
32:31 bei Frisch Auf! Göppingen: Leidenschaftliche Zebras beenden Süd-Tour mit zwei weiteren Punkten
Der THW Kiel hat auch den zweiten Teil seiner Torunee durch Baden-Württemberg erfolgreich bestritten: Vier Tage nach dem Auswärtssieg bei der SG BBM Bietigheim siegten die Zebras auch in einer wahrhaft heißen "Hölle Süd" gegen Frisch Auf! Göppingen. 5100 frenetische Zuschauer trieben die Gastgeber an, die mit einer 15:13-Führung in die Pause gingen und diese bis zur 45. Minuten verteidigten. Dann stellte THW-Trainer Börge Lund im Angriff auf vier Rückraumspieler um, die Kieler Defensive verteidigte noch leidenschaftlicher das Eins-gegen-Eins und Gonzalo Perez de Vargas zeigte unglaubliche Paraden. Am Ende jubelten die Kieler, die früh Lukas Zerbe durch eine harte rote Karte verloren hatten, über einen 32:21-Sieg. Bester Torschütze war Emil Madsen mit 7/3 Treffern.
Linksaußen Ben Szilagyi half auf Rechtsaußen aus
Die Zebras begeisterten die rund 200 mitgereisten Fans und baden-württembergischen Kiel-Anhänger mit nimmermüdem Kampfgeist - gerade auch nach der harten roten Karte gegen Lukas Zerbe. Denn mit Jarnes Faust saß der zweite etatmäßige Rechtsaußen hinter der Bank - Börge Lund hatte sich für mehr Breite im Rückraum entschieden, da Elias Ellefsen à Skipagötu wieder zum Team gestoßen war und so den 16. Kaderplatz einnahm. Nach Zerbes Rot - danach unterstützte der Nationalspieler seine Mannschaft aus dem Kieler Fanblock heraus - half der junge Ben Szilagyi auf Rechtsaußen aus und traf einmal von der angestammten und einmal von der ungewohnten Position. Das erste Mal in seinem Leben: Kein Wunder, dass er nach den aufregenden 60 Minuten ersteinmal tief durchatmete. "Das heißt hier nicht umsonst Hölle Süd", sagte der junge Linksaußen, "das war eine extrem tolle Athmosphäre und wir sind extrem glücklich über die Punkte, die wir mit nach Hause nehmen."
Saeveras schwingt sich zur Galaform auf
Von Beginn an war Feuer in dieser Partie, schenkten sich beide Mannschaften vor allem in der Defensive nichts. Die Schwaben waren nach der deutlichen Niederlage in Melsungen richtig angezündet, kämpften in ihrer Hölle Süd wie die Löwen und brachten so die eigenen Fans schnell hinter sich. Die Kieler starteten im Rückraum mit Harald Reinkind, Eric Johansson und Elias Ellefsen à Skipagötu, im Tor begann Andreas Wolff. Kiel legte vor, Rune Dahmke verwertete das Zuspiel von Eric Johansson zur 1:0-Führung, der Schwede traf kurz darauf mit einem Hammer unter die Latte selbst zum 2:1. Dann aber brachte Kristian Saeveras im FAG-Tor seine Klasse aufs Parkett, entschärfte reihenweise Chancen der Zebras. So nahmen die Gastgeber das Heft in ihre Hände, gingen in der siebten Minute durch Klöve mit 5:3 in Front, heizten die Atmosphäre in ihrer Arena kräftig an.
Zebras halten gegen
Gut, dass Andreas Wolff in diesen Minuten viele helle Momente hatte: Er knöpfte Göppingens Rekordtorschützen und ehemaligem Nationalspieler, Marcel Schiller, zwei Siebenmeter in Folge abkaufte. Lukas Zerbe traf per Strafwurf in bewährter Manier sicher zum 5:5 in die gegnerischen Maschen. Da war schon viel passiert, obwohl erst elf Minuten um waren - ein Wahnsinns-Spiel. In der Folge hatten die Gastgeber weiterhin knapp die Nase vorn, die Kieler durften sich jetzt vor allem auf à Skipagötu verlassen, der Tempo machte, selbst traf und seine Mitspieler glänzend bediente. Die Mannschaften blieben auf Augenhöhe - auch, weil FAG bei einigen Würfen das Glück mit in Richtung Tor schickte, über abgefälschte Würfe jubeln konnte. Dann kam es zu der folgenschweren Szene in der 20. Minute: Die Zebras verloren den Ball, Zerbe sprintete zurück, wollte gegen Schiller retten, der beim Versuch, den Ball zu fangen, stürzte. Nach Videobeweis gab es Rot für Zerbe. "Für mich war das nie eine Rote Karte", legte sich THW-Linkshänder Harald Reinkind zur Pause im Dyn-Interview fest - doch die Entscheidung stand.
