Zebras gegen Eisenach mit miesem Start, großem Einsatz und am Ende einem 3:0-Lauf zum Punkt

Bundesliga

Zebras gegen Eisenach mit miesem Start, großem Einsatz und am Ende einem 3:0-Lauf zum Punkt

Mies waren die Zebras in das Heimspiel gegen den ThSV Eisenach gestartet, lagen nach 20 Minuten gegen die wie immer robust körperbetont auftretenden Wartburgstädter mit fünf Toren hinten. Dann biss sich der THW Kiel mithilfe der großartigen Kulisse von 10.285 Fans in der ausverkauften Merkur Ostseehalle in die Begegnung, haderte aber nicht nur mit Wurfpech, sondern auch mit absurd erscheinenden Entscheidungen, die ein Herankommen verhinderten. Zwei Minuten vor dem Schlusspfiff lag der THW Kiel am Ostersonnabend nach einem Kampf auf Biegen und Brechen mit drei Toren zurück. Und mit dem Mute der Verzweiflung stemmten sich die Kieler nach dem 27:30 gegen die drohende Niederlage, warfen in den letzten 120 Sekunden alles in die Waagschale und sicherten sich mit einer Energieleistung tatsächlich noch einen Punkt zum 30:30 (13:16)-Unentschieden. Ein Remis, über das diskutiert werden wird. 

Absurd wirkende Entscheidungen

Am Ende war es ein Remis, das alles andere als schiedlich-friedlich über die Bühne ging. Einmal mehr war es der Videobeweis, der letztlich nach einer Reihe absurd wirkender Entscheidungen das emotionale Fass zum Überlaufen brachte. Heine/Standke hatten sich den Zorn der Zuschauer mit zurückgepfiffenen Toren - wie dem vermeintlichen 23:23 durch á Skipagötu -, angeblich ausgeführten Freiwürfen und zweierlei Maß in der Bewertung von Spielszenen zugezogen. Aber es folgte diese eine Szene, die einen selbst als Handball-Fachmann nur noch ratlos zurückließ:  Rune Dahmke erzielte in der 58. Minute den wichtigen Treffer zum 28:29, bei der Entstehung wurde Eric Johansson von Peter Walz niedergestreckt. Das Schiedsrichtergespann entschied sich, die Szene im Videobeweis anzuschauen. 

Entscheidung lässt Handball ratlos zurück

Zwei Schiedsrichter in orangefarbenen Hemden prüfen während eines Sportereignisses einen Monitor, wobei sich einer nach vorne lehnt und der andere auf den Bildschirm zeigt; im Hintergrund ist eine verschwommene Menschenmenge zu sehen.Nach drei Minuten am Monitor kehrten sie zurück, flüsterten mit demDelegierten Kay Holm und schickten Walz mit einer glücklichen Zeitstrafe auf die Bank. Gleichzeitig berichtigten sie das Spielergebnis auf 27:29, mit Ballbesitz für die Gäste. Vor dem Torwurf von Dahmke hätte dessen Anspieler á Skipagötu einen Schrittfehler begangen. Ergo gab es die Doppelbestrafung für Kiel: Kein Tor zum 28:29, Ball für Eisenach und stattdessen Tor der Gäste zum 27:30. Eine Entscheidung die vielleicht am Ende des Tages für Regeljunkies nachvollziehbar gewesen sein könnte, die aber nicht nur die 10285 Zuschauer, die Fernsehkommentatoren und auch die Spieler ratlos zurückließ. "Unfassbar", stöhnte Andreas Wolff. Rune Dahmke haderte zudem mit den letzten Spielen und Ergebnissen. "Wir laufen, kämpfen, werfen alles rein und am Ende kommen wir auch durch so etwas nicht vorwärts, es ist, als würden wir uns im Treibsand bewegen."

