
Erstes Europa-Derby seit 2017: Hauptrundenstart für den THW Kiel am Dienstag in Flensburg
Jetzt geht es wirklich Schlag auf Schlag: Rund 45 Stunden nach dem Abpfiff gegen Magdeburg ertönt für den THW Kiel am Dienstag um 18:45 Uhr bei der SG Flensburg-Handewitt der Anpfiff zur Hauptrunde der EHF European League. Das Duell der beiden Champions League-Sieger aus dem hohen Norden elektrisiert die Fans seit eh und je, jetzt treffen die beiden Erzrivalen erstmals seit November 2017 wieder auf europäischer Ebene aufeinander. Dyn und DAZN übertragen live.
Filip Jicha: "Derby bleibt Derby"
Kurz vor 20:30 Uhr startete Sonntagabend die Pressekonferenz nach dem Kampf um jeden Zentimeter Boden der Wunderino Arena. THW-Trainer Filip Jicha freute sich natürlich über den Erfolg seiner Mannschaft gegen das "Nonplusultra des europäischen Handballs", wie er den SCM zuvor angesichts seiner Dominanz in dieser Spielzeit bezeichnet hatte: "Wir sind das erste Team, das den SCM in dieser Saison besiegen konnte. Das ist ein unfassbares Gefühl, und es zeigt, welchen Charakter unsere Mannschaft hat", sagte Jicha nach dem Triumph. Eine Prise Süffisanz konnte er nach den brutal intensiven 60 Minuten gegen Magdeburg aber nicht verbergen, als er um einen kurzen Ausblick gebeten wurde. "Jetzt versuchen wir, auf der Welle weiterzureiten und unser System immer weiter zu verbessern. Heute können wir den Sieg gegen Magdeburg genießen. Morgen ist Training, bei dem wir erst einmal schauen müssen, wer überhaupt mittrainieren kann. Und Dienstag gibt es zur Belohnung für ein tolles Spiel gegen den SCM ein Nordderby - auswärts." Trotzdem freue er sich, so Jicha weiter, auf die Begegnung an der dänischen Grenze: "Wir spielen aktuell so etwas wie im EM-Rhythmus, da kommt es auch ein wenig auf die Belastungssteuerung an. Aber das Derby bleibt das Derby. Das ist etwas Besonderes, und das will jeder spielen."
Gonzalo Perez de Vargas vor erstem Derby
Einer von ihnen ist Gonzalo Perez de Vargas. "Genau für diese Spiele bin ich zum THW Kiel gewechselt", sagte der spanische THW-Torhüter nach seiner Gala-Vorstellung am Sonntag mit dem 31:29-Erfolg der Zebras gegen den SC Magdeburg im Tollhaus Wunderino Arena. Dass der SCM dadurch seine erste Liga-Niederlage nach elf Monaten kassierte, zuletzt hatte der amtierende Champions-League-Sieger im März 2024 in der DAIKIN HBL verloren, war dabei nicht das wichtigste für den Spanier. "Ich sehe eher unseren Erfolg. Ich bin stolz und glücklich, dass wir dieses Spiel hier auch für unsere Fans gewonnen haben. Kiel ist eine Institution, diese Halle bietet eine unglaubliche Atmosphäre. " Diese wird "Gonschi" am Dienstag nun auch an der dänischen Grenze erwarten - auf eine andere Art, auf eine Flensburger Weise. "Zwei Tage nach einem Heimsieg gegen Magdeburg nach Flensburg zu müssen, ist verrückt. Du musst in Deutschland ein-, zwei-, dreimal in der Woche Riesen-Spiele bestreiten und jedes Mal Leistung bringen, um zu gewinnen. Es wird mein erstes Derby als Spieler des THW Kiel. Es wird speziell, das weiß ich."
Spektakulärste Hauptrundengruppe aller Zeiten
Das Auswärtsspiel in der DAIKIN HBL, das der THW Kiel im Oktober mit 34:36 verlor (siehe Spielbericht), hatte Perez de Vargas aufgrund seines Kreuzbandrisses noch verpasst. Jetzt freut er sich darauf, bei diesem "ganz besonderen Spiel endlich auf dem Feld stehen zu können. Ich persönlich habe bisher eine positive Bilanz in Flensburg, und diese mit Barcelona gestartete Serie würde ich sehr gern mit dem THW Kiel fortsetzen." Zuletzt jubelten nach den Derbys allerdings immer die Flensburger, die die letzten fünf dieser besonderen Auseinandersetzungen für sich entschieden (mehr Infos zu den Derbys auf der Gegnerstatistik-Seite im THW-Archiv). Der erste Auswärtserfolg im hohen Norden seit Mai 2022 wäre für die Zebras bereits im ersten Hauptrunden-Spiel ein wahrer Meilenstein. Denn auf die Zebras und ihre vielen Fans wartet jetzt die stärkste Hauptrunden-Gruppe in der der Geschichte der EHF European League: Gleich vier Teams, die bereits die Champions League gewannen, kämpfen in dieser um Platz eins, der ein Überspringen der Achtelfinal-Play-offs und das Heimrecht im Viertelfinal-Rückspiel bedeuten würde. Der THW Kiel (CL-Sieger 2007, 2010, 2012, 2020), der Titelverteidiger aus Flensburg (2014), Frankreichs einziger Champions-League-Sieger Montpellier (2003 und 2018) sowie der spanische Vorjahresdritte Bidasoa Irun (1995) bilden die spektakulärste Hauptrunden-Gruppe aller Zeiten.
