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KN: Der THW Kiel geht wieder aufs Ganze

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KN: Der THW Kiel geht wieder aufs Ganze

Kiel. Supercup, DHB-Pokal, Bundesliga, Klub-WM, Champions League - Möglichkeiten, ihren Titelhunger zu stillen gibt es in der kommenden Saison zahlreiche für die Handballer des THW Kiel. Bis zu 65 Spiele in neun Monaten haben sie vor der Brust. Die Zebras scharren mit den Hufen vor der Saison, die so etwas wie der Beginn einer neuen Ära werden soll. Neue Gesichter, vertraute Ziele. "Alles ist bereit", sagt THW-Trainer Filip Jicha, der zum ersten Mal als Cheftrainer an der Seitenlinie stehen wird, während in der Geschäftsführung Viktor Szilagyi und Sabine Holdorf-Schust das Ruder übernommen haben. "Ich sehe den Hunger nach Erfolg in der Mannschaft und würde gerne um das Maximale spielen. Jetzt müssen wir nicht reden, sondern fleißig arbeiten."

Handball-Rekordmeister greift in fünf Wettbewerben an

Dennoch ist der 37-Jährige der Erste, der auf die Bremse tritt, wenn es um konkrete Zielvorgaben für die Spielzeit geht. Vor allem das M-Wort geht ihm nicht über die Lippen. "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen", sagte Jicha gestern bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz in Kiel. "Wir sind in den letzten vier Jahren nicht Meister geworden. Wenn ich tippen soll, wäre es respektlos, nach zwei Meisterschaften in Folge nicht die SG Flensburg-Handewitt zu nennen." Damit spielte der Tscheche den Ball zurück, den Maik Machulla, doppelter Meister-Trainer der SG, ihm bereits in der vorigen Woche zugeworfen hatte, als er den THW Kiel zum Favoriten auf den Titel ausrief.

Ihre Kräfte für einen der Wettbewerbe zu bündeln - davon halten die Kieler trotz der bevorstehenden Terminhatz nicht viel. Szilagyi betonte: "Wir gewichten die Wettbewerbe bewusst nicht unterschiedlich. Es gibt nur 100 Prozent." Das gilt auch für die Champions League, an der die Kieler nach einem Jahr im EHF-Cup durch ihren zweiten Liga-Platz in der Vorsaison wieder teilnehmen. Auch in der schweren Gruppenphase, in der die Kieler unter anderem auf den amtierenden Titelträger Vardar Skopje, Veszprem, Kielce und Montpellier treffen, wollen sie keine Punkte verschenken. "Jede bessere Platzierung in der Gruppe schafft uns eine bessere Ausgangsposition", so Szilagyi.

Vertraute Töne auch unter neuem Personal also beim Rekordmeister, der mit einer nur auf zwei Positionen veränderten Mannschaft ins Olympia-Jahr geht. Für Torwart Andreas Wolff (nach Kielce) stieß Dario Quenstedt zur Zebraherde. Dem bisherigen Magdeburger Torwart Quenstedt kam ein flüssiges "Moin" über die Lippen. "Ich habe mich mit meiner Familie schon gut eingelebt", sagte der 29-Jährige, der in Schilksee ein Haus in Strandnähe bezogen und damit auch kurze Wege zum THW-Zentrum in Altenholz hat. Unterwegs in der Stadt brauche er zwar noch ein Navigationsgerät, dafür laufe die Zusammenarbeit mit seinem Torwartkollegen Niklas Landin reibungslos. "Es hat sich schon herauskristallisiert, dass wir uns sehr gut ergänzen", sagte Quenstedt, der hofft, mit dem Dänen "ein harmonisches und sehr erfolgreiches Duo" bilden zu können. 

Mit humoriger Gelassenheit präsentierte sich Abwehrspezialist Pavel Horak, der nach dem Weggang von Sebastian Firnhaber (Erlangen) verpflichtet wurde. Der 36-Jährige kam von Meshkov Brest aus Weißrussland, verfügt aber über langjährige Bundesligaerfahrung von seinen Stationen in Göppingen, Berlin und Erlangen. "Mich beeindruckt beim THW vor allem, dass alle viel schneller und besser sind als ich", sagte er mit einem breiten Grinsen und konnte sich auch einen weiteren Scherz nicht verkneifen: "Ich habe schon schwerere Vorbereitungen erlebt." Eine Aussage, die Kapitän Domagoj Duvnjak ("Das war die schwerste Vorbereitung meiner Karriere") nicht so stehen lassen konnte. Lob gab es für Neu-Trainer Jicha von Patrick Wiencek. "Wenn man Filip beim Training sieht, denkt man, er ist schon seit Jahren dabei", sagte der Abwehr-Chef.

 (Von Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 14.08.2019, Foto: Sascha Klahn)