Zebras holen auch in der hitzigen Amtosphäre von Irun zwei wichtige Auswärtspunkte

European League

Zebras holen auch in der hitzigen Amtosphäre von Irun zwei wichtige Auswärtspunkte

Der THW Kiel hat seine weiße Europapokal-Weste gewahrt beim spanischen Top-Club Bidasoa Irun auch das dritte Auswärtsspiel innerhalb einer Woche gewonnen. 1800 Fans entfachten in der Kult-Arena "Artaleku", in der Bidasoa einst den Grundstein für den Champions League-Sieg 1995 legte, eine unglaublich hitzige Atmosphäre, zu der auch die Spieler des Gastgebers mit Provokationen und gekonnten Einlagen ihren Teil beitrugen. Die Kieler, die ihr viertes Spiel innerhalb von neun Tagen bestritten, blieben aber cool und feierten am Ende einen verdienten 37:32 (18:15)-Erfolg. Dieser lässt sie mit der Optimal-Punktzahl von acht weiterhin an der Spitze der stärksten Hauptrunden-Gruppe aller Zeiten thronen und brachte sie dem Ziel, sich als Erster direkt für das Viertelfinale zu qualifizieren, wieder einen Schritt näher. Rund 20 mitgereiste Zebra-Fans hatten ihre Freude an der kämpferischen Leistung ihres Teams, das auch nicht mit spielerischen Elementen geizte. 

Bence Imre bester Torschütze

Ein männlicher Handballspieler in einem schwarzen Trikot bereitet sich darauf vor, den Ball während eines Spiels zu werfen. Der Hintergrund zeigt gelbe Trikots, die an der Wand hängen, und unscharfe Zuschauer auf der Tribüne.Nur mit einem Sieg hätten die Basken ihre Chancen auf die Teilnahme am Achtelfinale wahren können, sie kämpften mit allen Mitteln, griffen auch zu unsauberen Aktionen. Besonders ihre Nummer 32, Dariel Garcia, übertrieb es mit Schauspiel-Einlagen und Provokationen: So täuschte er nach einem Foul von Bence Imre solange eine schwere Verletzung vor, bis das gute ungarische Schiedsrichtergespann Altmar/Horvath sich zurecht gegen eine rote Karte für den Rechtsaußen des THW Kiel entschieden hatte. Anschließend lieferte sich Garcia ein Privat-Duell mit THW-Torhüter Andreas Wolff. Der war nach 40 Minuten in die hitzige Begegnung gekommen und half mit seinen Paraden, den hart erarbeiteten Vorsprung in zwei wichtige Zähler umzumünzen. Bence Imre war mit sieben Toren (drei Siebenmeter) bester Kieler Torschütze, Lukas Laube zeigte sich ebenfalls in Geberlaune, traf sechsmal für den THW Kiel. Insgesamt ließen sich die Zebras durch die Hitze des Duells nicht aus der Ruhe bringen, nutzten ihren Kader über die gesamte Breite und schlossen die fünftägige Reise mit dem Spiel in Göppingen und in Irun mit der optimalen Ausbeute von vier Punkten ab. 

Kieler kontern ihren Kaltstart

Ein Handballspieler in einem schwarzen Trikot läuft mit dem Ball, während ein Verteidiger in einem gelben Trikot versucht, ihn auf einem Hallenplatz zu blockieren. Andere Spieler und Spielfeldmarkierungen sind sichtbar.Die Kieler waren ohne ihren Langzeitverletzten Emil Madsen (Knie) sowie Elias Ellefsen á Skipagötu (Schulter) und Jesse Dahmke )(Oberschenkel) ins Baskenland gereist, dazu gesellte sich 24 Stunden vor der Partie Veron Nacinovic auf die Ausfallsliste. Der 25-Jährige hatte sich einen Infekt eingefangen, hütete am Morgen des Spiels noch sein Bett, blieb im Hotel. Für den Kroaten rückte Petter Överby neben Abwehrchef Hendrik Pekeler zunächst in den Kieler Mittelblock. Im Tor begann THW-Trainer Filip Jicha erwartungsgemäß mit Gonzalo Perez des Vargas. Kiels Spanier kennt schließlich die meisten Akteure im spanischen Team. Im Angriff starteten Eric Johansson und Mohab Abdelhak auf den Halbpositionen, in der Mitte wirbelte Nikola Bilyk und auf den Außenpositionen spielten Rune Dahmke und Imre. Der quirlige Rechtsaußen markierte dann auch den ersten Kieler Treffer nach einem 0:3-Kaltstart, läutete zugleich einen grandiosen Kieler 5:0-Lauf ein. Domagoj Duvnjak war gedankenschnell mit einem Wurf ins leere Irun-Tor erfolgreich, Imre traf noch zweimal über Tempogegenstoß, und Johansson netzte in Zeitnot ein: 5:3 hieß es nach neun Minuten, die Lautstärke in der Arena war runtergedimmt.

