„Kleines Derby“ am Sonntag: Zebras vor schwerer Auswärtspartie in Hamburg

Zweitkürzeste Auswärtsreise der Saison: Am Sonntag geht es für den THW Kiel in die nur 91 Kilometer von der eigenen Halle entfernten "Barclays Arena" nach Hamburg, wo die Zebras um 13:40 Uhr eine sehr schwere Auswärtspartie vor der Brust haben. Der Handball Sport Verein Hamburg, einer der besten Aufsteiger des vergangenen Jahrzehntes und derzeit auf Rang sieben der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga platziert, fordert den Rekordmeister zum Duell. Die Kieler Handballer werden von mehreren hundert Fans in die Hansestadt begleitet, es gibt aber auch für schwarz-weiße Fans noch Tickets im Vorverkauf. Der mobile Fanshop des THW Kiel baut seinen Stand in der Arena in der Nähe zu Eingang E 1 auf. Das "kleine Derby", wie THW-Trainer Filip Jicha das Duell der beiden Nachbarn nennt, wird bei Sky und zusätzlich auch im Free-TV beim NDR-Fernsehen live übertragen. 

DUVNJAK: "KEINE ÜBERRASCHUNG, WIE GUT DIE SIND"

 

Rückkehrer: Johannes Bitter

Hamburg wieder auf der ganz großen Bühne präsentiert: Nach dem unrühmlichen Insolvenz-Ende des einstigen Deutschen Meisters und Champions-League-Siegers HSV und dem damit einhergehenden Zwangsabstieg in die Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein sammelten sich die Enthusiasten um den ehemaligen Erfolgs-Coach und heutigen Vizepräsidenten Martin Schwalb, um ohne Mäzen, dafür aber mit einem wirtschaftlich und sportlich nachhaltigen Konzept behutsam den Neuaufbau zu wagen. "Wir haben vor fünf Jahren begonnen, die Jugendarbeit zu entwickeln. Daraus haben wir jetzt eine Mannschaft bekommen, die in der Bundesliga spielt. Eine sensationelle Entwicklung", sagte Schwalb vor Saisonbeginn. Und er gab das Ziel aus, mindestens zwei Mannschaften in der "stärksten Liga der Welt" hinter sich lassen zu wollen. Klassisches Unterstatement, wie sich spätestens jetzt, nach mehr als einem Drittel der Saison, herausgestellt hat. Aktuell steht der HSVH auf Platz sechs der Tabelle. Mindestens einen überrascht das nicht: THW-Kapitän Domagoj Duvnjak, der bis zu seinem Wechsel an die Förde vor acht Jahren in Hamburg die großen Erfolge der Vergangenheit mit möglich machte. "Ich habe mir die Hamburger auch in der zweiten Liga angesehen, ich kenne also jeden Spieler. Es ist keine Überraschung für mich, wie gut die sind."

HSVH MISCHT DAS OBERE TABELLENDRITTEL AUF

Casper U. Mortensen kam vom FC Barcelona

Dieses "gut" drückt sich auch in Zahlen aus: Mit aktuell 14:12 Punkten mischt der Handball Sport Verein das obere Tabellendrittel auf und schnuppert sogar ein wenig an den Europapokal-Startplätzen. Nach dem Erstliga-Lehrgeld zu Saisonbeginn, als man beide Auftaktspiele verlor, rückten die Hamburger spätestens mit dem 32:27-Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen in den Fokus. Seitdem punkteten sie beständig, verloren vor eigenem Publikum nur noch einmal gegen den Vizemeister aus Flensburg. Im Gegenzug holte man beispielsweise gegen den DHB-Pokalsieger aus Lemgo einen Punkt, zuletzt besiegte man die gut aufspielende MT Melsungen mit 26:25. "Dass es gegen eine so ambitionierte Mannschaft so ausgeht, ist für uns ein Zeichen, dass wir in dieser Liga nicht nur mithalten können, sondern auch Spiele für uns entscheiden können", lobte HSVH-Trainer Torsten Jansen, der einst wie Co-Trainer Blazenko Lackovic auch das THW-Trikot trug, die Einstellung seiner Mannschaft gegen die Hessen. 

JICHA: "JEDER IST GEWARNT, WENN ES NACH HAMBURG GEHT"

