KN: „Mein Vater hätte es so gewollt“

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KN: "Mein Vater hätte es so gewollt"

Rouen. Nur kurz läuft er auf dem Flur des Mannschaftshotels vorüber. Seine Mitspieler, sein Trainer betreiben Öffentlichkeitsarbeit. Uwe Gensheimer spricht nicht. Sein Blick ist leer, traurig, die Augen des 30-Jährigen haben viel geweint – das ist ganz offensichtlich. Vor einer Woche ist sein Vater Dieter (60) überraschend gestorben, am Donnerstag reiste der Kapitän nach Rouen zu seiner Mannschaft. „Viele hätten nicht gespielt, und wir alle hätten das verstanden“, sagt Steffen Fäth. Die Mannschaft zieht kollektiv den Hut vor ihrem Kapitän, um den der Deutsche Handballbund (DHB) einen Kokon gesponnen hat. Gensheimer soll alle Ruhe, alle Zeit bekommen, die er brauche. Die Partien gegen Saudi-Arabien und Weißrussland am Dienstag und Mittwoch wird er voraussichtlich verpassen. Die Beerdigung in Mannheim steht ihm noch bevor.

In der schwersten Phase seines Lebens ist Uwe Gensheimer ein unbeugsamer Leader

Bundestrainer Dagur Sigurdsson beweist viel Gespür für diese Ausnahmesituation. Gensheimers erstes Training in Rouen lässt er mit einem engen Mannschaftskreis beginnen, wie Vize-Kapitän Patrick Wiencek berichtet. Alle sind sich nah, viele Worte fallen nicht. "Mein Vater hätte es so gewollt, dass ich die WM spiele", hatte der Star von Paris Saint-Germain vorher vom DHB veröffentlichen lassen. Der Mannschaft sagt er: "Behandelt mich nicht anders als sonst." Für Torwart Andreas Wolff eine "großartige Ansage". "Er lässt uns seinen Schmerz nicht spüren." "Wir haben Uwe als Team umarmt", beschreibt Patrick Groetzki den Moment, der alle Spieler so sehr berührt hat. Gensheimer und der drei Jahre jüngere Groetzki stehen sich nahe, teilen sich in Rouen das Zimmer. Neun Jahre lang spielte das Duo als "Flügelzange" zusammen bei den Rhein-Neckar Löwen, ehe es den Kapitän im vergangenen Sommer nach Paris zog. Groetzki ist es auch, der Gensheimer am Freitag nach einem fantastischen, fast unwirklichen Spiel gegen Ungarn fest in seine Arme schließt. Vor Mikrofonen und Kameras bleibt der 30-Jährige nach dem Ungarn-Spiel in der Mixed Zone nicht stehen. Gensheimer, der 13 Tore geworfen hatte, schützt sich selbst, der DHB schützt Gensheimer. Also sprechen andere. Von "Gänsehaut" (Julius Kühn), von "Respekt" (alle anderen). Vielen fehlen die Worte. "Unfassbar. Das ist einfach Uwe", sagt Rune Dahmke. Der Kieler teilt sich mit Gensheimer den linken Flügel, steht bereit, wenn er gebraucht wird. So wie am Sonntag im Spiel gegen Chile. Doch auch da: Viermal kommt Gensheimer für einen Siebenmeter auf das Feld, viermal zeigt er sich unbeeindruckt von dem Schmerz, der an ihm nagt. "Das zeigt, was er für ein Leader ist", sagt Patrick Wiencek. Unumstritten war Uwe Gensheimer nie. Viele - auch Mitspieler - trugen es ihm nach, dass er, der die Europameisterschaft in Polen verletzungsbedingt verpasst hatte, bei der goldenen Siegerehrung für die "Bad Boys" ebenso in der ersten Reihe stand wie beim anschließenden Empfang bei der Kanzlerin. Doch ein Jahr später fängt ihn die Mannschaft auf, ist für ihn da, wenn er sie braucht. Kai Häfner sagt: "Es ist eine Ehre, mit ihm zu spielen. Toll, ihn als Kapitän zu haben." Zwei, die sich nahestehen: Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer (links) und Rhein-Neckar Löwe Patrick Groetzki. (Von Timo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 16.01.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

KN: Glandorf rechnet mit Nachmeldung

Rouen/Hamburg. Holger Glandorf rechnet fest mit einer Nachnominierung durch Bundestrainer Dagur Sigurdsson für die Handball-WM "Wir stehen in Kontakt, und ich bin mir sicher, dass er sich melden wird", sagte der Linkshänder am Sonntag im Facebook-Format "Schrödi & Schwalbe - Die WM-Couch", das Drittligist HSV Hamburg mit Martin Schwalb und Stefan Schröder ausstrahlt. Glandorf steht im erweiterten WM-Kader und hatte am 9. Januar gegen Österreich sein DHB-Comeback nach zweieinhalb Jahren gefeiert, war aber nicht nach Frankreich gereist. "Am Beispiel Paul Drux hat man gesehen, wie schnell sich Spieler verletzen können", sagte Glandorf. Drux war in der ersten Hälfte des Spiels gegen Chile umgeknickt, die Schwere der Verletzung ist noch unbekannt. Weil Sigurdsson nur 15 der 16 Kaderplätze besetzt hat, kann er jederzeit einen Spieler nachnominieren. Glandorf gilt als erste Option, da der rechte Rückraum nur mit Kai Häfner besetzt ist. (Aus den Kieler Nachrichten vom 16.01.2017)