Zebras ziehen auf fünf Tore davon

Drei Männer stehen auf einem überdachten Sportplatz und unterhalten sich. Einer trägt ein lila Trikot mit der Aufschrift "ORLEN", ein anderer ein schwarz-gelbes "BIDASOA IRUN"-Shirt und der dritte ein graues Polo. Im Hintergrund sind leere rote und blaue Sitzplätze zu sehen.In der Folge zeigten sich beide Teams für einige Minuten auf Augenhöhe: Die Kieler hatten stets die Nase knapp vorn, während Irun über das Kreisläuferspiel für Torgefahr sorgte, glänzten die Kieler mit sehenswerten Kunstwürfen. So war Hendrik Pekelers Dreher nach glänzendem Anspiel von Abdelhak eine wahre Augenweide, Johansson wuchtete den Ball unter die Torlatte, entlockte dem Publikum ein staunendes Raunen. Einen gelungenen Start in die Partie hatte zudem Gonzalo Perez de Vargas, der den Bidasoa-Angreifern manchen Ball wegnahm, einen Siebenmeter von Nieto unschädlich machte, außerdem seine Angreifer mit genauen Pässen zu Torerfolgen verhalf. Imre profitierte von de Vargas' Vorlagen, ebenso ahmke, der in der 20. Minute zum 13:8 einnetzte und einen Kieler 3:0-Lauf perfekt machte.

Vorsprung schmilzt kurz vor der Pause

Filip Jicha startete jetzt in den Rotationsmodus, brachte Youngster Rasmus Ankermann, stellte Lukas Laube an den Kreis. Die Gastgeber kämpften indes unverdrossen, verkürzten durch Cavero, der zwei Siebenmeter in Folge nutzte. Kiel aber fand Antworten. Abdelhak traf, Laube war vom Kreis erfolgreich. Vorbereiter Abdelhak. Nach 23 Minuten hatten die Zebras erneut fünf Tore zwischen sich und Irun geworfen. 16:11. Es folgte der erste Auftritt von Andreas Wolff, der seinen Ruf als Siebenmeter-König eindrucksvoll unterstrich, den Strafwurf von Cavero großartig parierte. 18:13 lautete der Spielstand 60 Sekunden vor der Pause, zwei technische Fehler brachten die Gastgeber dann aber noch zweimal in Ballbesitz. Mit 18:15 wurden die Seiten gewechselt.

Zebras bleiben cool

Zwei Handballspieler in schwarzen Trikots blockieren einen Spieler in einem gelben Trikot, der den Ball in der Luft hält, auf einem blauen Spielfeld. Die Szene ist intensiv und zeigt Körperkontakt und Action in der Nähe des Torraums.Die ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit waren dann eine Kopie der ersten. Die Zebras legten vor, zogen stets auf drei, vier Tore davon. Doch Bidasoa kämpfte sich zurück. 24:22 stand's in der 40. Minute, 26:24 in der 45. Filip Jicha stellte jetzt Andreas Wolff zwischen die Kieler Pfosten, und nach wenigen Minuten hatte Kiels Schlussmann seine dritte Parade auf dem Konto. Als Lukas Laube wenig später zum fünften Mal und zum 29:24 traf, drückte Bidasoa-Coach Mozas Garcia auf den Buzzer. Ohne Erfolg. Der THW Kiel war erneut erfolgreich, Dahmke verwertete das gekonnte Anspiel von Pekeler ins leere Iruner Tor. Erneute Auszeit der Gastgeber, es wurde eine laute Unterbrechung. Die Folge: Irun kämpfte sich kurzfristig heran. Dann drückte der nach 47 Minuten eingewechselte Harald Reinkind auf die Stimmung: Er erzielte das 31:26 in der 48. Minute. Trotzdem wurde es kurzfristig wieder lauter in der Artaleku. 31:28, Auszeit Filip Jicha. 

