KN: Für Jicha ist Köln eine feste Größe im Terminkalender
Kapitän des Handballmeisters erlebte Champions-League-Sieg 2010 als "Befreiung"
Jicha blickte bis dahin auf eine verkorkste Saison zurück, die ihren Ursprung in der vergangenen hatte. Sein angeschlagenes Sprunggelenk bettelte in der Schlussphase der Spielzeit 2013/14 um eine Pause. Doch die angespannte Personallage machte das unmöglich. Zudem galt es, einen 23-Tore-Rückstand auf die Löwen in den letzten fünf Punktspielen aufzuholen. Jicha biss die Zähne zusammen, spielte auf einem unmenschlichen Niveau, aber sein Sprunggelenk verzieh es ihm nicht, dass er auf dessen Kosten am Ende erneut Meister geworden war. "Es hat fast ein Jahr gedauert, ehe ich es wieder voll belasten konnte", sagt Kiels Sportler des Jahres, der spätestens bei der Weltmeisterschaft in Katar im Januar dieses Jahres ernsthaft daran zweifelte, jemals wieder auf sein Niveau zurückkehren zu können. "Ich war damals überhaupt nicht zufrieden mit meiner Leistung", erinnert sich der Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft, die in der Wüste lediglich den enttäuschenden 17. Platz belegte und sich in Galgenhumor flüchtete, als sie in Prag den Verlierer-Cup (Presidents-Cup) überschwänglich feierte. "In Doha kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass es das vielleicht mit meiner Karriere gewesen ist." Ein Gedanke, der ihn schreckte, schließlich will einer wie er, der mit Kiel in acht Jahren bislang große 13 Titel gewann, auf dem Zenit seiner Schaffenskraft abtreten. Inzwischen hat er wieder das Gefühl, der Zebraherde den Kopf aufsetzen zu können. "Ich liebe Kiel und diese Rolle im Verein." Sein Vertrag läuft im Juni 2016 aus, allerdings beinhaltet er eine Option, die es ihm ermöglicht, um ein weiteres Jahr zu verlängern. "Ich werde im Sommer über meine Zukunft entscheiden", sagte Jicha, der sich offenbar auch vorstellen kann, über das Jahr 2017 hinaus ein Zebra zu bleiben. Köln ist für ihn ein besonderer Ort. Seinen ersten Triumph in der Champions League im Mai 2010 erlebte er als "Befreiung". Als Tscheche weiß er, dass er bei großen Turnieren keine Medaille gewinnen kann. Platz acht bei der EM in Österreich im Jahr 2000 war für sein Land bereits eine gefühlte Goldmedaille. Deshalb ist für ihn ein Sieg beim Final4 der wichtigste internationale Titel, den er gewinnen kann. Den Moment, als sich das Team nach dem dramatischen Finale gegen den FC Barcelona (36:34) in der Kabine versammelte, werde er nie vergessen. "Für diese Augenblicke lebt man als Leistungssportler." Präsent sind auch die Erinnerungen an den Triumph zwei Jahre später, als er nach dem Finalsieg gegen Atletico Madrid dazu bestimmt wurde, zur Dopingkontrolle zu gehen - während die Kollegen bereits feierten. "Ich war anschließend für eine halbe Stunde allein im Hotelzimmer. Diese Minuten waren auch besonders", sagt der Welthandballer des Jahres 2010. "Ich war zwar unglaublich müde, aber auch unwahrscheinlich zufrieden." Nach diesen Augenblicken der Besinnung schloss er sich der Partymeute an. In Köln wird nun zum sechsten Mal das Final4 ausgespielt, Jicha wird mit seinem THW zum fünften Mal dabei sein und ist mit 51 Toren der Rekordschütze der Veranstaltung. Trotz einer schmerzhaften Schambeinentzündung, die ihn seit knapp zwei Monaten plagt, freut er sich aus den folgenden fünf Gründen (siehe unten) ganz besonders auf das Wochenende am Rhein.