Zebra-Journal: „Einfach unfassbar“

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Zebra-Journal: "Einfach unfassbar"

Seien wir ehrlich: Wir Kieler sind verwöhnt von den Erfolgen des THW Kiel. Deutscher Meister in Serie, Double-, ja Triple-Gewinner - der THW Kiel hat den Superlativ zur Regel gemacht. Ein Triple wurde es am Ende dieser Saison zwar nicht. Und doch war diese Spielzeit mit "nur" einem Titel eine ganz besondere.

Denn die Art und Weise, wie die Mannschaft förmlich auf den letzten Metern die Rhein-Neckar Löwen abfing und die Deutsche Meisterschaft mit dem hauchdünnen Vorsprung von zwei Toren gewann, raubte auch den erfolgsverwöhnten Kieler Fans den Atem. Die Willenskraft dieser Mannschaft war - "Einfach unfassbar". So titelte unsere Zeitung am Tag nach dem Gewinn der 19. Meisterschaft. Wo, wenn nicht hier, hat sich die Weisheit bestätigt, dass der Wille Berge versetzen kann? Viel fehlte am Ende nicht und der THW hätte einen weiteren Titel, die Champions League, gewonnen. Doch gegen die SG Flensburg-Handewitt ging den Kielern regelrecht die Luft aus. Wer wollte ihnen das verdenken nach dieser kräftezehrenden Saison? Die Niederlage konnte die Freude über das historische Meisterstück nur eine Woche zuvor kaum trüben. Zum Saisonstart vor einem Jahr durfte man auf diesen Erfolg im Ernst nicht hoffen. Der THW musste einen tief greifenden Umbruch bewältigen. Mit Kapitän Marcus Ahlm, Torwart Thierry Omeyer, Daniel Narcisse und Momir Ilic hatten vier absolute Leistungsträger den Verein verlassen. Und es war klar, dass die Neuzugänge Johan Sjöstrand, Rasmus Lauge und Wael Jallouz Zeit brauchen würden, um diese Lücken auch nur halbwegs zu schließen. Viele Spiele in der abgelaufenen Saison waren ein Spiegelbild dieses Umbruchs, in den meisten Fällen mit einem guten Ausgang für den THW. Dazu trugen Erfahrene bei wie Filip Jicha, der sich schnell in seiner neuen Rolle als Kapitän zurechtfand, oder Christian Zeitz, der seinen Weggang nach Veszprem früh bekannt gab und sich doch noch einmal für den THW aufrieb oder Patrick Wiencek, der eine grandiose Saison spielte. Liebe Leserinnen und Leser, meine Kollegen aus der Sportredaktion lassen diese Saison für Sie noch einmal Revue passieren. Lesen Sie auch die Geschichte über Marko Vujin, den Serben in Diensten des THW oder was Weggefährten über Trainer Alfred Gislason sagen, der in die Fußstapfen von Noka Serdarusic trat und die beispiellose Erfolgsserie der Zebras nahtlos fortsetzte. Dieses Journal zieht Bilanz über eine Saison, die nicht als die erfolgreichste, aber vielleicht als die bemerkenswerteste in die Geschichte des THW Kiel eingehen wird. Viel Spaß beim Lesen! Ihr Klaus Kramer, Chefredakteur (Aus dem Zebra-Journal der Kieler Nachrichten vom 07.06.2014)