
Zebras scheitern an blau-weißer Betonwand: Gummersbach entführt Punkte aus Kiel
Herber Dämpfer für den THW Kiel nach dem bisher grandiosen, von fünf Siegen gekrönten Start ins Jahr 2026. Die Zebras kassierten am Sonnabendabend gegen den VfL Gummersbach eine 26:34 (15:14)-Niederlage, erlitten im Kampf um die Champions League-Plätze einen Rückschlag. Die Mannschaft um Kapitän Domagoj Duvnjak ging mit einer Führung in die Pause, leistete sich dann aber zwischen der 41. und 45. Minute eine schwarze Phase. Von dem 0:7-Lauf, begünstigt durch eigene technische Fehler und Fehlwürfe in Serie, erholten sich die Zebras nicht mehr. Sie rannten sich in der sattelfesten Gäste-Abwehr ein ums andere Mal fest, scheiterte vor allem an Torhüter Dominik Kuzmanovic. Der Kroate, der in der kommenden Saison zum SC Magdeburg wechselt, hielt insgesamt 20 Bälle, darunter zwei Siebenmeter.
Duvnjak: "Zweite Halbzeit ein Blackout der gesamten Mannschaft"
Ausgeruht, fokussiert und in Bestbesetzung: Die Gäste aus Gummersbach waren mit idealen Voraussetzungen zum Spitzenspiel nach Kiel angereist. Während die Zebras nach der EM-Pause fünf Partien bestritten und drei weite Reisen zu stemmen hatten, musste das Team von Trainer Gudjon Valur Sigurdsson im neuen Jahr erst zweimal aufs Parkett, ist außerdem von Verletzungen verschont geblieben. Bei den Zebras fehlten verletzungsbedingt die beiden Leistungsträger Emil Madsen (Knorpelschaden) und Elias Ellefsen á Skipagötu (Schulter). Trotzdem war THW-Kapitän Domagoj Duvnjak nach den 60 Heimspiel-Minuten bedient: "Die Gummersbacher spielen einen guten Handball, sie haben die Partie verdient gewonnen“, sagte "Dule". "Kuzmanovic war überragend, aber es gibt keine Entschuldigung. In der zweiten Halbzeit war es ein Blackout der gesamten Mannschaft."
Köster sorgt für starke Anfangsphase des VfL
Die Kieler hatten sich riesig auf die Rückkehr in ihre Halle nach zuletzt drei Auswärtsspielen in Serie gefreut. Doch in der Phase, als die Kieler trotz Auszeit in wenigen Minuten die Arbeit der ersten Halbzeit wegwarfen, kam auch wenig Halt von den Rängen. Mit Beifall wurde besonders ein Spieler im blauen Trikot begrüßt: Julian Köster. Das VfL-Rückraum-Ass ist bekanntlich prominenter THW-Neuzugang ab der kommenden Spielzeit. Und der 25-Jährige zeigte sofort, warum er Kieler werden soll, warf die Gäste mit zwei trockenen Knallern aus dem Rückraum mit 2:1 in Front. Hendrik Pekeler hatte zwischenzeitlich zum 1:1 getroffen, schaltete bei einem Abpraller am schnellsten. Die Anfangsphase aber gehörte Gummersbach. Smits, Einarsson und Kodrin trafen bei einem Gegentor von "Dule", der VfL lag nach sechs Minute mit 5:2 vorn.
Kieler Pausenführung
Die Zebras kämpften sich mit Geduld zurück ins Geschehen. Andreas Wolff war zunächst ein guter Rückhalt im Kieler Tor, hielt sein Team mit Paraden gegen Schluroff oder Einarsson im Spiel. 6:8 stand nach 17 Minuten auf dem Videowürfel. Dann sorgten Harald Reinkind, Lukas Laube und Lukas Zerbe mit verwandeltem Strafwurf für einen lupenreinen Kieler 3:0-Lauf und die erste THW-Führung zum 9:8 in der 20. Minute. Gästetrainer Sigurdsson drückte auf den Buzzer, Auszeit des VfL. Vidarsson und Köster setzten sich gegen die THW-Abwehr durch, Gummersbach führte wieder. Die Kieler aber waren jetzt aber im Kampfmodus: In der Wunderino-Arena wurde es endlich lauter, und als Eric Johansson sich gegen die VfL-Abwehr durchsetzte, lag Kiel wieder vorn: 14:13 in der 27. Minute. Weil Bence Imre kurz vor dem Seitenwechsel einen weiteren Siebenmeter verwandelte, wurde die Seiten mit dem knappen 15:14 für die Zebras gewechselt.
