KN: „Zacke“ zieht die Fäden

Bundesliga

KN: "Zacke" zieht die Fäden

Kiel. Dem THW Kiel steht in der Handball-Bundesliga das erste entscheidende Spiel der "Wochen der Wahrheit" ins Haus. Gegen den Tabellendritten Füchse Berlin müssen die Zebras am Donnerstag (19 Uhr, siehe ausführlicher THW-Vorbericht) gewinnen, um die Chance auf den europäischen Wettbewerb zu wahren. Doch mit dem Hauptstadtklub kommt ein echter Brocken in die ausverkaufte Sparkassen-Arena, Berlin kämpft selbst noch um die Teilnahme an der Champions League - oder sogar um den Titel.

Füchse bauen auf Rechtsaußen Mattias Zachrisson als Regisseur

Drei Punkte Rückstand auf die Rhein-Neckar Löwen haben die Füchse aktuell, nur einen auf die SG Flensburg-Handewitt. Und das obwohl nicht wenige den Berlinern einen Rückrundeneinbruch prophezeit hatten, als Top-Spieler Petar Nenadic im Januar zu Telekom Veszprém nach Ungarn wechselte. Dass zusätzlich Paul Drux und zwischenzeitlich auch Fabian Wiede verletzt ausfielen, machte die Situation im Fuchsbau nicht einfacher. Trainer Velimir Petkovic verteilte die Aufgaben auf viele Schultern und setzte in der Rückraummitte auf Mattias Zachrisson.

Der 1,78 Meter große Schwede, der seit 2013 in Berlin spielt und im Winter seinen Vertrag vorzeitig bis 2022 verlängerte, ist eigentlich Rechtsaußen. Dort bildet er mit dem Dänen Hans Lindberg ein Top-Duo. "Wir sind toll besetzt, und das ist auch gut so. Wir haben so viele Spiele und können die Belastung so verteilen", sagt Zachrisson. Und schiebt lachend noch ein Kompliment mit Spitze für Lindberg hinterher: "Er ist keine 20 mehr, aber spielt immer noch Weltklasse."

In den vergangenen Wochen standen ohnehin beide gemeinsam auf der Platte. Lindberg auf Außen, Zachrisson in der Mitte. "Das macht großen Spaß, man hat mehr Einfluss auf das Spiel, kann Entscheidungen treffen", erklärt "Zacke", der erst seit seinem Länderspieldebüt auf Rechtsaußen spielt, zuvor im rechten Rückraum aktiv war und dort auch bei der EM im Trikot der Tre Kronor auflief. Einen Nachteil allerdings hat die Spielmacherposition: "Im Rückraum bekommt man deutlich mehr auf die Mütze", sagt Zachrisson lachend.

Die Laune ist positiv, nicht nur bei ihm, sondern im ganzen Team. "Es läuft alles sehr gut. Wir haben ein bisschen Pech mit Verletzungen, aber wir machen das Beste daraus", sagt der 27-Jährige. Neben Paul Drux, der erst mit einem Meniskusriss von der EM zurückkehrte und sich nur kurze Zeit nach seinem Comeback einen Bänderriss zuzog, fehlt den Füchsen aktuell auch Marko Kopljar (Achillessehnenriss). Der beste Torschütze, Steffen Fäth, plagt sich mit Schulterproblemen, der mittlerweile wieder fitte Wiede füllt nun gemeinsam mit Zachrisson die Positionen im rechten Rückraum und in der Mitte aus.

Der Weggang von Petar Nenadic hat bei allem Qualitätsverlust vielleicht sogar einen Vorteil. "Klar ist Nenadic ein hervorrangender Individualist und hat viel Verantwortung übernommen", sagt THW-Linkshänder Steffen Weinhold. "Aber das hat das Berliner Spiel auch ein Stück weit ausrechenbar gemacht. Das hat sich verändert. Die Füchse haben den Abgang sehr gut kompensiert." Und schielen weiter auf die beiden Spitzenplätze in der Liga. "Das große Ziel ist, Champions League zu spielen", sagt Zachrisson. "Das wird sehr schwer, wir spielen noch gegen den THW, Wetzlar, Hannover, ..." Gerade Kiel sei eine riesige Aufgabe. "In Kiel ist kein Auswärtsteam Favorit", sagt der Schwede.

Die Generalprobe für das Top-Spiel am Donnerstag glückte perfekt, die Füchse ließen Frisch Auf Göppingen beim 33:19 nicht den Hauch einer Chance, untermauerten ihre Ansprüche auf die Königsklasse. "Wir waren bereit für ein hartes Spiel, aber wir waren von Anfang an in Abwehr und Angriff sehr gut, es hat in allen Phasen fast alles geklappt", erklärt Zachrisson und ergänzt grinsend: "Das ist auch der Plan für Donnerstag."

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 18.04.2018, Foto: Sascha Klahn)