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Energie, Ausstrahlung, Körpersprache: Zebras feiern deutlichen Heimsieg gegen Erlangen

Bundesliga

Energie, Ausstrahlung, Körpersprache: Zebras feiern deutlichen Heimsieg gegen Erlangen

Es war gewiss kein einfaches Spiel, das die Zebras am Sonntagnachmittag zu absolvieren hatten. Die Enttäuschung von Paris in Körper und Kopf, stellte sich ihnen der HC Erlangen im Duell um wichtige Zähler in der LIQUI MOLY HBL in den Weg. Der THW Kiel zeigte aber alles, was ihn ausmacht: "Heute war unsere Energie, unsere Ausstrahlung und unsere Körpersprache unglaublich wichtig - und wir haben mit viel Freude gespielt", freute sich THW-Trainer Filip Jicha über die Leistung seiner Mannschaft, die sich in einem 35:26 (18:12)-Erfolg niederschlug. Nach einer konzentrierten Leistung gepaart mit Handball-Leckerbissen festigten die Kieler die Tabellenführung in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga und blieben auch in der 16. Auseinandersetzung gegen die Franken zum 16. Mal siegreich. 

Rückkehrer Bilyk bester Torschütze

Sieben Treffer: Nikola Bilyk

Die Zebras begeisterten ihre 10285 Fans in der ausverkauften Wunderino Arena mit großem Einsatz und noch größerer Entschlossenheit. Die Fans dankten ihrem Team mit Szenenapplaus, feierten den vorletzten Heimauftritt ihrer Handball-Helden in dieser Saison euphorisch. Einer bekam besonders viel Euphorie von den Rängen: Nikola Bilyk. Der Österreicher, der zuletzt aufgrund eines Muskelfaserrisses nicht mitwirken konnte, war bester Torschütze der Partie, erziele sieben Treffer und war Motor des Kieler Angriffsspiels. Wie wichtig die Rückkehr des Rückraumspielers für die Mannschaft gewesen sei? Domagoj Duvnjaks knappe wie entschlossene Antwort: "Sehr! Nikola hat es überragend gemacht. Wir haben ihn zuletzt sehr vermisst." Harald Reinkind, Patrick Wiencek und Karl Wallinius erzielten vier Tore für die Kieler. Wallinius kam erst in der 51. Minute, benötigte für seinen Galaauftritt gerade einmal zehn Minuten: vier Versuche, vier Volltreffer. 

Zweimal Rot gegen die Gäste

Auch Firnhaber fand in Niklas Landin seinen Meister

Ein gewohnt sicherer Rückhalt war Torhüter Niklas Landin, der zum vorletzten Mal zwischen den Kieler Heimpfosten stand. "Wie haben sehr gut in der Abwehr gestanden", kommentierte der Welthandballer die Leistungen seiner Vorderleute. "Vielleicht", schränkte er mit einem Lächeln ein, "hätten wir vorne noch das eine oder andere Tor mehr erzielen können. Jetzt geht es weiter. Wir haben noch vier Spiele, und die wollen wir gewinnen." Gästetrainer Raul Alonso, der einst viele Jahre für den Kieler Nachwuchs und als Co-Trainer gearbeitet hatte, beklagte mehrere Ausfälle, war daher mit den über weite Strecken ordentlichen Leistungen seiner Mannschaft zufrieden. Erfolgreichste Erlanger Torschütze war Rückrumschütze Simon Jeppsson, der sechsmal traf. Auffällig agierte zudem der ehemalige THW-Kreisläufer Sebastian Firnhaber, der den guten Landin fünfmal überwand. Allerdings: Zweimal zogen die Schiedsrichter Rot gegen HC-Akteure. Stephan Seitz sah glatt rot, weil er THW-Rechtsaußen Yannick Fraatz bei einem Gegenstoß böse im Gesicht traf, Nikolai Link musste das Parkett nach der dritten Zeitstrafe verlassen.

Letztes Unentschieden beim 2:2

Hendrik Pekeler bekam viel ab, konnte trotzdem jubeln

THW-Trainer Filip Jicha musste erneut auf seine Langzeit-Verletzten Steffen Weinhold (Schulter-OP), Eric Johansson (Mittelhandbruch) und Sven Ehrig (Kreuzbandriss) verzichten. Dafür war Nikola Bilyk wieder dabei. Und wie. Der Österreicher war als Mittelmann Dreh- und Angelpunkt im Angriffsspiel, traf zudem selbst aus allen Lagen und glänzte in der Abwehr. Eine Abwehr, die wieder einmal das Herzstück der Mannschaft bildete, schnell auf den Beinen war und kräftig zupackte. Sander Sagosen brachte den Tabellenführer nach zwei Minuten in Front, Firnhaber glich aus. Der unfassbare Alleinunterhalten auf Halbrechts, Harald Reinkind, traf dann wuchtig aus dem Rückraum zum 2:1, ehe Jeppsson in der vierten Minute zum 2:2 und letzten Remis für die Gäste einwarf. In der Folge hatte die THW-Defensive alles im Griff, dahinter glänzte einmal mehr Niklas Landin, der in den ersten 30 Minuten acht Paraden zeigte, Erlangens Angreifer verzweifeln ließ.