Spiel auf Augenhöhe
Nach dem Wechsel war es erneut Julian Köster, der Verantwortung übernahm, zum Ausgleich traf. Gonzalo Perez de Vargas hatte fünf Minuten vor der Halbzeit Wolff im THW-Tor abgelöst, sorgte mit Paraden gegen Kodrin und Vidarsson zunächst wieder für ein Spiel auf Augenhöhe. Vidarsson und Häseler brachten die Gäste dennoch erneut mit zwei Toren in Front. Weil "Gonschi" wenig später den Siebenmeter von Smits parierte, Harald Reinkind und Bence Imre trafen, waren die Kieler beim 17:17 in der 39. Minute wieder dran. Nikola Bilyk konterte die erneute VfL-Führung zum 18:18, dann aber brachen viereinhalb Minuten lang alle THW-Dämme. Die Kieler Angreifer zerschellten an der Gummersbacher Abwehr mit dem überragenden Kuzmanovic oder an ihren eigenen technischen Fehlern, die im Sieben-gegen-Sechs eben genauso bestraft werden wie im Sechs-gegen-Sechs: Mit schnellen Gegentoren.
Gummersbacher Tore-Rausch entscheidet die Partie
So spielten sich die Gäste in einen Rausch, brillierten mit einem 7:0-Lauf. Als Schluroff in der 46. Minute zum 25:18 einnetzte, war eine Vorentscheidung gefallen. Die Zebras kämpften unermüdlich, stellten zwischenzeitlich auf eine offene Manndeckung um. Sie scheiterten aber auch wegen fehlender Spritzigkeit ein ums andere Mal an der starken VfL-Abwehr, haderten zudem mit ihrem Wurfpech. Als Häseler den Ball in der 53. Minute zum 30:22 versenkte, war die Partie endgültig entschieden. Gummersbach feierte, der THW Kiel ärgerte sich über die vertane Chance, weiter Boden gut zu machen, während zumindest die D-Kurve die Zebras mit Applaus und Rufen wieder aufzubauen versuchte.
Dienstag erstes Hauptrunden-Finale
Der Spielplan der Zebras kennt aktuell zwischen DAIKIN HBL und der EHF European League keine Pausen. Bereits am Dienstag starten die Zebras die Rückspiel-Serie in der Europapokal-Hauptrunde. Nach zuletzt zwei erfolgreichen Auswärtsspielen ist der THW Kiel europäisch jetzt zweimal in der Wunderino Arena gefordert: Das erste Hauptrunden-Finale gegen Irudek Bidasoa Irun wird am Dienstag um 18:45 Uhr angepfiffen. Eine Woche nach dem 37:32-Hinspielerfolg wollen die Kieler gemeinsam mit ihren Fans den nächsten Schritt in Richtung direkter Viertelfinal-Qualifikation gehen. Eintrittskarten für das deutsch-spanische Europapokal-Duell gibt es in der THW-FANWELT, die am Spieltag von 10 Uhr bis zum Anpfiff durchgehend geöffnet hat, und online unter www.thw-tickets.de. Dyn und DAZN übertragen live. Weiter geht’s gegen Irun, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn
DAIKIN Handball-Bundesliga, 23. Spieltag: THW Kiel - VfL Gummersbach: 26:34 (15:14)
THW Kiel: Perez de Vargas (25.-60., 7/1 Paraden), Wolff (1.-25., 3 Paraden); Duvnjak (2), Reinkind (3), Landin (2/1), Överby (1), Laube (2), Johansson (3), Ankermann (1), Dahmke, Zerbe (6/3), Abdelhak (1), Bilyk (3), Pekeler (1), Imre (2/2); Nacinovic Trainer: Jicha
VfL Gummersbach: Kuzmanovic (1.-60., 20/2 Paraden), Obling (4 Siebenmeter); Vidarsson (9), Kodrin (2), Vujovic (1/1), Köster (7), Blohme, Häseler (3), Einarsson (1), Schuroff (6), Hallbäck (2), Mahé, Horzen, Kiesler (1), Smits (2), Zeman; Trainer: Sigurdsson
Schiedsrichter: Julian Köppl / Denis Regner
Zeitstrafen: THW: 3 (Pekeler (6.), Duvnjak (12.), Johansson (33.)) / VfL: 4 (Kiesler (10.), Smits (18.), Köster (23.), Kodrin (49.))
