Kiel 2036+: Wirtschaft und Sport sagen gemeinsam JO! zur Olympia-Bewerbung

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Kiel 2036+: Wirtschaft und Sport sagen gemeinsam JO! zur Olympia-Bewerbung

Bis zum 19. April können alle Kielerinnen und Kieler ab 16 Jahren beim Bürgerentscheid ihre Stimme abgeben und damit die olympische Bewerbung der Landeshauptstadt unterstützen. Olympische Spiele in Kiel würden nicht nur dem Sport wichtige Impulse verleihen, sondern könnten vielmehr auch zum wichtigen und kraftvollen Motor für die Stadtentwicklung werden. Davon sind THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi und Knud Hansen, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel sowie stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des THW Kiel, überzeugt. Das erläutern beide im Interview mit dem Arena-Magazin ZEBRA.

Olympia 1972 größter Kieler Infrastruktur-Schub der Nachkriegsgeschichte

Viktor, der THW Kiel steht seit Beginn an klar hinter der "JO!"-Kampagne. Warum? Viktor Szilagyi: Für Sportlerinnen und Sportler sind die olympischen Spiele das größte Ereignis ihrer Karriere. Einmal den olympischen Spirit verspüren, einmal unter den fünf Ringen um Medaillen kämpfen - mehr geht nicht. Mir war es als aktiver Handballer leider nicht vergönnt, bei Olympia anzutreten. Aber ich sehe bei allen, die es dorthin geschafft haben oder sogar mit einer Medaille wieder nach Kiel zurückkehrten, diesen besonderen Glanz in den Augen, wenn sie von den Olympischen Spielen berichten. Diese erneut hier in unserer Stadt zu Gast zu haben und damit Kiel in den positiven Fokus der Welt-Öffentlichkeit zu rücken, ist eine großartige Chance für die Stadt und vor allen Dingen auch für den Sport. Herr Hansen, auch die Kieler Wirtschaft unterstützt die Idee einer erneuten Olympiabewerbung… Knud Hansen: Ja, voll und ganz. Bei der Vision einer erneuten Olympiabewerbung blicken wir auf eine Debatte, die unsere Stadt für Jahrzehnte verändern kann. Deshalb ist wichtig, wenn wir heute über Olympia sprechen, nicht nur in den Kategorien von „Kosten“ versus „Nutzen“ zu denken. Wir müssen in Zeiträumen von Jahrzehnten planen. Ein Blick in unsere eigene Stadtgeschichte beweist, warum das nötig ist: Die Olympischen Segelwettbewerbe 1972 waren für Kiel weit mehr als eine Sportveranstaltung; sie waren der größte Infrastruktur-Schub unserer Nachkriegsgeschichte. Das Olympiazentrum in Schilksee, die Anbindung an die A215, das Barkauer Kreuz, die zweite Holtenauer Hochbrücke - all diese Projekte, die heute das Rückgrat unserer Mobilität bilden, wurden damals durch den olympischen Impuls beschleunigt oder erst ermöglicht.

"Wir bauen das Kiel von morgen"

Ein Mann mit Brille, blauer Jacke und khakifarbener Hose steht lächelnd in einer Sporthalle mit einem verschwommenen Handballtor und blauen Sitzgelegenheiten im Hintergrund.

IHK-Präsident Knud Hansen

Trotz allem ist der Kostenfaktor eines der Hauptargumente der Olympia-Kritiker. Knud Hansen: Die Lehre aus 1972 ist klar: Olympia fungiert als Katalysator. Es zwingt uns, notwendige Sanierungen und Ausbauvorhaben, die ohnehin auf der Agenda stehen, mit neuer Priorität und mit finanzieller Unterstützung des Bundes anzugehen. Wir bauen keine Denkmäler für zwei Wochen, wir bauen das Kiel von morgen. Die Kritik an den Kosten ist legitim, doch der globale Vergleich liefert uns handfeste wirtschaftliche Argumente für Olympia. Schauen wir nach Marseille, den Segel-Austragungsort der Spiele 2024: Über 600 Kilometer vom Hauptstandort Paris entfernt, generierte die Stadt eine direkte Wertschöpfung von knapp 200 Millionen Euro. Ein Anstieg der Visa-Kartennutzung durch Touristen um fast 50 Prozent in der ersten Woche zeigt, wie massiv ein solcher Satellitenstandort von der Strahlkraft profitiert. Auch Kiels Partnerstadt Quindao war bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 ein Satellitenstandort für die Segelwettbewerbe. Knud Hansen: Richtig. In Quindao wurde der „Olympia-Effekt“ messbar: Ein jährlicher regionaler Wachstumsbeitrag von 0,8 % wird direkt auf die durch die Spiele angestoßene infrastrukturelle und technologische Modernisierung zurückgeführt. Diese Städte wurden durch die Spiele nicht nur bekannter; sie haben sich als internationale Tech-Hubs für die maritime Wirtschaft neu erfunden.