Á Skipagötu bester Torschütze

Ein männlicher Handballspieler in einem schwarz-weißen Trikot springt in der Luft und bereitet sich auf den Wurf eines gelben Balls vor. Ein anderer Spieler in Grün schaut zu, während eines Hallenspiels mit einer jubelnden Menge im Hintergrund.Zum Rest des Spiels: Bester Kieler Torschütze war Elias Ellefsen á Skipagötu mit acht Treffern. Der Färinger wurde nach 14 Minuten ins Spiel gebracht, nahm das Kieler Geschehen in der zweiten Halbzeit in seine Hände, überzeugte kämpferisch und war damit maßgeblich am Remis beteiligt. Torhüter Andreas Wolff hatte gerade in der Schlussphase wichtigen Anteil am Teilerfolg der Kieler. Und: Eine Statistik ist beim THW Kiel seit drei Jahren ständig mit mindestens einem Namen gefüllt: die Verletztenliste. Neben dem Langzeitverletzten Emil Madsen, der sich nach einer Knie-Operation in der Reha befindet, fehlt aktuell auch Veron Nacinovic mit seiner im Melsungen-Spiel gebrochenen Nase, zudem waren Petter Överby und auch Cheftrainer Filip Jicha krank in die Begegnung gegen Eisenach gegangen. 

Kieler kommen überhaupt nicht ins Spiel

Ein Handballspieler in einem weiß-schwarzen Trikot wirft den Ball nach vorne, während die gegnerischen Spieler in Grün verteidigen. Andere Spieler und eine jubelnde Menge füllen die hell erleuchtete Halle.Und die Gäste? Schon beim hart erkämpften 27:27 im Hinspiel in der thüringischen Handball-Hochburg hatten die Zebras Probleme mit ThSV-Schlussmann Matija Spikic. Der Kroate knüpfte auch in der Merkur Ostseehalle an seine gute Form vom Hinspiel an, war vor allem in den ersten 20 Minuten häufig Endstation Kieler Angriffe. Allerdings starteten die Zebras auch mit technischen Fehlern, einer schlechten Wurfauswahl und einer Abwehr, die auf Kuschelkurs war. "Halbgar", sollte Jicha später das bezeichnen, was die Zebras in den ersten 20 Minuten zeigten. So ermöglichten die Kieler mit ihrem miesen Start den Gästen, glänzend in die Partie zu kommen. Die schnelle 3:0-Führung für Eisenach war die Konsequenz, ehe Lukas Laube nach fünf Minuten erstmals für Jubel in der "weißen Wand" sorgte. Aber: Der THW-Angriff blieb zunächst weiter ohne Durchschlagskraft. Ausgerechnet in Unterzahl waren die Kieler dann erfolgreich: Nikola Bilyk setzte sich zum 6:7 durch, Johansson glich wenig später zum 7:7 aus. War das der Start in eine THW-Dominanz? Im Gegenteil. Zehn Minuten klappte bei den Zebras jetzt gar nichts mehr.

Eisenach zieht mit fünf weg

Ein Handballspiel in Aktion: Ein Spieler in einem weiß-schwarzen Trikot versucht einen Wurf, während er von Spielern in grünen Trikots verteidigt wird. Andere Spieler strecken die Hand aus oder bereiten sich darauf vor, ihn auf dem blauen Spielfeld abzufangen.Bilyk fand auf der Mittelposition keine Bindung, seine Nebenleute produzierten Fehlpässe, ließen den Druck aus dem Rückraum vermissen. Eisenach zog wieder auf 9:7 weg, Filip Jicha schickte den noch an der Schulter angeschlagenen á Skipagötu aufs Spielfeld, wenig später auch Youngster Rasmus Ankermann. Zunächst ohne positive Wirkung. ThSV-Keeper Spikic stand weiter im Weg, Ankermann traf nur die Latte, Bence Imre scheiterte mit einem Strafwurf am Eisenacher Schlussmann. Und nach 20 Minuten waren die Gäste auf 12:7 enteilt. Lukas Zerbe beendete die unerklärliche zehnminütige Kieler Torflaute per Tempogegenstoß mit dem 8:12, war wenig später per Siebenmeter zum 9:12 erfolgreich. Ein Abstand, der auch beim Pausenpfiff Bestand hatte. Tore und die Anspiele von á Skipagötu sowie Lukas Zerbe sorgten aus Kieler Sicht für den 13:16-Pausen-Rückstand.