Zebras zweimal auswärts und dann erst zu Hause
Die Entscheidung über das Weiterkommen oder den direkten Viertelfinal-Einzug als Gruppensieger fällt in Kiel, denn zunächst müssen die Zebras in der Hauptrunde der EHF European League zweimal auswärts ran: Am Dienstag in Flensburg, eine Woche später bei Bidasoa Irun. Also gegen die Spanier, gegen die die SG in der Gruppenphase alles abrufen musste, um auswärts beim 33:32 und zu Hause beim 38:35 die vier Punkte einzusammeln, die Flensburg wie der THW Kiel nach seinen Erfolgen gegen Montpellier mit in die Hauptrunde nehmen konnte. Und so ist die Partie ein erstes Finale um den direkten Viertelfinal-Einzug, kommenden Dienstag folgt das nächte in Irun. Dann finden beide Finalspiele um den möglichen Gruppensieg in Kiel statt: Zunächst geht es am Dienstag, 3. März, ab 18:45 Uhr in der Wunderino Arena gegen die Spanier von Bidasoa Irun (Tickets online sichern!), ehe am Dienstag, 10. März, ab 20:45 Uhr die Hauptrunde in einem "finale furioso" zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt (Tickets) mit einem Europapokal-Derby endet.
Insgesamt 13 EM-Medaillengewinner in beiden Kadern
Doch das ist erst einmal Zukunftsmusik, startet der THW Kiel doch erst einmal ausgerechnet in Flensburg in die Hauptrunde. Das 114. Derby zwischen der SG Flensburg-Handewitt und dem THW Kiel ist ein wirklich europäisches. Beide Mannschaften stellten zahlreiche Spieler für die EHF EURO 2026 ab. Während die Zebras in Veron Nacinovic auch einen Bronze-Helden der EM im Kader haben. sppielen in beiden Teams auch Europameister und EM-Silber-Gewinner. Kiel reist mit Andreas Wolff, Rune Dahmke und Lukas Zerbe sowie Titelträger Magnus Landin gen Norden, auf Flensburger Seite warten Johannes Golla und Marko Grgic sowie die dänischen Europameister Kevin Möller, Simon Pytlick, Niclas Kirkeløkke und Emil Jakobsen. Nicht mehr mitmischen in diesem packenden, größten Spiel Europas kann allerdings Lukas Jörgensen: Der dänische SG-Kreisläufer zog sich bei der Handball-Europameisterschaft auf dem Weg zum Titel einen Kreuzbandriss zu und wird wahrscheinlich nicht mehr im Flensburger Trikot zu sehen sein, da sein Wechsel zu One Veszprem in Ungarn bereits seit einiger Zeit feststeht.
Zahlreiche Zebras angeschlagen
Neben Jörgensen wird aller Voraussicht nach auch der zuletzt angeschlagene Tönnesen am Dienstag im SG-Kader, den wir bereits ausführlich im Vorbericht zum Liga-Hinspiel vorgestellt hatten, fehlen. Bei den Zebras steht hinter dem Einsatz von Spielmacher Elias Ellefsen á Skipagötu und den beiden Rückraum-Linkshändern Jesse Dahmke und Harald Reinkind ein Fragezeichen. Zudem erwischte es auch Lukas Zerbe im letzten Angriff gegen den SCM, den er nur noch humpelnd beenden konnte. "Wir werden nicht mit allen spielen können, die sich zuletzt gegen die Löwen und gegen Magdeburg 60 Minuten reingekniet haben. Selbst bei denen, die fit sind, ist nicht mehr viel im Tank", ist sich Jicha sicher. Gleichwohl hofft er darauf, dass das "Handball-Belohnungssystem" mit freien Tagen auch beim Spiel in Flensburg seinen Zauber versprüht. "Denn da geht es sogar um zwei freie Spieltage."
Infos rund ums Spiel
Rund 200 Fans werden die Zebras zur europäischen Auswärtspartie mit der denkbar kürzesten Anreise von nur rund 80 Kilometern bei der SG Flensburg-Handewitt begleiten. Schiedsrichter der Begegnung sind Novica Mitrovic und Miljan Vesovic aus Montenegro. Für die EHF reist der Delegierte Beat Nagli aus der Schweiz an. Anwurf ist um 18:45 Uhr, Dyn und DAZN übertragen live aus der ausverkauften Flensburger Arena. Weiter geht's an der dänischen Grenze, Kiel!
Fotos: SG / Sascha Klahn












