KN: Cañellas: „Ich habe einen Traum“

Champions League

KN: Cañellas: "Ich habe einen Traum"

Kiel/Barcelona. In Barcelona wurde in dieser Woche eine Kampagne gestartet. Das Stichwort lautet "Remontada", was so viel heißt wie Aufholjagd, Comeback. Der Palau Blaugrana der Katalanen wird kochen. Einer, der genau weiß, was nach dem 29:24-Coup im Viertelfinal-Hinspiel der Handball-Champions-League gegen den FC Barcelona im Rückspiel (Sonnabend, 18.30 Uhr) auf den THW Kiel zukommt, ist Joan Cañellas. Der 29-jährige Spanier agierte während der ersten 60 Minuten im Rennen um einen Platz im Final Four der Königsklasse in Köln überragend. "Ich habe einen Traum: den Gewinn der Champions League", sagt der gebürtige Katalane. Es ist ein schönes Bild, wenn Cañellas sagt: "Um nach Köln zu kommen, müssen wir durch Barcelona gehen."

Der Spanier weiß, was die Zebras in Barcelona erwartet

Der Palau Blaugrana, dieses blau-dunkelrote Stahlbeton-Kuppelbau-Ungetüm, ist von Mythen umrankt. Tageszeitungen wie die "As" oder "El Mundo Deportivo" bliesen in den vergangenen Tagen zur "Remontada", gruben tief in der Historie, suchten nach Tränen und Triumphen. Von 2005 bis 2008 trug Cañellas selbst das Barca-Trikot. Leidtragender einer dieser berüchtigten "Remontadas" war der junge Familienvater erst Jahre später, als er für Atletico Madrid spielte. Im April 2013 legte Atletico im Champions-League-Viertelfinale ein 25:20 im Hinspiel vor - fünf Tore Vorsprung, so wie der THW am vergangenen Sonntag. Im Rückspiel rächte sich Barcelona mit elf Toren des Kieler Lieblingsfeindes Siarhei Rutenka und einem 32:24. "Es ist schwierig, aber nicht unmöglich", sagt FCB-Regisseur Raul Entrerrios vor dem Rückspiel. Kapitän Victor Tomas fordert gar: "Palau, ich will dich sehen, laut und aggressiv!" Und Joan Cañellas? Tiefenentspannt analysiert der Weltmeister von 2013, der 2006 mit Barcelona spanischer Meister wurde, am Donnerstag die Kraft des Palau: "Die Kraft geht von der Mannschaft aus. Wenn du jeden Tag vor 10 000 spielst, bist du die 10 000 im Kopf gewohnt", sagt der Spielmacher. Doch Barca spiele in der Liga vor 500, in der Königsklasse vor 3000 bis 4000 Fans. "In den entscheidenden Spielen, wenn die Halle voll ist, wird die Stimmung dann zur Extra-Motivation." Am 30. September 1986 wurde Joan Cañellas Reixach in Santa Maria de Palautordera, 50 Kilometer nördlich von Barcelona, geboren. 130 Mitglieder seines Heimatvereins Club Handbol Palautordera werden am Sonnabend unter den 7585 Fans sein, dazu Familie, Freunde. "Es wäre wunderbar, dort zu gewinnen. Ich bin besonders motiviert." "Warst du schon einmal in einem spanischen Restaurant?", fragt Cañellas und wartet die Antwort nicht ab. "Dort ist es lauter, Spanier sind lauter als Deutsche. Und der Palau Blaugrana hat eine tolle Akustik. Nicht viele schaffen es, dort zu bestehen." Es bedürfe nur "fünf oder zehn Minuten" für den FCB, um so eine Konstellation komplett zu seinen Gunsten zu drehen. "Darum müssen wir noch besser spielen als am Sonnabend, müssen alles richtig machen, alle Kraft mobilisieren, denn es wird ein aggressives Spiel mit viel Körperkontakt werden." Von Ausreden will der stolze Spanier nichts wissen. Verletzungen? Blessuren? Ausfälle? "Die, die spielen können, müssen 100 Prozent geben. Dann wird es gut", sagt Cañellas, der den THW am Saisonende in Richtung Skopje verlassen wird. Joan Cañellas Reixach, geboren in Santa Maria de Palautordera, der einen Traum hat. Den Traum vom Gewinn der Champions League. (Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 29.04.2016, Foto: Sascha Klahn)