Zebras verkürzen und kämpfen

Ein Handballspieler im grünen Trikot bereitet sich im Sprung auf einen Schuss vor. Er steht einem Torwart im blauen Trikot gegenüber, der seine Arme weit ausstreckt, während im Hintergrund Zuschauer von der Tribüne aus zusehen.Spikic stand dann gleich nach Wiederanpfiff mit seiner Glanzparade gegen á Skipagötu im Mittelpunkt, Leu erhöhte schnell auf 17:13 für Eisenach, das sich nicht nur mit extrem körperbetonter Abwehrarbeit präsentierte, sondern auch mit cleverem Angriffsspiel, das immer wieder bei drohender Passivität doch noch zum Tor führte. Keine Frage: Dieses ThSV-Spiel ging an die Nerven, und trotzdem kamen die Kieler nun besser in die Partie. Mit ihrer 3-2-1-Abwehr setzten die Zebras Nadelstiche. Und die Schwarz-Weißen um Duvnjak, um á Skipagötu, Ankermann oder Zerbe kämpften unermüdlich, trafen aber auf einen Gegner, der ebenfalls keinen Zentimeter preisgab.Und als Rune Dahmke per Doppelschlag traf, waren die Zebras in der 40. Minute auf 17:18 dran und hatten nun ihre "weiße Wand" komplett hinter ihrem Rücken.

Unglaubliche Schlussphase

Ein Handballspieler in einem weißen Trikot fällt mit dem Ball in der Hand gegen eine Werbetafel, während ein Spieler in einem grünen Trikot in der Nähe steht. Die Zuschauer verfolgen das Geschehen von der Tribüne aus.Der so wichtige Ausgleich blieb ihnen aber verwehrt. Der ThSV zog wieder weg, auch weil Eisenach einen offensichtlich nicht am Ort des Geschehens ausgeführten Freiwurf von á Skipagötu, der Pekeler den Ball zur Ausführung geben wollte, aufnahm und im leeren Kieler Kasten zum 22:19 versenkte. Wenig später waren die Zebras aber wieder dran, Jicha setzte dann alles auf eine Karte - es folgte die absurd atemberaubende Schlussphase, in der die Zebras mit dem Mute der Verzweiflung und gegen alle Widrigkeiten doch noch ein Remis holten - mit drei Treffern in 118 Sekunden und ohne Gegentor.  Am Ende blieb ein Ergebnis, das aber wohl bei beiden Teams Wünsche offenließ. 

Das nächste Spiel ist das "kleine Derby"

Als nächstes steht am Sonntag, 12. Mai, für den THW Kiel das "kleine Derby" mit großen Emotionen beim Handball Sport Verein Hamburg auf dem Programm. Zuletzt gab es das Aufeinandertreffen des THW Kiel mit seinen südlichen Nachbarn im September 2025. In einem "verrückten Spiel", wie der Kieler Kapitän Domagoj Duvnjak es damals formulierte, lagen die Zebras wenige Minuten vor dem Ende mit zwei Toren zurück. Mit ihren frenetischen Fans im Rücken konnten die Hausherren damals die an Spannung kaum zu überbietende Partie aber noch drehen und lagen sich nach dem Abpfiff und einem 27:25-Sieg jubelnd in den Armen. Das "kleine" Derby" war schon oft ein großer Fight, denn die Duelle zwischen den Hamburgern und den Zebras waren schon immer norddeutsch handballheiß! Das Spiel wird um 15 Uhr in der Barclays Arena angepfiffen, in der es im Onlineshop der Hamburger noch freie Plätze auch für THW-Fans gibt. Dyn überträgt live, bei Welt.tv ist die Partie auch im Free-TV zu sehen. Weiter geht’s in Hamburg, Kiel!

