
Zebras entfachen in der zweiten Halbzeit das Feuer der Ostseehalle: Spektakel-Sieg gegen den VfL Gummersbach
Was für eine Stimmungs-Explosion in der MERKUR Ostseehalle: Nach einer Anfangs-Viertelstunde, in der den Zebras die erste Saison-Niederlage in Magdeburg noch mächtig auf die Emotionen zu drücken schien, kämpfte sich der THW Kiel gegen den dritten Top-Gegner innerhalb einer Woche gemeinsam mit seinen Fans aus dem Tal. Die Zebras entfachten ab der 16. Minute das Feuer der MERKUR Ostseehalle, und die 10.000 ließen es bis weit nach dem Schlusspfiff und dem 29:26 (13:15) -Sieg gegen den VfL Gummersbach weiterlodern. Die Mannschaft von Trainer Börge Lund zeigte eine großartige Reaktion, drehte eine schwierige Partie nach Halbzeitrückstand mit großer Energie, Kampfkraft und einer geschlossenen Mannschaftsleistung in einen Sieg. Überragend: Andreas Wolff mit 14/1 Paraden. Bester Kieler Torschütze war einmal mehr Domen Makuc, der den Ball achtmal ins gegnerische Tor wuchtete, ihm folgte Julian Köster mit sechs Treffern.
Besonderes Spiel für Julian Köster
Nach dem Schlusspfiff feierten die Zebras noch lange gemeinsam mit ihren total begeisterten Fans einen verdienten Sieg, bei dem die Kieler auf Linkshänder Emil Madsen (Muskelfaserriss im Adduktorenbereich) verzichten, außerdem fehlte Rückraum-Ass Eric Johansson, der sich in Magdeburg eine muskuläre Verletzung im Knie-Wadenbereich zugezogen hatte. Ein besonderes Spiel war die Begegnung gegen den Altmeister natürlich für THW-Neuzugang Julian Köster: Sechs Jahre trug der deutsche Nationalspieler das VfL-Trikot, war Leitfigur im Team von Trainer Gudjon Valur Sigurdsson, im Trikot des THW Kiel ging's für den 26-Jährigen erstmals gegen seine ehemaligen Mitspieler. "Das war natürlich ein sehr emotionaler Tag für mich", sagte der 26-Jährige, dessen Eltern ihm ebenfalls die Daumen auf der Tribüne drückten. " Jetzt bin ich unheimlich glücklich, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Die Halle hatte daran einen sehr großen Anteil, die Fans haben uns viel Energie gegeben."
Gäste starten stark
Das Spiel gegen seine ehemaligen Freunde und Mitspieler war selbstverständlich auch für Köster zunächst ein Nervenspiel. Gleich beim ersten freien Wurf aufs Gummersbacher Gehäuse stand ihm Torhüter Obling im Weg. Zwei weitere Fehlversuche folgten, bis sich Kiels neuer Kapitän dann beeindruckend freischwamm, sich zum bekannten Leistungsträger und emotional Leader emporschwang. Die Gäste starteten stark, legten durch Miro Schluroff vor, Makuc egalisierte, aber Roganovic und Vidarsson brachten ihre Farben erneut in Front. Nach fünf Minuten führte der VfL mit 3:1. Und Kiel? Suchte zunächst vergeblich nach Spielfluss und Treffsicherheit. Immerhin bewies Domen Makuc wieder Torhunger, verkürzte mit sehenswertem Solo auf 3:4. Technische Fehler der Kieler und die Paraden von Obling ließen Gummersbach aber erneut davonziehen. Schluroff unterstrich seine Torgefährlichkeit, netzte in der 16. Minute zum 10:6 ein, die Gummersbacher hatten vier Tore vorgelegt.
Zebras bleiben auf Tuchfühlung
Gut, dass Köster jetzt erstmals traf und auch Andreas Wolff ins Spiel fand, die THW-Fans mit einer Doppelparade von den Sitzen riss. Harald Reinkind verkürzte, und per Doppelschlag durch den defensiv wie offensiv starke Akzente setzenden Youngster Rasmus Ankermann und Lukas Zerbe (Siebenmeter) hieß es nach 20 Minuten 9:11. Wenig später war Wolff gegen Gummersbachs Königstransfer Roganovic zur Stelle, parierte dessen Strafwurf bravourös. Per frechem Dreher brachte Julian Köster seine Farben auf 10:11 heran, fand immer besser in die Partie, setzte fortan gemeinsam mit Domen Makuc und Rasmus Ankermann die Zeichen im Angriff und sendete Signale an die Halle aus: Wir sind Kiel, und wir sind jetzt bereit für diesen Fight!