Siebenmeter: THW: 8/5 (Zerbe an die Latte (14.), Kuzmanovic hält Zerbe (23.) und Imre (51.)) / VfL: 2/1 (Perez de Vargas hält Smits (37.))
Spielfilm: 1:1 (3.), 2:3 (4.), 2:5 (6.), 3:6 (7.), 5:6 (10.), 6:8 (17.), 9:8 (20.), 9:10, 11:12 (25.), 13:12 (26.), 15:14;
2. Hz: 15:17 (34.), 17:17 (39.), 18:18 (41.), 18:25 (45.), 21:27 (50.), 21:29 (52.), 25:32 (57.), 26:34.
Zuschauer: 10285 (ausverkauft) (Wunderino Arena, Kiel)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Filip Jicha: Glückwunsch an Goggi und Gummersbach zu zwei sehr verdienten Punkten. Es ist heute das eingetreten, für das es zuletzt schon Anzeichen gegeben hatte und wovor wir gewarnt hatten. Der VfL hatte das Spiel schon in der ersten Halbzeit mehr in der Hand als wir. Wir haben uns Würfe genommen, die eine leichte Beute für Kuzmanovic waren. Was uns in er ersten Halbzeit aber ausgezeichnet hat, war, dass wir unser System beibehalten haben, gleichzeitig aber die Intensität in den Zweikämpfen erhöhen konnten und so eine bessere Abwehr und konsequentere Abschlüsse hatten. In der zweiten Halbzeit sind wir einfach nicht mehr durchgekommen. Uns hat der bedingungslose Wille gefehlt, wir haben diesen unbedingten Willen nicht ausgestrahlt. Weder im Sechs-gegen-Sechs, noch im Sieben-gegen-Sechs. Da machen wir dann einfach zu viele technische Fehler, die uns gekillt haben. Danach hatte Gummersbach das Spiel fest im Griff, auch weil heute die Ausfälle derjenigen, von denen wir abhängig sind, zuviel waren. Wir sind jetzt in der Phase, wo wir uns hinsetzen müssen, in die Augen schauen und sagen müssen, dass das heute zu wenig war. Der VfL hat das Spiel zurecht dominiert, und wir müssen diese Niederlage, diesen Schlag ins Gesicht akzeptieren, den Mund abwischen und es am Dienstag besser machen.
VfL-Trainer Gudjon Valur Sigurdsson: Ich bin heute fast sprachlos, auch wenn ich unglaublich stolz und glücklich bin, dass wir hier gewonnen haben und wie dieser Sieg zustande kam. Beide Teams haben gut losgelegt, nach dem 6:3 haben wir uns an der Kieler Abwehr festgebissen. Da hat der THW Kiel sein Bollwerk errichtet, das uns vor große Probleme stellte. Es war dem überragenden Kuzmanovic zu verdanken, dass wir nur mit 14:15 in die Pause gegangen sind. Dass dann bei 18:18 ein 7:0-Lauf für eine Mannschaft folgt, ist höchst ungewöhnlich. Ich denke, wir hatten da die frischeren Beine und haben die Möglichkeiten überragend in erster und zweiter Welle und im Gegenstoß genutzt, sodass der THW Kiel länger im Angriff spielen musste als wir. Und auch das ist uns entgegen gekommen. So haben wir – auch wenn das Resultat etwas zu hoch ausgefallen ist – diesen Sieg dankend angenommen.












