
36:26 gegen den Schweizer Meister HC Kriens-Luzern: THW Kiel holt sich erneut den Alpla Sommercup
Der THW Kiel hat seine Österreich-Reise mit dem Trainingslager in Graz und dem stark besetzten Vorbereitungs-Turnier in Hard erfolgreich abgeschlossen. Beim Alpla Sommercup verteidigten die Zebras nach einem temporeichen wie letztlich auch eindeutigen Finale ihren Vorjahrestitel eindrucksvoll. Gegen den Schweizer Meister und Champions-League-Teilnehmer HC Kriens-Luzern gewannen die Kieler am Samstagabend mit 36:26 (20:17) und ließen dabei frühzeitig keine Zweifel an ihrem Erfolg aufkommen. Bester Torschütze gegen das neue Team von Zebra-Legende Nikola Bilyk war erneut Eric Johansson: Der schwedische Rückraumspieler traf zehn Mal. Bronze holte sich der TBV Lemgo Lippe, der im "kleinen Finale" deutlich mit 39:19 gegen den HC Alpla Hard gewann.
Bewährte Start-Formation gegen den Schweizer Meister
THW-Trainer Börge Lund setzte gegen das neue Schweizer Handball-Aushängeschild offensiv zunächst auf ein Team der erfarhenen Kieler Kräfte. In diesem nahm Elias Ellefsen à Skipagötu, der als Regisseur seit Februar kein Pflichtspiel für die Zebras mehr bestritten hat, schon beinahe eine Sonderrolle ein, weil er erst wieder in das schwarz-weiße Spiel integriert wird. Ihm zur Seite standen Harald Reinkind und Johansson, auf den Außenpositionen machten Rune Dahmke und Lukas Zerbe Tempo, am Kreis ackerte Veron Nacinovic. In der Defensive stand zunächst vor dem erfahrenen Gonzalo Perez de Vargas mit Julian Köster immerhin ein "neues" Zebra, das aber aus der Mannschaft längst schon nicht mehr wegzudenken ist - genau wie all die anderen Neuzugänge auf und neben dem Feld. Eine Folge des intensiven Kennenlern-Prozesses, den das schwarz-weiße Team seit dem Trainingsauftakt auf vielen Ebenen bis jetzt erfolgreich durchläuft.
Rasantes Tempo in der ersten Hälfte
Die Kieler starteten gegen die vom Schweizer Nationaltrainer Andy Schmid gecoachten HC Kriens-Luzern mit einem höllischen Tempo. Weil auch der Gegner auf die berühmte Tube drückte, entwickelte sich schnell ein atemberaubendes Vorbereitungs-Finale. In diesem hatten die Zebras von Beginn an die Nase vorn, weil Perez de Vargas sich einige Male auszeichnen konnte, Ballgewinne in der 5-1-Abwehr in Gegenstöße umgemünzt wurden und der Zebra-Angriff variabel spielte. Da war die Wucht von Eric Johansson, der allein im ersten Durchgang sechs Treffer erzielte. Da war der wieselflinke à Skipagötu, der mit seinen Vorstößen Lücken riss, in die die Außen oder Reinkind hineinstoßen konnten.
Kieler gedankenschnell

Nur als Johansson ein paar Mal in Folge an Car im HC-Tor scheiterte, gelang den Schweizern beim 7:6 und 8:7 (14.) mal eine Führung. Die hatte aber auch nur kurz Bestand: Johansson per schneller Mitte, Zerbe mit einem verwandelten Strafwurf und à Skipagötu mit einem Wurf in aufgrund einer Schweizer Zeitstrafe verwaiste leere Tor - der THW Kiel lag nach 16 Minuten wieder mit zwei Treffern vorn. Und baute diese Führung noch aus: Perez de Vargas zeigte eine unglaubliche Doppelparade im Liegen, Dahmke traf nach de Vargas-Pass trotz Umklammerung und mit dem Rücken zum Tor stehend, der zwischenzeitlich ins Spiel gekommene Neuzugang Domen Makucnetzte per Schlagwurf von Halbrechts zum 16:13 (25.) ein. Weil Dahmke dann nach einem Luzerner Pass ins Aus geistesgegenwärtig von der eigenen Ecke aus ein 40-Meter-Tor erzielte und kurz zuvor mit einem schnell ausgeführten Einwurf auf Veron Nacinovic die komplette Luzerner Defensive narrte, nahmen die Zebras eine 20:17-Führung mit in die Pause.