Gummersbach nimmt Führung mit in die Pause
Nach glänzendem Makuc-Anspiel traf Rune Dahmke dann zum 11:12, den möglichen Ausgleich noch vor dem Pausenpfiff verpasste dann allerdings Zerbe, der per Tempogegenstoß an Obling scheiterte. Gummersbachs Antwort hatten Vidarsson und Schluroff in ihren Händen, brachten den VfL mit 15:12 in Front. THW-Kapitän Domagoj Duvnjak war dann kurz vor dem Halbzeitpfiff hellwach, verkürzte vor dem Pausenpfiff zum wichtigen 13:15 ins leere Gäste-Tor - und zündete damit die Halle noch einmal richtig an. Gummersbachs Horzen eröffnete die Torejagd der zweiten Halbzeit, traf zum 16:13. Makuc hatte die Antwort, traf doppelt, brachte die Kieler auf 15:16 heran. Jetzt packte auch die THW-Abwehr energischer zu, Julian Köster nagelte den Ball zum 16:17 in die Gummersbacher Maschen. Dann kassierte er wenig später eine Zeitstrafe. Gummersbach tat sich jetzt auch in Überzahl schwer, die THW-Abwehr rührte Beton an, Andreas Wolff wurde schlichtweg zur Wand.
Zebras zünden die Halle an
Ankermann erzielte per Solo das 17:18, die MERKUR Ostseehalle geriet langsam aus den Fugen, wurde zum Energiespender für alle THW-Akteure. Die heizten mit ihrer Körpersprache den Hexenkessel immer weiter an - und Andreas Wolff schürte mit seinen Paraden die Emotionen: Der THW-Torhüter avancierte zum VfL-Schreckgespenst. Köster glich zum 18:18 aus, Rune Dahmke erzielte die erste Kieler Führung zum 19:18 erzielte, Schluroff – bis dahin ein sicherer Schütze – warf übers THW-Gehäuse, Harald Reinkind erhöhte auf 20:18 - zehn Minuten ohne Gegentpr ließen die Begegnung in Richtung Schwarz-Weißen kippen. Die Zebras ließen sich von ihrem Weg nicht einmal durch eine doppelte Unterzahl abbringen: Vujovic glich zwar per Siebenmeter zum 20:20 aus. Wolff war gegen Häseler zur Stelle, parierte Zeman und trotz doppelter Unterzahl brachten Lukas Zerbe und Julian Köster den THW erneut in Front: 22:20 nach 46 Minuten. Die Arena bebte, Domagoj Duvnjak traf, Domen Makuc zauberte einen Heber ins VfL-Netz - phasenweise agierten die Zebras mit ihren Fans wie im Rausch.
Sieges-Feier mit den Fans
Der THW hatte sich längst auf die Siegerstraße begeben, hielt den Abstand stets auf drei bis vier Tore. Als Rasmus Ankermann nach 55 Minuten zum 27:23 ins Gummersbacher Tor traf, war die Partie endgültig entschieden. Drei missglückte Versuche von Andreas Wolff, den Ball ins leere Gästetor zu heben, blieben eine Randerscheinung, die auf dem Feld für viele lachende Gesichter sorgte. Insbesondere bei Kapitän Domagoj Duvnjak, der als vierter Rückraumspieler im Angriff über Halbrechts glänzte und in der Abwehr Passwege zustellte und immer wieder die Bemühungen der Gäste zunichte machte, doch wieder heran zu kommen. Nach dem Schlusspfiff feierten erschöpfte, aber überglückliche THW-Spieler gemeinsam mit ihren Fans einen großartigen Handballabend - ein Riesen-Spektakel.
Kleines Derby gegen Hamburg steigt am 11. Oktober
Nach der Wahnsinns-Woche mit drei Spielen gegen Top-Mannschaften innerhalb von sieben Tagen können die Zebras kurz durschnaufen, sind sie doch erst am kommenden Wochenende wieder gefordert - dafür aber richtig: Denn am Sonntag, 11. Oktober, ist der Handball Club Hamburg zu Gast zum "kleinen Derby" in der MERKUR Ostseehalle. Und auch das zweite norddeutsche Nachbarschafts-Duell wird es wieder in sich haben, schwingen sich die Hanseaten doch regelmäßig gegen den THW Kiel zu großer Form auf. Für die Begegnung, die live bei Dyn, im Free-Stream via Partnerplattormen bei Dyn Sport Mix zu sehen sein. Noch gibt es aber auch noch Eintrittskarten für das "kleine Derby" online unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT. Übrigens: Vorher findet der Kaffeeklatsch mit HSV-Legende Horst Hrubesch und THW-Legende Patrick Wiencek im VIP-Raum Dänemark statt. Hierfür gibt es noch ein paar Extra-Tickets, die in Verbindung mit einer Eintrittskarte für das Spiel einen ganz besonderen Handball-Sonntag garantieren. Weiter geht die weite Reise zu Hause gegen Hamburg, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn
Opel Handball-Bundesliga, 7. Spieltag: THW Kiel - VfL Gummersbach 29:26 (13:15)
THW Kiel: Perez de Vargas (n.e.), Wolff (1.-60., 14/1 Paraden); Faust, Duvnjak (2), Reinkind (4), Köster (6), Laube (n.e.), Ankermann(3), Dahmke (2), Zerbe (3/2), Makuc (8), Pekeler (1), á Skipagötu (n.e.), Büchner, Nacinovic; Trainer: Lund
VfL Gummersbach: Biosca (2 Siebenmeter, 1/1 Parade), Obling (1.-60., 12 Paraden); Vidarsson (5/1), Kodrin (1), Vujovic (3), Dujshebaev, Häseler (3), Einarsson, Schluroff (6), Hallbäck (n.e.), Roganovic (4/1), Horzen (1), Kiesler, Smits (1), Sindrason (n.e.), Zeman (1); Trainer: Sigurdsson
Schiedsrichter: Marcus Hurst / Mirko Krag
Zeitstrafen: THW: 3 (2x Köster (34., 43.), Reinkind (44.)) / VfL: 4 (Smits (20.), 3x Vidarsson (21., 29.,49.))