Niklas Weller ging mit dem HVSH den Weg aus der Oberliga in die Bundesliga

THW-Kapitän Duvnjak hat die bisherigen Auftritte der Hamburger analysiert: "Sie machen das bisher überragend, spielen einen sehr guten Handball." Auch für THW-Trainer Filip Jicha, der das Duell mit den Hanseaten  immer als "kleines Derby" bezeichnete, ist der Handball Sport Verein Hamburg "kein normaler Aufsteiger. Jeder ist gewarnt, wenn es nach Hamburg geht." Auch, weil der HSVH sich vor der Rückkehr ins Oberhaus namhaft verstärkte: Mit Torhüter Johannes Bitter kehrte eine der Gallionsfiguren des früheren Erfolges zurück an die Elbe, vom Champions-League-Sieger FC Barcelona holte man Linksaußen Casper U. Mortensen. Für die Abwehr und den Kreis kam Manuel Späth vom FC Porto zurück in die "stärkste Liga der Welt", der zu Saisonbeginn noch an einer Verletzung laborierende Nationalspieler Nicolai Theilinger (von Frisch Auf! Göppingen) brachte ebenso Erstliga-Erfahrung mit nach Hamburg wie Azat Valiullin (Eulen Ludwigshafen). Für Rechtsaußen holte man neben Thies Bergemann, der im Nachwuchs-Leistungsbereich des THW Kiel und beim Kieler Kooperationspartner TSV Altenholz "groß" wurde, Frederik Bo Andersen vom dänischen Top-Club GOG Handball. Jicha: "Hamburg hat eine eingeschworene Truppe und einen ausgewogenen Kader, und Spieler wie Jogi oder Manuel Späth können ihren riesigen Erfahrungsschatz an die jungen Wilden weitergeben."

MISCHUNG AUS ERFAHRENEN UND JUNGEN SPIELERN

Jon Lindenchrone Andersen kam aus Sonderjyske

Denn neben den erfahrenen Neuzugängen bilden auch zahlreiche Spieler, die mit dem HSVH aus der Oberliga den Weg in die Bundesliga mitgingen, das Grundgerüst. Wie beispielsweise der 28-jährige Kreisläufer Niklas Weller, der 2015 vom TSV Ellerbek in die Hansestadt wechselte und aktuell mit 64 Treffern zweitbester Schütze der Hamburger hinter Mortensen (72) ist. Oder der 29-jährige Rückraum-Linkshänder Jan Forstbauer, seit 2016 an der Elbe und bisher 47 Mal erfolgreich. Oder natürlich auch der erst 21-jährige Mittelmann Leif Tissier aus der eigenen Jugend, der das Angriffsspiel der Hamburger lenkt und seine Torgefährlichkeit bisher schon 42 Mal unter Beweis gestellt hat. Jicha und die Kieler sind auf jeden Fall gewarnt: "Um in Hamburg überhaupt an Punkte denken zu können, muss man ans Maximum gehen. Und um dort zu gewinnen, muss man schon Extraklasse zeigen."

SKY UND NDR ÜBERTRAGEN LIVE

Trainer Torsten "Toto" Jansen

Trotz der großen sportlichen Herausforderung freut man sich beim Rekordmeister unglaublich auf das Duell mit dem HSVH. "Ich freue mich auf das Spiel, die Atmosphäre und das Flair dieses 'kleinen Derbys'", erklärt Filip Jicha. "Kiel gegen den HSV, HSV gegen den THW - das habe ich vermisst, und das haben auch die Fans vermisst." Kein Wunder, hatten diese Partien in der Vergangenheit doch stets eine große Brisanz (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv) und endeten nicht selten mit äußerst engen Resultaten. Duvnjak: "Ich habe immer gesagt, dass die Bundesliga einen starken Hamburger Club braucht. Ich freue mich riesig auf ein richtig packendes Spiel in dieser geilen Halle." Anwurf in der Barclays Arena, in der neben den Fans der Gastgeber auch viele hundert Kieler Anhänger und der mobile Fanshop der Zebras erwartet werden, ist um 13:40 Uhr. Geleitet wird das Top-Spiel vom Top-Gespann Robert Schulze/Tobias Tönnies. Das "kleine Derby" wird bei Sky und im Free-TV im NDR-Fernsehen live übertragen. Auf geht's nach Hamburg, Kiel! 

Fotos: HSVH / Fishing4/Torge Huter / Sascha Klahn 

HINWEISE FÜR KIELER AUSWÄRTS-FAHRER

Mehr als 8000 Zuschauer werden in der Barclays Arena erwartet

Für die Partie in der "Barclays Arena" im Volkspark gibt es noch Tickets im Vorverkauf. Aktuell ist in Hamburg die 2G-Regel Voraussetzung für Veranstaltungen, sodass neben dem Ticket auch ein Nachweis über die vollständige Impfung oder den Genesenen-Status sowie der Personalausweis oder ein Reisepass beim Einlass in die Arena vorgezeigt werden müssen. Darüber hinaus ist die Kontaktnachverfolgung in Hamburg Pflicht. Für die "Barclays Arena" muss man sich daher vor den Einlasskontrollen unter folgendem Link "einchecken" und damit einen QR-Code generieren: hamburg-handball.de/qr-code-heimspiel. Dieser muss dann ebenfalls vorgelegt werden. Der mobile Fanshop des THW Kiel befindet sich im Eingangsbereich "E1". Der Handball Sport Verein Hamburg erwartet gegen den THW Kiel mehr als 8000 Zuschauer und bittet die Zuschauer um das Tragen mindestens einer medizinischen Maske in der Arena und freiwillige Corona-Tests­. 

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