Zebras zaubern sich zur Titelverteidigung
Nach dem Wechsel machten die Zebras dann relativ schnell klar, wer den Pokal mit auf die Heimreise nehmen würde. Unwiderstehlich Rasmus Ankermanns Tor aus dem rechten Rückraum zum 18:21. Auftakt für einen 6:1-Lauf, der das Finale irgendwie bereits früh entschied. Denn Börge Lund setzte weiter auf die gesamte Breite des Kaders, in dem Hendrik Pekeler mit einem Infekt allerdings nicht eingesetzt werden konnte. Lund brachte immer wieder neue Formationen, immer wieder auch frische Kräfte. Einstellen konnte sich der HC Kriens-Luzern nicht mehr darauf - die Kieler zauberten sich der Titelverteidigung entgegen. Unfassbar die Winkel-Rakete von Johansson zum 19:25, dem Lukas Zerbe nach Wolff-Pass direkt noch einen Treffer folgen ließ. Unglaublich das Tor von à Skipagötu, der im Rückwärts-Parallelflug zum Hallenboden den Ball irgendwie zum 32:25 (54.) im Tor unterbrachte. Kurz darauf war das Turnier Geschichte: Am Ende war es Johansson, der mit seinem zehnten Treffer den kompromisslosen Schlusspunkt unter die Österreich-Reise und den Alpla Sommercup setzte. Der Blick der Zebras - er geht weiter nur nach vorn.
Donnerstag starten die Zebras ins nächste Turnier

Nach elf langen und arbeitsreichen Tagen in Österreich machen sich die Zebras am Sonntag wieder auf den Heimweg gen Kiel. Trainer Börge Lund hat ihnen für den Montag trainingsfrei gegeben, danach geht die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit und das gegenseitige Kennenlernen mit den Neuzugängen unvermindert weiter. Bereits am Donnerstag stehen die Kieler wieder auf der Platte: Dann sind sie zu Gast beim „Wenzel Nordic Cup“ in Elias Ellefsen à Skipagötus Heimatstadt Torshavn. Um 20 Uhr geht es zunächst gegen seinen Ausbildungsclub, den färingischen Topverein H71 aus Hoyvík. Weitere Gegner sind am Freitag (18 Uhr) Valur Reykjavík und am Sonntag (13 Uhr) GOG Gudme. Weiter geht die Entwicklung, Kiel!
Fotos: Sascha Klahn
Alpla Sommercup, Finale: HC Kriens-Luzern (SUI) - THW Kiel 26:36 (17:20)
HC Kriens-Luzern: Car (1.-30., 6 Paraden), Pilipovic (31.-60., 5 Paraden, 1 Tor); Aellen (1), Wolfisberg (1), Epp (2), Oertli (2), Milosavljevic, Sipic (5), Bader, Schelker (6/2), Herburger (3), Justin Müller (4), Theiler, Bilyk (1);Trainer : Schmid
THW Kiel: Perez de Vargas (1.-30., 6 Paraden), Wolff (31.-60., 6/1 Paraden); Faust (n.e.), Duvnjak, Reinkind (2), Köster (3), Laube (1), Johansson (10), Ankermann (1), Dahmke (3), Zerbe (7/1), Szilagyi (n.e.), Makuc (3), Pekeler (n.e.), à Skipagötu (3), Nacinovic; Trainer: Lund
Zeitstrafen: Kriens: 2 (Bader (15.), Epp (22.)) / THW: 3 (Duvnjak (28.), Köster (36.), Nacinovic (54.))
Siebenmeter: Kriens: 4/3 (Wolff hält Schelker (36.)) / THW: 1/1
Zuschauer: 2400 (Sporthalle am See, Hard (AUT))
Stimmen zum Turniersieg:
THW-Top-Torschütze Eric Johansson: Ich finde, wir haben als Mannschaft hier gut gespielt. Auch gegen das Sieben-gegen-Sechs von Kriens, das mit unserer offensiven Abwehr schwer zu verteidigen ist. Aber wir haben das gut gelöst. Mit Domen und Julian spiele ich noch nicht lange zusammen, aber wir haben bereits eine gute Kommunikation untereinander gefunden.
THW-Rückraumspieler Rasmus Ankermann: Es war sehr warm hier, handballerisch aber sehr hilfreich. Wir haben uns in diesen beiden Turniertagen offensiv wie defensiv und auch als Team weiterentwickelt. Wir haben zudem mit Kriens-Luzern einen Champions-League-Teilnehmer schlagen und wichtige Erkenntnisse sammeln können. Jetzt reisen wir mit einem guten Gefühl nach Hause, bevor es in drei Tagen weiter geht zum nächsten Turnier.