Siebenmeter: THW: 4/3 (Biosca hält Zerbe (22.))/ VfL: 5/3 (Roganovic überweg (14.), Wolff hält Roganovic (21.))
Spielverlauf: 1. Hz: 1:1, 1:3 (6.), 2:4 (7.), 4:5 (8.), 5:7 (10.), 5:9 (13.), 6:10, 7:11 (18.), 10:11 (22.), 11:12 (24.), 11:14 (26.), 13:15;
2. Hz: 13:16 15:16 (33.), 16:18 (35.), 20:18 (45.), 20:20 (44.), 24:20 (49.), 25:21, 25:23 (52.), 27:23 (55.), 29:24 (58.), 29:26.
Zuschauer: 10.045 (MERKUR Ostseehalle, Kiel)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Börge Lund: Wir wollten von Beginn an mit Leidenschaft decken. Das ist uns nicht gelungen, weil der VfL gute Lösungen gefunden hat. Das hat dann bei uns ein wenig Unsicherheit hervorgerufen. Ab der 16. Minute sind wir dann besser ins Spiel gekommen, in der zweiten Halbzeit hatten wir dann eine überragende Abwehr und Torwartleistung. Wir haben das Spiel komplett in doppelter Unterzahl gedreht, danach war die Halle richtig am Leben, hat uns riesig unterstützt und die Extra-Energie gegeben, die es braucht, um gegen diese Gummersbacher zu gewinnen. Ich war gespannt darauf, wie die Halle nach dem Derby und Magdeburg reagieren würde. Es war unsere Aufgabe, sie zum Leben zu bringen. Denn wenn die Halle lebt und die Mannschaft gemeinsam mit ihr lebt, dann ist das genial. Dann wird es für alle Teams der Welt schwer, uns hier in der Ostseehalle zu schlagen.
VfL-Trainer Gudjon Valur Sigurdsson: Es war am Ende ein verdienter Sieg für den THW Kiel. Aber ich bin wirklich nicht unzufrieden mit unserer Leistung. Wir haben gut gespielt, Kiesler hat für Stabilität gesorgt und Obling eine überragende erste Halbzeit gespielt. Wir konnten rotieren, hatten alles im Griff. Dann steht es 18:16 und wir haben noch Überzahl, und dann nehme ich eine Auszeit, nach der wir dann viele Chancen vergeben, Fehler machen und 18:20 in Rückstand geraten. Wir haben viel versucht und auch hintenraus noch alles reingeworfen, aber Kiel war dann heute eine Nummer zu groß und hat das sauber runtergespielt. Es tut trotzdem weh, weil du mindestens bis zur 40. Minute auf mehr hoffen konntest.
THW-Torhüter Andreas Wolff: Wir sind sehr, sehr schwer reingekommen. Wir hatten uns vorgenommen, sofort emotional zu verteidigen. Das hat in Magdeburg und heute leider nicht funktioniert. Dank der Halle konnten wir das Ruder an uns reißen und in der zweiten Halbzeit dann auch rumreißen. Heute wollten wir nach einer emotional angespannten Woche liefern. Und ich bin sehr stolz, dass wir so zurückgekommen sind und die zwei Punkte holen konnten. Es ist keine Schande, beim SC Magdeburg, einer der weltbesten Mannschaften, zu verlieren. Deshalb gehen wir heute insgesamt mit einem positiven Gefühl aus dieser Woche heraus.
THW-Kapitän Rune Dahmke: Wir haben heute ein bisschen Druck gehabt vor dem Spiel, haben wie schon in Magdeburg zu viele Chancen vergeben und an Emotionen fehlen lassen. Die haben wir dann ab der 16. Minuten reingebracht und konnten sie mit in die zweite Hälfte nehmen. Börge hat uns in der Auszeit, auf der Bank und in der Pause gesagt, dass wir – wenn man schon die Chance hat, vor 10.000 Fans hier zu spielen, das auch mit den nötigen Emotionen tun sollte, weil es dann einfach mehr Spaß macht. Und daran haben wir uns gehalten. Und man muss es klar sagen: Die Halle ist dann ganz anders angezündet als in anderen Jahren, das macht wirklich sehr viel Spaß.