THW Kiel zieht mit 6:1-Lauf davon

Petter Överby machte erneut ein starkes Spiel

In der fünften Minute war es dann der erneut starke Petter Överby, der gegen seine ehemaligen Mitspieler den ersten 3:0-Lauf der Kieler mit seinem Treffer zum 3:2 einleitete. Sander Sagosen traf trotz Zeitnot, Magnus Landin erhöhte auf 5:2, Nikola Bilyk startete seine Glanzvorstellung in der zehnten Minute mit dem Treffer zum 6:3. Olsson und Jeppsson brachten die Gäste noch einmal auf 5:6 heran. Das schien den THW-Express nur zu beflügeln: Niklas Landin nagelte seinen Torkasten minutenlang zu, seine Vorderleute um Abwehrchef Hendrik Pekeler arbeiteten ebenso hart. Bilyk, Överby, Reinkind und Domagoj Duvnjak waren zur Stelle, trafen zum Teil sehenswert - und nach 15 Minuten lagen die Zebras mit 10:6 Toren vorn. Dann der  Ballklau mit gekonntem Abschluss ins leere Erlanger Tor und ein "Hammer" aus dem Rückraum: Nikola Bilyk erhöhte bis zur 20. Minute mit einem Doppelschlag auf 12:6, der THW zeigte, dass er Herr im eigenen Hause war, hielt den Abstand bis zum Seitenwechsel stets komfortabel um die sechs Tore und verabschiedete sich mit einem großartigen Kempa-Tor in die Pause: Nikola Bilyk leistete die Vorarbeit, Magnus Landin flog in den Kreis, vollendete. Auf den Rängen: Ovationen, Jubel und ganz viel Applaus.

Kurzes Luftholen vorm furiosen Schlussspurt

Ließ es viermal krachen: Karl Wallinius

Der erste Torjubel nach der Halbzeitpause gehörte dann den Gästen: Firnhaber verwandelte eiskalt vom Kreis, die Kieler antworteten mit einem 3:0-Lauf durch Patrick Wiencek, Petter Överby und erneut Patrick Wiencek folgte. Nach 36 Minuten stand's 21:13, die Zebras bogen früh auf die Siegerstraße ein. Die Franken wehrten sich, robbten zwischenzeitlich auf 20:25 heran, doch das kleine Zwischentief war aus Kieler Sicht wie ein Luftholen vor dem Schlussspurt. Es folgte ein von Landin gefangener Kempa-Wurf in Unterzahl und ein 4:0-Lauf: Bilyk traf, Niclas Ekberg verwandelten einen Siebenmeter, Wiencek blockte einen Wurf und schickte Ekberg auf die Reise, und als Duvnjak dann nach einem Steal des verdutzt schauenden Magnus Landin zum 29:20 ins leere Tor traf, konnten die Sieges-Feierlichkeiten beginnen.  Dann kam Karl: Wallinius traf erst mit 109 km/h und dann in der 55. Minute mit 115 km/h zum 32:22 . Die erste Zehn-Tore-Führung war perfekt, Hendrik Pekeler traf wenig später zum 34:23, der höchsten Kieler Führung, ehe die Partie von Jubelgesängen der Fans begleitet ihr Ende mit einem weiteren hochverdienten THW-Sieg fand. 

"Kleines Derby" am kommenden Samstag

Nach der Termin-Hatz der vergangenen Wochen, die Kieler absolvierten im Mai bisher sechs Spiele in 18 Tagen, gibt’s jetzt ein wenig Zeit zum Durchschnaufen vor dem Endspurt. Erst am kommenden Samstag sind die Zebras wieder gefordert - das aber besonders: In der seit Wochen mit 13200 Zuschauern restlos ausverkauften Barclays Arena geht es im "kleinen Nordderby" um viel Prestige und zwei enorm wichtige Punkte. Das Nachholspiel aus dem Februar wird um 20:30 Uhr angepfiffen, Sky überträgt live aus der Hansestadt. "Das wird richtig geil", blickt Nikola Bilyk auf die Partie in der Hansestadt voraus, "wir freuen uns riesig auf dieses Duell und, und wir freuen uns riesig auf unsere letzten vier Spiele in dieser Saison!" Weiter geht’s in Hamburg, Kiel!

