KN-Interview: „Meine besten Jahre kommen noch“

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KN-Interview: "Meine besten Jahre kommen noch"

Kiel. Andreas Palicka (28) spielte bis zu seiner Verletzung seine beste Saison für den THW. Es wird die letzte sein: Der Torhüter, der in knapp sieben Jahren in Kiel bislang elf Titel gewann, wechselt zu Aalborg HB. Mit dem Schweden sprach Wolf Paarmann von den Kieler Nachrichten.

THW-Torhüter spricht über Kiel und seine Zukunft

Der THW bot einen neuen Vertrag an, warum lehnten Sie ab? Ich weiß immer noch nicht, wie gut oder schlecht ich bin. Das möchte ich jetzt herausfinden. Und das geht in Kiel nicht? Ich hatte und habe hier eine tolle Zeit. Ich bin sehr stolz darauf, ein Spieler dieses Vereins zu sein. Ich bin aber in einem Fach gelandet, aus dem ich hier nicht mehr herauskomme. Was meinen Sie damit? Je länger ich über meine Zukunft nachdachte, umso klarer wurde mir, dass ich eine ganz neue Herausforderung brauche. Dass ich die Bundesliga verlasse, aus der es Angebote gab, und einen Verein suche, in dem ich die klare Nummer eins bin. Was Sie im Schatten von Thierry Omeyer lange nicht waren... ...die Rollenverteilung war klar. Als ich nach Kiel kam, war ich nur ein kleiner Junge, und Titi hatte schon damals einen riesigen Status. Zurecht. Was ist in Aalborg anders? Ich soll eine Führungsfigur in einem jungen Team werden. Dabei bin ich erst 28 Jahre alt, die intensive Zeit in Kiel hat mich aber im Kopf zu einem 35-Jährigen gemacht (lacht). Die Verantwortlichen haben sich sehr bemüht. Das war neu für mich und hat den richtigen Nerv getroffen. Der Verein hat die meisten Zuschauer in der Liga und baut gerade eine neue Tribüne – das ist eine super Adresse. Johan Sjöstrand und Sie stehen seit dem ersten Tag in der Kritik... ...ich habe ihm schon vorher gesagt, dass uns eine harte Zeit erwartet. Dass wir zusammenhalten müssen. Das haben wir geschafft, unsere Freundschaft hat nicht gelitten. Kritik nach einem Spiel ist kein Problem, aber ich hätte mir grundsätzlich eine fairere Beurteilung gewünscht. Hatten Sie das Gefühl, keine faire Chance erhalten zu haben? Im Verein schon, aber in vielen Medien waren wir an jeder Niederlage schuld. Dabei hatten wir in der ersten Saison eine bessere Quote als Titi und ich in der letzten. Aber mit den Zahlen hat sich keiner beschäftigt. Die Torhüter werden oft nur in Paraden bemessen, dabei wird ihre Abhängigkeit von den Mitspielern vernachlässigt. Wie ließe sich das ändern? In Schweden werden wir mit dem MEP-System (most effective player, d. Red.) gemessen. Das vergibt je nach Schwierigkeitsgrad Punkte. Ein Siebenmeter zählt viel, ein parierter Gegenstoß auch, ein Freiwurf weniger. Auch Pässe werden gewertet. Dieses System hat mich vor meinem Wechsel nach Kiel zweimal zum besten Torhüter der schwedischen Liga gemacht. Wie sehen Sie die Zeit in Kiel im Rückblick? Ich würde sie in drei Phasen aufteilen, die erste begann nach meiner schweren Verletzung. Vorher war alles super. Ich erinnere noch, wie ich bei einem Spiel gegen die Löwen (42:40 im September 2008, d. Red.) nach 20 Minuten eingewechselt wurde und 17 Bälle parierte. Sie haben sich im März 2009 zwei von drei Beugemuskeln im Oberschenkel abgerissen. Jeder andere hätte die Karriere beendet... ...für einen Torhüter ist das zehnmal härter als ein Kreuzbandriss für einen Feldspieler. Aber mein Plan war, der beste Torhüter der Welt zu werden, und den wollte ich nicht aufgeben. Der Verein hat mich damals unglaublich unterstützt, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Trotzdem brauchte ich zwei Jahre, um wieder in Form zu kommen. Dann begann Phase zwei... ...genau. Die Zeit, in der ich mir mit Titi die Einsätze geteilt habe. Wir sind uns sehr ähnlich, haben beide einen enormen Ehrgeiz. Außerhalb des Feldes haben wir nichts gemeinsam unternommen, aber wir respektierten uns. Von ihm habe ich viel gelernt. Phase drei war die mit Johan. Es hat mich gereizt, mit ihm ein Team zu bilden, deshalb habe ich verlängert. Am 5. Juni werden Sie verabschiedet. Fließen dann Tränen? Nein, ich werde Alfred (Gislason, d. Red.) ansehen, dann kommen keine Tränen (lacht). Ein echter Abschied wird es nicht, Kiel und dieser Verein bleiben immer in meinem Herzen. Ich glaube aber, dass nun meine besten Jahre beginnen. (Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 18.03.2015, Foto: Sascha Klahn)