Zebras nehmen das Heft des Handelns in die Hand
Da waren beim Stand von 15:13 für Göppingen bereits die Seiten gewechselt worden. Oskar Sunnefeld, einst Träger des THW-Trikots, erhöhte auf 16:13, doch die Zebras machten sich schnell auf die Aufholjagd, glichen per 3:0-Lauf zum 16:16 aus. Johansson jagte die Lederkugel zweimal ins Göppinger Netz, Domen Makuc vertrat Zerbe beim Strafwurf, traf gegen Buchele. Weil Makuc wenig später mit einem erneuten Siebenmeter an Saeveras scheiterte, Lastro auf der Gegenseite erfolgreich war, legte Göppingen auf 18:16 vor. Doch die Kieler ließen nicht locker, blieben dran. Nach 45 Minuten war das Spiel auch für Göppingens Abwehrrecke Victor Klöve nach dessen dritter Zeitstrafe zu Ende, und die Zebras bliesen nun mit vier Rückraumspielern zur Dauer-Attacke auf die gegnerische Defensive. À Skpiagötu tankte sich durch die FAG-Abwehr, war erfolgreich, Szilagyi glich zum 22:22 aus.
5:0-Rausch sorgt für die Vorentscheidung
Es folgte der ungebremste Zebra-Run, ein kurzer Kieler Rausch, der für etwas kühlere Gemüter in der aufgehitzten Atmosphäre der EWS-Arena sorgte. Nach dem 22:23-Rückstand zogen die Zebras auf 27:23 davon. Köster setzte sich energisch durch, Emil Madsen war nicht mehr zu bremsen und hinten nagelte Gonzalo Perez de Vargas für Minuten seinen Kasten selbst gegen frei vor ihm auftauchende Göppinger zu. Die Kieler Abwehr fightete mit Energie, Youngster Rasmus Ankermann wurde zum Stoppschild für FAGs jungen Spielmacher Elias Newel. Als Julian Köster dann in der 59. Minute die letzten Göppingen Hoffnungen auf Zählbares mit energischem Solo zum 32:29 zunichte machte, Perez de Vargas noch einmal seine Hände im Spiel hatte, war die Entscheidung gefallen: Der dritte THW-Sieg der Saison war unter Dach und Fach, mit vier Auswärtspunkten als Resultat der Baden-Württemberg-Tournee ging es für die Kieler schnell wieder zum Bus.
Samstag endlich wieder ein Heimspiel
Nach der kleinen Süddeutschland-Tournee der vergangenen fünf Tage mit zwei Spielen kehren die Zebras am Sonntagabend zurück: In Kiel startet die Vorbereitung auf die nächste große Aufgabe, bei der auch die Kieler Fans wieder mithelfen können: Denn die nächste Partie in der "stärksten Liga der Welt" ist endlich wieder ein Heimspiel! Dieses bestreitet der THW Kiel am Samstag, 12. September, um 19 Uhr gegen die stark in die Saison gestartete TSV Hannover-Burgdorf. Für dieses Spiel, in dessen Anschluss auch der ehemalige Kieler Trainer Filip Jicha offiziell verabschiedet wird, gibt es Eintrittskarten unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT. Dyn überträgt live. Die Entwicklung geht weiter - zu Hause gegen Hannover!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: FA Göppingen
Opel Handball-Bundesliga, 3. Spieltag: Frisch Auf! Göppingen - THW Kiel 31:32 (15:13)
Frisch Auf! Göppingen: Buchele (zwei Siebenmeter, keine Parade), Saeveras (1.-60., 12/1 Paraden); Neudeck (5), ten Velde (5/3), Klöve (2), Beneke (4), Goßner, Persson (3), Schiller (1), Jurmala (3), Sunnefeldt (1), Lastro (3), Brodbeck, Newel (3), Hanne, Pregler (1); Trainer: Matschke
THW Kiel: Perez de Vargas (25.-60., 10 Paraden, 1 Tor), Wolff (1.-25., 3/2 Paraden); Duvnjak, Reinkind (1), Köster (2), Madsen (7/2), Laube, Johansson (4), Ankermann, Dahmke (1), Zerbe (3/2), Szilagyi (2), Makuc (4/1), Pekeler, à Skipagötu (3), Nacinovic (1); Trainer: Lund
Schiedsrichter: Julian Köppl / Denis Regner
Zeitstrafen: FAG: 4 (3x Klöve (13., 23., 45.), Sunnefeldt (28.)) / THW: 1 (Makuc (52.))