"Kiel kann noch viel mehr als segeln"

Ein Mann mit kurzen Haaren und gestutztem Bart steht in einem Innenraum, trägt eine schwarze Sportjacke mit weißen Logos und klatscht, während er mit nachdenklicher Miene leicht nach oben schaut.

THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi

Viktor, in Kiel soll aber nicht nur gesegelt werden… Viktor Szilagyi: Das ist der Punkt, den ich als besonders interessant empfinde. Denn Kiel kann noch viel mehr als segeln, wenngleich die Kieler Woche und auch das Ocean Race natürlich hervorragende Bewerbungsunterlagen sind. Aber auch wir als THW Kiel genießen im Sport einen ausgezeichneten Ruf, haben Kiel als Handballstadt weltweit bekannt gemacht. Kiel und die Wunderino Arena sind Standort der Handball-WM 2027. Wir sind hier prädestiniert auch für die olympischen Handballwettbewerbe. Und das Sportland Schleswig-Holstein sind, so habe ich mir berichten lassen, auch bereit für die Austragung weiterer Sportarten wie Rugby, Freiwasser-Schwimmen und das neue Coastal Rowing. Für alle Schleswig-Holsteiner würde das bedeuten, nicht nur hervorragende, offene Gastgeber für alle Sportlerinnen und Sportler sowie die Gäste aus aller Welt zu sein, sondern Olympia mit spektakulären Sportarten direkt vor der eigenen Haustür zu haben. Was für Effekte hätte das für den Sport? Viktor Szilagyi: Olympia wäre eine großartige Möglichkeit, den Sport im Land für Jahrzehnte nach vorn zu bringen. Klar ist auch: Für Olympia müssen Austragungs- und Trainingsstätten modernisiert oder gebaut werden, was letztlich auch dem Jugend-, Breiten- und Spitzensport in Schleswig-Holstein helfen wird. Infrastruktur ist der Schlüssel, um Menschen zum Sport zu bringen und sie zu fördern. Das haben wir beim THW Kiel mit dem Bezug des Leistungszentrums erleben können: Unsere erfolgreiche Nachwuchsarbeit für den Handball wäre nicht möglich, wenn wir nicht in Altenholz diese hervorragenden infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen hätten. Deshalb ist mir wichtig, dass bei der Diskussion über die Kosten auch die „Nicht-Kosten“ nicht vergessen werden sollten: Was kostet es uns als Standort, wenn wir Infrastrukturprojekte verschleppen, anstatt sie durch olympische Förderprogramme zu beschleunigen?

"Dieser Schulterschluss tut Kiel gut"

In Kiel sind Sport und Wirtschaft in einem Boot für Olympia in Kiel - ist dies das Besondere an der JO!-Kampagne? Viktor Szilagyi: Es ist schön, diese Aufbruchstimmung zu spüren. In Zeiten, in denen das Nein-Sagen und Dagegen-Sein nicht nur einfach, sondern leider auch weit verbreitet ist, tut dieser Schulterschluss für eine gute, gemeinsame Sache für Kiel gut. Knud Hansen: Dass wir für unsere "JO!-Kampagne" bereits mehr als 90 Sponsoren aus den verschiedensten Branchen gewinnen konnten, zeigt, dass unsere Unternehmen den Wert der internationalen Sichtbarkeit erkannt haben. Olympia ist für uns kein Abenteuer, sondern ein strategisches Investment: Es ersetzt 50 Jahre Standortmarketing durch eine globale Bühne, die uns weltweit als weltoffenen, maritimen Wirtschaftsstandort positioniert. Gemeinsam mit dem Sport wollen wir nicht weniger, als Kiel für die nächste Generation zukunftsfest machen. Wir wollen beweisen, dass eine Stadt am Meer durch Mut, Weitblick und Gemeinschaft große Ziele erreichen kann. Setzen wir gemeinsam die Segel - für ein Kiel, das über 2036 hinaus strahlt!

So funktioniert der Bürgerentscheid

Die Abstimmung findet am 19. April 2026 von 8 bis 18 Uhr in den regulären Wahllokalen in Kiel statt. Wahlbenachrichtigung mit der Adresse des zuständigen Wahllokals sind bereits versandt worden. Stimmberechtigt sind alle Kielerinnen und Kieler ab 16 Jahren. Ab sofort kann man bereits in einem der Direktwahlbüros bei Vorlage des Personalausweises abstimmen oder die Briefwahl nutzen. Man kann mit 'JA' oder 'NEIN' zur Olympia-Bewerbung Kiels stimmen. Eine Enthaltung ist nicht möglich. Die Auszählung der Stimmen beginnt direkt nach Schließung der Wahllokale, www.kiel.de/wahlen werden alle ausgezählten Stimmen bis zum vorläufigen Endergebnis veröffentlicht. Der Abstimmungsausschuss stellt dann am 23. April um 13 Uhr öffentlich das amtliche Endergebnis fest. Fotos: Sascha Klahn