungen, die schnell Wirkung zeigten. Nikola Bilyk führte sich schnell mit seinem Treffer zum 8:11 ein, "Dule" war bei Zeitspiel-Not zur Stelle, traf per Sprungwurf zum 9:12. Und in der Schlussphase der ersten Halbzeit zeigte sich erneut Bilyk von seiner besten Seite: Der THW-Kapitän traf dreimal in Folge, erzielte in der 29. Minute den 12:12-Gleichstand. Basis für die THW-Aufholjagd war aber auch die Kieler Abwehr, die auf schnellen Beinen energisch zupackte, die Wende der Partie einleitete. Mit dem Pausenpfiff erzielte Viggo Kristjansson dann noch den 13:12-Halbzeitstand für die Einheimischen. Es ging um Zehntelsekunden, die Torlinien-Technik, seit dieser Saison Pflicht in den Hallen der "stärksten Liga der Welt", funktionierte in Nürnberg noch nicht. Die Schiedsrichter entschieden also nach Videobeweis richtigerweise auf Tor.
Madsen und à Skipagötu im Express-Tempo
In der zweiten Halbzeit machten die Zebras zunächst so weiter, wie sie in der Endphase des ersten Durchgangs aufgehört hatten - nur mit noch mehr Tempo. Emil Madsen und à Skipagötu wirbelten dabei wieder im Angriff und rissen in Expressgeschwindigkeit Lücken in die zuvor so sattelfeste Erlanger Defensive. Nach einem 4:0-Lauf war der THW in der 37. Minute schnell auf 18:14 enteilt. Als Madsen und à Skipagötu dann per Doppelschlag auf 20:15 erhöhten, schien der THW-Zug frühzeitig auf die Siegerstraße einzubiegen. Erlangen ließ aber nicht locker, kämpfte sich zurück, und war nach einem 3:0-Lauf in der 43. Minute wieder auf 19:21 dran am Favoriten. Metzner machte der THW-Abwehr jetzt zu schaffen, es blieb spannend. Die Uhrzeiger der Brutto-Spielzeit hatten da längst die 100-Minuten-Marke überschritten, die vielen Wischpausen sorgten für einen langen Handballabend, der spielerisch unter den vielen Zwangspausen litt. Die Zebras blieben in der Hitze eiskalt.
Nowottny hilft den Zebras
Bence Imre war vom Siebenmeter-Strich eine Eissäule, "Dule" traf bei drohendem Zeitspiel. Und als Bissel in der 53. Minute noch einmal auf 26:27 verkürzte, sorgte Lukas Laube per Doppelschlag zum 29:26 für erneute Ruhe. Leon Nowottny kam für den im zweiten Durchgang glücklosen Andreas Wolff, und der Kieler Torwart-Younster setzte einen Big Point: Nowottny rettete gegen den frei vor ihm auftauchenden Gebala, verhinderte so den 28:29-Anschluss. Und als Emil Madsen quasi im Gegenzug mit einem Hammer in den linken oberen Torwinkel zum 30:27 traf, war die Messe gelesen. Wenig später feierten die Zebras wichtige zwei Auswärtspunkte nach einem schweren Spiel.
Mittwoch erstes Heimspiel gegen Wetzlar
Am kommenden Mittwoch hat das lange Warten endlich ein Ende - dann kehren die Zebras zurück in die Wunderino Arena, die sie gemeinsam mit der "weißen Wand" zur Heimfestung ausbauen wollen. Zum Auftakt empfängt der THW Kiel die HSG Wetzlar in den eigenen vier Wänden, der Handball-Streamingdienst Dyn überträgt wie gewohnt live. Aber noch kann jeder live vor Ort die Schwarz-Weißen anfeuern, denn für den Heimauftakt gegen die HSG Wetzlar gibt es unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT noch Tickets. Auch der vergünstigte Doppelpack mit dem am 13. September folgenden Heimspiel gegen den HSV Hamburg ist noch erhältlich. Die THW-FANWELT hat übrigens am Spieltag durchgehend von 10 Uhr bis zum Anpfiff um 19 Uhr geöffnet. Weiter geht’s am Mittwoch zu Hause gegen Wetzlar, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Zink Sportfoto
DAIKIN HBL, 1 Spieltag: HC Erlangen - THW Kiel: 29:31 (13:12)
HC Erlangen: Quenstedt (38.-60., 7 Paraden), Ghedbane (1.-38., 8 Paraden); Genz, Runarsson (4), Kos (4), Nissen, Bialowas, Overjördet (2), Scheerer, Firnhaber, Bissel (6/4), Metzner (4), Scharnweber, Steinert (2), Kristjansson (3/1), Gebala (3); Trainer: Sellin
THW Kiel: Nowottny (51.-60., 1 Parade), Wolff (1.-51., 6/1 Paraden); Duvnjak (2), Reinkind, Landin, Överby, Laube (4), Johansson (1), Ankermann (n.e.), Dahmke (1), Zerbe (1/1), Madsen (8), Bilyk (4), á Skipagötu (6), Imre (4/4); Trainer: Jicha
Schiedsrichter: Thomas Kern / Thorsten Kuschel
Zeitstrafen: HCE: 3 (Gebala (13.), Kos (36.), Steinert (43.)) / THW: 2 (Överby (26.), Duvnjak (48.))