Rote Karten: Zerbe (THW, Foulspiel (21.)), Klöve (FAG, 3. Zeitstrafe)
Siebenmeter: FAG: 5/3 (Wolff hält 2x Schiller (8., 9.)) / THW: 6/5 (Saeveras hält Makuc (37.))
Spielverlauf: 1. Hz: 0:1, 1:2 (3.), 3:3 (4.), 5:3, 5:5 (11.), 7:7, 9:8 (16.), 9:10 (17.), 12:10 (21.), 14:13 (26.), 15:13;
2. Hz: 16.13, 16:16 (35.), 18:16 (38.), 20:18 (41.), 22:20 (44.), 23:22 (47.), 23:27 (51.), 26:28 (55.), 28:30 (58.), 29:32 (59.), 31:32.
Zuschauer: 5100 (EWS Arena, Göppingen)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Börge Lund: Ein sehr hartes, intensives Spiel. Vielen Dank an Ben und Göppingen. In der ersten Halbzeit standen wir okay in der Abwehr, Göppingen hat super gestanden in deren Abwehr. Wir konnten dadurch nicht so in die Breite spielen, der Ball konnte nicht flüssig gelaufen. Saeveras hat uns das Leben auch schwer gemacht. Beide Mannschaften haben zudem mit der Linie der Schiedsrichter gehadert, aber so ein Spiel mit so vielen Zweikämpfen und Durchbrüchen war schwierig zu pfeifen. Die Rote Karte gegen Lukas Zerbe war für mich eine zu harte Entscheidung, auch wenn es eine Berührung gibt. Aber diese bringt Schiller nicht aus der Balance. Auf der anderen Seite kann der Spieler aber auch komplett wegbleiben, dann gibt es kein Rot. Am Ende haben wir dann auf vier Rückraumspieler gestellt und unsere Chancen bekommen, die wir genutzt haben. Wir sind froh, dass wir auch nach dem dritten Spiel mit beiden Punkten dastehen. Es war ein Arbeitssieg, aber das ist auch der Zeitpunkt für genau solch einen Erfolg. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis die Mannschaft über 60 Minuten ihr Spiel durchzieht.
Göppingens Trainer Benjamin Matschke: Beide Teams haben unfassbar gut, unfassbar hart verteidigt und gut zugeschoben. Es hat Spaß gemacht, wie beide Abwehrreihen gearbeitet und den Gegner in Zeitspiel-Situationen gebracht haben. Das einzige, was wir uns vorwerfen lassen müssen, ist, dass wir nach der roten Karte die Zuordnung verlieren. Dann waren die Jungs müde, jedes Eins-gegen-Eins gegen Skipagötu und Makuc zu verteidigen, Köster hat dann auch noch brutal attaktiert. Die vier Rückraumspieler waren erst in den letzten acht Minuten wieder besser für uns zu verteidigen, Ich bin trotzdem unglaublich stolz auf meine Mannschaft. Unsere Leistung hätte für viele, viele Siege in der Bundesliga gereicht - heute war der THW Kiel das Momentum besser, wie man zum Beispiel bei Perez de Vargas sehen konnte mit zwei unglaublichen Paraden.












