Für die Geschichtsbücher: Kiel feiert seinen Rekord-Torschützen Niclas Ekberg

Bundesliga
Sonntag, 03.10.2021 // 19:48 Uhr

In der 49. Minute beim 34:25-Sieg gegen GWD Minden gab es einen Lautstärke-Orkan in der Wunderino Arena, den man wahrscheinlich sogar noch in Schweden vernehmen konnte. Mit sieben verwandelten Siebenmetern hatte sich Niclas Ekberg gegen die Grün-Weißen in der ersten Halbzeit Stück für Stück in der "ewigen Torschützenliste" an Jahrhunderthandballer Magnus "Max" Wislander herangerobbt. Mit einem feinen Dreher zum 20:16 die 19 Jahre alte Bestmarke der schwedischen Handball-Legende egalisiert, kurz darauf mit einem Dreher an den Pfosten ein bisschen gewackelt. Doch in dieser 49. Minute schien die Wunderino Arena zu explodieren.  

Rekord-Tor per Kempatrick

11/8 Tore: Niclas Ekberg war an diesem historischen Abend erneut bester Torschütze

Magnus Landin war von Sander Sagosen mustergültig freigespielt worden, doch der dänische Linksaußen hatte ein feines Gespür für diesen außergewöhnlichen Moment in der Geschichte des THW Kiel: Statt selbst zum 28:22 zu verwandeln, spielte Landin den Ball zu seinem einspringenden Kollegen auf Rechtsaußen. Niclas Ekberg nahm den Ball und traf per Kempa-Trick - es war das 1333. Tor des 32 Jahre alten Schweden. Ein Geniestreich, der die Fans von den Sitzen riss. "Sommartider", jener schwedische Song von "Gyllene Tider", der seit Wislander in Kiel Kultstatus genießt, drang aus den Boxen, die Kollegen und das Trainergespann feierten das Tor wie einen Titel-Treffer. Feierlichkeiten für einen großen Schweden, die auch GWD Minden nicht kaltließ: Trainer Frank Carstens nahm direkt danach eine Auszeit, die den Zebras im rasanten Handballsport eine weitere Minute Zeit gab, um Niclas Ekberg zu feiern.

Ungewöhnlicher Start

17 Paraden: Niklas Landin war wieder einmal in Weltklasse-Form

Als sich Niclas Ekberg am 24. August 2012 in der Geschäftsstelle den Mitarbeitern des THW Kiel vorstellte, war der damals 23-Jährige gerade als Torschützenkönig und Silbermedaillengewinner von den Olympischen Spielen in London zurückgekehrt. Sein damaliges sportliches Zuhause, der dänische Topclub AG Kopenhagen, existierte indes nicht mehr: Während Ekberg in London auf Torejagd für Schweden ging, meldete der dänische Hauptstadtverein Insolvenz an. "Wer weiß, wofür es gut war. Jetzt spiele ich dort, wo ich immer spielen wollte. In dieser unglaublichen Arena, in dieser unglaublichen Atmosphäre, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt", hatte Ekberg vor neun Jahren gesagt. Und hinzugefügt: "Es ist eine Ehre für mich, das schwarz-weiße Trikot zu tragen, das so viele große Schweden bereits getragen habe. Ich möchte aber in keine Fußstapfen treten, sondern möchte meine eigenen Spuren in Kiel hinterlassen." 

Ekberg hat Wort gehalten

Spätestens jetzt, neun Jahre später, kann man mit Fug und Recht sagen: Niclas Ekberg hat Wort gehalten. Mit seinen Treffern half der sympathische, bodenständige Schwede seiner Mannschaft, viele Titel zu holen. Und diese Mannschaft half Ekberg, viele Tore zu werfen. So viele, dass "Eki" nun eine in Stein gemeißelt zu scheinende Bestmarke von "Max" Wislander übertroffen hat. Vor einer Woche hatte sich der Schwede in der ewigen Torschützenliste des Deutschen Meisters noch an seinem Trainer Filip Jicha vorbei auf Rang zwei geschoben. Gegen Minden nahm Ekberg dann erneut einen Riesenschluck aus der Flasche mit dem Zielwasser und erklomm die Spitze des besten THW-Toschützen aller Zeiten. "Das ist eine Wahnsinnsleistung von Eki", sagte THW-Trainer Filip Jicha, der selbst 1319 Bundesliga-Tore für den THW Kiel erzielt hatte, "dieser Verein hat solch eine enorme Historie. Dass Eki das heute geschafft hat zeigt, was er für ein Weltklasse-Handballer ist. Ich gönne es ihm - und ich freue mich mit ihm! 

Stehende Ovationen

Und natürlich wussten auch die Fans wie alle anderen Zebras um die Bedeutung dieses besonderen Moments: Stehende Ovationen, "Eki, Eki"-Rufe - Ehre, wem Ehre gebührt. Nach der Partie wurde der 32-jährige Schwede von seinen Mannschaftskollegen in die Mitte genommen und hochgeworfen, zuvor von wirklich jedem aus der Zebraherde innig geherzt. Und der Mann für die Geschichtsbücher? Blieb äußerlich zunächst cool. "Moin erstmal", bedankte sich Ekberg mit dem Mikrofon in der Hand bei den THW-Fans. "Danke für die unglaubliche Atmosphäre, das heute war ein besonderes Spiel für mich. Ich muss zugeben, vor dem Spiel schon ein gewisses Grummeln im Bauch verspürt zu haben."

"Wichtig ist, dass die Mannschaft gewinnt"

Es sei eine Riesen-Ehre, jetzt diesen Rekord zu halten, gab Ekberg zu Protokoll. "Aktuell ist er mir aber nicht so wichtig. Entscheidend ist nicht, wer die Tore wirft, sondern dass wir das Spiel gewinnen. Nach meiner Karriere allerdings werde ich an den heutigen Tag zurückdenken und bemerken, dass es schon einige geile Spieler waren, die für diesen Verein viele Tore geworfen haben - und sie alle habe ich irgendwie überholt."