KN: „The wichtig one“

Bundesliga

KN: "The wichtig one"

Berlin/Kiel. Die Supercup-Woche hat am Montag mit einer aus Kieler Sicht schlechten Nachricht begonnen. Einen Tag, bevor Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson heute die Nationalmannschaft zum Trainings-Lehrgang in Kiel in Vorbereitung auf den Supercup von Freitag bis Sonntag begrüßt, musste THW-Rückraumspieler Christian Dissinger seine Teilnahme an dem Turnier wegen anhaltender Auswirkungen einer schweren Rippenprellung absagen.

"Diese Verletzung kommt zu einer Unzeit. Ich wäre gerne wieder bei der Nationalmannschaft dabei gewesen", postete der 23-Jährige auf seiner Facebook-Seite. "Ich ärgere mich grün und blau." Allzu gern hätte Dissinger auch am Sonntag den Zebras in der Berliner Schmeling-Halle geholfen. Groß war nach dem 27:24-Sieg nicht nur bei ihm die Erleichterung. Während in England am Wochenende "the normal one" (Jürgen Klopp) das Fußball-Duell gegen "the special one" (José Mourinho) gewann, zeigte sich THW-Geschäftsführer Thorsten Storm in der deutschen Hauptstadt sichtlich erleichtert: "Das war heute the wichtig one", sagte Storm mit einem Augenzwinkern. Wichtig, weil sich die Kieler lange schwertaten. Wichtig, weil allen Beteiligten irgendwie klar ist, dass sich eine weitere Niederlage auf dem Weg zur möglichen Titelverteidigung verbietet. Wichtig aber auch, weil dieses 27:24 bei personell stark strapazierten Füchsen in die Geschichte eingehen könnte: als das Match, in dem sich die drei Rückraum-Musketiere Domagoj Duvnjak, Joan Canellas und Marko Vujin sowie ihre Mitstreiter endgültig von der Ära Filip Jicha emanzipierten. Und wie: Die 6:5-Führung durch Steffen Weinhold nach ziemlich genau zwölf Minuten sollte der letzte Treffer der Partie bleiben, der nicht von Duvnjak, Vujin oder Rechtsaußen Niclas Ekberg erzielt wurde. Alle drei trafen achtmal, Duvnjak - magen-darm-gehandicapt - opferte sich fast bis zum Umfallen für seine Mannschaft auf, statuierte ein Weltklasse-Exempel auf dem Feld. "Die 3:2:1-Deckung war für ihn unglaublich anstrengend, darum mussten wir auch schnell wieder umstellen", resümierte Linksaußen Rune Dahmke. "Psychologisch wichtig" sei dieser Sieg für THW-Manager Storm auch darum gewesen: "Die Spieler, die in dieser Konstellation jetzt noch in Kiel sind, haben bewiesen, dass sie ein Spiel auf diese Weise gewinnen können." Nach dem Kraftakt von Berlin geht es für die meisten Zebras ab heute in die Nationalmannschafts-Woche. Den kürzesten Weg haben Steffen Weinhold und Debütant Rune Dahmke, die mit der deutschen Mannschaft ins Hotel Atlantic ziehen und sich in Kiel auf den Supercup vorbereiten. Neben Dissinger sagten auch die Kreisläufer Evgeni Pevnov (VfL Gummersbach) und Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen) ihre Teilnahme an dem Vier-Länder-Turnier kurzfristig verletzungsbedingt ab. Als Ersatz nominierte Bundestrainer Sigurdsson den 20-jährigen Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar) für die Länderspiele gegen Brasilien mit THW-Kreisläufer Rogerio Ferreira am Freitag in Flensburg, gegen Serbien mit Zebra Marko Vujin am Sonnabend in Hamburg sowie gegen Slowenien am Sonntag in Kiel nach. THW-Kapitän René Toft Hansen, der am Sonntag seinen 31. Geburtstag feierte und nach dem Spiel in der Schmeling-Halle von T HW-Fans mit einem Ständchen überrascht wurde, und der zuletzt überragende Keeper Niklas Landin absolvieren zunächst ein Trainingslager in Dänemark und reisen dann weiter zu einem Vier-Länder-Turnier im norwegischen Nadderud (Golden League), an dem neben den Dänen, Frankreich und Island auch Gastgeber Norwegen teilnimmt, in dessen Reihen Erlend Mamelund sein Comeback für die Skandinavier feiert. Kroatien mit dem Kieler Regisseur Domagoj Duvnjak treffen beim Croatia Cup in Umag auf Mazedonien und Montenegro. Die Schweden, in deren Reihen auch THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg steht, bestreiten Donnerstag in Halmstad ein Länderspiel gegen Russland und reisen dann weiter ins polnische Danzig zu einem Kräftemessen mit Polen, Spanien und erneut Russland. Fehlen wird bei den Spaniern indes Joan Canellas, der seine Schulterverletzung auskurieren will. So musste Alfred Gislason am Sonntag nicht lange überlegen, wen er und Athletiktrainer Hinrich Brockmann überhaupt beim Training in Kiel antreffen werden: neben dem verletzten Dissinger nur Igor Anic, Dragos Oprea, Nikolas Katsigiannis, Christian Sprenger und Alexander Williams. (Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 03.11.2015, Foto: Archiv/Sascha Klahn)