Pekeler packt die Punkte ein

Ein Handballspieler in einem schwarzen Trikot versucht einen Sprungwurf, während er von zwei Spielern in gelben Trikots auf einem Hallenplatz eng verteidigt wird.Der Kieler Trainer beorderte die routinierten THW-Akteure aufs Parkett: Eric Johansson glänzte mit großartigen Assists, traf selbst, und Andreas Wolff streckte seine Arme nach drei Paraden in Folge in die Lüfte, reagierte damit auch auf die unnötigen Provokationen von Dariel Garcia. Als Stimmungskiller betätigte sich auch Reikind weiterhin, jagte den Ball zum 32:28 und 33:29 in den Winkel. Großartig der feinfühlige Heber von Dahmke zum 34:30 in der 57. Minute, Pekelers Tempogegenstoß machte schließlich den Deckel auf ein Spiel, das Rasmus Ankermann mit sehenswertem Stemmer zum 37:32-Endstand abschloss. Die Kieler Fans feierten, die Zebras verstauten auch im dritten Auswärtsspiel 2026 beide Punkte in ihrem Reisegepäck.

Samstag Top-Heimspiel gegen den VfL Gummersbach

Eine Herren-Sportmannschaft steht in einer Reihe auf einem Spielfeld, mit Blick nach vorne, mit Fans im Hintergrund, die schwarz-weiß gekleidet sind und ein Wir sind Kiel-Banner halten. Rote und blaue Sitze füllen die Tribüne hinter ihnen.Am Mittwochabend werden die Zebras nach ihrer Sechs-Tage-Tour mit dem Spielen in Göppingen und Irun wieder in Kiel erwartet. Die Zeit drängt, steht doch bereits am Samstag das nächste Top-Spiel auf dem Programm der Kieler Handballer: Zu Gast ist um 20 Uhr (live bei Dyn) der VfL Gummersbach mit Bald-Zebra Julian Köster, der dem THW Kiel im Kampf um die Champions-League-Plätze im Nacken sitzt. Das Hinspiel endete nach einer großartigen schwarz-weißen Aufholjagd unentschieden, Samstag wollen die Kieler mit der Unterstützung ihrer lautstarken, emotionalen weißen Wand zwei Zähler einfahren und sich für die Strapazen der vergangenen Wochen belohnen. Für dieses Spiel gibt es in der THW-FANWELT; die Samstag von 10 Uhr bis zum Anpfiff geöffnet hat, und unter www.thw-tickets.de sowie im offiziellen Zweitmarkt von Fans für Fans. Weiter geht’s gegen Gummersbach, Kiel!

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Irudek Bidasoa Irun

EHF European League, Hauptrunde, 2. Spieltag: Irudek Bidasoa Irun (ESP) - THW Kiel: 32:37 (15:18)

