
Wilde Zebraherde besiegt den SC Magdeburg und verwandelt Kiel in ein Tollhaus
Perfekter Start ins Handballjahr 2026: Nach dem etwas glücklichen 28:27-Sieg bei den Rhein-Neckar Löwen legte der THW Kiel am Sonntag gegen den SC Magdeburg nach. Nach einem 60-minütigen Abnutzungskampf schlug die Zebraherde den seit 33 Spielen unbesiegten Tabellenführer der DAIKIN Handball-Bundesliga in einem begeisternden Spiel mit 31:29 (10:12). In der zweiten Halbzeit konnten sich die Kieler dabei auf ihre Fans verlassen und verwandelten mit ihrem unfassbaren Kampfgeist und ihrem riesigen Siegeswillen die heimische Arena in ein Tollhaus. Überragend bei den taktisch hervorragend vorbereiteten Zebras: Torhüter Gonzalo Perez de Vargas der die 10285 Zuschauer mit seinen ingesamt 13 Paraden aus den Sitzen riss.
Zerbe trifft neunmal
Vor den Augen von Ministerpräsident Daniel Günther, Innenministerin Magdalena Finke und Bundestrainer Alfred Gislason war Rechtsaußen Lukas Zerbe mit neun Toren bester Schütze für den Sieger, behielt vor allem von der Siebenmeterlinie klaren Kopf. "Wir hatten uns viel vorgenommen", sagte Zerbe mit strahlendem Gesicht nach der Kieler Glanzvorstellung im zweiten Durchgang. "Aber zunächst haben wir uns zu viele Würfe genommen. Das wurde in der zweiten Halbzeit viel besser. Jetzt lief unser Spiel überragend, unsere Deckung war sehr aggressiv, ließ nur noch wenig zu. Außerdem war Gonzalo großartig. Es war ein sehr emotionales, hartes, aber auch faires Spiel. Und: Einfach großartig", fügte Zerbe an, "wie uns die Fans nach der Pause geholfen geholfen haben. Da war die Halle war phänomenal, ohne unsere Fans wäre dieser Sieg nicht möglich gewesen.“
Perez de Vargas in Gala-Form
Garant für den Erfolg war vor allem aber die grandiose Abwehrleistung der Zebras. Hinter der Kieler Deckung überragte Torhüter Gonzalo Perez de Vargas. Der Spanier, schon nach zwei Minuten für den nach einem Gesichtstreffer angeschlagenen Andreas Wolff gekommen, hielt insgesamt 14 Bälle auf, raubte den Gästen 90 Sekunden vor dem Ende mit der Glanzparade gegen Hornke endgültig den Nerv. Dabei waren die Zebras schwer in die Partie gekommen. Die Rückraumspieler Harald Reinkind und Elias Ellefsen á Skipagötu gingen erneut schwer angeschlagen ins Spiel. Reinkind biss auf die Zähne, und das tat auch der junge Färinger: Er warf sich trotz der Schmerzen in der Schulter und zahlreicher Attacken eben gegen diese ins Geschehen, sorgte in der zweiten Hälfte mit seinen Toren für wichtige Impulse, war zudem oft nur auf Kosten von Siebenmetern zu bremsen. Eine großartige Partie lieferte auch Europameister Magnus Landin ab, der, wie schon in Mannheim, in engen Phasen mit hundertprozentiger Torquote von Linksaußen glänzte.
Ungenaue Kieler Abschlüsse in der ersten Halbzeit
Die ersten 30 Minuten standen vor allem im Zeichen überragender Abwehrreihen mit starken Torhütern dahinter. Kiels Mittelblock mit Hendrik Pekeler und Veron Nacinovic war der bissiger Rückhalt bei den Zebras, auf der anderen Seite avancierte vor allem SCM-Torhüter Hernandez zu einem starken Gegenpart für die etwas zu wild werfenden Kieler. Der starke Eric Johnsson eröffnete den Torreigen in eienr hektischen, von wenig Fluss geprägten Anfangsphase. Gut, dass Gonzalo Perez de Vargas sofort voll da war: Der Spanier startete gleich mit einem gehaltenen Siebenmeter gegen Magnusson in die Partie, war in der Folge, genau wie sein Gegenüber Hernandez, maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Angreifer nur wenig Erfolg hatten. Schwer taten sich vor allem die Zebras, suchten lange vergeblich Lücken im Magdeburger Abwehrblock. Die Gäste hatten ihre stärkste Phase in den ersten 20 Minuten, zogen mit einem 3:0-Lauf durch Pettersson (2) und Lagergren bis zur 21. Minute auf 8:4 davon. Und wieder war es das Sieben-gegen-Sechs, das Sicherheit hab. Der Kracher von Johansson löste dann auch die Bremse im THW-Angriff ein wenig. Lukas Zerbe brachte seine Farben nervenstark mit drei Treffern in Folge in der 26. Minute auf 8:9 heran.