Siebenmeter: HCE: 5/4 (Wolff hält Kristjansson (9.)) / THW: 5/5
Spielfilm: 0:2 (5.), 2:4, 3:5 (11.), 6:5 (14.), 6:6, 8:7 (17.), 11:7 (23.), 12:8 (24.), 12:12 (29.), 13:12;
2. Hz.: 14:13, 14:18 (37.), 15:18, 15:20. (39.), 16:21, 19:21 (43.), 21:23 (46.), 21:25 (48.), 23:25 (51.), 24:27, 26:27 (53.), 26:29 (54.), 28:30 (57.), 29:31.
Zuschauer: 6924 (PSD Bank Nürnberg Arena, Nürnberg)
Stimmen zum Spiel:
THW-Co-Trainer Christian Sprenger: Ich möchte unsere Cheftrainer entschuldigen, wir sind stark erkältet angereist, und Filip fehlt jetzt komplett die Stimme. Das war zwei wirklich hart erkämpfte Punkte. Die Partie war sehr intensiv und es war schwierig, angesichts der vielen Wischpausen in der warmen Halle die Konzentration hochzuhalten. Das haben wir aber gut umgesetzt. bei aller Freude sieht man aber natürlich auch, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben. Mit Petter und Lukas im Mittelblock haben wir heute zum ersten Mal überhaupt über 60 Minuten gespielt, Petter war in den letzten Wochen raus aus dem Training. Deshalb freue ich mich, obwohl zwischen beiden noch Abstimmungspotenzial ist, dass die beiden das gut abgearbeitet haben. Ich möchte auch unseren jungen Torhüter Leon Nowottny loben. Er kommt in einer heiklen Phase des Spiels ins Tor und nimmt einen freien Wurf von Gebala weg - das freut mich für den Jungen, und es war wichtig für uns.
Erlangens Trainer Johannes Sellin: Glückwunsch an den THW Kiel zum über 60 Minuten erkämpften Auswärtssieg. Ich bin zufrieden mit unserer Leistung, wir haben über die gesamte Spielzeit unfassbar viel Kampf und Leidenschaft auf der Platte gelassen. Wir haben alles gegeben, doch leider vergeben wir in der Phase, in der wir bis auf einen wieder herangekommen sind, ein-, zweimal zu leichtfertig. Das perfekte Spiel ist uns nicht gelungen, aber ein sehr gutes. Das ist alles, was wir sehen wollten. Ein bisschen was hat gefehlt, das Bisschen wollen wir im nächsten Spiel draufpacken, um dann die ersten zwei Punkte zu holen.
THW-Torhüter Leon Nowottny: Dass ich heute einen Teil zu den zwei Punkten beitragen konnte, freut mich umso mehr. Ich hatte nicht damit gerechnet, in den letzten zehn Minuten ins Tor geschickt zu werden, da Andi eine super erste Halbzeit gespielt und in der zweiten Halbzeit viele schwere Würfe aus sechs Metern bekommen hat, wo es uns in der Abwehr nicht gelungen ist, die Lücken zu schließen. Ein großer Dank geht an die Trainer für ihr Vertrauen in mich. Ich freue mich, dass ich helfen konnte. Jetzt freue ich mich riesig auf unser erstes Heimspiel in der Wunderino Arena.
THW-Kreisläufer Lukas Laube bei Dyn: Die zwei Punkte sind viel wert. Mit einem Sieg in die Saison zu starten, tut enorm gut. Vor allen Dingen nach der Super-Cup-Niederlage nach Siebenmetern gegen Berlin. Es war ein hartes Stück Arbeit, doch wichtig ist, dass wir die zwei Punkte geholt haben Wir spielen die ersten zehn Minuten gut, haben dann eine weniger gute Phase, in der Gebala viel hält. Da können wir schlauer spielen und ein wenig das Tempo rausnehmen. Wir müssen zukünftig in der Abwehr noch besser stehen, und vorne müssen wir konsequenter im Abschluss werden. Jetzt freue ich mich extrem auf das erste Heimspiel gegen Wetzlar am Mittwoch. Ich freue mich einfach, in Kiel zu sein und die Atmosphäre aufzusaugen – auch auswärts. Es ist einfach eine geile Aufgabe, für den THW Kiel zu spielen. Hier geht es in jedem Spiel nicht nur um Punkte, sondern irgendwie auch um Titel. Es macht einfach Spaß, mit diesen Kieler Jungs Handball zu spielen und erfolgreich zu sein. In dieser Mannschaft steckt enorm viel Potenzial, und ich freue mich auf alles, was kommt.
HCE-Kapitän Sebastian Firnhaber bei Dyn: Ich bin froh, wieder zurück zu sein. Beim 12:9 stehen wir sehr gut da, dann bekommt Kiel einen Lauf und schafft es, das besser zu nutzen – auch über die Pause hinweg. Dann kommen wir wieder zurück, können den Bock aber nicht umstoßen. Das ist der THW Kiel, die bringen das dann über die Zeit. Wir haben in der Vorbereitung gut gearbeitet, jetzt ist natürlich ein wenig die Enttäuschung da. Morgen überwiegt dann sicherlich das Glücksgefühl, wieder Handball gespielt zu haben. Mein Ziel war es immer, besser als zuvor zurückzukommen. Dafür habe ich 20 Monate hart gearbeitet.
THW-Rechtsaußen Lukas Zerbe: Das war das erste Liga-Spiel, alle wissen nicht, wo man steht. Dann ist man auch ein bisschen nervöser, weil man wieder vor vollen Hallen spielt. Das ist etwas anderes als Vorbereitung. Deshalb freuen wir uns über die zwei Punkte, bin ich persönlich überglücklich, dass wir gewonnen haben. Denn es ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit, aus Erlangen Punkte mitzunehmen. Über 60 Minuten haben wir gut verteidigt, hätten vielleicht aber ein bisschen mehr Tempo gehen können.