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn

DAIKIN Handball-Bundesliga, 27. Spieltag: THW Kiel – ThSV Eisenach 30:30 (13:16)

THW Kiel: Perez de Vargas (47.-52., keine Parade), Wolff (1.-47., 52.-60., 10 Paraden); Duvnjak (2), Reinkind (1), Landin (1), Överby (n.e.), Laube (2), Johansson (2), Ankermann (1), Dahmke (3), Zerbe (6/3), Abdelhak (n.e.), Bilyk (2), Pekeler (1), á Skiapgötu (8), Imre (1/1); Trainer: Jicha
ThSV Eisenach: Spikic (1.-60., 14 Paraden), Heinevetter (n.e.); Reichmuth (2), Beneke (1), Attenhofer, Walz, Ende (6), Aellen (5/2), Meyer (3), Solak (5), Antonijevic (3), Seitz (1), Kurch, Büchner, Saul, Leu (3); Trainer: Hinze

Schiedsrichter: Steven Heine / Sascha Standke
Zeitstrafen: THW: 4 (Pekeler (11.), Dahmke (40.), á Skipagötu (41.), Duvnjak (54.)) / ThSV: 6 (2x Seitz (9., 23.), 2x Leu (21., 54.), Beneke (24.), Walz (58.))
Siebenmeter: THW: 4/3 (Spikic hält Imre (18.)) / ThSV: 2/2
Spielfilm: 1.Hz.: 0:3 (4.), 2:3 (6.), 3:4, 3:6 (8.), 5:7 (11.), 7:7 (12.), 7:12 (20.), 9:12 (24.), 11:14 (27.), 13:16;
2. Hz.: 15:18 (35.), 17:18 (38.), 19:20 (41.), 19:22 (41.), 21:22 (45.), 24:25 (49.), 24:27 (51.), 25:28 (54.), 27:28 (58.), 27:30 (59.), 30:30.
Zuschauer: 10285 (ausverkauft) (Merkur Ostseehalle, Kiel)

Stimmen zum Spiel: 

THW-Trainer Filip Jicha: Ich möchte eigentlich nur das weitergeben, was ich eben in der Kabine gesagt habe: Es war nicht in Ordnung, wie wir diese Partie angefangen haben. Dass wir mit einer halbgaren Einstellung in das Spiel gehen. Dass Eisenach ins Spiel gekommen ist, dass sie irgendwann daran geglaubt haben hier etwas mitnehmen zu können, dass das ihre Leistung beflügelt hat – das lag in unserer Verantwortung. Und das ist auch nicht vereinbar mit dem, was vorher gesagt wurde. Heute war ein Spiel, in dem man Worte Taten folgen lassen muss. Es liegt mir am Herzen, nicht darauf einzugehen, wie wir nachher noch einen Punkt holen und wie wir dorthin gekommen sind. Mir liegt am Herzen, nur über diese ersten 20 Minuten zu sprechen, in denen wir mit fünf Toren hinten liegen. Das darf nicht passieren, und es ist enttäuschend, dass wir es trotz dieser grandiosen Kulisse am Ostersamstag nicht besser gemacht haben. Das bringt mich zum Nachdenken.

ThSV-Trainer Sebastian Hinze: Ich bin megaglücklich, dass wir hier einen Punkt mitnehmen. Wir decken in der ersten Halbzeit gut, haben im Angriff gegen die 6-0 gute Situationen kreiert. Hinten waren Spikic und unsere Abwehr überragend. In der zweiten Halbzeit haben wir offensiv Riesen-Probleme gegen die 3-2-1, aber es war gut, dass Spikic weiter da war und wir den Rückzug gut organisiert bekommen haben. Dann treffen wir bei drohendem passiven Spiel mit dem letzten Ball doch noch das Tor, hatten aber trotzdem viel Stress. Kompliment an mein Team für diesen Punkt.