Magdeburger Führung
Wichtig waren jetzt vor allem die großartigen Reflexe von "Gonschi", der sein Team mit Paraden gegen Pettersson, Saugstrup oder Magnusson im Spiel hielt. Wichtig war zudem, dass Filip Jicha auf die gesamte Breite seines Kaders setzte. Der THW-Trainer brachte Nikola Bilyk, schickte Mohab Abdelhak aufs Parkett, und am Kreis war Lukas Laube ein ständiger Unruheherd für die SCM-Abwehr.Sol stellten die Zebras schon im ersten Durchgang den Gegner immer wieder vor neue Aufgaben. Bilyk traf vor dem Wechsel per Rückhandwurf zum 9:10, Zerbe zum 10:11. Doch durch den verwandelten Strafwurf von Magnusson gingen die Teams mit 12:10 für die Gäste in die Kabinen.
Zebras kehren mit noch mehr Willen zurück
Die Zebras kehrten trotzdem mit ganz breiter Brust und einem nochmal gesteigerten Willen aus den Kabinen zurück. Sie kassierten zwar das 10:13 per Siebenmeter von Magnusson, dann aber kämpfte sich der THW Kiel endgültig in die Partie hinein. Die Abwehr packte noch fester zu, gemeinsam wurde Angriff um Angriff der Magdeburger gestoppt, mit Leidenschaft unterbrochen und so der Gegner genervt. Und in der eigenen Offensive lief der Ball wie im Lehrbuch. Á Skipagötu wirbelte jetzt in der Mitte oder auf Halbrechts, Lukas Laube traf vom Kreis wie er wollte, Eric Johansson nahm ebenfalls das Heft in die Hand. In der 38. Minute jubelte die Arena beim 15:15 von á Skipagötu über das erste Remis in der zweiten Halbzeit, wenig später erzielte Laube nach tollem Anspiel des färinger Spielmachers das 17:16 und damit die erste Führung seit den Anfangsminuten.
Kieler erkämpfen sich ihre Halle zurück
Der Zebra-Express nahm jetzt Fahrt auf, und das ließ auch die Fans aus ihrer zeitweisen Lethargie der ersten Halbzeit erwachen: Zerbe war ein gnadenloser Vollstrecker von der Siebenmeterlinie, nach Tempospiel oder von Rechtsaußen. Und die Kieler Abwehr warf sich entschlossen in jeden Magdeburger Angriff, überstand Zeitstrafen, kassierte Gegentore vor allem über Siebenmeter. Außerdem war da ja noch Gonzalo Perez de Vargas. Der Spanier war vor allem dann zur Stelle, wenn die Gäste näherkamen, ließ sich auch von einem gewaltigen Gesichtstreffer von Magnusson (42.) nicht aufhalten. Wichtig: Landins 22:20 (46.), nach sechs Minuten das erste Tor aus dem Spiel heraus. So erkämpften sich die Kieler Zentimeter für Zentimeter ihren Hallenboden und ihre Arena zurück. Die erste Kieler Drei-Tore-Führung erzielte Laube in der 50. Minute nach Johansson-Anspiel. Zuvor hatte der Schwede seinen 500. Liga-Treffer für die Kieler gefeiert.
Brutale Intensität in der Schlussphase
Die letzten zehn Minuten waren dann nichts für schwache Nerven, mit einer brutalen Intensität starteten beide Mannschaften in die letzten zehn Minuten. Erst verwarnte das Schiedsrichtergespann SCM-Spieler Gisli Kristjansson nach Videobeweis wegen Schauspielerei, auf der anderen Seite sah Hendrik Pekeler ebenfalls nach Videobeweis Rot nach einem Einsteigen gegen Saugstrup. "Peke" entschuldigte sich beim Magdeburger, erlebte die Schlussphase von der Tribüne aus, jubelte über die wichtige Parade von Perez de Vargas gegen Musche, die im Gegenzug Basis für das 28:24 von Eric Johansson in der 55. Minute war. Ein Vorsprung, den die Kieler in ihrem Tollhaus Wunderino Arena und mit der Unterstützung ihrer "weißen Wand" sicher über die Zeit brachten. Auch, weil Magnus Landin 90 Sekunden vor dem Ende gekonnt zum 31:28 vollendete und Perez de Vargaz mit seiner Glanzparade gegen Hornke endgültig den Deckel auf den THW-Triumph schraubte, die Kieler Wunderino Arena in von einem Hexenkessel in die größte Party-Arena der Stadt verwandelte.