Irudek Bidasoa Irun: Skrzyniarz (1.-23., 3/2 Paraden), Maciel (23.-60, 6 Paraden); Cavero (5/2), Jevtic, Wamba, Gonzales, Furundarena, E. Salinas (4), Santiago (6), Raix, Tolosa, Mielczarski (7), Nevado (2), Nieto (2/1), Garcia (4), Valles (2); Trainer: Mozas Garcia
THW Kiel: Perez de Vargas (1.-40., 3 Paraden), Wolff (40.-60. und 2 Siebenmeter, 7/1 Paraden); Duvnjak (1), Reinkind (3), Landin, Överby, Laube (6), Johansson (5), Ankermann (1), Dahmke (4), Zerbe (1/1), Abdelhak (2), Bilyk (1), Pekeler (5), Imre (7/3); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Kristof Altmar / Marton Horvath (HUN)
Zeitstrafen: Irun: 3 (Garcia (5.), Furundarena (13.), Nevado (27.)) / THW: 2 (Överby (10.), Imre (34.))
Siebenmeter: Irun: 4/1 (Perez de Vargas hält Nieto (16.), Wolff hält Cavero (25.), Cavero vorbei (34.)) / THW: 6/4 (Skrzyniarz hält 2x Imre (5., 15.))
Spielfilm: 3:0 (4.), 3:5 (9.), 6:8 (13.), 8:10 (18.), 8:13 (20.), 11:16 (24.), 13:18 (29.), 15:18;
2. Hz: 16:18 (31.), 17:20 (34.), 19:22, 22:25 (40.), 24:26 (44.), 24:30 (47.), 26:31 (49.), 28:31 (51.), 30:33 (55.), 31:34, 31:36 (56.), 32:37.
Zuschauer: 1800 (Artaleku, Irun (ESP))

Stimmen zum Spiel: 

THW-Trainer Filip Jicha: Es tat uns gut, einmal rauszukommen, auch ein bisschen Sonne zu haben und gemeinsam essen zu gehen. Das war fast ein bisschen wie ein Teambuilding bei dieser Kombi-Reise. Heute war es wichtig, dass wir cool geblieben sind. Wir wussten ja, dass Irun mit viel Halligalli , mit Druck und Emotionen spielt. In der Phase, in der wir auf fünf Treffer wegziehen, waren wir sehr schlau. Insgesamt war das von uns heute ein sehr schlaues, organisiertes Spiel – wenn man den Moment ausschließt, in dem wir drei Würfe nacheinander verschießen. Es war wichtig, dass wir hier die Punkte holen. Denn diese Woche kann richtungsweisend sein. Jetzt kommt eine Mannschaft zu uns, die ohne Europapokal-Belastung brutal vorbereitet auf uns trifft. Wir müssen besser als gegen Magdeburg spielen, um das Spiel gegen Gummersbach zu gewinnen. Wir werden jetzt bewusster trainieren, mit kurzen Einheiten - aber super fokussiert.

THW-Torhüter Andreas Wolff: Irun hat genauso gespielt, wie wir es erwartet hatten. Dass es nicht leicht werden würde, hat man spätestens nach ihren Ergebnissen gegen Flensburg und Barcelona gewusst, wo sie immer dran blieben und nie aufgegeben haben. Das ist einfach eine sehr gute, clevere Mannschaft. Die Hektik hat Irun bewusst provoziert, damit wir hier nicht in Ruhe unser Spiel aufziehen, sondern Fehler machst und in ihre Gegenstöße läufst. Wir sind aber cool geblieben.

THW-Kreisläufer Lukas Laube: Es war von Anfang an ein emotionaler Fight mit einer ordentlichen Stimmung in der Halle. Die Emotionen gehören einfach dazu, damit haben die Iruner die Halle ordentlich angeheizt. Und dann macht es einem selbst auch viel Spaß, hier dagegenzuhalten. Am Schluss nehmen wir aber die zwei Punkte mit nach Hause, und das tut gut. Jetzt freuen wir uns nach den vielen Auswärtsspielen auf unsere Riesen-Kulisse zu Hause.

THW-Toptorschütze Bence Imre: Das war wirklich kein leichtes Spiel heute. Irun hat eine gute Mannschaft und das gut gemacht, die Fans haben eine gute Atmosphäre kreiert. Aber wir haben die zwei Punkte, und das war unser Ziel. Das haben wir auch für unsere Fans ausgerufen, die heute hier waren. Bei ihnen möchte ich mich bedanken. Jetzt wollen wir quch gegen Gummersbach gewinnen. Wir haben eine gute Serie, und die wollen wir weiterführen. Dafür müssen wir maximal Gas geben, dafür brauchen wir Samstag aber auch eine absolute Topspiel-Halle.