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn

LIQUI MOLY HBL, 31. Spieltag: THW Kiel – HC Erlangen 35:26 (18:12)

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 14 Paraden), Mrkva (n.e.); Duvnjak (2), Sagosen (3), Reinkind (4), M. Landin (3), Øverby (3), Wiencek (4), Ekberg (3/2), Pabst, Fraatz, Dahmke, Zarabec, Wallinius (4), Bilyk (7), Pekeler (2); Trainer: Jicha
HC Erlangen: Obling (22.-60., 7 Paraden), Ferlin (1.-22., 4 Paraden); Heiny (2), Seitz (2), Sellin (4), Bialowas (1), Zehnder (2), Firnhaber (5), Büdel, Bissel (3), Link, Jeppsson (6), Steinert, Olsson (1), Zechel; Trainer: Alonso

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah / Suresh Thiyagarajah
Zeitstrafen: THW: 1 (Sagosen (47.)) / HCE: 3 (3x Link (5., 17., 49.))
Rote Karten: Seitz (HCE, grobes Foulspiel (42.)), Link (HCE, 3. Zeitstrafe (49.))
Siebenmeter: THW: 2/2 / HCE: 0
Spielverlauf: 1:0, 2:2 (4.), 5:2 (9.), 6:3, 6:5 (12.), 8:6 (14.), 12:6 (20.), 13:8, 15:8 (24.), 16:12 (28.), 18:12;
18:13, 21:13 (36.), 21:15, 22:16, 24:16 (42.), 24:19 (45.), 25:20, 29:20 (51.), 30:22, 32:22 (55.), 34:23 (57.), 34:25, 35:26.
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Wunderino Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel: 

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin heute vor allen Dingen froh darüber, dass Nikola Bilyk wieder mitmischen konnte. Er hatte einen Muskelfaserriss. Ich habe ihm gestern im Training gesagt, dass er anfangen könne, wenn er sich gut fühlt. Dass er sich so lange gut gefühlt hat, hat mich sehr gefreut. Wir haben ihn heute gebraucht. Heute war unsere Energie, unsere Ausstrahlung und unsere Körpersprache unglaublich wichtig – und wir haben mit viel Freude gespielt. Wir sind jetzt im Tunnel und blicken wie ein Marathonläufer auf das Ziel, umso mehr mahne ich allerdings zur Vorsicht. Wir arbeiten einfach weiter, um unseren Fokus zu behalten und mit viel Arbeit und Fleiß dem Ziel Stück für Stück näher zu kommen.

HCE-Trainer Raul Alonso: Gratulation an den THW Kiel zum verdienten Sieg. Wir hatten heute erschwerte Voraussetzungen, und Kiel ist nicht unbedingt der beste Ort für Experimente. Uns ist die Kompensation auf der Linkshänder-Position gut gelungen, wir haben uns in der ersten Halbzeit gute Torchancen erarbeitet, aber ein Weltklasse-Landin gepaart mit dieser unglaublichen Atmosphäre in dieser Halle haben uns zugesetzt. Im zweiten Durchgang kommen wir dann gut zurück und haben beim 19:24 sogar die Chance, das Spiel enger zu gestalten. Aber dann machen wir Fehler, die der THW Kiel eiskalt ausgenutzt hat – das war heute der Genickbrecher. Den Kielern und Filip wünsche ich alles Gute für den Endspurt: Ich hoffe, dass der THW Kiel die Meisterschaft holt.

THW-Torhüter Niklas Landin: Das ist so eine geile Halle, das waren heute wieder pure Emotionen. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, auch wenn wir zwischenzeitlich für mein Befinden den Gegner wieder ein bisschen zu nah an uns herangelassen haben. Jetzt freue ich mich unglaublich auf die letzten vier Spiele dieser Saison!

THW-Rückraumspieler Nikola Bilyk:  Es ist bitter, dass mir die Verletzung kurz vorm Ende passiert ist. Umso schöner ist es, dass ich heute der Mannschaft helfen konnte. Jetzt haben wir noch vier Spiele, und da werden wir alles reinwerfen. Heute haben wir in der ersten Halbzeit den Ton des Spiels bestimmt. Es war sehr wichtig, dass Erlangen nicht reingekommen ist. In der zweiten Halbzeit haben wir zwischendurch einen Gang runtergeschaltet, das war nicht so gut. Über 60 Minuten haben wir aber ein sehr souveränes Handball-Spiel gezeigt. Hamburg wird richtig geil, wir freuen uns auf dieses Spiel in der Atmosphäre einer ausverkauften Arena gegen einen Gegner, der eine überragende Saison spielt. Das wird nicht einfach, aber wir wollen auch in Hamburg unsere Hausaufgaben erledigen. Wir wollen in Hamburg mit 100 Prozent Einsatz ins Spiel gegen und wir freuen uns riesig auf alle vier Spiele bis zum Saisonende!