KN: Österreichische „Maschine“ im Glück

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KN: Österreichische "Maschine" im Glück

Herzogenaurach. Es ist gute Tradition, im Trainingslager des Handball-Bundesligisten THW Kiel an dieser Stelle die Neuzugänge der Zebras vorzustellen. Schließlich ist diese Woche - in diesem Jahr zum zweiten Mal im mittelfränkischen Herzogenaurach - auch zwischen Spieler und Journalist der Start der gemeinsamen Zusammenarbeit. Man lernt sich kennen, baut Vertrauen auf, führt erste Gespräche. Weil nun aber Lukas Nilsson und Andreas Wolff bei den Olympischen Spielen weilen und es während der Kieler Woche bereits ein Treffen mit Linksaußen Raul Santos gab, bleibt nur noch der Österreicher Nikola Bilyk. Der will zuallererst mit einigen Dingen aufräumen.

THW-Neuzugang Nikola Bilyk über das Privileg, in Kiel zu spielen

"Schon falsch", sagt der 19-Jährige und lacht. Ganz oben auf der ersten Seite des Notizblocks steht sein Name: Nikola Bilyk. Der Neu-Kieler mit ukrainischen Eltern korrigiert, schreibt ein "Mykola", sagt aber gleich: "Das ist das Kyrillische, aber Nikola ist auch ok." Das wäre geklärt. Da wäre aber noch eine andere Sache: ein Interview, das dem österreichischen Jungstar lange nachhing. Im Januar gab er zu Protokoll, er wolle im Handball das Gleiche erreichen wie Basketball-Legende Michael Jordan, der übrigens sein großes Vorbild sei. Sofort wurde ihm von allen Seiten Größenwahn attestiert, und heute sagt er zerknirscht: "Das Interview wurde auf Englisch geführt, ich wurde falsch verstanden. Ja, Jordan ist mein Vorbild. Ich will einfach nur wie er jedes Spiel gewinnen." Damit wäre schon viel gesagt über den Rückraum-Rechtshänder, der es erst jetzt so langsam realisiert hat, dass er auf einmal für den THW spielt. "Das hat eine Weile gedauert. Aber jetzt ist es bei mir angekommen, dass ich bei einer der besten Mannschaften der Welt gelandet bin. Das ist ein Privileg, ein großes Glück." Eine lange Pause vor diesem Start ins Glück hat sich der Youngster nicht gegönnt. Eine Woche Kroatien musste reichen. "Erstens brauche ich immer Bewegung. Und zweitens wollte ich unbedingt fit beim THW ankommen, einen guten ersten Eindruck machen, zeigen, was für ein Typ ich bin." Hat funktioniert, denn THW-Trainer Alfred Gislason registrierte wohl, dass Bilyk in "überragender körperlicher Verfassung" ist. Der Isländer ist auch sonst von seinem neuen Mann für den Rückraum angetan. "Er und Lukas Nilsson haben beide so viel Talent wie Aron Palmarsson in dem Alter. Nikola ist sehr gut vorbereitet, sehr vielseitig. Er wird bei uns eine gute Rolle spielen", sagt der Coach. In Herzogenaurach teilt sich der 19-Jährige ein Zimmer mit Routinier Blazenko Lackovic. Da schwingt dann auch ein wenig Ehrfurcht mit, wenn Bilyk sagt: "Er hat fast alles gewonnen. So gut möchte ich auch mal sein. Es ist einfach nicht zu fassen, dass ich jetzt mit solchen Spielern auf dem Feld stehen darf." Der Schritt aus Wien nach Kiel, wo er eine Wohnung in Hassee bezogen hat, das ist für den jungen Nikola Bilyk auch Abnabelung. Drei Jahre lang spielte er mit Papa Sergiy Bilyk, der noch mit 45 Jahren das Tor hütete, bei den Fivers Margareten, wurde im Sommer österreichischer Meister. "Wir haben zusammen alles gewonnen: Meister, Pokalsieger, Supercup-Sieger. Was will man mehr? Das war wunderschön." Papa Sergiy vermisst seinen Sohn, der während seiner Zeit in Tunesien in Tunis geboren wurde. "Aber er zeigt es nicht so", sagt Nikola. Mama Inna und Schwester Mariya schon. Bilyk will in Kiel "Titel gewinnen". 1,98 Meter groß, 19 Jahre jung, bescheiden. Christian Sprenger nennt den Österreicher "eine Maschine". Und vom Größenwahn? Keine Spur. (Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 10.08.2016, Fotos: THW Kiel)