Dienstag geht’s an die dänische Grenze

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Nach den zwei schweren Auftaktpartien 2026 geht’s für die Zebras am Dienstag auch in der EHF European League gleich richtig zur Sache: Rund 45 Stunden nach dem Abpfiff gegen Magdeburg ertönt am Dienstag in Flensburg der Anpfiff zur Hauptrunde der EHF European League. Das Duell der beiden Champions League-Sieger aus dem hohen Norden elektrisiert die Fans seit eh und je, jetzt treffen die beiden Erzrivalen erstmals seit November 2017 wieder auf europäischer Ebene aufeinander. Das Spiel ist für den Kampf um den direkten Viertelfinal-Einzug richtungsweisend, starten beide Kontrahenten doch mit 4:0 Punkten aus der Gruppenphase in die nächste Phase des Wettbewerbs. Rund 200 Fans werden die Zebras zur europäischen Auswärtspartie mit der denkbar kürzesten Anreise von nur rund 80 Kilometern bei der SG Flensburg-Handewitt (Hier gibt’s Tickets für das Rückspiel in Kiel am 10. März) in die ausverkaufte Flensburger Arena begleiten. Der Anpfiff ist um 18.45 Uhr, Dyn und DAZN übertragen live. Weiter geht’s in Flensburg, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn
DAIKIN Handball-Bundesliga, 21. Spieltag: THW Kiel – SC Magdeburg: 31:29 (10:12)
THW Kiel: Perez de Vargas (2.-60., 14/2 Paraden), Wolff (1.-2. und drei Siebenmeter, 2/1 Paraden); Duvnjak (1), Reinkind, Landin (5), Överby, Laube (6), Johansson (5), Dahmke, Zerbe (9/6), Abdelhak, Bilyk (1), Pekeler, á Skipagötu (4), Imre (n.e.), Nacinovic; Trainer: Jicha
SC Magdeburg: Hernandez (1.-50, 10 Paraden), Mandic (50.-60. und 1 Siebenmeter, 3 Paraden); Musche (1), Claar (3), Zehnder, Zechel, Kristjansson (5), Pettersson (4), Magnusson (5/3), Hornke (6/4), Weber, Lagergren (1), Mertens (1), Saugstrup (2), O’Sullivan, Bergendahl; Trainer: Wiegert
Schiedsrichter: Fabian Baumgart / Philipp Dinges
Zeitstrafen: THW: 3 (Nacinovic (30.), Johansson (38.), Överby (44.)) / SCM: 3 (Magnusson (42.), 2x Lagergren (44., 56.))
Rote Karte: Pekeler (THW, grobes Foulspiel (51.))
Siebenmeter: THW: 6/6 / SCM: 10/7 (Perez de Vargas hält Magnusson (4.) und Musche (13.), Wolff hält Magnusson(35.))
Spielfilm: 1:0 (1.), 2:2 (7.), 2:4, 4:5 (15.), 4:8 (18.), 6:8 (23.), 8:10 (27.), 10:11 (29.), 10:12;
2. Hz: 10:13 (31.), 11:14 (32.), 13:15 (34.), 15:15 (38.), 15:16, 17:16 (40.), 19:17 (43.), 22:20 (46.), 23:22, 25:22 (50.), 27:23 (52.), 29:25 (55.), 30:26 (57.), 30:28 (58.), 31:28 (59.), 31:29.
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Wunderino Arena, Kiel)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Filip Jicha: Es war ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Hälften. In der ersten Halbzeit haben wir unsere Abschlüsse nicht gut platziert, haben nicht so geworfen, wie wir uns das vorgenommen hatten. 21 Würfe und nur zehn Tore – das ist zu wenig gegen den SCM. Wir hatten aber das Glück, dass wir gleich eine wuchtige Abwehr gestellt haben und einen überragenden Gonschi (Perez de Vargas, d. Red.)) dahinter hatten. In der zweiten Halbzeit wollten wir im System bleiben, aber unsere Situationen mit mehr Kaltschnäuzigkeit abschließen. Wenn der Rückraum anzog, war Laube offen am Kreis. Eric war Alleinunterhalter im linken Rückraum, Harald und Elias sind voll reingegangen, obwohl sie verletzt sind. Zebu, für mich ein EM-All-Star, hat wieder ein fantastisches Spiel abgeliefert. So sind wir das erste Team, das den SCM in dieser Saison besiegen konnte. Das ist ein unfassbares Gefühl, und es zeigt, welchen Charakter unsere Mannschaft hat. Jetzt versuchen wir, auf der Welle weiterzureiten und unser System immer weiter zu verbessern. Heute können wir das genießen, morgen ist Training, wo wir erst einmal schauen müssen, wer überhaupt mittrainieren kann, und Dienstag gibt es zur Belohnung für ein tolles Spiel heute ein Nordderby.
SCM-Trainer Bennet Wiegert: Glückwunsch an Filip und den THW Kiel Sieg, der nach der zweiten Halbzeit absolut in Ordnung, absolut verdient ist. Schon die erste Hälfte täuscht ein bisschen, wir waren schon da nicht so auf der Höhe wie gewünscht. Das konnten wir über die Torwartleistung, neun Paraden von Sergey bis zur Pause, noch kaschieren. In der zweiten Halbzeit schaffen wir das dann nicht mehr, bekommen aus 24 Kieler Positionsangriffen insgesamt 19 Tore. Das haben wir nicht verteidigt bekommen, sind beim Rückstand mit zwei, drei Toren fahrig im System geworden und haben es sogar verlassen. Beim Unentschieden kommt dann die Halle und der Glaube beim THW Kiel zurück, aber auch da war noch genug Zeit für uns, etwas zu ändern. Das haben wir aber nicht geschafft. Gegen das Kieler Angriffsspiel waren wir nicht gut genug, um hier bestehen zu können. Dass jetzt das Gerede über das ‚ohne Niederlage durch die Saison kommen‘ aufhört, nervt mich, Weil Niederlagen immer nerven.












